Skip to main content

Full text of "Inschriften(römische, griechische, mittelalterliche(auch Runen-)inschriften) des Mainzer Museums ..."

See other formats


This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that 's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non-commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't off er guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's Information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books while helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at |http : //books . google . com/ 




über dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nutzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 

Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google -Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 



Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http : //books . google . com durchsuchen. 



<) 




,'.<c. *J"<L^ 



.^?5d^ '5'^ 



H. GLEIST 



|^>S: HARVARD COLLEGE LI BRARY3!fc^ 



Inschriften 



(römische, griechische, mittelalterliche (auch Runen-)Inschriften) 

des 

Mainzer Museums. 



Dritter Nachtrag zum Becker^schen Katalog. 



Zusammengestellt 



Prof. Dr. K. Körber. 



Mit 235 Abbildungen, zumeist nach Facsimile-Zeichnungen von 
Heinrich Wallau. 



y^ 




MAINZ 

Verlag des Altertumsvereins 
1900. 



— 6 — 

1 [JfoviJ ofptimo) m(aximo) ceterisque dU dejabufsque omnlbun] 
[pro] Salute aftquej 
[incolnmitatje et victofriisj 

[d(ominiJ nfostri) impferatoris) GJordiani pli [felfir.isj Aug(uftti)] 
5 fatque SJabiniae TranqufillinaeJ 
[totiusque] d(omu8) dfivinaej eorum 
[. , . , Ju8f L(uci) ffüiusjf Fabfia tribuj^ Annian[us]^ 
[Xvir stlijtibus iudicandifsy tribfunusj milfitumJJ 

[legfionumj XXX IJlpiiae) et /] Min(erviae) Gordianarum, in [quo...] 
10 /".... vijcfesj leg(ati) sustinuit^ qfuaestorj pr(o) pr(aetore) . . , .] 

/". . . 7 ^**''* foder itam fj cfurator fj cfenaibna ?J civit(atium) admfini- 

strandiaj limptisj 
[OermJanfiaeJ Haliqfuensiumy et Chalitanofrum? . . .] 
/". . sjevir tumi(ae) I eq(uitum) fromfanorumj] ad[, . .] 
[. . Jnt(. . .J, praeffectus) fr(umenti) danfdfi) pljebfij ro[m(ahae) 
eurCatorJ] 
15 [Veie1]nt(%um) et missua advferausj kfostesj p(ublico8j in refgfionemj 
Tra-J 
[nspjadfanamj tirfonibus) legendfiaj et armfisj fabrficandisj in[ur(bej] 
[Mejdiolfaniojf turidficua) per Calabriam 
[Luc] an (tarn) et Bruttios, legfatusj legfionisj XXI[I] 
[pri^migfeniaej pfiaej ffidelisj Gordianae vo- 
20 tum sohlt Kalfendis) JullfisJ] 

[Atti]co et Fraetextato cofnjsfulibusj . 

Jüppiter, dem Besten und Höchsten, und allen übrigen Göttern und 
Göttinnen (hat) für das Heil, das Wohlergehen und die Siege unsres Herrn 
des Imperators Gordianus Pius Augastus, der Sabinia Tranquillina und 

ihres ganzen erlauchten Hauses us Annianus, des Lucius Sohn, von 

dem fabischen Burgerverbande, Mitglied des Zehnmännergerichtes, Kriegs- 
tribun in den zwei Gordianischen Legionen, der dreissigsten Ulpischen und 
der ersten Minervischen, in welchem Amte er Stellvertreter des Legaten 

war , propraetorischer Quaestor , Schatzungsbeamter für die an der 

germanischen Grenze gelegenen Gemeinden der Haliquenser und Chalitaner, 
. . . , Vorsteher eines der sechs Geschwader der römischen Ritterschaft, . . . , 
ausserordentlicher Kommissär für die Verteilung von Getreide an das 
römische Volk, Curator (kaiserlicher Verwaltungsbeamter) der Veienter, 
gegen die Vaterlandsfeinde in die Landschaft jenseits des Po geschickt, um 
Rekruten auszuheben und in Mailand Waffen herstellen zu lassen. Rechts- 
pfleger in Calabrien, Lucanien und Bruttium, Befehlshaber der zweiund- 
zwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflichttreuen und zuverlässigen, 
der Gordianischen, — sein Gelübde erfüllt am 1. Juli unter dem Consulate 
des Atticus und Praetextatus (i. J. 242 n. Chr.). 

Dieses Denkmal mit der — nach v. Domaszewski — wichtigsten 
Inschrift der Rheinlande, die aber andrerseits, wie Mommsen einmal be- 
merkte, zu den schwierigsten Problemen der lateinischen Epigraphik gehört 
und manche Rätse] aufgibt, die wohl für immer ungelöst bleiben werden, 
wurde in mehrere Stücke, einen Hauptblock und einige grössere und 



kleinere Teile, zerbrochen aufgefunden. Namentlich die ersten Zeilen sind 
am Anfang und Ende schwer beschädigt. Das eine Eckstück des Krönungs- 
gesimses, eine Volute in Rosettenform, passt nicht an das übrige, verloren 
gegangen ist später ein kleines Stückchen am Ende von Zeile 20. Die Seiten- 
flächen sind am unteren Teile des Steines noch teilweise erhalten und 
damit für die Länge der Zeilen ein Anhalt gegeben, der freilich die Er- 
gänzung der 10 ersten wenig zu fordern yerraag, zunial hier a. A. und 
a. E. manchmal ein freier Raum geblieben zu sein scheint. — Z. 1 war 
ursprünglich wohl die zweite : die erste wird nur die Widmung an Jupplter 
(I'O'M) enthalten haben. Im übrigen ist die Ergänzung der ersten Zeilen 
durch ähnliche ziemlich gesichert, nur lässt sich natürlich nicht mit Be- 
stimmtheit sagen, welche Titel und Namen des Kaisers Gordian III. 
(238—244) und seiner Gemahlin auf dem Steine gestanden haben. Z. 1 
a. A. rechter Fuss des A, a. E. linker Schenkel des V. — Z. 2 ist die 
Senkrechte des L noch in ihrem ganzen Lauf verfolgbar, völlig erhalten 
ist davon nur der Kopf. Ebenso ist von dem folgenden kleinen Y nur 
der Kopf des linken Schenkels noch vorhanden; T und E sind gebunden; 
a. E. ist von A der linke Schenkel und der Fuss des rechten erkennbar. — 
Z. 3 a. A. unten eine Wagrechte, dann von dem E die Senkrechte mit 
oben anschliessender Wagrechten ; auf T folgt der linke Schenkel von V 
und eine deutliche Senkrechte, auf C die Wagrechte und der Fuss eines T. 
— Das Mas3 der Erhaltung der nächsten Zeilen ist aus der trefflichen 
Nachbildung hinreichend deutlich erkennbar; zu bemerken ist höchstens, 
dass Z. 6 fast die Hälfte der Zeile leer war. — Von dem Namen des 
Stifters ist leider nur das Cognomen Annianus „erhalten; der Mann ist 
sonst unbekannt. — Interessant ist die Folge der Ämter, die er bekleidet 
hat. Wie die meisten vornehmen Römer begann er mit dem aus vier 
verschiedenen Kollegien bestehenden Vigintivirat. Dann wurde man ge- 
wöhnlich Militärtribun; Annianus war es, wie der Plural Oordianarum 
beweist, in zwei Legionen, von denen jedoch nur der Name der einen 
durch ihren Beinamen gesichert ist, es ist die leg. I Minervia ; die andere 
wird die leg. XXX Uljna gewesen sein, welche damals ebenfalls in Unter- 
germanien stand. Z. 9 a. E. scheint ein N gestanden zu haben, Z. 10 a. A. 
ein C; die Ergänzung in[quo honore vi]c, leg. sustinuit hat das Bedenkliche, 
dass sonst zur Bezeichnung der Stellvertretung vlces agere üblich ist. 
Vielleicht ist das Objekt zu sitstiunit [proelia^ pericula u. ä.) ausgefallen 
und zu lesen vic{ibii8) leg{ati) (so Gundermann). — Nachher war 
Annianus quaestor pro praetore: Z. 10 a. E. ist ein Buchstabenrest 
erhalten, der sehr wohl einem P angehört haben kann, nur die Gestalt des 
Bruches verleitet leicht zur Annahme eines S. In welcher Provinz er aber 
gestanden hat, ist unsicher, ebenso ob deren Namen überhaupt beigesetzt 
war, denn auf das Z. 11 a. A. stehende, bisher unerklärte . . tiam (oder 
. . . itam) endigt keine senatorische Provinz, und nur in einer solchen 
gab es Qnaestoren. Daran aber, schon das erste PR* als Ab- 
kürzung von praetor aufzufassen, hindert der Umstand, dass bisher kein 
sicheres Beispiel der Verwaltung des Sevirats nach der Praetur vorliegt. — 
Für die Zeilen 11 und 12 ist eine einwandfreie Deutung noch nicht ge- 
funden. Die oben gegebene stützt sich auf eine am Feldberg gefundene 
Inschrift, in welcher eine exploratio Halicfensis^) am germanischen Limes 
erwähnt wird; zweifelhaft bleibt dabei ifreilich die Lesung des zweiten 
Volksnamens, wenn überhaupt zwei genannt waren ; denn der Stein ist an 
dieser Stelle so schwer beschädigt, dass die drei auf HALIQ folgenden 
Buchstaben nicht mit Sicherheit festgestellt werden können. Weiteres 
Bedenken erregt der Ausdruck curator censibus adminUtrandis für das 
einfache eensitor. Auf jeden Fall stehen die eivitates unseres Steins nicht 
auf einer Linie mit den römisch geordneten eivitates der Mattiaker (um 
Wiesbaden) und der Taunenser (um Heddernheim), sondern sind als dem 
römischen Regiment unterstehende, aber nicht nach dem römischen 
Munidpalsjstem geordnete Barbaren-Distrikte aufzufassen. — Eine kleine 



— 8 — 

Lücke zw. Z. 12 und 13 ist vorläufig nicht auszufüllen. — Das nächste 
Amt, das Annianus bekleidete, ist das Sevirat in einer der sechs turmae 
der römischen Ritter; Z. 13 a. A. steht sicher ein E, ob davor noch ein 
Rest des S vorhanden, ist ungewiss; in der Mitte folgen auf das überhöhte 
I Buchstabenspuren, die auf EQ' hinführen, hinter dem ROM' ausgefallen 
ist. — Was in der mit AD (Z. 13) beginnenden und mit gebundenem NT 
aufhörenden Lücke gestanden, ob hier wirklich, wie vermutet wird, die 
Praetur genannt war, ist zweifelhaft. — Dann übernahm Annianus als 
ausserordentliches Amt die Aufsicht über die Getreide- Austeilung an die 
römische Plebs: die Ergänzung der Lücke an dieser Stelle scheint sicher, 
obschon der Zusatz plebi Bomanae sonst nur in griechischen, nicht in 
lateinischen, Inschriften vorkommt. Auch in der Lücke zw. Z. 14 und 15 
kann kaum ein anderes Amt erwähnt gewesen sein, als eine cura 
dvitatium; die oben genannte ist natürlich nur beispielsweise zu nehmen. 
— Während er diese cura verwaltete, erhielt er vom Senat den Auftrag 
(vergl. vita Maximi X. 1) gegen den damals aus Pannonien heranrückenden 
Maximinus — dieser war mit seinem Sohne Maximus zum hostis pulUcua 
erklärt worden — den Widerstand zu organisieren : er sollte in Oberitalien 
Truppen ausheben und zu deren Ausrüstung in Mailand Waffen herstellen 
lassen. — Z. 15 ist bemerkenswert die Doppelsetzung von H und P zur 
Bezeichnung des Pluralis (vergl. Becker, Mainzer Inschriften Nr. 134: 
B B • F P • = beneßciarii). Darauf folgt eine überhöhte Senkrechte, an 
welche der schräge Strich des N sich anlehnt, also war hier I und N ge- 
bunden. Die nächsten Reste können nur zu einem R gehört haben, auf 
das (als einzig möglicher Vokal) ein E gefolgt ist. — Der übrige Teil der 
Inschrift bietet keine erheblichen Schwierigkeiten. Annianus versah noch 
das Amt eines kaiserlichen Rechtspflegers in einem, auch aus einer anderen 
Inschrift bekannten, unteritalischen Sprengel und war zuletzt, als er den 
Altar stiftete, Befehlshaber der zweiundzwanzigsten Legion, deren Anwesen- 
heit in Mainz dadurch für das Jahr 242 festgestellt ist: später wird sie 
auf einer datierten Inschrift nicht mehr erwähnt. Als Keller den Stein 
zuerst abschrieb, war Z. 20 a. E. noch ein L, welches jetzt verloren ist, 
vorhanden. Somit ist der erste Juli als Stiftuogstag gesichert. — Nach 
der Mitte der letzten Zeile ist von den Buchstaben T und X nur noch 
die Hälfte erhalten, zwischen den darauf folgenden Resten zweier Senk- 
rechten, wird der rechte Fuss eines dazwischen geschriebenen kleinen A 
sichtbar. 

Vergl. Keller, Nachtr. II, 23b; Ihm, Bonner Jahrb. LXXXIV (1887), 
S. 88; V. Domaszewski, Korrbl. d. W. Z. XI. Sp. 230 und Rhein. Mus. 1893, 
S. 343 f. A. 2; Momrasen, Limesbl. 1. Sp. 13. 



2. Votivaltar, gewidmet den Kaisern, dem Juppiter, der 
Fortuna, der Vesta, . . . , den Laren und Penaten, gefunden am 
1. April 1892 beim Neubau des Hauses Schillerstrasse Nr. 24. 
Geschenk der Herren Architekt F. Suder und Rentner J. Klein. 
Grauer Sandstein. H. 62, Br. 35, T. 25 cm. Oben auf dem 
Altar ist eine flache Schale eingehauen. Vorder- und Rückseite 
trugen ursprünglich dieselbe Inschrift, doch ist dieselbe zum 
grossen Teil offenbar absichtlich weggemeiselt. 



— 9 — 








■mv 



r^/^'r-' 



c 







1:7,B. 

Numinibfus) AugfusiorumJ^ JfoviJ \ofpfimoJ m(aximo) , Fortulnael^ 
V\est]aei . . . , LaribuSy Penatibus, Lfucius) Sallustius Sedatus hospes vfotumj 
sfolvit) Ifibens) mferiioj. 

Der Gottheit der Kaiser, Juppiter, dem Besten und Höchsten, der 
Fortunae, der Vesta, . . . , den Laren und Penaten hat der Gastwirt 
Lucius Sallustius Sedatus sein Gelübde gern und nach Gebühr erfüllt. 

Von der Vorderseite sind nur die zwei ersten Zeilen einigermassen 
gut erhalten; Z. 3 a. A. muss zuerst ein N gestanden haben, dann waren 
vielleicht A und E gebunden. Dann folgen auf V einige undeutliche Buch- 
stabenreste, worauf ein A und die Hälfte eines E im Umriss erkennbar 
wird. Am Ende stand ein D; wie die Lücke hier zu ergänzen ist, bleibt 
ungewiss ; vermutet wird c?[w meijs oder auch d[eabu]H oder d[mnn]n. Von nun 
an ergänzen sich Vorder- und Bückseite gegenseitig, so dass über die Lesung 
kein Zweifel mehr entstehen kann. Hospes (Z. 6 u. 7) ist hier wohl der 
Quartierwirt fiir Soldaten (vergl. Tac. bist. II, 66. III, 2. 44), daher steht 
keine weitere Bestimmung dabei. Inhaltlich passt für dieses Gewerbe, 
dass Fortuna, Vesta, Laren und Penaten angerufen werden. Diesen Kreis 
von Gottheiten gibt ein Bild bei Baumeister, Denkm. S. 811, das auch 
zum „Wirtshause" passt. — Auffallend ist die Ausmeiselung beider 
Exemplare der Aufschrift, die sich vielleicht durch die Annahme erklärt, 
dass der Altar in einem öffentlichen Gebäude stand ; dafür, dass die Rasur 
christlichen Ursprungs ist, könnte das Kreuz sprechen, welches auf der 
Vorderfläche Z. 6 a. E. eingehauen ist. 

Die Verzierung über dem Sims des Altars ist, wie man trotz der 
argen Zerstörung erkennt, so ähnlich derjenigen anderer Altäre unseres 
Museums, dass man die Herkunft aus einer Werkstätte annehmen muss. 
Mehrere derselben (Nr. 12, 33, 38, 73 des Becker'schen Katalogs und Nr. 7 



10 



dieses Nachtrags) sind datiert: sie stammen alle aus den Jahren 198—211. 
Diesen Jahren wird also auch unser Stein ungefähr angehören und unter 
den Z. 1 genannten Augusti (die Mehrzahl ist durch numinibus gesichert) 
wird man also an Septimius Severus und seine Söhne denken müssen. 

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 292 und Korrbl. d. W. Z. 
XVI, Sp. 112. 



3. Weihinschrift an den Juppiter und die Juno, gefunden im 
Dezember 1889 bei Kanalisierung des Dampfmühlengässcbens 
(an der Augustinerstrasse). Sandstein. H. 30, Durchm. 26 cm. 

Oben ist der Stein abgebrochen, 
unten mit einem Zapfenloch ver- 
sehen. 

JfoviJ ofpt'moj m(aximo) et Jun(oni) 
reg(inae) . 

Juppiter, dem Besten und Höchsten, 
und der Königin Juno. 

Der runde Aufsatz stand wahrschein- 
lich auf einem Viergötter-Postamente 
und trug eine sogen. Gigantensäule. 

Vergl. Hang, Westd. Zeitschr. X, 
S. 60, A. 8. 
1:7,5. 




4. BruchstUcl( von einer Weihinschrift an (Juppiter und ?) Juno, 

gefunden im April 1888 in einem Pfeiler der römischen ßhein- 

brücke. Sandstein. H. 33, Br. 40, Durchm. 20 cm. 

. — . \J(ovi) o(ptimo) mfaximoj et Juti]oni reg[inae 

'""^^"^ *~~^I;^^^ i/i honorem dom^us divin[ae\ . . . 

.>-/ M I K L v^ Juppiter, dem Besten und Grössten, und der 

a/ S I ^ I V I -P Königin Juno zur Ehre des erlauchten (Kaiser-) 



Hauses . 



Z. 1 a. E. Bogen eines C oder G. — Die Formel 
IM honorem domus divinae ist von dem Jahre 170 an üblich (zuerst auf dem 
frühesten Viergötter Sockel nachweisbar, der in Kastei gefunden und im 
Wiesbadener Museum aufbewahrt ist (vergl. Zangeraeister, N. Heidelb. 
Jahrb. V, 60. — Z. 3 Reste zweier Senkrechten und eines N. — Dass die 
Platte auch dem Juppiter geweiht war, ist nur Vermutung. 
Vergl. Keller, Nachtrag I, 132 a. 



11 — 



5. Oberteil eines Votivaltars, den Ollogabien geweiht, gefunden 

am 17. Juli 1896 bei der Kanali- 
sierung der grossen Kirchgasse 
in Kastei. Geschenk der dortigen 
Bürgerraeisterei. Gelbl. Kalk- 
stein. H. 42, Br. 40, D. 32 cm. 
Der Sims ist mit einem Perlstab, 
von den beiden Seitenflächen die 
eine mit zwei Schöpflöffeln (sim- 
pula), welche auf einem anderen 
Gegenstand zu stehen scheinen, 
die andere mit einer Kanne in 
flachem Kelief verziert. 

OUogabiabus Änuva Messo . . . 
Den Ollogabien (hat) Anuva, Messos 




QqQ^^ I^(? Tochter oder Frau diesen Altar 



gestiftet.) 

Die Ollogahiae gehörte zweifellos zu 
den gallischen „Matronen". Diese 
werden in der Dreizahl als segen- 
bringende Göttinnen — ausser in 
keltischen Landen, wie es scheint, be- 
sonders am Niederrhein — verehrt. 
Bei ihren Namen ist die Dativ- 
Endung abu8 sehr gebräuchlich, viel- 
leicht in Anlehnung an das Keltische. 
(Über die Matronen vergl. Ihm, Bonner 
Jahrb., Heft 83.) 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 
Sp. 200. 



6. Bruchstück von einer den Ollogabien geweihten Votivplatte. 



.f^nr^, 



:tar] 



Wie die teilweise erhaltene Umrahmung zeigt, 
ist es die linke obere Ecke. Alter Bestand. 
H. 29, Br. 26, D. 7 cm. 

Ollog\ahiahus\ C , Mam . . .et Arr , . . [quon]dam . . . 
Z. 5 Beste eines M, 

Über die Ollogahiae s. Z. Nr. 5. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 201. 



1:10 

7. Votivaltar, den Aufanien geweiht, gefunden am 18. April 
1895 beim Neubau des Hauses Petersstr. Nr. 8. Sandstein. 
H. 75, Br. 44, D. 24 cm. Die Verzierung der Opferplatte 
kommt mit geringer Abänderung an einer ganzen Beihe von 
Altären unseres Museums vor (vergl. z. Nr. 2). 



(l'U^s G^Sz.'^f'S 




— 13 



der drei ersten Buchstaben des Wortes deabus (?). Z. 3 a. A. obere Hälfte 
eines C. Z. 5 a E. war vielleicht VS in kleinen Buchstaben übereinander- 
stehend dem N eingeschrieben. Z. 7 sind die zwei letzten Buchstaben sehr 
undeutlich. — Die Suleviae gehören ebenfalls zu den gallischen Matronen 
(s. z. Nr. 5) oder stehen ihnen wenigstens nahe (vergl. Zangemeister, N. 
Heidelb. Jahrb. V, 52, A. 3); sie kommen in Deutschland sehr selten vor. 
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 5. 

9. Votivaltar, dem Mithras geweiht, gefunden im September 
1893 bei Vertiefung eines Weinkellers in der Altenauergasse. 
Roter Sandstein. H. 36, Br. 22, D. 21 cm. In den Ver- 
tiefungen Spuren roter Bemalung. 

D(eo) {{nvictoj M(ithrae). Q(uintusJ VfaleriusfJ 
Jfustinusy vovit [s]olvit Ifibens) IfaetusJ. 

( . f^ J [ Dem unbesiegbaren Sonnengotte hat Quintus 

|^*\ "^^V^'fvüi Valerius (?) Justinus (?) (diesen Altar) gelobt und 
(sein Gelübde) gern und freudig erfüllt. 

Eine Erklärung der rätselhaften Zeilen 2 — 4 ist 
nur möglich unter der Annahme, dass der Steinmetz 
mehrfache Fehler begangen hat, die dann durch 
die Bemalung verdeckt und verbessert wurden. So 
steht Z. 2 a. A. zweifellos für Q und Z. 4 a. A. 
fehlt wahrscheinlich ein S, während nachher LV 
viell. infolge missverstandener kursiver Vorlage zu 
IN geworden ist. Dafür, dass neben dem Prae- 
nomen auch Gentile und Cognomen bloss mit den 
Anfangsbuchstaben bezeichnet sind, findet sich in 
dem Mainzer Museum bereits ein Beispiel (vergl. 
Keller, Nachtr. 1. 4a). Nicht unmöglich wäre übrigens, 
dass der Stifter gar nicht genannt wäre, weil der 
Altar in seinem eignen Hause stand ; dann würde qul vovit, sohlt zu lesen sein. 
Vergl. Zangemeister, Korrbl. d. W. Z. XII, Sp. 226. 

10. Weihinschrift, der Fortuna Salutaris gewidmet, gefunden 
am 22. September 1896 beim Neubau des Hauses Schuster- 
strasse Nr. 46. Rotbrauner Sandstein. H. 16, Br. 28 (wovon 
jedoch rechts etwa 11 cm von der Schriftfläche abgesplittert 
sind), D. 28 cm. Unten und an beiden Seiten zeigen die glatt 
behauenen Flächen die ursprüngliche Grösse des Altars, oben könnte 
dagegen eine Zeile der Inschrift oder eine Skulptur abgeschlagen sein. 

Deae Fo[rlun^ae 




pVIT 



1:7,5 



tivS'Lvc: 

/l'MB'P-F-LV 
iriA-MAXIMI] 



^ 



J 



1:4 



8alut[ari Aei\lius 

Luci[aniL8\ 

trib(unu8) p(ro) 

f(ilio) Ifibens) 

vfovitjf P[rivaf] 

tiaMaximina \uxor 

pfosuitj]. 

Der Göttin For- 
tuna salutaris bat 
der (Kriegs-)Tri- 
bun Aelius (?) 
Lucianus für 



— 14 — 



5 



itvn; 

IS ' L'M| 



ItlO. 



seinen Sohn gern dieses Bild (?) gelobt; seine Gemahlin (?) Privatia (?) 
Maxiraina hat es herstellen lassen. 

Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung Zangemeisters. Z. 1 
sind von dem F nur noch schwache Spuren vorhanden. — tribunus allein 
für tribunus militum kommt öfter vor. — Privatia schlägt Z. nur bei- 
spielsweise vor, besser wäre ein etwas längerer Name. — Z. 5 a. E. 
führen bei oberflächlicher Betrachtung die Spuren auf ein V, bei genauerem 
Zusehen aber erscheint A zum mindesten ebenfalls möglich. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 35. 

11. Weihinschrift mit Statuette der Fortuna, gefunden im 
September 1888 bei Kanalisierung der Schusterstrasse. Über 
der Inschrift eine sitzende Frauen-Figur in Stola nnd Palla; 

Kopf und Hände mit den Attributen fehlen. 

Bild und Inschrift ist links zu einer glatten 
A --S— vr; * -^^ Kundung behauen, rechts nach hinten zu 
RTVN/V abgeschrägt. Höhe der Figur 35 cm; H. 
CCIDJVS Br. und D. des Inschriftteiles: 37, 19 und 
^ -^ -^ 24 cm. 

D{eae) [Fo\rtunae [Pl'^^acidius [C^urio [?j(o- 
tum)\ 8{olv%t) (libens) m{erito) [i]n suo. 

Der Göttin Fortana hat Placidius (?) Curio (?) 
sein Gelübde erfüllt gern nnd freudig nach Gebühr, 
auf seinem Eigentum. 

Z. 3 a. A. Fuss eines A. 

12. Votivaltärchen, den Nymphen geweiht, gefunden im Herbste 
1894 beim Bau des Hauses Bingerstrasse Nr. 17. Feiner gelblicher 
Kalkstein (von den Italienern Palombino genannt, derselbe Stein, 
aus dem die tabula Hiacau. ä. gearbeitet ist), in den Bheingegenden 

bei Maastricht brechend. H. 29, 
Br. 18, D. 15 cm. Oben ist eine 
flache Schale eingehauen, an der 
noch deutliche Brandspuren sicht- 
bar sind. Die Blume unter der 
Inschrift soll wohl eine Wasserlilie 
darstellen, die für Nymphensteine 
typisch ist. In den Vertiefungen 
der Buchstaben Spuren roter Farbe. 

Q{uintu8) Atüius Nympis (= Nymphis) 
v[otum) s{plvit). 

Quintus Atilius hat den Nymphen 
(des nahe gelegenen Münsterweihers? 
durch Errichtung dieses Altares) sein Ge- 
lübde erfüllt. 

Daraus, dass der Stifter des Cog- 
nomens noch entbehrt, ist zu schliessen, 
dass die Inschrift aus der Zeit vor Kaiser 
Claudius (41 — 54) stammt. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, 
Sp. 81. 
1:4 



-''^iu-^ 




15 



13. Weihinschrift an die Julia Domna, Gemahlin des Kaisers 
Septimius Severus, als Caelestis dea; gefunden im Jahre 1887 
beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Gelbl. 
Sandstein. H. 87, Br. 82, D. 23 cm. Der das Inschriftfeld 
noch auf zwei Seiten einfassende Kahmen ist mit Weinranken, 
Trauben und Vögeln verziert. In den Vertiefungen sind rote 
Farbspuren erhalten, die manchmal von einem weissen Überzug 
bedeckt sind, der auch sonst auf dem Steine sichtbar ist. 




:aelesti deae- 
is-caesaflis- 

NI PII-FELI Cl S ^ 
I CI-M AX f MJ • 
'iMl-GEIVMAN ICI 

Ie-senatVs-pa-ri| 

fJ^M-INHONOR.EMf!' 
^TONINIANAE'R- 
I RI NAAN 



1:8. 

[Juliae Avgu8tat\ Caeleati deae^ [matri imperato]ri8 Caesaris 
[M(arci) Anreli Anton^ini pii felicis [Auyuati Farth]ici maximi 
[Briiannici maxi]miy Oermanici [maximi et ffj matr]e sfnatua patri- 
[atiltni (IJ ea8tror]um. in honorem [l^gionis XXII A^ntoninianae pr(imigeniae) 

[p(iae) f(idells) ] U9 Quirina (trihu) An [ An ^niana 

Der himmlischen Göttin Julia Augusta, der Matter des Imperators 
Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustas, des Frommen und Glücklichen, 
de» grossen Parther-, Britannen- und Germanen-Besiegers, ihr, der Mutter 



— 16 — 

des Senats und des Vaterlandes sowie des Lagers, hat zur Ehre der zwei- 
undzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflichttreuen und zuverlässigen 

fis An ... , von dem quirinischen Burgerverbande (und seine 

Gemahlin ?).... ana (diese Tafel gewidmet ?). 

Die linke Hälfte des Denkmals fehlt, ebenso der Schluss. — Z. 6 
a. A. ist infolge eines Versehens, zu dem das Vorhandensein der Vulgär 
form maire für matri beigetragen haben kann, £ statt I eingehauen. Das 
Versehen blieb entweder bestehen, oder es wurde nachträglich, nach Be- 
malung des Buchstabens mit Bot, durch Einstreichen von Stuck in die 
drei Querstriche verbessert. — Z. 6 ist ein Apex über dem V; vereinzelt 
kommt dieses Zeichen noch bis Gallienus vor. 

Das Denkmal ist der Julia Domna geweiht, welche hier als die 
afrikanische Juno Caelestis (die phönikische Astarte) verehrt wird. Der 
Titel mater casirorum bezeichnet die Aufstellung des Genius der Kaiserin 
im Fahnenheiligtum , wie der Titel mcUer senatus et patriae die gleiche 
Verehrung im Senat und allen Stätten des Eaiserkultes. Ebenso unrömisch 
wie die damit angedeutete Mitherrschaft der Frau ist auch der Titel mater 
Äugusti, d. h. Mutter des Sultans. Da diese Titel erst seit der Zeit der 
Syrerin Julia Domna {Domna nach Nöldeke eine Übersetzung des im N. T. 
zuerst vorkommenden syrischen Namens Martha = Herrin) auftreten, so ist 
sie es ohne Zweifel, welche diese orientalischen Herrschaftsbegriffe in die 
dynastische Politik einführte, und unser Stein ist ein hochinteressantes 
Denkmal dieser Ent Wickelung. 

Die Inschrift stand, wie ihr Inhalt beweist, ebenfalls in dem Fahnen- 
heiligtum des Praetoriums. Da der Sohn der Kaiserin M. Aurelius 
Antoninus (= Caracalla), unter dessen Regierung sie geweiht wurde, bereits 
den Titel Oermanicus führt, den er im Jahre 213 annahm, so ist sie zwischen 
213 und 217, seinem Todesjahre, entstanden. Von dem Namen des 
Weihenden ist leider Z. 9 bloss die Endung des Gentiles (. . . us) und der 
Anfang des Cognomens {An . . .) erhalten. 

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. IX, 296 und v. Domaszewski, 
Westd. Zeitschr. XIV, 62 und 72. 



14. Weihinschrift an den Kaiser M. Aurelius Antoninius (d. h. 
Caracalla) als Ammon; gefunden im Februar 1887 beim Abbruch 
der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Grünlicher Sandstein. 
H. 136, Br. 45, D. 20 cm. In den Vertiefungen Spuren roter 
Farbe; über dieser sind, wie aucli an anderen Stellen des 
Steines, vielfach Reste eines weissen Überzugs erhalten. 



17 — 



J. 



1N\ 





15 



IMP-CAE^ 

JJ0-A(VJT[' 

PIOFELI\ 

TO PARTI 
BRITANNs' 
FlCfMAXf 
COSlIllP) 

QiVNJX5 



i 



D(to) i'nv%\cto /SWi] impferatori) 
Gae[s(ari) M(arco) Aurejlio Anto[nino 
pio felU[i Augu8]tOy Parth[ico max~ 
(imo)\ Britanni[co^ ponti]fici max- 
fimojf [iribfuniciaj p(otestate) . , .] , 
co(n)8{uli) IUI [pfatrij p(atriae)y 
procofnjsfulij] Q(uintus) Junius [. . , 
ffüiusjf ....,] Quintia[nus, legfatusj] 
eiu8 pr{o) [pr(aetore) Germdjmae su- 
[perioria^ deroti[ssimu8] numin\i elus 
di[cati88[imn8que]. 

Dem unbesiegbaren Sonnengotte, 
dem Imperator Caesar Marcus 
Aurelius Antoninus Augustus, dem 
Frommen und Glücklichen, dem 
grossen Parther- und Britannen- 
besieger, dem Oberpriester, dem Vater 
des Vaterlandes und Proconsuln hat 
im (sechzehnten ?) Jahre seiner 
Tribunengewalt, in seinem vierten 
Consulate Quintus Junius Quintianus, 
des Sohn, von dem Bürger- 
verbande, sein Statthalter von Ober- 
germanien, seiner Gottheit unter- 
thänig und ergeben (diesen Altar 
errichten lassen). 

Der Stein besteht aus zwei über- 
einander gehörigen Stücken, durch 
deren einstige Trennung Z. 10 arg 
beschädigt wurde. Die rechte Hälfte 
fehlt ganz; in der Bruchkante sind 
die Buchstaben mehrfach (Z. 2 — 5, 
9, 10, 13, 15) nur noch zum Teil 
erhalten ; unten ist noch leerer Raum 

für eine Zeile. — Z. 1 a. A. ist 

1 : 10. von dem durch den Sinn geforderten 

D nur die Senkrechte vorhanden und 
mehr scheint auch niemals eingehauen gewesen zu sein: der Bogen wurde 
also durch Bemalung ergänzt. — Der Sonnengott, dem der Stein geweiht 
war, ist zunächst Ammon, der im karthagischen Gebiete als Hauptgott 
verehrt wurde. An Mithras darf darum nicht gedacht werden, weil er ein 
Gott der Perser d. h. eines Volkes war, das nicht zum römischen Reiche 
gehörte ; darum ist derselbe nie ein Heeresgott geworden. Unter jenem 
Ammon ist aber dann der Kaiser Caracalla selbst gemeint (vergl. z. Nr. 18). 
Gondermann vermutet übrigens, dass jenes I gar nicht als D zu lesen, 
lind Juppiter Dolichenus zu verstehen sei, der ebenfalls invlctus genannt 
werde (z. B. Wilm. Nr. 92). — Z. 13 befindet sich über dem ein 
regelmässig eingehauener Strich, der wohl nichts anderes als ein 
Apex sein kann (vergl. Nr. 13, Z. 6). — Das Jahr der Inschrift lässt sich 
wegen des Fehlens der Ziffer der trlb, pot, nicht sicher bestimmen, denn 
das vierte Ccnsulat des Caracalla, das in das Jahr 213 fällt, wird in der 
TitaUtar bis zu seinem Tode (217) fortgeführt. Da aber der Kaiser 

2 



eivs-?r( 

NIAE-S' 
DEVOT 

CAUSf 



i 



— 18 



^js-^ 



gerade im Jahre 213 am rätischen Limes und auch gegen die Chatten 
kämpfte und den Titel Germanicus annahm, so kann man nicht ohne 
Wahrscheinlichkeit das Jahr 213 als das Entstehungsjahr der Inschrift 
ansehen. 

Vergl. Keller, Nachtrag II, 66a und 97a; Zangemeister, Westd. 
Zeitschr. XI, 315; v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV 62, ^^ und 73. 

15. Weihinschrift an die Pietas der zweiundzwanzigsten Legion 
und den Honos ihres Adlers, gefunden im Jahre 1887 beim Ab- 
bruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Gelblicher 
Sandstein. H. 92, Br. 74, D. 15—23 cm. Der das Inschrift- 
feld einfassende Kahmen ist mit Guirlanden von Weinranken 
und Trauben verziert. In den Vertiefungen ist noch hier und 
da rote Farbe, häufiger die weisse Masse sichtbar, mit der der 
Stein zu irgendeiner Zeit bedeckt wurde. 



u(&riETATl-.LEG, 



^^ft-i_JJXl 



C) 



10 





tf 1'9VLIAN I 






n':i^^^^kW^^m 



L^i_nJQ-wCij 



1:7^ 



— 19 — 

PietcUi legiionis) XXII pr(imigeniae) [Älexandr({anae)] p{iae) 
/{idelis) et honori aquüae L(ucius) Domüiu[s Jul]i[anus Junior 
[tr{ibunus)] (?) L{uci) Domlti Juliani quondam p{rimi) p{ili) fil(iu8) d(^ono) 
d(edit) ob merita dedicante Maximo Attiano c^larissimo) v(iro), leg{ato) 
Aug{u8ti) [p^r(o) pr{aetore) G(ermamae) [8{upe7'ioris] ante dient) qiiintum 
Kal{endas) Äpril(e8) \d{omino)\ n{o8tro) Äle[x]andro [Aug(u8to) III et\ 
Dtone c[o(n)8(tLlibu8)]. 

Der Pflichttreue der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, 
Alexandrianischen, gewissenhaften und zuverlässigen und der Ehre ihres 
Adlers hat der Tribun Lucius Domitius Julianus der jüngere, Sohn des 
ehemaligen Primipilus (vornehmsten Centurionen der Legion) ihrer Ver- 
dienste wegen (diese Tafel) zum Geschenk gemacht. Geweiht wurde sie 
dureh den hochberöhmten Kaiserlichen Statthalter von Obergermanien 
Maximus Attianus am fünften Tag vor den Kaienden des April unter dem 
dritten Consulate unseres Herrn des Kaisers Alexander und (dem zweiten) 
des Dio (= 28. März 229 n. Chr.). 

Der Stein besteht in seinem jetzigen Zustand aus drei Teilen, der 
oberen rechten Ecke und den zwei grossen Stücken, die nur rechts am 
Rande zusammenpassen: dadurch ist die vierte und fünfte Zeile stark be- 
schädigt; auch sonst ist die Inschrift infolge von Verwitterung oder Ab- 
reibnng schwer lesbar. Z. 2 und 12 ist der Kaisername weggemei;selt, 
doch lässt er sich an letztgenannter Stelle unter der Rasur noch feststellen. 
DasB gerade in Mainz und Umgegend der Name des Alexander Severus 
durchgängig getilgt ist, spricht für diejenige Überlieferung, nach welcher 
der Kaiser bei Mainz von den Soldaten erschlagen wurde. 

Die Söhne der Primipili gelangen im dritten Jahrhundert immer 
zur müitia equestris und dienen später als trib. leg. in der Legion ihrer 
Väter. Der Grund für die Errichtung dieses Altares und desjenigen Nr. 18 
dieses Nachtr. ist der Primipilat des Vaters, der einmal den Legionsadler 
verteidigt hatte (v. Domaszewski). 

Das Denkmal stammt aus dem Fahnenheiligtum des Mainzer Prae- 
toriums; deshalb ist es auch von dem Statthalter in eigener Person 
geweiht worden. 

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 297 und v. Domaszewski, 
Westd. Zeitschr. XTV, 41, 62 und 110. 



16. Zwei Bruchstücke einer Weihinschrift an . . . und den 
Honos des Adlers der zweiundzwanzigsten Legion; gefunden im 
Februar 1887 beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eis- 
grubenweg. Graugelber Sandstein. Zwei übers Kreuz zu- 
sammengehörige Stücke. Ihre Masse sind: 1) oberer Teil: 
H. 75, Br. 35, D. 24 cm., 2) unterer Teil: H. 67, Br. 46, 
D. 22 cm. 



— 20 — 



' S 




VITQ 





|4IAN 

? 
PTERE 



Vc 



(' 




1:10 
[. . . et h]ono[ri aquUae l\eg{ionis) XXII [pr{lm{geniae) p{iae) /{idelis) 
Antoni]Hian[ae . . .) M{areug) Tillius M(arci)] /(iliita) Tert\tina (tribu) Bufua] 

Alinae [ p(rimus) p{üu») leg(ionis) t(upra) $(criptat) d[ono) 

d{edit) ex]trecenario) [dedicante . ., A]vito[leg(ato) Aug{u>li) pr{o) pr{aetore) 
0{ermaniae) ){uperiorU) . . .] d{pmino) n{oitro) im[p{eratore) Antonino\ Aug{tutd) 
[IUI et] BalHn[o II co(n}s{iUibus)]. 

. . . nnd der Ehre des Adlers der zweiundzwanzigsten Legion, der 
erstgeworbenen , pflichttreuen und zuverlässigen , Antoninianischen .... 
hat Marcus Tillius Rufus, des Marcus Sohn, von dem teretinischen Bürger- 

verbände, geboren zu Atina (Stadt in Latinm) Primipilus (vornehmster 

Centnrio), der genannten Legion, gewesener Trecenarins (wahrscheinlich 



— 21 



derjenige Centurio, der die 300 speculatores, die kaiserlichen Leibwächter, 
des Praetoriums befehligte) (diesen Altar) zum Geschenke gemacht. Geweiht 
wurde er von Avitus , dem Kaiserlichen Statthalter von Ober- 
Germanien . . . unter dem vierten Consulate unseres Herrn des Imperators 
Antoninns Augustus und dem zweiten des Balbinus. 

Das Denkmal ist durch die Ungunst der Verhältnisse arg mitge- 
nommen ; sowohl vom oberen, wie vom unteren Teil fehlt über die Hälfte, 
und zwischen beiden ist wohl eine ganze Zeile ausgefallen. Desgleichen 
ist das auf der rechten Seite verbliebene Stück von Z. 7 durch einen ver- 
suchten Einschnitt bis auf die Reste der beiden Buchstaben LA oder EA 
zerstört. — Z. 10 ist von dem ersten C nur noch die untere Rundung und 
von dem vierten Buchstaben die Senkrechte im Bruche schwach sichtbar. — 
Auch diese Inschrift stammt zweifellos aus dem Fahnenheiligtum des 
Mainzer Praetoriums, weshalb sie von dem Statthalter selbst geweiht 
ist. Dies geschah im Jahre 212 n. Chr. unter der Regierung des Caracalla 
(Antoninus Augustus). 

Vergl. Keller, 134 b u. 97 b, Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 315 
und V. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV, 41. 

17. Weihinschrift an die Numina castrorum und den Honos 

des Adlers der zweiundzwanzigsten Legion; gefunden im Mai 1886 




'fj-iyiv. 



i=Z_-J 



10 



bEDICAK 



1:10 



— 22 — 

beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Gelb- 
licher Sandstein. Zwei übers Kreuz zusammengehörige Stucke. 
Ihre Masse sind: 1) oberer Teil: H. 60, Br. 43, D. 23 cm. 
2) unterer Teil: H. 54, Br. 48, D. 29 cm. In den Vertiefungen 
Spuren roter Farbe ; der ganze Stein scheint später einen weissen 
(Gips-?) Ueberzug erhalten zu haben. 

[. . . . con8ervator]i et nu[minib(u8)] ca8tro[rum hon]or{q(ue) leg{ioni8) 

[XXII 2}r{imi- geniae) p{iae) /{idelis) Alexandrianae . , . .] s Dv 

pirimus) p{ilu8) legiiones) a^upra) [8{riptae) di^ono) d{edit) . . . ."] dedican\te 
Sex(to) Catio] Clemen[tino leg{ato) Aug^usti) pr(o) pr{aetore) G{ermavi<ie) 
8(uperiori8)] 

dem Beschützer und den Gottheiten des Lagers und dem ruhm- 
vollen Adler der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworhenen, pflicht- 
treuen und zuverlässigen, Alexandrianischen, hat s Du Primipilus 

(vornehmster Centurio) der oben genannten Legion (diesen Altar) zum 
Geschenke gemacht. Geweiht hat ihn Sextus Catius Clementinus, der 
Kaiserliche Statthalter von Ober-Germanien. 

Auch dieses Denkmal ist in ähnlicher Weise schwer beschädigt, wie 
das eben besprochene: von den vier Stücken, in die es zerschlagen wurde, 
sind nur zwei erhalten geblieben, und auch auf diesen ist die Inschrift 
am Anfang und Ende abgehauen oder unkenntlich gemacht; ferner ist 
liier ebenfalls zwischen dem oberen und unteren Stück eine Zeile verloren 
gegangen. — Z. 1 scheint a. A. ein V, a. E. ein N gestanden zu haben, 
neben dem V ist eine Senkrechte deutlich sichtbar. Es war hier ein Gott 
genannt, und zwar, da der Stein unter Alexander Severus geschrieben ist. 
wahrscheinlich ein orientalischer, der dann wohl, als der vom Kaiser er- 
wählte Schutzgott, den Beinamen conservator geführt haben wird (vergl. 
Keller, 11, 25b). — Die numina ca8trorum kommen sonst nicht vor; man 
wird darunter die genü der Truppen und die signa zu verstehen haben — 
Z. 5 ist der Name Alexanders ausgemeiselt (vergl. z. Nr. 15), doch ist ein N a, 
A. noch deutlich erkennbar. — Z. 8 stand a. A. ein P, a. E. ein S. — Dass 
auch dieser Stein aus dem Fahnenheiligtum des Praetoriums stammt, ergiebt 
sich schon daraus, dass der Statthalter ihn geweiht hat. — Dass das 
Denkmal unter Alexander Severus (222—235) gesetzt ist, ergiebt sich aus 
dem Beinamen der Legion, welcher seinerseits dadurch gesichert ist, dass 
der einweihende Statthalter offenbar derselbe Mann ist, der im Jahre 230 
Consul war. 

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 317 und v. Domaszewski, 
Westd. Zeitschr. XIV, 42 und 95. 



18. Zwei Bruchstücke einer Weihinschrift an den Adler der 
zweiundzwanzigsten Legion, gefunden am 10. und 26. September 
1896 in einem unter der Wallaufschüttung am Gauthor be- 
grabenen Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Kötlicher 
Sandstein. Zwei übers Kreuz zusammengehörige Stücke. Ihre 
Masse sind: 1) oberer Teil: H. 32, Br. 50, D. 17 cm, 2) unterer 
Teil: H. 34, Br. 68 cm, (wovon jedoch 28 an der Schriflfläche 
abgebrochen sind), D. 23 cm. Geschenk der Militärbehörde. 



tef» 



^VT 



R 



— 23 — 

[Honort] aquilae \legioni8 XXr\I 

pr(imigeniae) p(iae) /(idelia) 

. . . rus [quondam p{rim%) p{ü%)'\ 
fil{iu8) d(pno) \d{edit) oh merita] 
r> n r> T^ 10 leg{ioni8)ei[u8dem)dedic(ata)](ante 

'^l Tvi 'r ' J^ diem) V Kal{enda8) [. . . duobua 
*^"-»-^«-^*-_/L-0 ^ugg, (= Augv^stis)] Sever[o III 

1*-^ it Antonino co{n)8{ulihu8)'\, 

""T '^^^ — rrr^y^r — r \ ^®' ^^^® ^®^ Adlers der zwei- 

T*^i J 1 ^^<iz wanzigsten Legion, der erst- 

\^ [^ Q^ t l / , ' / geworbenen , pflichttreuen und 

. _. I / zuverlässigen hat rus, Sohn 

y/^ K/v 1/ i / ^^^^^ ehemaligen Primipilus, 

wegen der Verdienste derselben 
Legion (diesen Altar) zum Ge- 
schenke gemacht; geweiht am 
28 (oder 27 oder 25) . . , als 
die beiden Kaiser Severus und 
Antoninus — ersterer zum dritten 



SEVE 



1 ; 15 Male — Consuln waren. 

Die Zusammengehörigkeit beider Stücke sah Zangemeister zuerst. 
Es ist eine Weihinschrift ähnlich der Nr. 15 dieses Nachtrags behandelten 
und sie hat gleiches Schicksal gehabt wie die Nr. 16 und 17. — Z. 3 
Reste der drei Buchstaben R (P oder B) V S, zum Namen des Stifters, 
der der Sohn eines Primipilus war, gehörig. — Zeile 5 zwei Füsse von 
Senkrechten, dann Rest eines E oder L und eines D. — Z. 6 musste auf 
V Kai. der abgekürzte Monatsnamen folgen, der die Lücke nicht ausfüllt, 
und darauf unmittelbar das Consulat. Wäre dieses ein gewöhnliches, so 
würde Severo an zweiter Stelle stehen, was zuletzt im Jahre 141 vor- 
kommt. Da aber die Inschriftsn honori aquilae, wie es scheint, erst mit 
Septimius Severus (193 — 211) beginnen und die Legion keinen Kaisernamen 
führt, der Stein also vor Caracalla gesetzt ist, und endlich die Buchstaben- 
form die des dritten Jahrhunderts ist, so wird die Lücke auszufüllen sein, 
wie oben geschehen. Dann gehört sie dem Jahre 202 n. Chr. an. Der 
Statthalter, der die Weihe vollführte, war nicht genannt. — COS wird 
(?ielleicht in kleineren Buchstaben) in der Mitte unter den Consulnamen 
gestanden haben. 

Über die Errichtung des Altars durch den Sohn eines Primipilus 
vergl. z. Nr. 15 dies. Nachtr. 

Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung v. Domaszewskis. 

19. Bruchstück eines Votivaltares, einem orientalischen Gotte 
geweiht, gefunden im Mai 1886 beim Abbruche der alten Stadt- 
mauer am Eisgrubenweg. Sandstein. H. 30, Br. 51, D. 83 cm. 
Die linke Seitenfläche ist glatt behauen, auf der rechten dagegen 
springt vorn und hinten je eine Leiste von 13, bezw. 10 cm 
Breite und 2,5 cm Ausladung vor. Wir haben also das rechte 
Endstück einer längeren Inschrift vor uns. In den Buch- 
staben Reste roter Farbe, auf den Flächen Reste eines weissen 
Anstriches. 



24 — 



bPILHlPPI 
rCYBIRÄ 




[. . . . legiionu) p\r{imigeniae) p{iae) 

fiidelis) 
[. . .] L{uci) ? fil{ius) Hippi 

[ (J]adyan\d\a 

[....] ö Cyhira . 

Z. 1 sind die Fasse eines B, einer 
Senkrechten mit folgendem Punkt 
und eines P sichtbar. — Z. 3 a. 
E. ist infolge einer Verletzung des 
Steines zwischen N und A ein 
Buchstabe ausgefallen; es kann 
dies nur ein I gewesen sein oder eine Ligatur von B, D oder P mit N: 
ein wagrechter Querstrich hätte eine, wenn auch schwache, Spur hinter- 
lassen müssen. Da Cybira im südlichen Phrygien unweit der karischen 
Grenze liegt, Hippus in Carien selbst, so wird die Endung wie in Alabanda, 
Labranda, Caryanda, Laranda u. a. zu ergänzen und die Stadt Cadyanda 
genannt gewesen sein. — Z. 4 a. A. linker Schenkel eines A im Bruche 
noch sichtbar. — Da die vielen Steine, die in derselben Mauer gefunden 
wurden, fast ohne Ausnahme einem Heiligtum entstammen, so wird auch 
unser Bruchstück von einem Altare herrühren. Die Lage der drei auf ihm 
genannten Städte aber lässt auf einen orientalischen Kult schliessen. 

Vergl. Keller, Nachtrag II, 236 f. und ,v. Domaszewski, Westd. 
Zeitschr. XIV, 62 und Anm. 259. 

20. Unterteil eines Votivaltares, gefunden am 16. Juli 1896 
beim Neubau des Hauses Markt Nr. 2, 4 und 6. Geschenk 
des bischöflichen Domkapitels. Weisser Marmor, der an der 
Verwitterungsschichte rötlich geworden ist. Die Ecken des er- 
haltenen Blockes sind teils abgebrochen, teils beschädigt. H. 42, 
Br. 74, D. 57 cm. 



'/■ 



(ÄMNEMSll^PROSAl^ 
's VA S V OjPt /A\ QVE O] ■ 



...q\u\annen8Ü 
pro 8al[u\te 8ua 
snorumqueom- 
nium aram de- 
dicatam posuit 
Cenaore t^e[r- 
um] et Lepido 
iteru[m co]n' 
sulibus. 

.... aus . . . 

hat den (ge- 
wissen im 

fehlenden Stück genannt gewesenen Göttern) geweihten Altar für sein und 
aller der Seinigen Wohl errichtet unter dem zweiten Consulate des Censor 
und dem zweiten des Lepidus. 

Z. 1 a. A. hat oder Q gestanden, C und G sind durch die runde 
Form des oberen Bogens ausgeschlossen. Der Name enthielt die Heimats- 
bezeichnung des Stifters. Z. 4 a. A. ist von dem P noch ein kleines 
Stückchen des Bogens erhalten. — Ein Consulat des Censor und Lepidus 
wird in den fasti nicht erwähnt, trotzdem werden es conaules ordinarii 
gewesen sein , aber von einem Gegenkaiser, wahrscheinlich von Postumus 



yl^/Jy\ A Ps^^iV, D L D J C A' 
\OSVlT " CZNSOPvEITj 



1:10 



25 — 



(258—268), als Gegenconsuln ernannt. Diese Vermutung hat Dessau 
(Prosopogr. imp. rom. s. v. Lepidus) ausgesprochen und begründet, worauf 
Zangemeister mich aufmerksam machte. 

Vcrgl. Körher, Korrhl. d. W. Z. XV, Sp. 201. 

21. Unterteil eines Votivaitares, errichtet von einem Marke- 
tender, gefunden am 14. Februar 1896 an der Wallstrasse hinter der 
Konservenfabrik. Gelblicher Sandstein. H. 46, Br. 28, D. 25 cm. 

. . . voto su[8]ce]pto Lucius Vireius Dexter 
seplasiarius in legione prima adiutrice 
Votum solvit laetus libens merito. 

Seinem Gelübde entsprechend hat 
Lucius Vireius Dexter, Marketender in 
der ersten Legion, der hülfreichen (den 
im verlorenen Teil genannten Göttern), 
sein Gelübde gern und freudig nach 
Gebühr erfüllt. 

Am Anfang werden etwa zwei Zeilen 
weggefallen sein; die erste erhaltene ist 
stark beschädigt : von den beiden V a. A. 
und a. E. sind nur noch schwache Spuren, 
von dem in der Mitte die untere Kun- 
dung sichtbar. — Das auffallende ex voto 
suscepto Votum solvit kommt öfter vor. 
Dagegen ist das Wort seplasiarius ausser- 
ordentlich selten ; seine ursprüngliche Be- 
deutung war „Salbenhändler", später 
lehren, den Marketender. — Die legio I ad, 
bis Mitte der 80er Jahre, 
d. W. Z. XV, Sp. 84 und 184. 



EPTO 

vmiEW 
E}arER^5 

I LEG-T-AÜ 




]\r?K\ 



1:7,5 

bezeichnet es, wie die Glossen 
stand in Mainz vom Jahre 70 
Vergl. Körber, Korrbl 

22. Bruchstück eines Votivaltares. Alter Bestand. Sand- 
stein. H. 17, Br. 18, D. 10 cm. 

"'-h Z. 1 VS . CI (die letzte Senkrechte vielleicht nur 

^ \ Teil eines Buchstabens). — Z. 2 a. A. stand E, dann C 

'Of/C^EIv\ oderG, hinter welchem ein Punkt gewesen sein kann; 

I .' ^7^ \ r} ^'^' stand N. — Z. 3 a. E. ist der Punkt ungewiss ; 

[l/\jl V'S davor unsichere Spuren eines kleinen Sj ebenso ist 

[Ajjyr,^^^ zweifelhaft, ob das A einen — vielleicht winkeligen 

^^^^^ 10 Querstrich gehabt hat. — Z. 4 ergänzt sich leicht zu 

* * voto l(ibens) l{aetus) m{erito). 

23. Oberteil eines Votivaltares. Alter Bestand. Sandstein. 
H. 23, Br. 32, D. 17 cm. 

Die Gestalt des Steines lässt vermuten, 
dass er einem Altar angehört hat. — 
Z. 1 a. A. stand ein A, a. E. ein S. — 
Z. 2 Keste der Buchstaben MINI, dann ein 
Punkt und a. E. ein V. 
\ ^>v AFKl ^ I V. Domaszewski vermutet: 

\^JLi^^»^^;^^^^^ [•] Aq{uiliu8) Mens{or) 

JJ\1_J1>\>^ y/ [nu]mi'ni v{otum) »(olvit) 

liibena) l{aetu^) m{erito)'\. 
1:7,6: 



r 



::i 





IL EuisemisGliTifteii, Keilensteine und 
BauinselirifteiL 



24. BnichstOck einer Baumschrift, angebracht am ArcMtrav 
des Fahnenbeiligtums des Mainzer Legionslagers, gefdnden am 
26, September 1896 in der unter der Erdaufsehüttung des Walles 
(ygtlicb Tom Gaatbor entdeckten mittelalterlicben Stadtmauer. 
Geschenk der Militärbebörde. Sandstein. H. 31, Br. 39, D. 
100 cm. In den Buchstaben sind noch Beste roter Farbe er- 
balten^ über welcher der auch sonst stellenweise erhaltene weisse 
Stucküberzug sichtbar ist. 

Imp(erator) Caes{ar) oder Imp(eratores) 

Caes(ares) [ ] leg{ion%) XX[II prijmi- 

geniae) p{ iae\ ßjideli) d(ono) d(edit) oder d{ede' 

\Ä P^ (^ A r Q ru7it) dediicante) legiato) Äug{ust%) oder 

IV L i ^-/ V L k/ Ang(us/ornin) pr(o) pr(ti€tore)]. 

Der (oder die; Imperator(en) hat 

(^haben) der zweiundzwanzigsten Legion, der 

^ K^J^ erstgeworbenen, pflichttreuen und zurer- 

/ lässigen, (dieses Bauwerk) zum Geschenke 



g-k: 



i^ 



1 : 10 gemacht. Geweiht hat es der Kaiserliche 
Statthalter 

Links scheint nichts zu fehlen, obschon eine Randleiste nicht mehr 
vorhanden ist. Die Tiefe des Steines (1 m!), sowie die geringe Höhe im 
Vergleich zu der bei Ergänzung des Kaisemamens sich ergebenden Länge 
weist auf eine Verwendung am Epistylbalken eines Gebäudes hin. Die 
Inschrift ist ergänzt nach den von v. Domaszewski Westd. Zeitschr. XIV, 
8. 17 zuerst als solche erkannten Bauinschriften der Fahnenheiligtümer. 
Vier unter den fünf dort angeführten gehören dem Septimius Severus allein 
oder in Verbindung mit seinen Söhnen an. Da nun sämmtliche datier- 
baren Steine, die nach Inhalt und Fundort wahrscheinlich aus dem Mainzer 
Fahnenheiligtume stammen, der Zeit dieses Kaisers oder seiner nächsten 
Nachfolger angehören — nämlich der Zeit des Septimms /Severus (193 — 211) 
die Inschriften : Körber, Nachtr. III v. J. 204, wahrscheinlich auch Becker, 
«4; derjenigen des Caracalla (211—217): Körber, III, 16 v. J. 213, ders. 
III, 14, wahrscheinlich ebenfalls v. J. 213, Brambach, C. I. Rh. 974 v. J. 217, 
ferner Körbor, III, 13; derjenigen des Alexander Severus (222 — 235): Körber, 
III, 15 V. J. 229, Becker, 65 v. J. 231, ferner Keller, II, 25b u. Körber, III, 
17 - so ist auch hier zunächst an ihn und seine Söhne zu denken, unter deren 
Dynastie, der historischen Entwickelung der Heeresreligion entsprechend, der 
Kaisorknltus eintrat, der dazu bestimmt war, die Fahnenreligion des Principats 
zu Tordrängen. Die Bauwerke, welche die Kaiser in sonst nie wieder- 



i 



— 27 — 

kehrender Weise als ihr Geschenk an die Truppen bezeichnen, sind geweiht 
gewesen und also für die Zwecke des Lagerkultus bestimmt. Alle anderen 
Gegenstände und Gebäude, welche dem Lagerkulte dienen, sind ebenfalls 
Geschenke und bei den Truppen römischer Bürger vom Statthalter, dem 
Stellvertreter des Kaisers, geweiht. Demnach können jene Bauwerke nur 
die vornehmsten Heiligtümer des Lagers, die Heiligtümer der Fahnen, 
gewesen sein. Wenn dem Fahnenheiligtum der Name fehlt, so ist dies 
ein Beweis, dass das Lager im Grund genommen kein Heiligtum besitzt, 
sondern nur einen Platz im Praetorium, wo heiliges Geräte aufbewahrt 
wird. So befremdend dies erscheint, so ist es doch nur eine nothwendige 
Folge der Idee, welche alle Einrichtungen des Lagers durchdringt. Das 
Lager der Römer ist ein Marschlager und kein Standlager, denn die Sprache 
unterscheidet wohl zwischen castra hiberna und castra aestiva^ aber sie hat 
keinen Ausdruck für den Begriff des Standlagers. Auf dem Marsch kann 
das Heer keinen Tempel mit sich fuhren. Deshalb ist das Fahnenheiligtum 
nie eine organische Institution des Heeres geworden, und alles, was zu 
seiner Ausstattung dient, behält den Charakter der freiwilligen Spende. 

Die Bedeutung des Bruchstückes erkannte v. Domaszewski; für die 
Erläuterung vergl. v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XII, 18 f. 

25. Sockel für die Bildsäulen des Kaisers Septimius Severus 
und seiner Söhne und Mitregenten Caracalla und Geta sowie seiner 
Gemahlin Julia Domna. Drei aneinander passende Bruchstücke 
sind bis jetzt aufgefunden, zwei davon 1854 (oder 1858?) auf 
dem Kästrich, eines (das obere) am 10. September 1896 in 
dem unter der Wallaufschüttung östlich vom Gauthor erhaltenen 
Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Letzteres Geschenk der 
Militärbehörde. Hellroter Sandstein. Die Masse der Bruchstücke 
sind: l) unterer Teil: H. 39, Br. 70 cm; 2) mittlerer Teil: 
H. 32, Br. 28 cm; 3) oberer Teil: H. 30, Br. 41 cm. Die 
Dicke wechselt zwischen 30 und 13 cm, da das Denkmal nach 
allen Richtungen zerschlagen ist. 

1 [Imp(eratori) C]aes(ari) L{uci6) Septim\io Severo Pio Pertinaci Aug{u8to) 
Arahico] 
[Adiaben\{4:o Parth[ico max{in».o) trib{unicia) pot{e8tate) XII, imp{erator%) 

XI\ co{n)s{uli) Uly proco{'n)8(uli), p(atri) p[atriae)] 
[et imp(eratori) Ca]esari M{arco) Aurel[io Antonlno Aug(ii8to), Ij(uci) 
Septimi Severi Aug(u8ti) n(pstri) ßlio, trib{unicia) pot(e8tale) VII ^ 
co(n)8(uli)] 
[et L(ucio) Septimio Getae Caes(ari\ L(ucl) Septimi Severi Aug^nisti) 
n[p8tri) filiOf et Juliae Domnae Aug{u8tae), matri castrorum]. 
5 primi o[7'di]n[es et centuriones et evocatus leg{ionis) XXII pr(imigeniae) 
p(iae) /{idelis)] 

coh(or8) pri[ma] 

Ammianiis ür[svLS ?] 

[V"\al{eriib8) Catul[u8] 

[Cd\lvi8(ius) P/-[*wM«] \^Fy,oreni[inu8) 

10 [3/a^e]rr^[^^9] ? V[o\lus{iii8) Vcr{uH) 

Valferius) Alexand{er) Jul{iu8) Hi8i)an{us). 

Val{eritL8) Alexand{er) 

Dedieatae {sunt imagines) Ci[l<me et JAhone co(n)s{ulibtis) ] 




ICO^PART] 




COH'P 

,\MAAAN'V 
^L•CATV 
LVI5'P!> 

^ — ^-T5 

VAL-ALExAJsD 
VA1ALEX/\^D -^ 



DgDJCATAE- Cl 



1:7,5. 
Dem Imperator Caesar Lucius Septimius Severus Pius Pertinax 
Augustus, dem Besieger Arabiens und Adiabenes, dem grossen Parther- 
besieger, im zwölften Jahre seiner tribunicischen Gewalt, als er zum elften 
Male zum Imperator ausgerufen, zum dritten Male Consul gewesen war, 
dem Proconsul und Vater des Vaterlandes, — und dem Imperator Caesar 
Marcus Aurelius Antoninus Augustus, unseres Kaisers Lucius Septimius 
Severus Sohn, im siebenten Jahre seiner tribunicischen Gewalt, als er zum 
ersten Male Consul gewesen, — und dem Lucius Septimius Geta Caesar, 
unseres Kaisers Lucius Septimius Severus Sohn, — und der Julia Domna 
Augusta, der Mutter des Lagers, — (haben) sämtliche Centurionen und 
der Evocatus der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflicht- 
treuen und zuverlässigen (diese Standbilder errichtet). 
Erste Cohorte: 

Ammianus Ursus (?) 

Valerius Catulus 

Calvisius Primus 

Matemus (?) 

Valerius Alexander 

Valerius Alexander 



. . . Florentinus 
Volusius Verus 
Julius Hispanus. 



— 29 — 

Geweiht (wurden die Standbilder) unter dem Consulate des Cilo 
and Libo (im Jahre 204) 

Z. 1. a. A. Fuss von dem rechten Schenkel eines A. Z. 2 a. E. ist 
eine Senkrechte noch im Bruche sichtbar ; desgleichen Z. 3 a. A. Kest eines 
oben nach links gerichteten Buchstabens. Z. 4 ist vollständig ausgemeiselt. 
Z. 5 ist auf dem neugefundenen Stück ganz unten noch ein Buchstaben- 
rest erhalten (von dem N in ordines, wie es scheint). Zeile 6 gehört coh, 
prima der Buchstabenverteilung nach auch zur zweiten Columne. Unter 
Kaiser M. Aurelius hatte die Cohorte acht Centurionen (vergl. C. J. L. 
VII[. 18,065, und v. Domaszewski, W. Z. XII, Nr. 147), unter Sept. 
Severus kann sie recht wohl deren elf gehabt haben. Der evocatus, der 
nach Analogie der eben erwähnten Inschrift sicher auch hier genannt war, 
ist ein seit Hadrians Zeit den Legionen der Provinz zugeteilter Officier, 
welcher die militärischen Neuerungen, die man in Rom im Praetorium des 
Kaisers anzuwenden oder zu erproben für gut fand, auf die armaturae, die 
Exerciermeister, der Legionen und somit auf die Provinzialheere übertrug. — 
Die beiden hier genannten Centurionen Volusius Verus und Valerius 
Alexander werden auch auf zwei im Jahre 1858 auf dem Kästrich gefundenen 
Altären (Brambach, C. I. Rh. 1024 und 1025, ersterer jetzt in Wies- 
baden) erwähnt. Z. 7 und 8 a. A. sind die beiden A nur sehr schwach 
sichtbar. Becker sah im Jahre 1875 an ersterer Stelle ein mit A gebundenes 
V; von einem solchen ist jetzt nur noch der Kopf eines Schenkels vor- 
handen. Es wird nicht mit A verbunden und das von Becker davorgesetzte 
Q nie vorhanden gewesen sein, wenigstens hat derselbe Becker es 
im Jahre 1859 (Mainzer Zeitscbr. II, 192) nicht gesehen, auch wäre es 
auffallend, wenn nur ein Centurio mit Praenomen versehen gewesen wäre. 
Verloren ist jetzt das von Becker Z. 10 noch gesehene MA; von den Buch- 
staben BN dieser Zeile sind nur noch die Füsse da. 

Unsere Bruchstücke gehörten zu einem grossen Sockel, der, wenn 
die Centurionen aller 10 Cohorten der Legion, wie es scheint, nebeneinander 
aufgeführt waren, mehrere Meter breit war. Er trug, wie v. Domaszewski 
bereits erkannt hatte, ehe das obere Stück mit den Kaisernamen auf- 
gefunden war, die Standbilder des Septimius Severus, seiner Söhne Caracalla 
und Geta, sowie seiner Gemahlin Julia Domna. Die Eltern werden in der 
Mitte gestanden haben. Der Name des Geta ist später auf Caracallas 
Befehl, nachdem dieser ihn im Jahre 212 ermordet, wie überall im Reich, 
so auch auf diesem Denkmal getilgt worden. Errichtet wurde dasselbe 
von der Gesamtheit der Centurionen der Legion. Ausser dem Statthalter, 
dem Legionslegaten, sowie dem nächsthöchsten Officier, dem tribunus 
laticlamiu, und dem höchsten aller Centurionen, dem primua pilua, hat nur die 
Gesamtheit der Tribunen und die Gesamtheit der Centurionen das 
Recht, Altäre und Statuen innerhalb des heiligen Bezirks zu setzen. So 
war auch unser Sockel, bestimmt für die Genien des Kaisers und der 
Kaiserin, aufgestellt im Fahnenheiligtume der Legion. 

Vergl. Bramb. C. I. Rh. 1038, Becker 114; die Zusammengehörigkeit 
des neu gefundenen Stückes mit den alten erkannte v. Domaszewski; 
vergl. ausserdem v. Domaszewski, Westd. Zeitscbr. XIV, 32 f., 69 (m. 
A. 276) und 111. 

26. Bruchstück einer Ehreninschrift auf Kaiser Trajan, gefunden 
am 17. Juli 1896 bei Kanalisierung der grossen Kirchstrasse in 
Kastei. Geschenk der Bürgermeisterei Kastei. Kalkstein. H. 45, 
Br. 33, D. 7 cm. Vielleicht war die Platte unter einem Trajans- 
Denkmal angebracht, dessen Sockel man in nächster Nähe an 
der Nordseite der alten römischen Strasse 50,75 m von der 
Mauer des Castrums entfernt auffand. 



30 — 




v<:l 



1MPCAE3 
NERYMl 
PONTM# 

LEe-X) 



1:10. 



Imp{eratori) Cae8a\ri^ divi Nervae /(i/io),] 
Nervae Tr[aiano Aug(it8to) Qerm(anic6),] 
pont{ifici) wa[a?(imo), trib{iinicia) pot{e8tate) Uly 

cd{n)8{uli) //,] 
p(atri) piairiae) [co[n)8{uli) desfynato) III] 
leg{io) X[XII pr{iinigenia) p{ia) fildelis)]. 

Dem Imperator Caesar Nerva Traianus 
Augustus Germanicus, dem Sohne des ver- 
götterten Nerva, dem Pontifex maximus, dem 
Vater des Vaterlandes, (hat) im dritten Jahre 
seiner tribunicischen Gewalt, als er zum 
zweiten Male Consnl und zum dritten Male 
dazu bestimmt war, die zweiundzwanzigste 
Legion, die erstgeworbene, pflichttreue und 
zuverlässige (dieses Bild? errichtet). 
Die Ergänzung von Z. 1 ist sicher; damit ergibt sich bei Berück- 
sichtigung der so gefundenen Zeilenlänge, dass Z. 2 auf Traiano nur noch 
gefolgt ist: Aug(u8to) Germ.(anico) , dass die Inschrift also vor dem Jahre 
102 verfasst ist, wo Trajan den Beinamen Dacicu8 erhielt. Nicht ganz so 
zweifellos ist die Ergänzung der dritten und vierten Zeile. Ist sie richtig, 
so stammt die Inschrift aus dem Jahre 99, zu welcher Zeit Trajan am 
Rheine persönlich die Organisation des Befestigungssysteras der germanischen 
Provinzen betrieb. Die Stellung von P. P. ist auffallend, aber nicht 
ohne Beispiel. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 197. 

27. Meilenstein aus der Zeit des Hadrian, gefunden am 
15. Juli 1896 bei Kanalisierung der grossen Kirchstrasse in 
Kastei. Er stand noch aufrecht am alten Standorte 52 m von 
dem Ost-Thor des Castrums entfernt ; der obere Eand des Steines 
lag nur ungefähr 50 cm unter dem heutigen Pflaster. Geschenk 
der Bürgermeisterei Kastei. Flonheimer Sandstein. H. 2,10 m 
(wovon 70 cm auf den 50 cm breiten Sockel kommen), Umfang 
der Säule 1,66 m. 

-^HADI^IA-NOAVG 
PON)TMAX-TP.ia-PQT 
Vl-CüS ■ 111 -P -P 



MF- VI 



I N^ 



l 



ItlO 



— 31 — 

[Imp{eratort) Cae8{ar%)^ divi Traiani Parthid filio ^ divi Nervcbe] nepoti^ 
Traiano Hadriano Aug{u8to)y pont{ifici) max{imo)j trib(unicia) pot{e8tate) Vif 
co(n)8(ul{) Uly p(atrt) p{atriae). Ah Aquis Mattiacorum m(ilia) p{a88uum) VI. 

Dem Imperator Caesar Trajanus Hadrianns Augustus, dem Sohne 
des vergötterten Trajanus Parthicus, dem Enkel des vergötterten Nerva, 
dem Pontifex maximns und Vater des Vaterlandes, im sechsten Jahre 
seiner tribunicischen Gewalt, als er zum dritten Male Consul gewesen. 
Von Aquae Mattiacorum (d. h. Wiesbaden) sechstausend (Doppel-) Schritt. 

Die Ergänzung vor der ersten, nur in der unteren Hälfte erhaltenen 
Zeile ist durch andere Inschriften völlig gesichert. Der Stein ist unter 
Hadrian i. J. 122, zu welcher Zeit der Kaiser persönlich in Obergermanien 
anwesend war, gesetzt und gibt die Entfernung von Wiesbaden auf 
6 römische Meilen = 9 Kilometer an. Die Fundstelle neben der römischen 
Strasse, die geradeswegs nach dem bei Hof heim liegenden Kastell führt 
(ausserhalb der Stadt Kastei jetzt Elisabethenstrasse genannt), beweist, 
dass die Strasse nach Wiesbaden hinter unserm Brückenkastell von der 
nach Hof heim rechtwinkelig abging, bezw. dieselbe schnitt, um in ihrer 
rückwärtigen Verlängerung am rechten Mainufer, wo Wolff sie an ver- 
schiedenen Stellen aufgedeckt, nach Frankfurt weiterzulaufen. Ferner ist 
durch unsern Fund Zangemeistera Vermutung (s. W. Z. III, 245 A.), dass 
Aquae Mattiacorum der Hauptort der civitas Mattiacorum gewesen sei, 
glänzend bestätigt. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 183. 

28. Bruchstück eines Meilensteines aus der Zeit nach 202, 

gefunden gleichzeitig mit und dicht neben dem unter Nr. 27 be- 
schriebenen (2 m weiter von dem römischen Lagerthor entfernt). 
Geschenk der Bürgermeisterei Kastei. Flonheimer Sandstein. 
H. 1,55 m (wovon 65 cm auf den 39:47 cm breiten Sockel 
kommen), Umfang der im Durchschnitt etwas ovalen Säule 1,44 m. 

\ab\ Aq{ui8 Mattiacorum) l{eu- 
gae) IUI. 

Von Wiesbaden vier keltische 
. .Q Meilen. 

Auch dieser Stein stand bei der Auffindung noch aufrecht am 
ursprünglichen Platze und ragte bis etwa 50 cm unter das heutige Pflaster, 
das seinerseits auf einer älteren Chaussierung aufliegt. Da er etwas höher 
stand als sein gleichartiger Nachbar, verlor er bei Anlage der modernen 
Strasse noch mehr von seinem oberen Theil, so dass von der Inschrift nur 
noch Beste der untersten Zeile stehen blieben. Aus diesen ersieht man, 
dass die Entfernung von Wiesbaden in Leugen angegeben war, was vom 
Jahre 202 an in Obergermanien üblich wurde. 4 leugae = 6 römische 
Meilen = 9 Kilometer. — Die Praeposition ab hat in der letzten Zeile 
gewiss nicht, vielleicht aber in der vorausgehenden gestanden. — Dass an 
einer Stelle zwei Meilensteine gefunden wurden, ist nicht auffallend, 
traf man doch bei Ladenbarg deren fünf, bei Altripp sieben, bei Heidelberg 
gar acht beisammen an. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 193. 



N 



r-..>^;^^^K^- 



:e 



X.5 s^' 



o 



1«^ 









5.0 



93 d 



= ^ o 



11 



—r *m 



J^S> 




5 b = S 



2 ?:.-2 

Qu, 600 



So— 2-= 

c »- «> ^ s: 
5 .2 ® ® - 

S>a» 2 g 2 



;-i s» 
*« *f -S 

S 'S .-ä 

01 i^ ^r4 

gt c 

»^^ 1^ I— I 

S3 7 CO 

S S £ 

-£3 ^ ^ 
P S CT. 




Sa- 
IS 
11 

1.S 

.£53 

Si2 







^■5 .2 s 



•= « i 






S 

a> 



c 08 _ 



TS 

« e8 ä 
'S "fi 

2w? 



S 



ä 



8 



^ 



§D<M 'Ö 
S P 

. 'S '^ 

? « S 
o) a s 



►^ 



:ä 00 00 
2 

§ 2 " 

S :3 c 

«j 2 »^ 

S « — 

^ *"§ § 

^ 2 

£•§ 



8-5 

a> 

"5 



L. 



tA ^ 

S Co. 
:a8 « d 

S w N 
SS«, 

I "I* 

.2 gJ« 

50 t-^ iS o 

;ä ^^ 



-- 33 — 

Stäben ES. DaAEESACES deutlich ein Wort ist, und dann publice 
folgt, so wird es eine geographische Bezeichnung und vicani davor zu 
ergänzen sein (ist es nicht ein ganzes Wort — yergl. die matres Arsacae, 
Bramb. C. I. Rh. 1969 — , so kann kein anderer Buchstabe als L voraus- 
gegangen sein). Diesen vicani gehörte der Tempel und sie setzten den Stein 
auf Gemeindekosten. — Inschriften, die sich auf den Mars Leucetius oder 
Loucetius beziehen , sind ausserdem noch bei Marienbom. bei Worms 
und in England gefunden worden. Herr Pfarrer Dr. Falk, jetzt in Klein- 
Wintemheira, übersandte mir vor einiger Zeit eine handschriftliche Notiz 
eines gewissen N. Fleck (jetzt in Nackenheim), laut welcher auf einem 
ebenfaUs „im Füllkeller'* gefundenen, aber mit dem unsrigen nicht iden- 
tischen Steine in zwei Zeilen die Buchstaben: ETI mit Blume als Punkt 
und V C E T I gestanden haben. Dieser Stein war später in Ober-Olm 
eingemauert, ist aber jetzt verschwunden. 

Vergl. Brambach C. I. Kh. 925, Becker 105, Zangemeister, Korrbl. 
d. Westd. Zeitschr. VII, Sp. 116. A. 1. — Ergänzung und Erklärung nach 
V. Domaszewski. 

Legionsbausteine. 



30. Bauurkunde der ersten Legion, bis zum 5. Januar 1895 
neben dem Eingange der hiesigen Citadelle eingemauert, dann 
als Geschenk der Militärbehörde in das Museum verbracht. 
Kalkstein. H. 50, Br. 116 cm. 



.^ 




LEG'IADIVT 
LFLAVI'PV 




Leg(io) I adiut(rix)f 

>• L(uci) Flavi Pu- 

dentis. 



1 : IB. 

Die erste Legion, die Helferin; 
die Centurie des Lucius Flavius Pudens. 



Die legio I adiutrix stand etwa vom Jahre 70 n. Chr. an mehrere 
Jahre lang in Mainz. Dass so viele Bausteine dieser Legion und der legio 
XIIII gemina Martia victrix, welche mit den beiden letzten Beinamen in 
den Jahren 70—90 hier war (während ihres früheren Aufenthaltes 14—43 
führte sie nur den ersten), in Mainz gefunden werden, darunter zwei (Becker, 
293 und Nr. 35 dieses Nachtrags, vergl. auch Nr. 40) in der Mauer, in 
welcher nur Reste des Praetoriums vermauert sind, deutet darauf hin, dass 
in der flavischen Zeit ein vollständiger Umbau des Lagers und des Praetoriums 
stattgefunden hat. Mainz ist während des hatavischen Aufstandes nicht 
genommen worden (Tac. h. IV, 61), geriet aber in harte Bedrängnis (Tac. 
h. IV, 37). Wahrscheinlich war das Lager, wie das in gleicher Zeit ent- 
standene Vetera ohne Bücksicht auf die Möglichkeit einer Belagerung an- 
gelegt (Tac. h. IV, 23), so dass eine Erneuerung der Befestigung notwendig 
wurde. 

Vergl. Brambach C. I. Rh. 1102 und Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, 
94; far die Anmerkung: Ritterling, Westd. Zeitschr. XII, 115, v. Doma- 
Bzewaki, W. Z. XIV, 62, Anmerkung 258. 

3 



ß 



— 34 — 

31. Bauurkunde der ersten Legion. Alter Bestand. Kalkstein. 

H. 30, Br. 50, D. 21 cm. 

Leff({o) I ad(jkUrix) 

>► D{eciwu) Juni Ve- 

reeundK 

Die erste Legion, die Hel- 
ferin ; die Centarie des Jonios 
Verecundus. 



lecTad : 



LE 

)D'1VNIVE' 
U^ ' KECVNDI [^ 

r <.M-T7f- ,->T.7 — ' 



■ ■ M»JU.U.Jl. - I^K-4>J ? 






1:16. 



32. Bauurkunde der ersten Legion, bis zum 5. Januar 1805 
neben dem Eingange der Citadelle eingemauert, dann als Geschenk 
der Militärbehörde ins Museum verbracht. Kalkstein. H. 49, 

Br. 98,5 cm. 

Leff(io) I adi(utrix)f 

>• G{at) Porci 

Valentis. 

Die erste Legion, 
die Helferin; die Cen- 
tn rie des Gajus Por- 
cius Valens. 




;^/\|>C.rORCI ,_ 



i 



1:1B. 



Vergl. Bramb. C. I. Kh. 1104. Körber. Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 95. 



!£' 



33. Bauurkunde der ersten Legion, bis zum 5. Januar 1895 
neben dem Eingange der Citadelle eingemauert, dann als Geschenk 

der Militärbehörde in 
das Museum verbracht. 
Kalkstein H. 47, Br. 
91 cm. 

Leg{io) I ad{iiUrix) 
>- M(arci) Sili 
Januari. 
Die erste Legion, die Hel- 
ferin; die Centarie des 
Marcus Silius Jannarins. 

Die hinter dem M sicht- 
bare geschlängelte Linie 
scheint infolge von Ungeschicklichkeit eingehauen zu sein ; sie wurde wohl 
nachher durch Zustreichen beseitigt. 

Vergl. Bramb. C. I. Rh. 1103. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 95. 




LE GIAD .^_ 

/l/SILlirn 
lAJSJVAPJ 










1:15. 



35 — 



34. 




t> 



Bauurkunde der ersten Legion, gefunden am 17. September 
1889 hinter dem städtischen Wasser- 
werk in der Walpodenstrasse. Kalk- 
ig stein. H. 41, Br. 58, D. 37 cm. Eote 
j und darüber weisse Farbspuren. 

Leg{io) I ad(iutrix) Die erste Legion, 

L{uci) Valeri die Helferin ; die Cen- 

Modesti turie des Lucius Va- 

lerius Modestus. 

VergL Velke, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 246. 



LEGI'ADJ 

j!jZiZ£.:".T.-aia i-J 






1:1B. 



35. Bauurkunde der ersten Legion, gefunden am 15. September 
1896 in der östlich vom Gauthor in den Festungswällen vergrabenen 
mittelalterlichen Stadtmauer. Geschenk der Militärbehörde. Kalk- 
stein. H. 51, Br. 
96, D. 24 cm. 

Leg{io) I adiut{rix) 
> C{ai) Vetti Paulli. 

Die erste Legion, 
die Helferin ; die 
Centurie des Gajus 
Vettius PauUus. 



\tEg4^AOl 



.^GVETTI^rAVLl 




1:1B. 

36, Bauurl(unde der ersten Legion, gefunden am 10. September 
1896 in der östlich vom Gauthor verborgenen alten Stadtmauer. 
Geschenk der Militärbehörde. Ein grosser Quader aus Kalk- 
stein; auf der Eückseite ein mehrfach gegliederter, 24 cm aus- 
ladender Sims. H. 46, Br. (ohne Sims) 45 cm. 

L{eg%6) I ad- 
{iutrix). 

Die 
erste Legion, 
(_^,^ J die Helferin. 




L^l AB 



37. Bauuricunde der vierzehnten Legion. 
Sandstein. H. 30, Br. 50, D. 21 cm. 



Alter Bestand. 



i 



LEC M; 

GE;V\-I 



Die vierzehnte Legion, 
die doppelte. 



.--.•^ 

1:1B 



Legiio) XIIII 
ge7}i{ina) 

Der Umstand, dass die Legion auf diesem 
Stein nur den einen Beinamen gemina führt, 
lässt darauf schliessen. dass er aus der Zeit 
ihres ersten Aufenthaltes in Mainz (14—43 
n. Chr.) stammt (s. z. Nr. 30). 



36 — 



38. Hälfte einer Bauurkunde der vierzehnten Legion, gefanden 
am 14. November 1896 in der stadtseitigen Mauer des Haupt- 
walles westlich vom Gauthor. Muschelkalk. H. 30, Br. 18, 
D. 18 cm. 

[Leg{io)] XIITI Die vierzehnte Legion, 

[g{emina)\ M{artia) v{ic- die doppelte, Martische, 
tr{x)y siegreiche; die Centurie 

[> Cor]neli des Cornelius Capito (?). 

[Cap'^]iton{i)8. 

Z. 3 ist das L zwischen E und I vielleicht nach- 
träo^lich eingehauen; Z. 4 wird der zweite Buch- 
stabe wohl ein dem I oft sehr ähnliches T sein; 
vor dem S scheint das I der Endung ausgelassen 
zu sein. 

Der Stein stammt aus der flavischen Zeit 
(s. z. Nr. 30). Lesung und Ergänzung nach Zange- 
meister. 




39. Bruchstück einer Bauurl(unde der vierzehnten Legion, 

gefunden am 10. September 1896 im Gewölbe der am Gauthor 
befindlichen Poterne. Sandstein. 







L{egio) Xllll 
>- Juli 



Die vierzehnte Legion, 
die Centurie des Julius . . . 



1:7,5 



Links scheint zweimal ein Buchstabe 

weggefallen zu sein, unten eine ganze Zeile 

mit dem Cognomen des Centurionen. Auch 

dieser Stein gehört, weil die Beinamen der 

Legion fehlen, wahrscheinlich der Zeit ihres 

ersten Aufenthalts in Mainz (14 — 43) an (vergl. z. Nr. 30). Dazu stimmt 

die Abkürzung L für leglo, die auch auf Ziegelstempeln nicht später als 

70 n. Chr. vorkommt (vergl. Wolif, Frankf. Archiv, 1893, S. 340. 



40. Bauurl(unde der zweiten Gehörte der vierzehnten Legion, 

gefunden am 10. September 1889 bei Kanalisierung der Erbacher- 
hofstrasse. Muschelkalk. H. 17, Br. 33, D. 20 cm. 

.^^.^ C{p)ho{rs)II 

^ \ iin 'iT^^- i l^gi}^) XII II g(emina) M(artia) r(icfrix) 



-tt^SP^""'^' 



r^ 






\ 



>• Juli Sedati. 

Die zweite Cohorte der vierzehnten 
der doppelten, Martischen, sieg- 
die Centurie des Julius Sedatus. 

Die Angabe der Cohorte scheint in 
den rheinischen Inschriften ohne Beispiel 
zu sein. Z. 3 hinter dem ersten I ein 

gebogener Strich : wohl ein Versehen des Steinmetzen. Der Stein gehört 

den Jahren 70-90 an (s. z. Nr. 36). 

Vergl. Velke, Korrbl. d. W. Z. XIII, Sp 244. 



1: 7,6 



37 



41. Bauurkunde der vierzehnten Legion (?), gefunden am 
15. Juli 1896 bei Kanalisierung der grossen Kirchstrasse in 
Kastei. Graue Sandsteinplatte, in den Sockel verbaut, in dessen 
Nähe sich die Ehreninschrift auf Kaiser Trajan (s. Nr. 26) 
vorfand. H. 26, Br. 60, D. 14 cm. 

L{egio) XIIII, Die yierzehnte Legion. 

Die Inschrift ist in die rauhe Platte sehr 
roh eingehauen; dass es eine Bauurkunde der 
14. Legion sei, yermutete zuerst Dr. Eitterling; 
sie würde dann wohl der Zeit yor Claudius an- 
gehören (s. z. Nr. 37 und 39). Doch könnte 
die Inschrift eine blosse Versetznummer sein 
1:20. = l(oco) XIIII (so Zangemeister). 




Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 198. 



42. Bruchstück von einer Bauurkunde der zweiundzwanzigsten 
Legion, gefunden am 18. April 1895 beim Bau des Hauses 
Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein. H. 59, Br. 67, 
D. 16 cm. Nur rechts ist eine Eandleiste 
erhalten, doch fehlt auch oben nichts. 

Leg{l6) XXII Die zweiundzwanzigste 

[p\r{imigenia) p{ia) f{idelis). Legion, die erstge- 

worbene , pflichttreue 
und zuverlässige. 
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, 82. 




m. Grrabsteine und Särge. 



a. Soldaten der vierten Legion. 



43. Grabstein des italikers M. Aurelius Metel(l)us, gefunden 
im September 1889 bei Bretzenheim in der Nähe der römischen 
Wasserleitung. Geschenk des Herrn Bauführers Lother. Kalk- 
stein. H. 130, Br. 66, D. 17 cm. Giebel und Fries mit Akan- 
thusblättern verziert. 

M(arcu8) Aureliu^f M(arci) f(tl%us), Camilia 
(tribu), Metel(l.tis, Alha^ m\l{e8) leg(iani8) IUI 
Mac(edonicae)f an{norum)^ XXX, 8tip(endiorum) 
X, h{ic) s(itu8) e(8t): h{ere8) /(aciendum) c{uravit). 

Marcus Aurelius Metel(l)us, des Marcus Sohn, 
von dem camilischen Bürgerverbande, aus Alba, 
Soldat der vierten Legion, der Macedonischen, 
30 Jahre alt, 10 im Dienst, liegt hier be- 
graben. Sein Erbe liess (ihm diesen Grabstein) 
setzen. 

Am Ende der ersten Zeile ist ein Rest des 
schliessenden S erhalten; Metelu8 steht wohl 
für Metel{l)us. Die Formel hie aitus est und 
die Verzierung unter dem Giebel weisen auf 
das erste Jahrhundert n. Chr., die Nennung 
der vierten Legion bestimmter auf die Jahre 
43-70. 




SnPXHSElji 

HF'C 



Vergl. Velke, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 245. 



44. Grabstein des 




LIABI 
IMWO/Wl 

iiEcirn-MAc! 
wvici>yf/v\ooil 

IfXIV/ßHCfC ii 



iiM 



Spaniers L Fabius Fabius, gefunden im 
Anfang des Jahres 1890 an der Mainzer- 
strasse in Bingen beim Bau des Hauses 
Nr. 20/21. Kalkstein. H. (der Schrift- 
fläche) 65, Br. 39, D. 26 cm. 

L(uciu8) Fahius^ L(uci) f{iliu8\ Oal{er%a 
tribu), Fahiu8, Nerto(briga), mil{e8) leg{ioni8) 
IUI Mac{edonicae\ an{norum) XL, 8t{i)p{en- 
diorum) XXI: Anicius Mode8tu8 h(ere8) 
/(aciendum) c(uravit), 

Lucius Fabius Fabius, des Lucius Sohn, 
von dem galerischen Bürgerverbande , aus 
Nertobriga (j. Frejenal de la Sierra in Süd- 
Spanien), Soldat der vierten Legion, der 



1:15 



— 39 — 

Macedonischen, 40 Jahre alt, 21 im Dienst. Anicius Modestus, sein Erbe, 
liess (ihm diesen Grabstein) setzen. 

Die Knrsiyschrift der Vorlage ist von dem nnerfahrenen Stein- 
metzen teilweise missyerstanden oder nicht in Lapidarschrift umgesetzt 
worden. — Z. 2 Jjönnte man nach FAB zur Not auch ein T 
annehmen (vergl. Z. 7) und an eine Verschreibung für FABATVS 
denken; aber wahrscheinlicher ist Fabius, obgleich sich f&r die 
Benutzung desselben Namens als Gentile und als Cognomen kein weiteres 
Beispiel finden dürfte. Als Einzelnamen und (nach Erteilung des Bürger- 
rechtes) als Cognomina werden die Gentilicia bei Peregrinen nicht selten 
verwendet. Vergl. die von Keller (Korrbl. d. W. Z. VlI, Sp. 97) und 
Zangremeister (ebenda VIII, Sp. 252) veröffentlichte Inschrift von Nierstein. 

— Z. 5 ist STIP verschrieben, ob aber SIP oder STP dasteht, ist zweifel- 
haft. — Z. 7 könnte das erste C commilito u. ä. bedeuten, aber wahr- 
scheinlicher ist es aus Versehen eingehauen und dann zugestrichen worden. 

— Die vierte Legion stand in den Jahren 43—70 n. Chr. in Mainz. 

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 299. 



45. Bruchstück von dem Grabsiein eines Unbekannten. Alter 
Bestand. Kaltstein. H. 19, Br. 27, D. 23 cm. 

Links ist ein Rest der alten Umrahmung er- 
halten. — Z. 1 ist wohl ein Stück des Cognomens 
oder des Heimatsnamens erhalten. In letzterem Falle 
wäre vielleicht an Valentia zu denken, denn aus 
Spanien wurde die vierte Legion im Jahre 43 n. Chr. 
nach Ober-Germanien versetzt: der Buchstabe am 
Ende der Zeile könnte sehr wohl auch ein E gewesen 
sein. — Dass Z. 2 die vierte Legion genannt war. 




1:10. 



Lit allerdings nur wahrscheinlich, gedacht werden könnte auch an die 
zweite, die in den Jahren 14—43 in Vindonissa (j. Windisch in der Schweiz) 
stand und also ebenfalls dem in Mainz residierenden Befehlshaber des ober- 
germanischen Heeres unterstellt war; sie hat aber hier nur sehr wenig 
Spuren hinterlassen. — Z. 3 begann mit ANN (orum) die Altersangabe 
des Verstorbenen. — Gesetzt ist der Stein, wenn die obige Annahme richtig 
ist, in den Jahren 43—70 n. Chr. 



46. Bruchstück von dem Grabsteine eines Unbekannten, 

gefunden im April 1896 beim Abbruch des alten Kirchturmes 

in Bretzenheim. Geschenk des Herrn Pfarrers Dr. Probst. 
Gelblicher Kalkstein. H. 26, Br. 19, D. 16 cm. 

Die Buchstabenreste der ersten Zeile gehören noch 
zur Namensbezeichnung des Verstorbenen, in der zweiten 
war seine Heimat angegeben, vermutlich Tolosa (j. Toulouse), 
in der dritten die Legion, in der er diente. Dies muss, 
da an die zweite kaum zu denken ist, die yierte gewesen 
sein : die erste ist ausgeschlossen, da die Wagrechte über 
dem I sich viel weiter nach rechts als nach links erstreckt, 
auf das I also noch weitere Zahlzeichen gefolgt sein müssen. 
In der vierten Zeile begann wohl mit 8T[l?{endiorum)] die 
Nennung der Dienstjahre. 

Körber, ^Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 161. 




40 



b. Soldat der achten Legion. 

47. Bruchstück von dem Grabstein eines Unbekannten, ge- 
funden am 22. Juli 1896 bei Eanalbauten in der grossen Eirch- 
gasse zu Kastei. Geschenk der Bürgermeisterei Kastei. Oelber 
Kalkstein. H. 24, Br. 24, D. 16 cm. 

In der Zeile ist noch ein unbestimmbarer Teil der 
Namens- oder Heimatsbezeichnnng erhalten. Daran! 
folgte die Angabe, in welcher Legion der Verstorbene 
gedient; sie fahrte, wie die dritte Zeile lehrt, den 
Beinamen Augusta, könnte also an sich sowohl die 
zweite als anch die achte gewesen sein. Beide haben 
nicht in Mainz gestanden : jene von 14 — 43 inVindonissa, 
diese von 70 an sehr lange Zeit in Strassbnrg. Da 
jedoch in Mainz die zweite Legion wenig, die achte 
aber viele Spuren hin terla ssen hat, so ist wohl zu 
ergänzen MIL • L[EG • VIII]. 




1:10. 



c. Soldaten der vierzehnten Legion. 



48. Grabstein des 



PWAAVX 
At&VTIVS 



L 



1:15 
dann wieder 70—90 in Mainz 



ltalil(ers Primus Aebutius, gefunden im 
Oktober 1889 bei Kanalisierung 
des Augustinergässchens. Kalk- 
stein. H. 185, Br. 61, D. 28 cm. 
Im Giebel eine Kose nebst pal- 
mettenartigen Blättern, zu beiden 
Seiten desselben als Akanthus- 
ranken gebildete Akroterien. 

Primus Aebutius^ L{uc%) f(ilivb8\ Veiu- 

ria (tribu), Fla(cenHa) ^ vet[er]amis ex 

j 8(ignifero) leg{ioni8) XIIII^ anno{rum) 

J LV, aeroru(m) XXII^ h(ie) s(itu8) e(8t). 

Primus Aebutius, des Lucius Sohn, 
von dem veturischen Bürgerverbande, 
aus Placentia (j. Piacenza), ehemaliger 
Fahnenträger der vierzehnten Legion, 
55 Jahre alt, 22 im Dienst, liegt hier 
begraben. 

Der Stein war in der Mitte gebrochen, 
daher die Verstümmelung an dieser 
Stelle. — Die Buchstaben sind sehr un- 
regelmässig eingehauen. — Primus ist 
Praenomen, schon darum, weil ein 
solches, was vor der Angabe L.F* nicht 
angeht, fehlen wurde, wenn Primus 
Cognomen wäre. — aerorum statt 
aerum auch noch auf drei anderen 
Steinen des Mainzer Museums. — Die 
stilisierten Akroterien und die Formel 
hie Situs est deuten auf das erste Jahr- 
hundert n. Chr.; in der That lag die 
14. Legion in den Jahren 14 — 43 und 
Vergl. Velke, Korrbl. VIII, Sp. 245. 



41 



49. Grabstein des Q. Lo(llius?), gefunden im April 1892 
hinter dem Fort Karl, wo er als Deckplatte einer fränkischen, 
sonst mit Steinen abgegrenzten Grabstätte verwendet war. Ge- 
schenk der Militärbehörde. H. n. Br. der Schriftfläche 105 u. 
56, D. 17 cm. 

Q(uintus) Lo\lliu8 ?], M{arci) /(ilius), Volf(inia 
tribu)f — , mil(es) legiionU) XIIII geminae, 
ann{prum) XXXX^ 8Hp(€ndiorum) XVI 11^ h{ic) 
8{ittL8) e{st), 

Quintus Lo(lliu8?), des Marcus Sohn, von 
{;] dem voltinischen B&rgerverbande, aas ?, Soldat 
der vierzehnten Legion, der doppelten, 40 Jahre 
alt, 18 im Dienst, liegt hier begraben. 

Z. 1 ist die linke Eundang des nur noch 
im Brach erhalten, daher bei der Nachbildung 
nicht sichtbar — Fftr den Schlass des Gentiles 
ist kaum noch Platz: er stand also wohl aaf 
dem Eand. Ähnliches gilt für den Heimats- 
namen, wenn er üherhaapt angegeben war. — 
Ob Z. 3 XIII oder XIIII gestanden, lässt sich 
nicht entscheiden. Indes hat sich von einem 
gemeinen Soldaten der dreizehnten Legion, 
welche während der hier in Betracht kommen- 
den Jahre zwar zam obergermanischen Heer gehörte, aber in Yindonissa 
(j. Windisch in der Schweiz) lag, in Mainz noch kein Grabstein gefunden. 
Daher besitzt die Einsetzung der vierzehnten Legion hier die grösste Wahr- 
scheinlichkeit. — Nach dem Fehlen des Cognomens gehört der Stein in 
die Zeit vor Claudius (41—60). 

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 291. 




1:20 



50. Grabstein des Italikers Q. Clodius. Alter Bestand. Kalk- 
stein. H. 77, Br. 49, D. 15 cm. In dem runden Abschluss- 
bogen eine roh eingehauene Rose. 

Q{uinttL8) Clodius^ Q(uintt) /{ilius) Ani{end tribu), 
Verc{e1)li8 , [mi\l{t8) leg(ionis) XIIII geminae^ 
[ann{prum) X]XXV , . . . 

Quintus Clodius, des Quintus Sohn, von dem 
aniensischen Bürgerverbande, aus Yercellae (j. 
Vercelli), Soldat der vierzehnten Legion, der doppelten, 
35 Jahre alt, .... 

Das Gentile reicht noch üher die Umrahmung 
hinaus, wie auch nachher Punkte und Buchstaben- 
teile auf ihr stehen. — Z. 3 Verdis verschrieben 
für Vercellis, — Z. 5 passt XIHI besser in den 
Baum als XIII; ausserdem vergl. das zu Nr. 49 
1:20 Gesagte. — Z. 6 lautete entweder : ANN-XXXXV 

oder AN • XXXXV. — Das Fehlen des Cognomens lässt auf die Zeit vor 
Claudius schliessen; in den Jahren 14—43 n. Chr. stand die vierzehnte 
Legion zum ersten Mal in Mainz. 




— 42 — 



d. Soldaten der zweiundzwanzigsten Legion« 



51. Grabstein des C. P(?)ullinius Decimus, lag bis zum 
1. Juli 1895 unter einem grossen Steinkreuz an der Elisabethen- 
strasse, V2 Stde. von Kastei. Kalkstein. H. 90, Br. 95, D. 32 cm. 
In dem sehr beschädigten Giebel eine Rosette. 




^ 1:10 

D{ls) [M(anibuif)]. C{aio) \^P{^)\ullinio Decimo, [te[8)'\9€rarxo l€g{ioni8) 
XXII }){rimigeniae) p(lae) f^idelis)^ an(7i)orum XXX VIF, 8tipen{d)iorum X VIII 
Regln iu8 .... eques 

Den Manen (Schattengöttern); Dem Gajus P(?)ullinius Decimns, dem 
Tesserarius der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflicht- 
treuen und zuverlässigen, welcher 37 Jahre alt war und 18 diente, hat der 
Reiter Reginius 

Durch drei eingehauene Dollenlöcher, sowie durch Absplitternng ist 
die Inschrift leider sehr beschädigt. — Z. 2 wäre auch Jullinio u. ä. denk- 
bar. — Z. 3 sind vor S die Füsse von TE eben noch sichtbar; tesserarius 
ist derjenige ünterofficier, der die vom Feldherrn für die Nacht gegebene, 
auf ein Holztäfelchen geschriebene Parole (tessera) den Truppen überbrachte. 
— Z. 4 annorum mit einem n. — Z. 5 stipendiorum ohne d geschrieben. — 
Z. 6 das Cognomon bis auf eine Senkrechte ausgefallen. — Z. 7 noch uner- 
klärt; am Ende vermutet Zaugemeister ; [e]x ({ustode) a(rmorum), — Z. 8 



— 43 — 

unsichere Buchstabenreste. — Der Stein ist jedenfalls junger als 90 n. 
Chr. ; in diesem Jahr erhielt die Legion die Beinamen pia fidelis wegen 
ihrer bei Unterdrückung des Aufstandes des Saturninus bewiesenen Treue. 
(s. Ritterling, de leg. X, gem. p. 11 ff.). 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XfV, Sp. 180. 

52. Grabstein des C. Valerius Secundus, gefunden am 23. Juni 
1888 an der Böschung der neuen Anlage gegenüber der Eisen- 
bahn-Überführung. Er war als Deckel eines Frauen-Sarkophags 
verwandt. Grauer Sandstein. H. 210 (wovon die Hälfte in der 
Erde steckte und deshalb rauh gelassen wurde), Br. 64, D. 25 cm. 
Den oberen Abschluss bildet ein leider sehr beschädigtes Relief: 
zwei Greife halten mit je einer Tatze einen schalenartigen Gegen- 
stand, aus welchem Keller noch drei Mohnstengel mit den Kapseln 
hervorwachsen sah. In den Zwickeln zwischen dem Inschriftfeld 
und der oberen Querleiste schwebt je ein Delphin, den Kopf nach 
abwärts gerichtet. 

D(^is) M(anibus). C{aiu8) Valerius] Secundus, 
mil{e8) legiionia) XXII pr{imigeniae) p{iae) /{idelis)^ 
stip(endiorum) XXV \ Valerius Veranius fratri 
f[aciendum) c(uravit). 

. . _ Den Manen (Schattengöttern). Gajus Valerius 

Sft'VALEKIV^^l Secundus, Soldat der zweiundzwanzigsten Legion, 

1.1/ , ,^ f^i ir* -i n jgy eistgeworbenen, frommen und treuen, 25 Jahre 

im Dienst. Valerius Veranius Hess (diesen Stein) 
seinem Bruder setzen. 

Das Denkmal gehört etwa in das zweite Jahr- 
hundert n. Chr. ; denn der Umstand, dass es als 
Deckel eines spätrömischen Sarkophages diente, 
lässt auf frühe Zeit schliessen , aber nicht vor 



SECVNDVSMIIU 
LEGXXIIPflPF 
STIPXXVVAL 
VEKANIVS 
FHATKIFC 



- " j.'^ 90 n. Chr. (vergl. z Nr. 51). 

Vergl.* Keller, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 167. 

53. Steinsarg des Vitalinius Salutaris, gefunden im April 1892 
hinter dem Fort Karl. Geschenk der Militärbehörde. Roter Sand- 
stein. H. 69, L. 220, Br. 80, Wandstärke 12 cm. Bei der 
Auffindung war der Sarg seines Inhalts bereits beraubt. 

</lTALINIOSALVTARI'EQ:LECXXIIP> 
a-Q.VINTlNAVXOR.'J'SALVTARlI 
VICTORINAVICTOKINVS 
V I C T O R'FIL I 

F ' C 

1:22 
Vitalinio Salutari, eq{uiti) leg{ioms) XXII pr[imigeniae\ Q{uintinia ?) 
Quintina uxor et Salutarii Victorina , Victorinus , Victor fili /(aeiendum) 
e(uraverunt). 



— 44 — 

Dem Vitalinius Salutaris, Reiter der zweiundzwanzigsten Legion, der 
erstgeworbenen, haben seine Gattin Q(aintinia ?) Qaintina und seine Kinder 
Salutaria Victorina, Salutarius Yictorinus und Salutarius Victor (diesen 
Sarg) machen lassen. 

Z. 1 a. E. stand entweder bloss PR (primigeniae) , wie oben an- 
genommen, oder die letzte Senkrechte ist zu P zu ergänzen, dem dann 
wohl ein kleines F untergeschrieben war {primig eniae piae ßdelis). — 
Z. 2 a. A. ist Q. wahrscheinlich Abkürzung des Geschlechtsnamens, denn 
Q{uae8tori) ist nach equiti nicht gut möglich. — Die Inschrift bietet einen 
hübschen Beleg für die eigentümliche Namenbildung, dass Kinder (und 
Freigelassene) ein nach dem Cognomen des Vaters (oder Patrons) gebildetes 
Gentile haben. Dabei sind die Cognomina aller Geschwister, wie das oft 
der Fall ist, von einem Stamm gebildet. — Der Sarg stammt wohl ans 
dem dritten Jahrhundert n. Chr., um dessen Mitte die Brandgräber durch 
Skelettgräber verdrängt werden. Der letzte datierte Stein, auf dem die 
22. Legion vorkommt, ist der Annianus-Stein (vergl. Nr. 1) v. J. 242; über- 
haupt erwähnt wird sie zuletzt auf einer Münze des Caransius (287 — 293) 
(vergl. Cohen, 149). Freilich stand sie wohl bis zum Ende der Römer- 
herrschaft in Mainz, aber die sorgfältige Arbeit spricht gegen das vierte 
Jahrhundert. 

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 291. 



54. Grabstein des Kärtners Catulus, gefunden am 30. April 
1895 beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein. 
H. 68 (an der vorderen Fläche nur 58), Br. 70, D. 50 cm. Der 
Oberteil fehlt. 

-^v^^^^^,^^ — -^,^ .... Catulus^ VirunOj mt7(efi) leg{ioni8) XXI[1'^ 

(J/\| V L V !V\v pr(imigeniae)f anfnorum) i/F, 8Hp(endlorum) 
W j D W |\J (^^)-vj| j ^^^f h(ic) 8{ittL8) e{8t) : h{ere8) /{(iciendum) 

PQ^M^A\KTH. * ■ " ^**^^"^ ^^ Virunum (j. Zollfeld bei 

I K'AlM'LV'N I 1|I|. Klagenfurt in Kärnten), Soldat der zweiund- 

aXXtiSl'Ht'CIII zwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, 55 

Jahre alt, 30 im Dienste, liegt hier begraben. 



1*20 

Sein Erbe liess (ihm diesen Grabstein) fertigen. 

Z. 1 ist von dem Querstriche des T nur noch der rechte Apex schwach 
sichtbar; ebenso ist Z. 4 das mit P gebundene I in dem Worte STIP 
nicht mehr sehr deutlich, aber doch wohl sicher. 

Der Stein stammt aus den Jahren 43—70, wo die 22. Legion zam 
ersten Male in Mainz stand ; darauf fuhrt der Umstand , dass die Legion 
nur primigeriia, nicht auch ^na ßdelis heisst (s. z. Nr. 51) in Verbindung 
mit der Anwendung der Formel H • S • E, die auf rheinischen Denkmälern 
nur im ersten Jahrhundert vorkommt. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 84. 



55. Bruchstück von dem Grabstein eines Unbekannten. Alter 
Bestand. Kalkstein. H. 25, Br. 27, D. 8 cm. 



45 



"m. 



:il 'PRl 
IIKT 



Aus der zweiten und dritten Zeile ergibt sich, 
dass nnser Bruchstück von dem Grabstein eines 
Soldaten der zweiandzwanzigsten Legion stammt. 
In der ersten Zeile würde man also die Formel 
MIL(c«) [LEG(ionw)] erwarten. Aber die Buch- 
stabengruppe MI ist von dem folgenden L soweit 
getrennt, dass beide schwerlich zu einem Wort ge- 
hört haben können, auch ist in dem Bruchrand 
noch deutlich der trennende Funkt erkennbar. Man 
wird also wohl annehmen müssen, dass der Stein- 
metz (vielleicht aus Versehen) MI statt MIL ein- 
Die vorausgehende Bucbstabengruppe LI' gehörte dann zur 
Am Ende der Z. 2 lassen die erhaltenen Spuren 



1:10 

gehauen hat. 
Heimatsbezeichnung. 

darauf schliessen, dass auf FBl{migenla) sogleich mit AN{norum) die Alters- 
angäbe folgte, nicht etwa weitere Legionsbeinamen. — Z. 4 gehören die 
Buchstaben P (od. B od. R) OTT wohl zum Namen des Mannes, der den 
Stein gesetzt; auffallend ist jedoch der weite Zwischenraum zwischen 
und T. — Zu lesen wäre also mit Berücksichtigung des bei der Ergänzung 
der ersten und zweiten Zeile sich ergebenden Raumes : . . . LI- MI(les) 
L[EG(ionü) X\XIl PRI{migemae) [ANlnorum) XX] VIII' ST[I{pendiorum) 
r//?] .... — Da die Legion nur den Beinamen primigenia führt, so 
dürfte der Stein wohl während der Zeit ihres ersten Aufenthaltes in 
Mainz (43 — 70) gesetzt sein; sicher ist dies nicht. 



e. Soldaten der Hilfstruppen. 

56. Grabstein des C. Julius Hastaius (von der ersten Cohorte 
der Bogenschützen) und der Amoena, gefunden im Februar 1891 
zu Bingen. Geschenk des Herrn Dr. P. Puricelli. Bräunlicher 
Sandstein. H. (von der ünterkante der Inschrift an) 128, Br. 69, 
D. 23 cm. In dem runden Abschlussbogen eine grössere und 
zwei kleinere Rosetten. 

C{aiu8) Julius Hastaius^ c(o)hor(ti8) 8agi{ttari- 
orum) mi8(8)iciu8 (et) Amoena l{iberta) h{ic) 8(iti) 
8(unt). 

Gajus JuUus Hastaius, veraUschiedeter Soldat 
der Cohorte der Bogenschützen, nnd die Frei- 
gelassene Amöna sind hier begrahen. 

Die cohor8 I sagittariorum (deren Nummer 
hier weggelassen ist) ist noch aus drei weiteren 
zu Bingen oder Bingerbrück gefundenen Grab- 
steinen bekannt (Bramb. 738 und 739, Korrbl. 
d. W. Z. XVI, Sp. 36). Sie scheint aus Orientalen 
bestanden zu haben. — Z. 4 misicius für 
missicius. Zu dem Asyndeton Z. 4 und 5 vergl. 
z. B. Bramb. 737. — Die Schlussforrael H ' S * S 
lässt auf das erste Jahrhundert n. Chr. schliessen ; 
damit stimmt auch die Abkürzung SAGI, 
welche mit dem Ende statt mit dem Anfang 
der Silbe abbricht. Gerade auf den ältesten 
Inschriften der Eheinlande finden sich hiervon 
zahlreiche Beispiele. 

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 300 




f 



ASTAIV5 
(BQßiSACI 
AAISICIV5I 
AMOI 
AL HS'S 



■ jtMjkUüa ai iw 



1:20 



— 46 — 

57. Grabstein des Dataurters Beasas Tvea der vierten Cohorte 
der Daimater;. gefunden im Mai 1S62 oberhalb des englischen 
Hofes Tor dem Draisthor in Bingen : 6es€h«ik des Herrn Wein- 
händlers Sander in Bingen i23. Aog. 1895). Kalkstein. H. 61, 
Br. Gl, D. 15 cm. In dem Giebel über der Inschrift eine grössere 
und zwei kleinere Rosetten: auf beiden Seiten desselben je ein 
nach unten schauender Delphin, eine Kose mid drei als Akanthus- 
ranken gebildete Äkroterien. 

Beu»a4^ Sutt\ßilius\, Delmai{a), nnl{es) coh{ort%») 
IUI [Dtlmat]aruMi 

Bensas, des Sattos Sohn, aus Dalmatien, Soldat 
der rierten Cohorte der Dalmater 




ßEVSAS^Wr 
I j TIFDELMAT 



Delmata, andere Schreibweise für Dalmata. 
Z. 4 a. E- sind noch die Köpfe der vier letzten 
Bachstaben des Wortes D£LMATAB(tim) erhalten. 
— Dass die vierte Cohorte der Dahnater in der 
Gegend von Bingen stand, ist aach noch dordi 
zwei andere in Bingerbräck gefandene Grabsteine 
(Bramb. 741 a. 742) bezengt. — Die Verzierang 
ntben dem Giebel lässt aaf das erste Jahrhundert 
n. Chr. schliessen, and zwar auf die Zeit vor 74, da in den Militärdiplomen 
der nächsten 60 Jahre zwar die dritte nnd fanfte, nicht aber die vierte 
Dalmater-Cohorte vorkommt. 

Vergl. Bramb. C. J. Rh. 869. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV. Sp. 8. 



1:20. 



58. Bruchstück von dem Grabstein eines Soldaten einer 
Thracier-Cohorte. Alter Bestand. Kalkstein. H. 37, Br. 28, 
D. 19 cm. 

Aas Z. 1 ersieht man, dass der Verstorbene 
einer Thraciercohorte angehörte, welcher, 
ist ungewiss, zumal über die Herkanft des 
Steines nichts bekannt ist; in Betracht 
kommt die erste, vierte und sechste. — Nach 
Z. 2 betrag seine Dienstzeit 13 Jahre. — 
Nach Z. 3, wo a. A. noch Reste der drei 
letzten Ruchstaben des Wortes Acre» sicht- 
bar sind, liess ihm sein Erbe den Grabstein 
setzen. 



mpxiiL 



1:15 



59. Grabstein eines Reiters einer spanischen Ala (Schwadron), 

gefunden am 26. April 1896 bei Eanalbauten in der grossen 
Eninieransstrasse gegenüber dem Haus Nr. 25. Kalkstein. H: 150, 
Br. 87, I). 30 cm. 75 cm der Höhe sind roh zubehauen; auf 
die Inschriftfläche kommen nur 25 cm. Mit dem Anfang der 
Inschrift ist auch die sicherlich darüber befindliche Beiter- 
darstellung verloren. Rechts ist noch etwas von einer säulen- 
artigen Verzierung übrig. 




— 47 — 

. . . eques [a\la{e) Eispanorum [st]up(en' 
diorum) XXII a'n[n)o(rum) XLV hi(c) 
Situs est, 

. . Reiter der spanischen Ala (Schwad- 
ron), 22 Jahre im Dienst, 45 alt, liegt 
hier begrahen. 

1-15 Z. 1 sind vor EQVES noch Buch- 

stabenreste erhalten (A mit vorausgehender und folgender Senkrechte), 
die wohl zum Namen der Heiraath gehörten. — Dieselbe Ala ist auch auf 
zwei Wormser Steinen genannt (Weckerling, die römische Abteilung des 
Paulusmuseums, S. 60 if.), sowie auf einem in Mainz gefundenen, der jetzt 
in Mannheim steht (Hang, die römischen Denksteine des Grossherzoglichen 
Antiquariums in Mannheim, S. 36). — Z. 2 [A]LA für ALAE. — Z. 3 
[ST]VP = STIP. — ANO- und Z. 4 HI- seltene Abkürzungen für AN- und 
H; bei ersterem ist noch das Fehlen eines N zu bemerken. — Nach der 
Schlussformel stammt der Stein aus dem ersten Jahrhundert und zwar 
vermutlich aus der ersten Hälfte desselben,, da eine ala Hispanorum in 
keinem der 5 erhaltenen, aus den Jahren 74 — 134 stammenden Militär- 
diplomen genannt ist. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 162. 

60. Grabmal des Betasiers Annauso von der zweiten flavischen 

Ala (Schwadron), gefunden im 17. Jahrhundert im Vorhause der 
alten Peterskirche und später beim Bau des Minoritenklosters 
verwendet. Kalkstein. H. 128, Br. 75, D. 13 cm. 

Der Grabstein ist offenbar, wie die bis auf Einzelheiten sich er- 
streckende Ähnlichkeit beweist, in derselben Werkstätte gearbeitet worden, 
wie der viel besser erhaltene des C. Romanius Capito (Becker, Nr. 224; 
oftmals abgebildet, z. B. Lindenschmit , Altert, unserer heidn. Vorz. III. 
VIII. 4; derselbe, Tracht und Bewaffnung des römischen Heeres, VII, 3, 
beidemal mit eingehender Beschreibung). Üeber der Inschrift befindet sich 
in einer Nische unter einem mit Blattwerk verzierten Bogen die Dar- 
stellung des vollständig bewaffneten, bärtigen Reiters, der sein Pferd über 
einen besiegten Feind hinwegsprengen lässt. Den Kopf bedeckt ein Helm 
mit Stirnschild und Nackenschirm ; in der Helmhaube ist zur Verstärkung 
ihrer Widerstandsfähigkeit die Nachbildung von Haarlocken ausgehämmert. 
Der Lederpanzer ist an seinem unteren Rande geschlitzt und mit breiten, 
nach innen aufgerollten Achselplatten versehen, welche durch eine Spange 
zusammengehalten werden; er reicht bis zum Oberschenkel. Von etwa 
vorhanden gewesenen Hosen ist nichts mehr sichtbar. Der Fuss ist ab- 
gebrochen. Der Reiter schwingt mit der Rechten die Wurflanze, in der 
Linken führt er einen verhältnissmässig sehr langen sechseckigen, mit 
einem starken Metallrand beschlagenen Schild. Am Gürtel hängt auf der 
rechten Seite das lange Reiterschwert, an dessen Griff der grosse Knauf 
bemerkenswert ist. Drei runde, mit concentrischen Kreisen verzierte 
Schmuckplatten sind am Riemenzeug des Pferdes sichtbar. Am Sattel 
fällt das stark aufstrebende Rückende des Sitzes auf. Links im Hinter- 
grund steht ein Sklave, der zum Unterschied von dem auf dem Romanius- 
Stein dargestellten keine Waffen trägt. Er scheint mit Hosen und mit 
dem Sagum, dem gallischen weiten Ärmelmantel (vergl. Hcttner, Westd. 
Zeitschr. II. 11) bekleidet zu sein; am Hals wird der breite Saum des 
im Rücken hängenden Cucullus (Kapuze) sichtbar. Der am Boden liegende 
Feind — natürlich ist an einen Germanen zu denken — hält in der Linken 
einen ebenfalls länglich-sechseckigen, aber viel kürzeren Schild, bei welchem 
der auf gallischen Schilden häufige Grat deutlich hervortritt. In der 
Rechten hat er ein nach unten gekehrtes Schwert oder Messer, von welchem 
nur der Knauf sichtbar ist. 



— 48 



f ;~ 



A^^^^/sosoA: 

VONISf CIVES 
.BETAStv '" 



1:13 



i* «f(iio) «Ice] // J'torta[e 

des SedATO Sohn, 
der Bekaaier - Gemeinde 
.BceCz m BnlNUitX ehemaliger 
S<Mat der iweitea flamehen Ak, 
der dofpdtcB, li^ hier hegrahen. 
Z. 1 b^gnat das O, da es kleiner 
Kt als die aadenn Bachstahen, 
SewiBB kein aeiies Wort, wie 
Becker meinte; sMidefn gchöft lam Torhergeheadca. Der Puikt dahinter 
iit aUerüngs iveifelhaft — Mit dem XamcB Sedmwo ist zu rergleichen 
ff^dmur^y anf einer KohKT and das daron abgleitete Haldmuoaniu» auf 
einer Bonner Inschrift (s. Zaag«»eiiln; Westd. Zeitschr. XI. 273). — 
Ciret in Germanien and Gallien sehr banfig for dria — Der Z. 3 hinter 
BETASI deatlieb sidithare Pankt ist so iladi eü^c^anen, dass man an- 
nehmen darf, er beniht aaf einem frib bemokten Ycndien. — Bei den 
Tnippenahteihmgen, veldie aas Xiehtbärgem bestehen, wird die politische 
Heimat dnrdigänging darcb das Ethnicam beiädmet (Mommsen, 
Hermes, XII, 25). 

Die ala II Flarim ^fmmm kommt nar aaf den bdden fr&hesten 
Militir-Diplomen Tor, die wir Ton den Hil£atiiippcn Oberipermaniens be- 
sitzen, anf denjenigen xon 74 and 83; sdwn im Jahre 90 scheint sie 
nicht mehr hier gewesa sein, sie ist also anter den FlaTiorn gekommen 
and anch gegangen. Dadorch ist die Zeit des Steines genfigmid bestimmt. 
Ergininng und Eiklirang nach Mittdling Gandermanns und 
Zangemeisters. 

YergL Becker, röuL Inschr. t. Mainz, Kr. 221. 



f. Grabsteine von Soldaten unbekannter 
Zugehörigkeit 



61. Grabstein eines Unbekannten. Alter Bestand. Kalkstein. 
H. 92, Br. 33, D. 19 cm. 

Die Bnchstabenreste der ersten Zeile gehören wohl 
xnm Namen : C{aitu) C . . . Z. 2 folgt die Angabe 
des Börgerrerbandes (Tribos): es war der pnblilische; 
der Heimatsname scheint mit A begonnen sn haben. 
Die L^on, der der Verstorbene ang^drte, ist weg- 
gefaUen, ebenso der grösste Teil der Xltersbeaeichnnng. 
Aaf die Formel T * F - 1 * = tutawkento ßeri iusnt folgte 
der Name desjenigen, der gemäss der testamentarischen 
Verfügung des Verstorbenen den Stein setzen Uess. 
Der letzte Buchstabe scheint ein D gewesen tu sein. 



iPVBi 
Mit 



1:15 



62. Bruchstuck von dem Grabstein des Asper. Alter Bestand. 
Unförmlicher Steinklotz. U. und Br. der Schriftflftche 22 und 



— 49 — 

^.^ 32, D. 22 cm. Über der Inschrift undeut- 
S?K^^'\ liehe Teile der Bekrönung des Steines. 

^^fl Z. 1 ist vor dem Cognomen Asper noch das Ende 

eines V mit dahinter stehendem Punkt sichtbar. — 
Z. 2 scheint die Tribus VolHnia genannt zu sein; 
Asper war also römischer Bürger und höchstwahr- 
scheinlich — wenn man die Verhältnisse des römischen 
Mainz in Betracht zieht — Legionssoldat. 




1:15 



63. Grabstein eines Unbekannten, bildete im Kreuzgang der 
Stephanskirche einen Teil des Bodenbelags; von den Herren 0. 
Winterhelt aus Miltenberg und P. Th. Kessler aus Mainz entdeckt, 
wurde er als Geschenk des Herrn Pfarrers Körner am 10. Juli 1895 
ins Museum verbracht. Leider sind von den vier Stücken, in 
die er zerschlagen war, nur drei aufgefunden worden, und zwar 
in sehr beschädigtem Zustand: die drei ersten Zeilen sind mit 
grosser Gründlichkeit ausgemeiselt und an den Spaltungskanten 
ist jedesmal der Raum von etwa einer Zeile verloren gegangen. — 
Sandstein. Die Bruchstücke sind 17 cm dick und haben folgende 
Grösse: a) H. 43, Br. 34 cm; b) H. 70 (den inschriftlosen unteren 
Teil gibt die Nachbildung nicht ganz wieder), Br. 36 cm; 
c) H. 52, Br. 35 cm. 

. . . o{enturia) Clau(dt) 
[S]ecund{f [an{norum) 
• • • I st]i(pendiortim) 
trium h(ic) 8{itU9) e{8t): 
heredes [f]ece(runt) et 
vi{ator) dic{at) , sit 
t[ibi terra levis]. 

, . . aus der Centarie 
des Claudias Secun- 
dus , . . . Jahre alt, 
3 im Dienst, liegt 
hier begraben. Seine 
Erben Hessen (ihm 

diesen Denkstein) 

setzen und der 

Wanderer sage : möge 

die Erde ihm leicht 

sein. 

Z. 1 ist mit Sicher- 
heit nur noch ein A 
und ein K zu erkennen; Z. 3 a. E. steht eine zur Legionsbezeichnung 
gehörige I. — Die Formel H • S • E weist auf das erste Jahrh. n. Chr. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 181. 




50 



g. Privatleute, Frauen und Kinder. 



64. Grabstein des Gamuxperus^ gefunden am 18. April 1895 
beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein. H. und 
Br. 58, D 11 cm. 

I){is) M[anibu8). Gamuxpero, Andangi 
{filio)f Titus filius fac(iendem) cur(avit). 

Den Manen (Schattengöttem). Dem 
Gamuxperas, dem Sohn des Andangns, bat 
sein Sohn Titus (diesen Grabstein) setzen 
lassen. 



IP 



D ' M 
GAMVXP3lo| 

ANQANGI 
TI T V S 
Fl LIV S 
FAC' CVRI 



Also Vater und Grossvater haben noch 
barbarische, der Enkel bereits einen rö- 
mischen Namen. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XI7, 
Sp. 83. 



1:16. 



65. Grabdenkmal des Q. Voltius Viator, gefunden Mitte Juni 
1888 bei Erweiterung der „Neuen Anlage". Er war zuletzt als 
Deckel eines Steinsargs verwandt, in welchem eine mit Gyps 
übergossene Leiche lag. Weisslicher Kalkstein. H. 275, Br. 75, 
D. 30 cm. Von der Höhe kommen 80 cm auf den roh ge- 
lassenen Sockel, der zum Einstecken in den Boden bestimmt 
war; dann folgt nach einem glatt bearbeiteten Stück das 51 cm 
hohe, etwas eingetiefte Inschriftfeld, von kräftigen Profilen um- 
rahmt ; darauf ein 88 cm hohes gleichfalls eingetieftes Skulptur- 
feld mit der Darstellung des Verstorbenen; zuletzt eine 35 cm 
hohe flache Nische mit sitzender sphinxartiger Figur. Das Ganze 
schliesst giebelförmig ab, an den Ecken streben aufrecht stehende 
Ohren empor, die mit je drei Ranken verziert sind. 

Eigentümlich ist die Skulptur-Darstellung des Verstorbenen. In der 
Mitte steht der Jüngling in Tunica und Faenala zwischen seinen zwei 
Pferden oder Maultieren; dabei stützt er auf den Bug des vorderen die 
Rechte, mit welcher er die Zügel beider Tiere hält, während er mit der 
langgestreckten Linken die Gerte zum Treiben gefasst hat. In kindlich- 
naiver Weise hat der Steinmetz die Perspektive zu ersetzen und alle drei 
Gestalten zur Anschauung zu bringen gesucht. Der Körper des Jünglings 
ist in zwei Hälften zerschnitten, von denen die eine über dem Bücken, die 
andere unter dem Bauch des vorderen Tieres sichtbar wird (noch dazu 
seitlich etwas verschoben) : es sollte eben nichts verdeckt werden. Natürlich 
erscheint die Gestalt dadurch übermenschlich lang. Dieser Eindruck wird 
noch dadurch erhöht, dass die Tiere nicht auf gleicher Fläche, wie der 
Jüngling, sondern mit Vorder- und Hinterbeinen auf je einem kubischen 
Sockel stehen, das hintere steht — namentlich mit dem Hinterleib — 
noch höher. Wir werden in dem sechzehnjährigen Jüngling mit seinen 
zwei Tieren wohl einen jungen Bauernsohn oder auch einen jugendUehen 
Pferdehändler zu erkennen haben, den der Steinmetz nach römischer Sitte 
80 dargestellt hat, wie er im Leben zu erscheinen pflegte. Das Belief ist 
flach eingehauen und macht auf künstlerischen Wert keinerlei Anspruch. 



51 






loyoLTivsci 

H • ^, '. E ;! 

MATER- ETPATERi- 
mO'PIETATroS^/.l 



1:15 



Vergl. Keller, Korrbl. d. W. 
Zeitschr. YIII, Tafel 11. 



Q(uintus) Voltius, Q(uintt) f{üiu8), 
Viator, an(norum) XVI, h{ie) 8{itui) 
e(st): mater et pater pro pietat(e) 
posuere. 

Qaintus Yoltius Viator, des Quintus 
Sohn, 16 Jahre alt, liegt hier begraben. 
Seine Mutter und sein Vater haben 
ihm aus Liebe (diesen Stein) gesetzt. 

Z. 1 steht F zum Teil auf der Rand- 
leiste. — Die Formel hie situs est 
weist auf das erste Jahrhundert n. Chr. 
Z. Vm, Sp. 214; abgebildet Westd. 



66. Bruchstück von dem Steinsarg des Vind(ius?), gefunden 
im Juli 1897 bei Kanalisirung der Frühlingsstrasse in Kastei. 

Geschenk der Bürgermeisterei 




Ti VI 

DI V S P R 1 
I I-PRPFß-FTR'ß\ 
C I NVSF RA 




1:1B. 



Kastei. Roter Sandstein. H. 42, 
Br. 75, D. 12 cm. 

Da die römischen Steinsärge 
bis zu 2,25 m lang sind, so können 
links gegen 1,60 m fehlen. Be- 
rücksichtigt man dies und den 
Umstand, dass nach Z. 4 von Ge- 
schwistern die Rede ist, deren 
Cognomina oftmals miteinander 
und mit denjenigen des Vaters 
verwandt sind, so dürfte folgende 
Ergänzung möglich erscheinen: 

[D{is) M(anibu8) et perpet(uae) 8ecuri]tati Vindt[ Vin]diu8 [Priscianus 

mU{e8 legiionU) X[XII pr{imigeniae) p(iae) /(idelis), h{ene)f(lciariti8) tri- 
b{unt) et Vindi Priscus et Prücinus, fra\ter et fratri8 fil\l heredes /(acien- 
dum) c{uraverunt). 

Den Manen und der ewigen Euhe des Vindius . . . haben sein 
Bruder Vindius Priscianus, Soldat der zweiund zwanzigsten Legion, Bene- 
ficiarns (Bureaubeamter) eines Tribunen und Priscus Vindius und Priscinus 
Vindius, seine Neffen, als Erben (diesen Sarg; machen lassen. 

Auffallend ist bei dieser zum Teil auf Mitteilungen Zangemeisters be- 
ruhenden Ergänzung, dass Z. 1 hinter der Buchstabenß^ruppe TATI kein 
Punkt steht oder gestanden hat. — Das Gentile ist aus Z. 1 und 2 com- 
biniert; es ist auch sonst nicht selten. — Der Sarg stammt vermutlich 
aus dem dritten Jahrhundert (s. z. Nr. 53). 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 33. 

67. Steinsarg eines Registrators, gefunden im Sommer 1888 
auf dem römischen Friedhof in der „Neuen Anlage". Gelblicher 
Sandstein. H. 59, L. 143, T. 75, Wandstärke 15 cm. Der 
Sarkophag wurde als Bruchstück (links fehlt etwa die Hälfte der 
Inschrift) und leer gefunden. Die Mitte ist durch einen roh ein- 
gehanenen Palmzweig gekennzeichnet. 




/RTtabvlamoj 
a-conivx/^m^ 
clafiuae-ether *2^'>w 



..] imlmlmrio 
. .1^ eomimi^ Aur 



r DemBegistntor... 

1:30 bmbcB leiiie Gatkm 

... da and seine Töchter nad Erbinneii Aiirriia(?) . . . md Anrdia (?)... roda 
(diesen Sarg) machen liwn. 

Der Friedhof in der Anlage geht^rte der biigeriicheD Berölkemng 
des römischen Mainz an. — Der Sark<^hag stammt etwa ans dem dritten 
Jahihnndert (s. z. Nr. 53). 

Vergl. Keller, KorrbL d, W. Z. Tm, Sp. 170. 



Stein. H. 24, Br 





KBVENßr 

1:10 



68. Bruchstück von den Grabstein eines Freigelassenen, ge- 

fanden am 4. April 1897 beim Abbrach des Nenthores. Ealk- 

11 cm. 

Beddere pa\trimo cum\ 

Munera facta [ro/e^«i], 

Pereeni in teneb\ras\ 

D'Uuq{ue) ad Tartara [praeceps] 

Et luce ereptus tris[ti8] 

[Per funera mortis]. 
Als ich meinem Beschützer die erwiesenen 

Wohlthaten vergelten wollte, sank ich jäh- 
lings ins Dunkel hinab und in des Pinto Unterwelt nnd, dem Lichte ent- 
rissen, ins Grab des finsteren Todes. 

Z. 1 sind noch Buchstabenrestc vorhanden, die der Entziffemng 
einstweilen noch harren. — Z. 4 a. E. ist im Bruch die Senkrechte des 
B erhalten. — Z. 6 luce für litci; a. E. wird noch der Fuss eines S sicht- 
bar. — Über die Zeit der Inschrift wage ich kein Urteil abzugeben. 

Vergl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. XIII, 300 (wo nach einem 
Vorschlage Zangemeisters Zeilen 2 und 3 als Pentameter ergänzt sind: 
redt lere patrono munera facta mihi) und Bücheler und Eiese, Antol. lat. 
II, H4(), Nr. 1828. 

69 u. 70. Steinsarg der Attiania Ursa mit Deckel von dem 
Steinsarg des L. Peregrinius Justinus, gefunden im 20. Juni 1888 
beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Bheinallee. Geschenk 
dos Hauherrn, Herrn Geh. Kommerzienrats Keuleaux. Eoter 
Sandstein. H. 68 (mit Deckel 105), L. 225, Br. 68, Wand- 
stärke 21 cm. Der Deckel gehörte nach Ausweis der iDSchrift 
ursprünglich zu einem anderen Sarg. Dieser Umstand, sowie 
die gute Erhaltung der in dem Sarkophag aufgefundenen Gerippe 
und der Mangel jeglicher Beigabe beweisen, dass der letzte 
Inhaber bereits einer spateren, christlichen Zeit angehört hat. 



— 53 — 

Der Deckel hat an den Ecken vier oben abgerundete viereckige 
Aufsätze. Der Sarg zeigt neben der Inschrift eine sehr flach 
gehaltene Verzierung 





ATTIAN lAEVKSAEDOMlTlVS SAL 

VIANVSCON IVNXCTDOM ITI I 

VKSVSETSALVlAn LI I F C ^ 



1:22. 
I>(is) M{anibu8). L(ucio) Peregrinio Justino^ fi^io, Solid . . . 
Attianiae Ursete Domitius Salvianus conjunx et Domitii Ursus et 
Salvia filii /(aciendum) c(uraverunt). 

Den Manen (Schattengöttern). Seinem Sohne Lucius Peregrinius 
Jastinus hat Soliti .... (diesen Sarg machen lassen). 

Der Attiania Ursa haben ihr Gemahl Domitius Salvianus und ihre 
Kinder Domitius Ursus and Domitia Salvia (diesen Sarg machen lassen). 

Der Vater des L. Peregrinius Justinus hiess vielleicht L. Solitius 
Peregrinus (vergl. Hettner, röm. Steindenkm., S. 92, o.). 

Von den auf dem Sarg genannten Kindern fuhrt der Sohn ein von 
dem Gentile der Mutter, die Tochter ein von dem Gentile des Vaters ge- 
bildetes Cognomen. Der Sarg stammt wohl aus dem dritten Jahrhundert 
D. Chr. (s. z. Nr. 53). 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 81. 



71. Grabstein des L. Cominius Pollentinus, gefunden im Anfang 
des Jahres 1890 an der Mainzerstrasse zu Bingen beim Bau des 
Hauses Nr. 20/21. Sandstein. H. 92, Br. 78, D. 23 cm. 

L{ucitLs) Cominius^ Q{uinti)f{iliu8)^ Pollen- 







1:16 



tinu8 h{ic) 8(itu8) e(8t) et Cominiae^ Sp{uri) 
f(iliae)f Secundae. 

Lucius Cominius Pollentinus, des Quintus 
Sohn, liegt hier begraben, und der Cominia 
Secanda, der Tochter des Spurius, (hat man 
diesen Stein setzen lassen?). 

Z. 1 a. A. ist von L nur ein Teil der 
Wagrechten erhalten. — Z. 2 a. E. ist der 
Querstrich des T nur schwach an dem N zu 
erkennen ; Pollentinus ist wohl als Cognomen 
aufzufassen, abgeleitet von dem Namen 
einer der drei Städte Pollentia. — Z. 3 der 



— 54 — 

Apex über Y ist wohl unbeabsichtigt, aber alt. — Z. 5 nnd 6 liegt 
Constraktions-Wechsel vor, eine Nachlässigkeit, die mit der Schrift im 
Einklang steht; die zwei E am Ende beider Zeilen bestehen z. B. ans 
blossen Senkrechten. — Nach der Formel hie situ« est ist der Stein dem 
ersten Jahrhundert zuzuweisen. 

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 208. 

72. Steinsarg der Attillia Runa, gefunden am 20. Juni 1888 
beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Bheinallee. Geschenk 
des Bauherrn, Herrn Geh. Commerzienrat Beuleaux. Grauer 
Sandstein. H. 68 (mit Deckel : 96), L. 225, Br. 85, Wand- 
stärke 12 cm. Der Deckel ist oben dachförmig erhöht mit 
giebelartigen Aufsätzen in der Mitte und würfelförmigen an den 
vier Ecken. 



cx 



"^' ~'m 

ATTfLLIAERVNAE-MATRI'RESPECri VS 
S E RVANDVS'M ILPECVAR'LEGX)<IITRES' 

FECTIVSRE RESPECTlNVSFlLlJ^y 
ANDIAMAXIMINAJSERVANDIVS 
SEN/ERI NVSNEROTESF-C 

1:22 

2>(w) M{anihuis). Attilliae Bunae mairi Bespectitis Servandus^ mil{e8) 
pecuar{itis) leg^ionis) XXII et Bespectius Bespectinus fili et Servandia 
Maximina et Servandius Severinus nepotes /(aciendum) c{uraverunt). 

Den Manen (Schattengöttem). Ihrer Mutter Attillia Bona haben 
ihre Söhne Kespectius Servandus, Tierarzt (?) der zweiondcwanzigsten 
Legion, und Kespectius Eespectinns, sowie ihre Enkelkinder Servandia 
Maximina und Servandius Severinus (diesen Sarg) machen lassen. 

Z. 1 D • M • auf dem Deckel. — Z. 4 Doppelschreihang der Silbe 
R E ; sie konnte nicht durch Zustreichen spurlos heseitigt werden, wie Z. 6 
die ebenfalls aus Versehen eingehauene Senkrechte hinter SE; statt des 
P derselben Zeile scheint der Steinmetz ursprünglich ein B hahen ein- 
meiseln wollen. — Ein miles pecuarius wird nur selten erwähnt ; Marquardt- 
Mau (S. 466) erklärt ihn für den Aufseher über die Viehherden, v. 
Domaszewski (W. Z. XIV, 87) für den Tierarzt, für welchen es eine andere 
Bezeichnung nicht gäbe. — Das Gentile der Enkel ist aus dem Cognomen 
ihres Vaters gebildet (s. z. Nr. 53). 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 82. 

73. Steinsarg der Lucania Victorina, gefunden beim Neubau 
des katholischen Pfarrhauses in Nierstein. Er stand seitdem im 
dortigen Pfarrhof und wurde am 26. Oktober 1893 von dem 
katholischen Kirchenvorstande dem Verein übergeben. Boter 
Sandstein. H. 70, L. 210, Br. 87, Wandstärke 12,5 cm. Rück- 
seite beschädigt. 



— 55 — 



MEMORIAEAETERNITATISLVCANIAE- 

victorinaeconivgipvdicissima'e' 
adqve<:astissimaepervincivsro* 
mvlvsbfcosmaritvsjromanvsfLVs 
..obinmensvrabilempietate/vieivs 



1:22 

Memoriae aeternitatis Lucaniae Victorinae coniugi pudiclssimae adqus 
eastissimae Pervinciits Bomulus b{ene)f{iciariu8) co(n)8(ulari8) maritus et 
Romamts filivs oh inmensurabilem pietatem eius. 

Zum ewigen Gedächtnis! Seiner sittsamen und ehrbaren Gemahlin 
Lucania Victorina (liess) ihr Gatte Pervincius Eomulus, Beneficiarius (Bureau- 
Beamter) des Statthalters, und ihr Sohn Bomanus (dies Grab bereiten) aus 
massloser Liebe zu ihr. 

Z. 3 adque für atque. 

Vergl. Bramb. C. I. Rh. Nr. 920. 

74. Steinsarg der Marcellinia Marcella, gefunden am 22. Mai 
1842 in der Nähe von Klein- Winternheim. Seitdem stand er, 
als Brunnentrog dienend, im Pfarrhof und nachher auf der 
Strasse. Am 7. September 1895 wurde er von dem Verein 
gegen einen neuen Steintrog eingetauscht. Koter Sandstein. H. 71, 
L. 225, Br. 98, Wandstärke 12,5 cm. Schon bei der Auffindung 
war die sehr flach in den rauhen Stein eingehauene Schrift 
schwer zu lesen; der Deckel zerfiel in mehrere Stücke. Den 
Inhalt bildeten wenige Knochenreste, Spuren von Kalk und ein 
Gläschen. 

i! / • 1 CTISSI MAEET'DVLCISSLVU; SMWOfA 
Ic7^/;yi-IV5SV-EIVS^IVbPATERNI NVS'DFCA I..\ 2 
Y ^-' Ol ANABCOr^J : VGM N CC M PA R ARLi F C 



1:22 

Marcelliniae Marcellae coniugi dilectlssimae et dulcissimae sarcofagum 
iuHSU eiu8 Julius Paterninus, dec{urio) alae Tndianae coniugi incomparabili 
/(aciendum) c(uravit). 

Seinem geliebten, süssen Weibe, seiner unvergleichlichen Gemahlin 
Marcellinia Marcella hat auf ihr Geheiss Julius Paterninus, Decurio 
(Befehlshaber von 10 oder auch 30 Reitern) der Ala Indiana diesen Steinsarg 
machen lassen. 

Von manchen Buchstaben sind nur noch schwache Spuren sichtbar, 
namentlich in der Mitte und am Ende der ersten, sowie am Anfange der 



zweiten Zeile. — Auffallend ist die Doppelsetzung des Wortes coniugi Z. 1 
und 4. -— Die ala Indiania stand (nach Ritterling, W. Z. XII, 211) in der 
ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts in Obergermanien, nachdem sie 
dann eine Zeitlang dem brittanischen und dem niedergermanischen Heere 
angehört, kehrte sie etwa in der hadrianischen Zeit nach Obergermaniea 
zurück. Ihr Name ist von demjenigen ihres ehemaligen Befehlshabers 
(dem Tac. ann. III, 42 genannten Julius Indus?) abgeleitet. Sie heisst 
auf dem von Zangemeister im Limesblatte, Sp. 68 veröffentlichten Militär- 
Diplom aus Neckarburken ala Indiana Gallorum. — Unser Sarg gehört 
wohl erst dem dritten Jahrhundert n. Chr. an (s. z. Nr. 53). 

Vergl. Klein, Zeitschr. d. Mainzer Altertumsvereins, I, 497. — 
Bramb. C. I. Rh. 924. — Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 95. 



75. Vorderseite des Steinsarges der Mogetia Quintina, gefunden 
im Juni 1888 beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Kheinallee. 
Geschenk des Bauherrn, Herrn Geh. Kommerzienrats Reuleaux. 
Roter Sandstein. H. 50, L. 205, D. 12 cm. Der Deckel war 
bei der Auffindung nicht mehr vorhanden ; wegen der Schwierig- 
keit, den Sarg ganz zu heben, wurde die Vorderseite abgesprengt; 
die Beschädigung dieser hat bereits früher stattgefunden. 



SANCTlSSI'QVlNTINfVSf RVEN 

LIBEKTVST'HERES^PATRONE-O 

INSEPIET-ET^REVEI\ENTIAE 



N DVSI 
3PTIMJ 
FC I 



1:22 

Mogetiae Quintinae matronae sanctissimae Quintinius Fruendus lihertus 
et Tieres patron{a)e optim(ae) in se piet^atis) et reverentiae /{aciendum) 
c(uravit). 

Der ehrwürdigen Frau Mogetia Quintina, einer Beschützerin von 
ausgezeichneter Liebe und Eücksichtnahme gegen ihn, hat ihr Freigelassener 
und Erbe Quintinius Fruendus (diesen Sarg) machen lassen. 

Z. 1 sind nur noch die Fasse der einzelnen Buchstaben erhalten, 
die jedoch eine ganz sichere Ergänzung möglich machen. — Das Gentile 
des Freigelassenen ist aus dem Cognomen der Patronin gebildet (s. z. Nr. 53). 
— Die Inschrift gehört wohl dem dritten Jahrhundert an (s. z. Nr. 53). 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 83. 

76. Grabstein der Turrania Suadulla und der Urbana, gefunden 
am 30. April 1895 beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. 
Kalkstein. H. 100, Br. 68, D. 34 cm. In dem an der Spitze 
beschädigten Giebel eine Rose, an seinen Seiten scheinen Akanthus- 
Ranken angebracht gewesen zu sein. Die oberen vier Zeilen 
stehen gewissermassen auf einer Tafel mit besonderem Rahmen, 
der auf zwei Säulen ruht, zwischen welchen der übrige Teil der 
Inschrift steht oder stand. 



— 57 




RRRANlAl 

'ISvAOtA! 
'ANm^5M\ 
ANXH'S_^ S 




Turrania^ T(iti) l(iherta), Sua- 
dulla^ anfnorumj XXV ^ Urhana 
an(norum) XX h(icj sfitaej sfuntj. 
Lucilius Hilario sororifbus . , . .J 

Turrania Suadulla, des Titus 
Freigelassene, 25 Jahre alt, und 
Urbana, 20 Jahre alt, sind hier 
begraben. Lucilius Hilario hat den 
Schwestern (diesen Stein setzen 



Z. 4 ist das Zahlzeichen V fast 
nur noch im Bruch erhalten. — 
Die jüngere der Schwestern war 
bei ihrem Tode, da sie nicht als 
Freigelassene bezeichnet wird, noch 
Sklavin ; daher führt sie nur einen 
Namen. Hilario ist dagegen Frei- 
gelassener; er führt ein anderes 
Gentile als Suadulla, weil er bei 
einem anderen Herrn in Diensten 

gestanden. Denkbar wäre es freilich auch, dass die Schwestern gar nicht 

seine Schwestern sind. — Z. 5 überhöhtes I vielleicht zur Be:^eichnung 

der Länge. 

Die Inschrift gehört wegen der Formel H . S . S (und wegen der 

Akanthus-Kanken neben dem Giebel) dem ersten Jahrhundert an. 

Vergl. Körber, Korrbl. XV, Sp. 83. 



1:15 



77. Bruchstück von dem Grabstein dreier Mitglieder einer 
Familie, gefunden am 16. November 1896 beim Abbruch des 
Gauthores in der Mauer des westlichen Hauptwalles. Geschenk 
der Militärbehörde. Kalkstein. H. 28, Br. 25, D. 24 cm. Die 
ursprüngliche Begrenzung des Steines ist gegeben durch das 
Vorhandensein der alten Seitenfläche rechts neben der zweiten 
und dritten und links neben der letzten Zeile; unten ist un- 
regelmässiger Bruch, doch scheint hier von der Inschrift keine 
Zeile zu fehlen, oben wohl nur die eine, von der nur noch ein 
Rest sichtbar ist. 

Wie aus der letzten Zeile sich zu ergeben scheint, 
hat Macrina diesen Stein ihrem Gemahl und ihren 
Geschwistern oder Kindern (die Angabe des Verwandt- 
schaftsverhältnisses ist hinter E T wegg' fallen) Maturus 
und Marina, die also beide wohl dasselbe Gentile (wovon 
Z. 4 noch A, Z. 5 noch lA mit überhöhtem I erhalten ist) 
gehabt haben. — Der Buchstabenrest Z. 1 hat einem 
angehört. — Z. 6 ist in dem Worte co{n]iug{i) das n 
ausgelassen, wie das in späteren Inschriften häufig 
J:10 geschieht. 




— 5S — 



78. Bruchstück von dem Grabstein eines Kindes (?), alter Be- 
stand. H. 29, Br. 23, D. 9 cm. 

Z. 1 sind noch die Fasse von zwei Senkrechten er- 
halten. — Z. 2 und 3 enthält die Altersangahe ; da 
hier Monate und Tage genannt werden, so wird es sich 
um ein Kind handeln, das 13 Jahre, einige Monate 
und Tage alt war. — Z. 4 Reste der Buchstahen A 
und E oder F. 



1:10 




79. BruchstUcl( von dem Grabstein einer Frau, gefunden im 
Sommer 1888 bei Erweiterung der „Neuen Anlage". Unregel- 
mässiger Kalkstein-Brocken. H. 27, Br. 41 (an der Schrift- 
fläche 27), D. 18 cm. 

. . . ra h(ic) 8{ita) e(»/), . . . ticits coniux <i(e) «(wo) p[o8uit) 
> merit[o]. 

. . . ra liegt hier hegrahen , ihr Gemahl . . . ticus 
setzte (ihr diesen Grahstein) aus seinem Vermögen 
nach Verdienst. 

Z. 1 a. A. Rest eines E ; a. E. steht das E hereits 

auf der Umrahmung. — Z. 5 undeutliche Buch- 

stahenteile (der scheinhare Querstrich an der linken 

Hasta ist zufällige Verletzung). — Die Formel hie 

j^.j^Q sita est weist auf das erste Jahrhundert. 

Vergl. Keller, Korrbl. d. W. Z. VIII. Sp. 171. 




80. Bruchstück von dem Grabstein einer Frau. Alter Be- 
stand. Sandstein. H. 30, Br. 34, D. 7 cm. 

D{{8) [M{anibu8)]. Fortes . . 
[sub hoc la]p{de iac{et) .... 
\ma]trona 8[anctaf (oder der Name) 
nocte dlieque't]. 
A Den Manen (Schattengöttem). 

S\ 

Z. 1 Rest eines D. — Z. 2 a. E. Fußs eines 
S. — Z. 5 a. E. sah Zangemeister vor mehreren 
Jahren hinter dem D noch zwei Senkrechte, die 
jetzt ahgebrochen sind. 
Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung Zangemeisters. 



PI DE I Abs 

1 Avü In A J>^^ unter diesem Steine liegt die Frau .... 

NOCTFI 



81. Zweiseitig skulpierter Block von einem sehr grossen 
Grabdenkmal herrührend. Älter Bestand. H. 47, Br. 78, D. 104 cm. 
Über der Inschrift ist noch der linke Fuss und die untere 
Mantelpartie von der Darstellung eines Mannes erhalten. Neben 
dem Ganzen ein 21 cm breiter Pilaster mit nackter Knaben- 
Figur (Kopf fehlt). Auch die rechte Seitenfläche des Blockes 
ist mit Skulpturen bedeckt : in der Mitte der bis über das Knie 



— 59 — 



reichende Unterteil einer lang bekleideten Göttin; sie stützte 

sich vielleicht mit dem linken Arm auf einen Altar, der neben ihr 

steht (also eine SecuritasP); die Umrahmung bilden auf beiden 

n Seiten Pilaster, jeder ebenfalls 21 cm 

^.r-,- ^^^ breit, mit Akanthus- Verzierung. 

Von der Inschrift sind nur noch die Köpfe 
von M (zur Hälfte), A and N erhalten, zn lesen : 
[du] man(^lbu8). 



t 



\ 



^Aus^^jn 



1:1B 

82. Steinblock von einem grossen Grabdenkmal herrührend. 

Alter Bestand. Kalkstein. H. 37, Br. 72 (an der Inschriftfläche, 
weiter zurück reichlich 10 cm auf beiden Seiten breiter), D. 70 
cm. Die verwaschene Beschaffenheit des Steins, besonders auf 
der Rückseite, lässt darauf schliessen, dass der Block s. Z. 
im Rhein gefunden wurde. 

Von der Inschrift ist nur die Formel: 
h(ere8) /(aciendum) c(uravit) (der Erbe 
Hess das Denkmal setzen) übrig gehliehen. 




83. 



Reste von der Grabschrift eines Unbekannten blieben 
namentlich am Anfang und Ende 
der Zeilen erhalten, als der römische 
Grabstein im Mittelalter zum Zinnen- 
stein der mainzischen Stadt Eltville 
umgearbeitet wurde. Fuchs fand ihn 
30 Schritte links vom Ausgang der 
Peterspforte (an der westlichen Ecke 
des jetzigen Schlossplatzes, also in 
der Richtung nach Eltville) in der 
Stadtmauer und liess ihn mit vielen 
anderen herausbrechen. 

^-^ p^ V^ r / Ausser einzelnen Buchstaben ist noch 

:^-^r^ rn l die alte Umrahmung nehst dem giehel- 

förmigen Abschluss erhalten. Die spätere 
Inschrift lautet: cives de Elteville haben t 
quattour cinnas, die Bürger von Eltville 
haben 4 Zinnen (nämlich zu erhalten 
und zu verteidigen). 
Vergl. Bramh. C. I. Rh. 1129. 
l;X5 




IV. Inschriften auf Grebrauclisgegenständen 

aus Stein. 



84. DrehmUhle einer Centurie. Alter Bestand. Basalt-Lava. 
Erhalten ist etwa ein Drittel des Läufers, an dessen runder 
Aussenseite die Inschrift angebracht war. Entfernung der inneren 
von der äusseren Kante: 16 cm, H. und Br. der runden Aussen- 
seite: 11 und 38 cm. An der inneren Kante Best eines 
schwalbenschwanzähnlichen Loches zur Befestigung des Zapfens, 
an welchem der Läufer rotierte. 



^m 



)VET 



) 



Virei Centurie des Virejus 
Vet , . . . Centurie des Vet 



1:7,B 



Die Inschrift ist in den schwer 
zu bearbeitenden Stein mit Mühe 
eingehauen. Die Mühle wird meh- 
reren Centurien hintereinander 
gedient haben. 



85. Brotstempel einer Centurie der vierzehnten Legion, ge- 
funden am 29. Juni 1897 bei Anlage einer Eadfahrer-Rennbahn 
vor dem Gauthor. Kalkstein. H. und D. 5 cm, L. 11 cm. 
Die vier Längsseiten (a — d) sind in Spiegelschrift beschrieben. 









^lW0T3Mt 



1:4 



Lfegioj XIIII 
g(emina) M(artia) 

vfictrixj 



Die vierzehnte Legion, 

die doppelte, Martische, 

siegreiche. 



Caecili V 
Sabinei 



Centarie des Caecilias, 
(Arbeit) des Sabineias. 



Centurie des Caecilins, 

(Arbeit) des Musentius, 

des Gehülfen. 



:^ Caedll V (fj 

Musenti 

adiutforlsj 

>- Caecili V Centurie des Caecilius, 

Metoni (Arbeit) des Metonius. 

Seite c ist am schlechtesten erhalten, doch 
ist die Lesung kaum zweifelhaft ; nur bei dem 
dritten Buchstaben (von rechts) des mittleren 



— 61 -^ 

Wortes könnte man aach an G denken, Zangemeister hält ihn aber wohl 
mit Becht für ein liegendes S. Nicht mehr recht erkennbar ist hier das auf 
den beiden entsprechenden Seiten hinter Caecili stehende V. — Der Stein 
ist wahrscheinlich ein Stempel für Brot und wird aas der Legionsbäckerei 
stammen. Jenes V bezeichnet wohl eher deren Nummer, als das Cognomen 
des Ceutario. In dieser Bäckerei haben drei Männer gearbeitet oder die 
Aufsicht geführt: Sabineius, Musentius und Metonius; Musentius ist nur 
Gehülfe gewesen. Die Brote wurden gestempelt entweder mit Seite a und 
b oder mit a und c oder mit a und d. 

Erklärung nach Mitteilung Zangemeisters. 

(Vier steinerne Gewichte werden im Zusammenhang mit 
denjenigen aus Metall behandelt werden.) 



V. Inschrifteii, 

deren ehemalige Bestimmimg nicM festgestellt ist 



86. Grosse schwer beschädigte Platte. Gefunden 1839 am 
Eisgrubenweg. Geschenk der Militärbehörde. Schiefriger Sand- 
stein. H. 100, Br. 85, D. 22 cm. Der grösste Teil der Vorder- 
fläche ist abgesplittert. Von dem Bildwerk, welches über der 
Inschrift angebracht war, ist gerade an dem Trennungsstrich 

der beiden Columnen noch ein 
mit ausgebreiteten Flügeln 
breitspurig dasitzender Adler 
erkennbar. Rechts unter der 
Inschrift sah Klein i. J. 1845 
(s. Mainzer Zeitschr. I. S. 
208) noch zwei Figuren, von 
denen die eine sass, die andere, 
kleinere, stand und eine Keule 
im linken Arm führte. Von 
jener sieht man jetzt nur 
noch die Füsse, während der 
Herkules besser erhalten ist. 
Dagegen entging Klein die 
Bildnerei auf der verhältniss-' 
massig gut erhaltenen rechten 
Seitenfläche. In der Mitte der- 
selben befindet sich eine 44 
cm hohe Nische, über ihr liegt 
ein 3 cm hoher Balken und 
auf diesem ein 16 cm hoher 
Wulst. In der Nische steht 
rechts ein Mann, dessen Kopf 
und rechter Arm abgebrochen 
und nur in den Umrissen 
noch erkennbar ist. Er trägt 
eine oberhalb des Ki^ies 
endigende Tunica , darüber 
ein Sagum, dessen einer Zipfel 
auf dem linken Arm liegt. 




1:4 



— 63 — 

Zwischen Tunica und Mantel nicht recht verständliche Gewand(?)- 
Stücke. (Vielleicht ein Lederschurz mit rundem Loch zum Ein- 
stecken eines Werkzeuges ?) In der Linken hält er ein Kästchen, 
die Rechte scheint er einem neben ihm stehenden Knaben, dessen 
Körper bis auf dia Beine fast ganz zerstört ist, aufs Haupt zu 
legen. Ganz links steht ein zweiter Knabe, der seine Hände 
auf die Schultern des anderen Knaben zu legen scheint. Beide 
tragen ein einfaches, bis zu den Waden reichendes Gewand. Unter 
der Nische ist eine 32 cm hohe glatte Fläche, in welcher 
sich unten ein Zapfenloch von 15 cm Höhe und 3 cm Breite 
befindet. 

Von der ursprünglichen Inschrift ist nur der kleinste Teil noch 
erhalten und teilweise schwer lesbar; jedoch dürfte seit ihrer Auffindung 
nichts Wesentliches daran verloren gegangen sein. Sie scheint nur Namen 
enthalten zu haben. 

Vergl. Bramh. C. l. Rh. 977. 



87. Bisher unerklärte Inschriftplatte. Orauer Sandstein. 
Alter Bestand. H. 64 cm (von welchen nach oben hin etwa 
18 inschriftlos sind und darum bei der Nachbildung wegblieben), 
Br. 52, D. 18 cm. 




r\ N Kl 
J\/l)iy\V|^Nii^ 



Bis jetzt ist es un- 
möglich gewesen, die zu- 
fälligen Kritze, die sich 
auf dem weichen Sand- 
stein leicht bildeten, von 
den absichtlich einge- 
hauenen Schriftzeichen 
überall zu trennen. Da- 
her enthält auch die bei- 
stehende Nachbildung 
gewiss manchen Lese- 
fehler und kann nicht in 
dem Grade, wie wir dies 
sonst hoffen, das Studium 
des Steines ersetzen. Von 

den vorkommenden 
Namen scheinen Secun- 
dinus und Satuminus 
festzustehen. 



1:7,6 



64 



88. Bruchstück, vielleicht von einer Weihinschrift, gefunden 
am 3. September 1895 im Rhein in der Nähe 
der Eisenbahnbrücke. Roter Sandstein. H. 46, 
Br. 28, D. 12 cm. 

Über der Inschrift ist eine vorspringende Be- 
krönung abgemeiselt. Links scheint vor den drei 
ersten Zeilen nichts zu fehlen. —ZI vieto[riaf]; 
Z. 2 milii[um ?] ; Z. 3 a. A. könnte mit dem P ein L 
gebunden sein; Z. 4 a. E. vielleicht noch der linke 
Fuss eines A im Brache sichtbar; Z. 5 Beste der 
Buchstaben I (?', C (oder G) und T. 




1-10 



89. 




Bruchstück, wahrscheinlich von einer Altarinschrift, ge- 
funden am 15. September 1896 in der mehrfach er- 
wähnten mittelalterlichen Stadtmauer östlich vom Gau- 
thor, in welcher ausser Bauinschriften fast nur solche 
aus Heiligtümern verbaut waren. Kalkstein. H. 45, 
Br. 25, D. 11 cm. 

Auf der Randleiste sitzt oben ein Kapital, über welchem 
die Ansätze einer Rundung sichtbar sind. Für die Ergänzung 
der Z. 2 liegt [Cla]ud(ia tribu) nahe. 



i:20 



90. Bruchstück, wahrscheinlich von einer Bauurkunde, ge- 
funden am 15. September 1896 in der unter dem Walle östlich 
vom Gauthor entdeckten alten Stadtmauer. Kalk- 
stein. H. 39, Br. 29, D. 12 cm. In den Vertiefungen 
Reste roter Farbe und weissen Stuckes. 

I [Leg(io) XXII] pr{imigenia) p{%a) [/(t(£eZw)]. 

\ Die zweiundzwanzigste Legion, die erstgeworbene, pflicht- 

^ ^»- J treue und redliche. 

'^. ^ Unten eine Randleiste von IV2 — 2 cm Ausladung. 



1:20 
91. 



Inschrift auf einem grossen Bauquader, gefunden in der 

mittelalterlichen Stadtmauer 
östlich vom Gauthor. Sand- 
stein. H. 53, Br. 71, D. 75 
cm. An der einen Ecke ist 
eine rechtwinkelige Vertiefung 
ausgehauen, von 25 und 27 cm 
Seitenlänge und 41 cm Tiefe. 

Auf der rauhen Fläche ist <iquü 
roh eingehauen ; welche Bedeutung 
das Wort hier hat, ist unbekannt. 

1:15 




65 



92. Bruchstück, vielleicht von einem Grabsteine, gefunden 
am 15. Dezember 1895 beim Abbruche des ehem. 
Bilhildisklosters. Geschenk des Herrn Bierbrauerei- 
besitzers Geyl. Kalkstein. H. 14, Er. 20, D. 13 cm. 

Das, wie es scheint, in Z. 1 allein stehende M weist 
auf [0{i8)] Ma{nihu8) hin. 




1:10 




1:7,5 




1:20 




93. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab- 
stein. Alter Bestand. Kalkstein. H. 20, Br. 17, 
D. 4 cm. 

Z. 4 weist auf annorum hin. — Z. 3 Beste eines 
S, C oder G. 



94. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab- 
stein. Alter Bestand. Sandstein. H. 18, Br. 16, 
D. 6 cm. 

Z. 2 a. E. Kopf des linken Schenkels eines V. 



95. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab- 
stein. Alter Bestand. H. und Br. 32 cm. 

V. Domaszewski vermutet: Ciaius) Tlitius^ , T{iti) 

/(ilius)^ Q[ui{rina)\. Doch hat hinter F (oder E) kein 
Punkt gestanden , ob hinter dem vorausgehenden T ist 
zweifelhaft. Der letzte Buchstabe könnte auch ein C, 
G oder gewesen sein. 

96. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab- 
stein. Alter Bestand. Sandstein. H. 45, Br. 39, 
D. 18 cm. 

Z. 1 kleiner Rest einer Senkrechten. — Z. 2 Qui\rind\ 
oder [A]qui\liu8\'^ — Z. 3 a. A. Rest einer Senkrechten, 
a. E. Rest einer Hasta. 



97. Bruchstück, vielleicht von einem Grabstein. 

Alter Bestand. Weisser Marmor. H. 26, Br. 
19, D. 5 cm. 

Z. l gebundenes MA, [/>(w)] Mainibus)'^ — Z. 2 a. 
A. eine Wagrechte, wohl zu einem L oder E gehörig. — 
Z. 3 a. E. Rest eines F oder E. 



1X7,5 



66 — 




98. BmchstBek, vieMdit i i mm 

gefanden am 12 Mii 1S9> beim B^a des Ha 
Peurrä3traä3e Xr. ^. Sän*lstiHa H. 31, Br 
D lö cm 

Z 2 a. C. ein 0, damnter lukeh rechts hm an : 
wie "»r über Zahlzeichea m stehen pfte^ 

Verel. Körber. Korrbl. .1. W. Z. XIV-, Sp. 84. 



99 UnbestaMbares BracksHcfc. 

L. .>- Bestand. Sandstein. H. 9, Br. 24, D. 1 
Vj!^i A J\J n / ^^ «cheint a A. V S. a. E. DD g«1 




100. Unbesümnbares BracksHck. 
Bestand. Sandstein. H. 12, Br 
D. 13 cm. 



1:7^ 



VI. Die seit 1897 gefimdenen Inschriften 

nebst einigen früher unriolitig veröffenüicliten. 



a. Altäre und Weihinschriften. 



101. Altar, dem Juppiter geweiht, gefunden i. J. 1858 auf 
dem Kästricli. Der allein erhaltene Oberteil ist in zwei Hälften 
zersprengt. Sandstein H. 76, Br. 100, D^ 17 cm. Die Ver- 
zierung des Rahmens ist abgehauen. 




TITT^" 



tr^ 






I ^ Ö 

PROSAU 



jJlAELlAV 

5^MODI 

f 



M 1^1- 



fei, 
TE ^IM?p' 

EUCoMfö 



1:1B 

J{oüi) o(ptimo) m{aximo) pro salute imp{eratori8) L{u€i) Aeli Aureli 
Commodi ÄugusH pii fel(icu) p(atri8) p(atriae) et . , , . 

Dem Juppiter, dem Besten und Höchsten, (hat der Stifter) für das Wohl 
des Kaisers Lucius Aelius Aurelius Commodus Augustus, des Frünimeii 
und Glücklichen, des Vaters des Vaterlandes und (diesen Altar errichtet). 

Z. 4 a. E. war E mit L verbunden. Z. 5 erkennt man hinter P. 
noch die Köpfe von P, E und T. — Commodus (180—193) nahm den Titel 
piu$ i, J. 183, denjenigen felix i. J. 185 an. L. Aelius Aurelius Commodus 

6 



68 — 



nannte er sich nur in den ersten Jahren nach 176 als Mitregent des Marcus 
Anrelius und nachher v. 191 an. Unser Stein stammt sdso aus der Zeit 
191—193. 

Vergl. Becker, Mainzer Zeitschr. II. 171 ; ders. röm. Inschr. v. Mainz 3. 



102. Altar, dem Juppiter geweiht, gefunden im vorigen 

— '-^ '"'^ Jahrh. auf der Jungenfeld'schen Au 

( (Lothary's An) oberhalb Weisenau. 
Kalkstein. H. 66, Br. 23, D. 25 cm. 
Geschenk des Herrn Gedult von 
Jungenfeld. Bechts sind an Sockel 
und Krönung die Profile abgehauen. 

J{pvi) o(ptimo) m{aximo) Zasimua Papiri 
c{enturioni8) lib{erttis) pro piUr{ono) 9{uo) 
p{o8uit). 

Dem Juppiter, dem Besten und Höchsten, 
hat Zosimus, des Centurionen Papirios Frei- 
gelassener, (diesen Altar) für seinen Patronen 
errichtet. 



, iif '*m%Ahi& 



PAPj.Rlt>iß^ 
PRÖ^ATR 




Bemerkenswert ist die geschwungene Form 
des Z (Z. 2) und diejenige des umgekehrten 
C (Z. 3), sowie dass zweimal üher dem langen 
(Z. 2 und 4) der Apex gesetzt ist. — 
Z. 2. a. E. ist im Bruche noch etwas von S 
sichtbar. — Am Schluss ist zwischen S und 
P eine Verzierung, kein Buchstabe. 

Vergl. Becker, röm. Inschr. v. Mainz 1. 



1:7,5 



103. Altar, dem Juppiter geweiht, gefunden i. J. 1858 auf 
dem Kästrich. Sandstein. H. 95, Br. 70, D. 40 cm. Die auf 
drei Seiten vorhanden gewesenen Inschriften waren bereits bei 
der Auffindung fast ganz zerstört und nur einzelne teilweise 
unsichere Buchstaben erhalten. Inzwischen scheint der Zerfall 
noch Fortschritte gemacht zu haben. 



— 69 




1:7,B 

J{ovi) o(ptimo) m{aximo) con8{ervatori) Ap[ron(iu8)f] Sentian[u9 »ig- 
(n(/*er)?|l«i] Vena{tiu8) Saturninua te8(8erariu8) ex [v(oto)'\ 'p[o8(uerunt) agente\^ 
lustro Atini Iu8ti[, . . cum d]upli(carii8) quorum n[omina infra 8cr]ipt(a) 
sunt 

Juppiter, dem Besten und Höchsten, dem Beschützer errichtt»ten 
(diesen Altar) der Fahnenträger (?) Apronius (?) Sentianus und der Tessora- 
rius Vena(tius?) Satuminus infolge eines Gelübdes, beide beschäftigt im 
Lustrum des Primipilus (?) Atinius lusti. . . nebst den Doppellühnern, 
deren Namen unten genannt sind. 



— 70 — 




V 



v:: 

VECIC.V I 
IV 




1:7,5 

Daniiif i'oh^U! eine j,m)sso Anzalil von Namen, die bis auf v 
Spuren jetzt zerstört sind, ebenso wie die am Sehluss befindliche F 
der pjnweilmng, die nacli der Abschrift, wekdie Becker i. J. 1855 
öiVent lichte, im September stattt^efunden zu haben scheint. Aucl 
Insehriften, mit wehhen die beiden Nebenseiten bedeckt waren, sind 
fast völli«,' verscliwunden. 

Dass der Gott den Beinamen ronyerraior führt, deutet au 
dritte Jalirh. (ver^l. z. Nr. 17j. Auch werden duplicarii erst seit Sepl 
SrNrrius öfter genannt, da von dieser Zeit an die dona mUltarta dun 
Krböbunjr des S<ddes ersetzt wurden. 

Z. 1 wiird«' sich mit dem Vorhandenen der Name Senilianns le 
\rreini»i:en hissen als Saidanus, doch scheint man den ersteren 
^'«'bildet zu haben. --- Z. 2 war a. A. V mit E, nachher T, V und R, 



71 — 



N und T, sowie T und E mit einander verbunden. — Auf derselben Zeile 
scheint hinter EX für V(oto) kaum noch Platz zu sein. — Z. 3 a. E. ist 
von V nur der linke Strich sicher. — Z. 4 a. A. muss cum mit einem 
kleinen v geschrieben gewesen sein. — Z. 5 waren vor sunt I, P und T 
mit einander verbunden. 

Vergl. Becker, Mainzer Zeitschr. II, S. 171; Brambach, C. I. Rh., 1021 ; 
Becker, röm. Inschr. v. Mainz, 115; v. Domaszewski, Korrb. d W. 
Z. XVII, Sp. 153. 



104. Zwei Bruchstücke eines dem iuppiter und der Juno 
geweihten Altares, gefunden i. J. 1808 in einem Ikunnen zu 
Kastei. Sandstein. Vom Oberteil ist die rechte Hälfte erhalten, 
die auf drei Seiten beschrieben ist. H. 27, Br. 17, D. 17 cm. 
Dazu der Sockel mit Angabe des Konsulates. H. 18, Br. 37, 
D. 27 cm. 





1:7,5 



a) Oberteil, Vorderseite; [/('*) ?i{ono- 
rem)] d(omu8) d{ivinat) [ f{ovi) o(ptlvw)] 
m(ax{m9) [et Jnn]m[']. Zu Ehren 
des erlauchten (Kaiser-)hauses dem 
Juppiter, dem Besten und Höchsten, 
und der .Tuno. 

b) Oberteil, Kückseit«' : in h(ono- 
rem) [d{omiUi) d(ivinae) et (?).... 
Zu Ehren des erhiuchten (Kaiser-) 
Hauses und .... 

c) Oberteil, Nebenseite. Die Buch- 
staben sind mit unsicherer Hand 
mehr eingekratzt als eingehauen und 



scheinen die Inschrift der Vorder- oder (d. li. und?) l^ückseite zu wiederholen, 
d) Unterteil: Laeto et Ceriale co{n)s{ülibus). Unter dem Consulat«.- 
des Laetus und des Cerialis = im Jahre 215 n. Chr 

Vergl. Becker, röm. Inschr. v. Mainz 18. 



105. Altärch^n, dem iuppiter und der Juno geweiht, gefunden 
1861 auf dem Kästrich. Sandstein. H. 44, Br. 20, l). 1(5 cm. 



— 72 



10 




V . 'TIA 
\^ AK'A 

\ .NAI II 




1:7^ 



J(om) o{ptimo) fn{aximo) [et Jun{(mi) r]eg{mae) 
Alweliua He[r]me8 [mil{es) lT\eg{itmi8 [XXII ? . . . . 
v{otum)] 8{olvit l{ibenit) l{aeft*s) m{erifo). 

Juppiter, dem Besten und Höchsten, nnd der 
Königin Juno hat Aurelius Hermes, Soldat (?) der 
22. (?) Legion (?)... sein Gelübde gern, froh und 
nach Gebühr erfüllt. 

Z. 2 ist nur a. E. eine Senkrechte und die linke 
Seite eines runden Buchstaben erhalten; die ge- 
gebene Lesung scheint möglich bei Annahme einer 
Ligierung von ET. — Z. 4 ist hinter H die Um- 
rahmung eines E fast ganz erhalten. — Z. 5 scheint 
EG sicher zu sein. — Z. 7 ist lA sicher, voraus 
[^"S könnte auch ein E gegangen sein. — Z. 9 könnte 
1 vor den beiden Senkrechten a. E. ein R gestanden 
haben. 

Vergl. Klein, Mainzer Zeitschr. IL 331. Brambach 
C. I. Rh., 1020, Becker röm. Inschr. v. Mainz 16. 



106. Altar, dem Juppiter, der Juno, Fortuna und Minerva 
geweiht, mit dem Lebenslauf eines Centurionen, gefunden i. J. 1832 
im Garten des ehemaligen Bischofshofes (j. Höfchen). Bötlicher 
Sandstein. H. 125, Br. 60, D. 26 cm. Geschenk des Domkapitels. 
Der Stein diente früher zu einer Treppe, weshalb die Inschrift auf 
der Vorderseite in der Mitte vollständig abgetreten ist; links 
ist ausserdem fast ein Drittel abgehauen. Auch die z. T. noch 
erhaltene rechte Nebenseite war mit einer Inschrift bedeckt, die 
freilich rechts zur Hälfte verloren, links stark beschädigt ist. 

a) Vorderseite: [-^(ov*)] o{ptiino) m{aximo) lJu]noni retinae, [For]iunae^ 

Minervae [leg(ioni8) X]XII pr{imigeniae) p{iae) [/{idelU) imp(era- 

tore) Commodo VII] et P]ertinace II lc]o{n)s{ulibu8). 

Dem Juppiter, dem Besten und Höchsten, der Königin Juno, der 
Fortuna und Minerva (hat . . . Primipilus ?) der zweiundzwanzigsten Legion, 
der erstgeworbenen, gewissenhaften und zuverlässigen, (diesen Altar errichtet) 
unter dem siebenten Konsulate des Kaisers Commodus und dem zweiten 
des Pertinax (192 n. Chr.). 

Z. 3 a. A. ist noch ein Rest des T sichtbar, a. E. sind V, A nnd E 
verbunden. — Z. 4 sind ausser einer Senkrechten nur noch die Köpfe der 
Huchstaben G (oder C), E und N erhalten. — Z. 5 gehört ATE (Reate?)- 
zur Namensbozeichnung des Stifters ; doch ist bei dem zweiten Buchstaben 
die linke Hälfte des Querstriches, bei dem letzten der untere Querstrich 
sehr unsicher. — Am Schluss ist der Name des Kaisers Commodus getilgt. 

b. Nebenseite: 
[(?(aiw«)? S]exti[liu8f C{a{)'? fil(iu8)\\An{ien8i tribu)] Marc[ianu8l domo] 
[Ve]rcell[l8 munici pio] Itali[ae qui e8i] 
5 \fa]ctus vi[ile8 in cohor',\te] VII pr(aetoria) p[robatu8 imp{erafore) An-] 
[ton]mo J[IIco{n)s(ule),factu8princi\pali]s Erv[c{io) Claro II et Cl{audio) 8e-] 
[ve]ro [c]o[{n)8{ulibu8), militavü ex\\a.]ctv[8] I[esserariit8 optio] 



— 73 — 



JONIREGIN.^. 





^^^T-liH 



rt'^nace^ii* 
o s 



— TT 

XT]\ 

ARC 

CELI 

All 

!Jl»'R_P 
HNOI 

Hl'R-p 

UbaI 

VlA 

dNibv 

iNXFtL-F 
vlKlTIM 
LEG'ANl 

pLEG- 1 
Vlll^AVC 

G l 




10 



15 



20 



J 



1:10 



[9ig]niß<ßr) b{ene)f{iciariu8) [pr(aefecti) pr{aetorio)j /actus in leg{ione)\'XÄ]lI 

pr(imigenia) p(ia) [/{idelis) evocatus] 
[B\arbar[o et Begulo\\c]o{ii)8{ulibti8) VI a[7tn(o) ab imperatore] 
lb[o]rdinibu[s ad8criptu8\\in {ordinem) X pU{i) p[r(iori8) ob virtutem] 
viritim [successit c(entu7no)"leg(ioni8) ann(o8) [XXIX meruit^ /miV] 
c{enturio) leg(ion%s) I [iMiner{viae)'? c{enturio) leg({<mis)]'VIII Aug(u8tae) 

[c(enturio) leg{ionis) XIII (?) ge-] 

m»Ti(o)e, c{enturio) l[eg(ioni8) .... c{eniurio) l\eg(ionis) X[ ] 

{c{fmturio) (\eg{ionis) J [ . . . . p(rimu8) p(ilwi)\, 

Gajus (?) Sextilius Marcianus (?), des Gaius (?) Sohn, aus der anien- 
sischen Tribas, von Vercellae (j. Vercelli), einem Municipiuni Italiens, welcher 



— 74 — 

nachdem vt im dritt<^n Cönänlate des £jü»n Antoniniu li. J. 140 n. Chr.) 
ansgehoV^n war, .Soldat wurde in der siebenten Cohorte der Leibwache; 
der Principalid ^UnterofBcier^ wurde, als Enicias Claras and Gaadins Serenn — 
ereterer zam zweiten Male — Consoln waren li. J. 146 n. Chr.), und 
als Bachführer, Tesserarim (TergL Xr. 51 z. Z. 3». Optio (StellTertreter des 
Centorionen). Fahnenträger, and Beneficiarios (Boreanbemmter) des Pneto- 
rianer-Oberaten diente nnd dann anter dem Con^nlate des Barbaras und 
Kegala-s (i. J. 157 n. Chr.) za weiterer Dienstleistang ab Erocatiis bei der 
zweiandzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zaTerUssigen und trenen 
aufgefordert and sechs Jahre später fi. J. 163 n. Chr.) Tom Kaiser (Marcos 
Aarelias j anter die Centorionen aafgenommen, wegen seiner Tfichtigkeit 
einzeln (d. h. nicht im Jahres- Avancement) in die erste Centnrionenstelle 
des zehnten Triarier-Manipels aufrückte and als Centaiio der Legion nenn- 
andzwanzig Jahre lang diente; der nacheinander Centorio war in der ersten 
(3Iinervischen ?), der achten (Angastischen). der dreizehnten (doppelten), der 
ten, der .... zehnten und der (ersten — vierten ?j and zuletzt Primipflns. 

Links ist die Inschrift Z. 16 — 21 vollständig, in den vorausgehenden 
Zeilen fehlen also hier jedesmal 1—3 Buchstaben; rechts lässt sich die 
Lücke mit voller Sicherheit nur Z. 13 bestimmen, wo (bei weit auseinander- 
stehenden Buchstaben) O'/j Buchstaben fehlen. 

Z. 1 a. A. sind der obere und der untere Querstrich des E erhalten. — 
Z. 3 a. E. stand L. — Z. 4 ist vor A der obere Teil eines T noch 
schwach sichtbar. — Z. 5 a. A. ist der Rest des A sehr unsicher; von T 
fehlt die rechte Hälfte des Querstriches. — Z. 6 ist, was den beiden Senk- 
rechten a. A vorausgeht, unsicher ; zwischen dem ersten (undeutlichen) P und 
rlf;m K steht ein Punkt. — Z 7 ist das auf der linken Seite etwas eckig. — 
Z. 8 a. A. geht dem S eine lange Vertiefung voraus, die aber nicht 
Buchstabe ist. — Z. 10 a. A. steht C oder G ; der Buchstabe hinter dem ersten 
T ist unsicher, doch scheint er ein V gewesen zu sein. — Z. 13 a. A. ist 
noch der rechte Fass von A. a. E. eine Senkrechte im Bruche erhalten. — 
Z. 15 a. A. ist der Rand der von oben bis hierher gehenden Abschrägung 
v<*rtieft, so dass das R scheinbar seine verlorene Senkrechte an falscher Stelle 
wieder <*rhalten hat. — Z. 16 a. A. steht das I und die linke Hälfte des 
N noch etwas im Bereich der Abschrägung. — Z. 19 kann die leg, I 
adiutrix (rlanials in Ober-Pannonien) oder leg. I Minervia (in Bonn) gemeint 
sf'in. — Die leg. VIII Augusta (Z. 20) stand in Strassburg. — Z. 20 a. A. ist 
<li»; F>gänzung Miner mae unmöglich, weil in dieser Zeit die Abkürzung mit dem 
Vokal sich nicht mehr findet, es stand also gemln{a)e da; von den vier 
Legionen, die so lieissen, führt aber die VII (seit Vespasian, bezw. Trajan) 
den Beinamen pia oder jyia felix und die X. (seit 80) den Beinamen pia 
fidelia, die XIIII. (seit 66) den Beinamen Martia victrix^ es bleibt also 
nur di«* XIII. übrig, die damals in Dacien lag. — Z. 22 und 23 a. E. lässt 
KJrh nicht mit Sicherheit entscheiden, ob der Zahlstrich noch über die 
«TliJiltenen Zahlzeichen hinaus nach rechts ging. — Da kein anderer 
('«•ntiirio für sich allein im Praetorium einen Altar errichten durfte, als der 
rriniipiluH (vergl. Nr. 25), so muss Sextilius Primipilus, natürlich der 
zw<'iundzwanzig.st»'n Legion, gewesen sein. 

Vergl. li«'ck«*r, röni. Inschr. v. Mainz, Nr. 23; v. Domaszewski, Korrbl* 
d. \V. Z. XVIII, Sp. f)? und persönliche Mitteilung. 

107. Altar, dem Genius einer Centurie geweiht, gefunden 1857 
auf dorn Kilstrich. Sandstein. H. 75, Br. 59, D. 25 cm. Die 



— 75 — 

Profilierung von Sockel und Bekrönung setzt sich auf den Seiten 
fort. In der Mitte derselben ist links ein Rebstock dargestellt, 
an dessen Trauben ein Vogel pickt, rechts ein springendes Bind 
unter einer oben mit einem Stierkopf geschmückten Bogenwölbnng ; 
über dieser sind die Umrisse eines Delphins cingehauen. 




1:10 

Oenio 8anc[t]o c{enturiae) , . . . ni Di tius .... c(enturio) .... 

Dem heiligen Genius (Schutzgeiste) der Centurie des ... . (haben) 

und .... tius . . . ., Centurio .... (diesen Altar errichtet). 

Z. 1 a. A. sird von G nur noch die Hörner vorhanden; das darauf 
folgende E war mit N verbunden; a. E. ist ein kleines c sichtbar. — 
Z. 2 und 5 besteht das Centurien-Zeichen aus c mit einem Querstrich in 
der Mitte. — Auf den folgenden Zeilen sind infolge von Absplitterung der 
Steinoberfläche nur noch einzelne Buchstaben erhalten geblieben. Z. 2 und 3 
war zunächst der Name des Centurionen genannt, nach dem die Centurie 
hiess, welcher der Stifter seither angehörte, und deren Genius der Altar 
gewidmet war. Darauf folgten die Namen des Centurionen, der bei seiner 
Beförderung den Altar errichtete. Vielleicht waren es aber mehrere Stifter. 

Vergl. Becker, Mainzer Zeitschr. 11, 186. Bramb., C. I. Rh., 1031. 
Becker, röm. Inschr. von Mainz, 67. 



108. Altar, errichtet vom Statthalter Caerellius und seiner 
Familie, gefunden 1842 im ehemaligen Dominikanerkloster 
(Dominikanerstrasse). Sandstein. H. 91, Br. 67, D. 45 cm. 
Geschenk des Herrn Baumeisters Wetter. 



— 76 — 



THRAGMDIS-SVPPJS 

CEPrfSWETBRITT) 

ETMODEmANAElf 

FTCAEPLLllAAAR 

CIANVSETCTRAAA 

NILLA Flui i 



v^e:^:^ 



^ 







[. . . . Caerellitu . . . 

Ieff{atu8) Aug(u$Hjj\ 
P^i"^) pT(ctetore) pro» 
[v%ne(iarum) Thrae» 

(iae)t Moe^iae) su- 
j}(eriori8)f Baet(iae), 
Oerm(aniae) suplerio- 
ris) et Britt{anniae) 
et Modeatiana eiua 
(coniunx) et CaerellU 
Mardanua et Oerma- 
nilla ßlü, 

(Dem;., errichtete 
diesen Altar . . . Cae- 
rellius . . .) (nach ein- 
ander) Statthalter der 
Provinzen Thracien, 

Ober-Moesien, Eae- 
tien, Ober-Germanien 

und Brittannien, 
nebst seiner Gemahlin 
Modestiana and seinen 

Kindern Caerellius 
Marcianns nnd Cae- 
rellia Germanilla. 



1:10 



Z. 1 in der Mitte sind noch die Füsse der sieben Bachstaben 
PRPRPRO (letzterer im Bruche) erhalten, Z. 2 a. E. kleine Reste von 
T. — I ist zweimal (Z. 5. u. 7) überhöht. — Dass der Stifter Caerellius 
hiess, ergiebt sich aus dem Gentile seiner Kinder. 

Raetien wurde bis 166 von Procuratoren verwaltet, Caerellius kann 
also erst nach diesem Jahre hier gestanden haben, und zwar in ausser- 
ordentlicher Mission, da diese praetorische Provinz zwischen zwei consu- 
larischen genannt ist. Da femer Brittanien i. J. 197 in Brittanvia superior 
und inferior geteilt wurde, hier aber noch als Ganzes vorkommt, so fällt 
die Inschrift, die man wegen der Buchstabenformen vor 150 setzen möchte, 
erst in die Zeit zwischen 167 und 196. In der vita Severi 13 wird erzählt, 
dass Kaiser Severus nach Niederwerfung des Albinus, also 197 oder 198, 
drei Caerellier, den C. Macrinus, C. Faustinianus und C. Jnlianus habe 
hinrichten lassen. Einer davon wird unser Legat sein (oder sein Sohn, 
wenn, wie Ritterling meint, dort Marcianus statt Macrinus zu lesen ist). 

Vergl. Brambach, C. I. Rh., 1033. Becker, röm. Inschr. v. Mainz, 79. 
Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 314. 

109. Altar, den Bewohnern und den Hastiferi von Kastei 
geweiht, gefunden am 18. Juni 1866 zu Ober-Olm als Aussetz- 
stein eines fränkischen Grabes. Sandiger Kalkstein. H. 66, 
Bt. 44, 1). 13 cra. Der Stein war früher schon zu anderen 
Zwecken verwendet, wie der Kest einer Verzierung auf der linken 
Seitenfläche beweist ; zur Aufnahme der jetzigen Inschrift wurde 
nur der obere Teil der Vorderseite geglättet. 



— 77 — 




TIACORVM-AVr 

fcVLARIV5-MATIcJ 

^L rc^c^i Nif 




-H^ 



1:7,5 

.... [i']icow[i]« e[t hasHfleris Castelli Mattiacorum Aur^elius) Candidas 
cornieularitu Mat{t)i{a)corum Oordianor(um) allectus inter ip[808]. 

Den Bewohnern und den Hastiferi von Kastei hat Aurelius Candidus, 
Comicularius (eine Art Unteroflicier) der gordianischen Mattiaker, nachdem 
er in ihre Gemeinschaft aufgenommen, (diesen Altar gewidmet). 

Z. 1 lassen die vorhandenen Reste eher auf vicanis hastiferU schliessen, 
doch ist der Stein hier so beschädigt, dass et bei Annahme von Buchstaben- 
Verbindungen im letzten Wort nicht ausgeschlossen ist. Für den Sinn ist es 
wohl kaum zu entbehren. Auffallend ist freilich solche Sparsamkeit in der Ver- 
wendung des Raumes, da, wie es scheint, a. E. hinter E noch Platz für einen 
Buchstaben gewesen wäre. — Der Ausdruck vicani Castelli Mattiacorum 
beweist, dass Kastei in röm. Zeit nur ein Flecken war (vergl. die Bem. zu Nr. 27). 
— Das Collegium der haatiferi oder, wie sie auch genannt werden, dendrophori 
war ein sacraler Verein, dem auch der örtliche Sicherheitsdienst in der Grenz- 
stadt übertragen gewesen zu sein scheint. Dass ein aktiver Soldat in ihre 
Gemeinschaft aufgenommen wurde, ist gegen alle Regel. — Ebenso uner- 
hört, aber vielleicht durch ein Versehen erklärlich, ist es, dass hinter corni- 
cülarius der Name seiner Militär-Abteilung fehlt. An eine Kohorte ist nicht 
zu denken, eher wird es ein den Namen Mattiaci führender numerus gewesen 
sein, d. h. eine unter dem Oberbefehl eines Of&ziers stehende und ein Ganzes 
bildende Abteilung, die weder Legion, noch Ala, noch Kohorte ist. — Am 
Schluss ist die Lesung ipsos unsicher, namentlich scheint der Raum zwischen 
den Resten von R und I etwas klein zu sein, doch sind gerade hier die 
Spuren sehr verwaschen. Eine weitere Zeile fehlt am Ende jedenfalls nicht. 



— 78 




TIBADN'SlOySNS. 
ROSALVlSVAai 



^^^^^^....-rrölSA^ 



Aus Z. 6 ergiebt sich, dass die Inschrift aus der Regierungszeit Gordians 111. 
238—244 stammt. 

Vergl. Becker, röm. Inschr. von Mainz, 267; Mommsen, Korrbl. d. 
W. Z. VIII., Sp. 27 und 50. 

HO. Altar, gefunden im Juli 1841 am GutenbergspL Nr. 10. 
Geschenk des Herrn Lammert. Grauer Marmor. H. 71, Br. 36, 
D. 30 cm. Der Oberteil ist schräg nach vorn vom Ganzen 
abgebrochen, wobei links oben und namentlich unten ein Teil 
der Vorderfläche verloren ginof. 

[Ar]am Tib{eriu8) Adn{amiu8f) 
Sequens pro scUute sua et Sem- 

(iliaef) l ]etae eon[iuff{u) 

et . , . , ß]liorum et T{itus) StUur- 
nin{u8) Aurelius pro saltUe sua et 
Juniae Lucillae coniuff(i8) et TUi 
Aur(eli) ApoUinaris fili haruspiei* 
b{tis) colilegia) d{ed%i) d{edieavit). 

Diesen Altar haben Tiberius 
Adnamius (?) Sequens für sein Wohl- 
ergehen und für das seiner Frau 
Senilia (?) .... eta und seiner 
Kinder , sowie Titus Aure- 
lius Satuminus fttr sein Wohl- 
ergehen und das seiner Frau Jnnia 
Lucilla und seines Sohnes Titus 
Aurelius Apollinaris den Harus- 
pices (Opferschauem), seinen Amts- 
genossen, geschenkt und gewidmet. 
Z. 2 ist die Abkürzung ADN' 
nicht mit Sicherheit auraulösen. 
Nur ein Gentilicium, das so anfängt 
ist mir bekannt : Adnamius (Insclur. 
aus Cilli V. J. 158, C. I L. ÜI, 
5161 und 5162). Cognomina sind 
etwas zahlreicher, nämlich anss^ 
Adnamus noch Adnama, Adnamato 
und Adnamatus — Die Z. 3 n. 4 
genannte Frau wird auf unserer 
Inschrift wohl zwei Namen geführt haben (vergl. Z. 10), doch ist es zweifel- 
haft, wie sie geheissen haben. — Z. 4 hat vor dem zur Hälfte erhaltenen C 
oder Ct ein nach oben rechts ausladender Buchstabe gestanden, also wohl 
ein E oder T, davor wird noch ein anderer ausgefallen sein. Beide gehörten 
wohl zum Cognomen ; dann ist SEN Abkürzung des Gentiliciums, etwa 
Seniliae. — Auf Z. 5 u. 6 standen die Namen zweier Kinder; die Grösse 
der Lücke ist gesichert, da die Stücke hinten aufeinander passen (durch 
ungeschicktes Aufsetzen hat das obere freilich eine schiefe Lage erhalten). — 
Z. 8 steht das Cognomen vor dem Gentile — Die oben gegebene Auflösung 
von COL* Z. 13 verdanke ich v. Domaszewski, der die Inschrift ungefähr 
in die Zeit des Caracalla (211 — 217) setzt. Die frühere falsche Aunösong 
col(omae) hat zu manchen verkehrten Annahmen geführt. 

Vergl. Klein, Mainzer Zeitschr. I, S. 66; Brambach, C. I. Rh. 1002; 
Becker, röm. Inschr. von Mainz, 96; Bergk, Westd. Zeitschr. I, 511, A. 2. 



10 



ET' 

TSATVRMI MAVRELIVS 
PRO SALVT E S VAET 
IVNIAELVCILLAE 
CON I VC^tTTI T I A/R 
APOLLINARJSFILl 
H ARVS Pier BCOUD'D 



J:7,B 



— 79 — 

111. Unterteil eines von der zwanzigsten Legion geweihten 
Altares, gefunden i. J. 1854 bei Erbauung der Häuser Mathilden- 
terrasse 17 und 19. Sandstein. H. 41, Br 35, D. 25 cm. Die 
Oberfläche scheint durch einen Brand stark beschädigt zu sein. 

. . , leg{ionis) XX pro *[a- 
l{ute)\ canabe(n8ium) ex r[o]/o 

j)oa(uervnt) [rei(cr«?)? ad] 

ca7)[aba8 ]^ia7)[a5 ab 

expedit]ione VI Kal{enda8) [. . . 
Vale]riano III et G[allieno II 
co{n)8(ulibui5)]. 

(Dem betr. Gott) haben (die 
. . . .) der zwanzigsten Legion 
ihrem Gelübde gemäss (diesen 
Altar errichtet) für das Wohl der 
Canabenser (d. h. der Bewohner 
der canabae, der hölzenien Buden 
vor dem Lager, wo aus Vete- 
ranen u. s. w. sich ein Gemein- 
wesen bildete), nachdem sie von 
dem Feldzug zu den 




1:7,5 



Canabae zurückgekehrt sind unter dem dritten Konsulate des Valerianus und 
dem zweiten des Gallienus (d. h. i. J. 255 n. Chr.) am 27. (2() od. 24)ten .... 

Die legio XX Valeria victrix stand damals in Britannien. Der Unter- 
nehmung, welche die Veranlassung zu unserer Inschrift gab, wird auch noch 
auf einem anderen in Pannonien gefundenen Altare gedacht (C. I. L. III 
3228), der für das Wohl des Gallienus und der aus den germanischen und 
britannischen Legionen abgesonderten Heeresabteilungen errichtet worden 
ist. Es handelte sich dabei um einen Bürgerkrieg, da expeditio keinen 
Beinamen (etwa germanica) hat. — Z. 1 ist von den Buchstaben P u. R 
nicht viel mehr als die Senkrechten erhalten. — Z. 2 wäre die in einen 
Vokal ausgehende Abkürzung CANABE in dieser Spätzeit sehr auffallend, 
wenn es nicht für canaben stünde und also noch ein scliwacher Nasal hörbar 
gewesen wäre. — Z. 3 zeugt das übergrosse S, welches auf das ungewöhnlicher 
Weise unten auf der Linie stehende kleine folgt, von geringer Sorgfalt 
des Steinmetzen; auch Z. 6 ist sehr unregelmässig eingehauen. — Z. 4 u. 5 
läge es nahe, an [Mogov]fiana8 zu denken : doch ist die Namensform 
Mogontia (oder vielmehr Magantia) bisher nicht vor Venantius Fortunatus 
(um 530—600) nachweisbar gewesen. 

Vergl. Laske, Abbildungen von Mainzer Alterthümern VI, S. 18. 
Bramb., C. I. Rh. 1039. Becker, röm. Inschr. von Mainz, 109. Ergänzung 
und Erklärung nach v. Domaszewski. 



112. Weiheinschrift an die Fortuna supera und den Honos des 
Adlers der zweiundzwanzigsten Legion, wurde i. «T. 1819 von Lehne 
aus der mittelalterlichen Stadtmauer in der Nähe der von den 
Franzosen errichteten Artillerie-Kaserne ['dm Kästrich) ausge- 
brochen. Kalkstein. H. 70, Br. 95, D. 57 cm. Der Rahmen 
der Inschrift ist mit rankenden Keben verziert. Auf der linken 



80 — 



Nebenseite sind die Attribute der Fortmia : Steuerroder und Füll* 
hörn, auf der rechten der Adler mit dem Lorberkranz im Schnabd 
dargestellt. 





FORTVNAM 
SVPERAMHO- t 
NORIACCVILAE \% 
tEC-XXllPRPF-M ' 
MINICIV^-M'FILI m 
NjqyiR-Ll N D-OM/J^«-^ 




1:10 




>■! 




:^3inj 



Fortunavi superam honori aquilae leg(ioni8) XXII pr{imigeniae) p(iae) 
/{Idelis) M{arcvs) Minicius M(arci) fil{iu8) Quir{ina tribu) Lindo Afar[eef|- 
/t[nu«] p{rimus)] j){ilu8) leg^ionis) ei(u8dem) 

Dem Adler der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, xn- 
verlässigen und treuen zu Ehren (hat) M. Miniciua Marcellinus, des Marcus Sohn, 
aus der quirinischen IVibus, von Lindus (auf der Insel Rhodus), PrimipUus 
(vomchnister Centurio) der nämlichen Legion die Fortuna snpera (d. h. ihr 
Standbild) (aufstellen hissen). 

Der Acousativ Fortunam 8uperam bezeichnet den Sockel als Trftger 
des (Jötterbildea, ebensogut könnte auch der Dativ stehen (vergL Nr. 15). — 
Sujura heisst die Fortuna wohl ohne besonderen Nebensinn als eine der 
oberirdischen Gottheiten (sonst nur noch C. I. L. 111 1014). — Der Stein 



— 81 — 

stammt zweifellos ans dem Fahnenheiligtum des Praetorinms (vergl. Nr. 
15 ff.) ; über das Recht des Primipilus, hier Standbilder zu errichten, vergl. 
zu Nr. 25. — Die Inschrift gehört wahrscheinlich der Zeit des Septimius. 
Severus (193—211) an (vergl. z. Nr. 18). 

Vergl. Lehne, ges. Sehr. I, 296. Bramb., C. I. Rh., 1033. Becker, röm. 
Inschr. von Mainz, 79. v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV. 40 und persönl. 
Mitteilung. 

113. Weiheinschrift an den Genius der zweiundzwanzigsten 
Legion und den Honos ihres Adlers, gefunden am 21. Jan. 1881 
in einem ?fei1er der römischen Bheinbrücke. Boter Sandstein 
(jetzt infolge jahrelanger Aufbewahrung im Hofe des eisernen 
Turmes durch den Buss der vorüberfahrenden Eisenbahnzüge 
geschwärzt). H. 63, Br. 86, D. 54 cm. Die Schmalseiten haben 
eine einfache Leisten-Umrahmung. 



r.ENIVM'LE 





r' i-xxii-jÄ-rf-Ho 

^^ AVPsELI 



1;10 

Oenium legumi{H) XXII pr(imigeniae) p(iae) ßidelia) honori aquilae 
legiionis) 8(upra) s(eriptae) Äureliu» .... 

Den Genins der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zu- 
yerlässigen und treuen (d. h. sein Standbild) hat dem Adler der oben 
genannten Legion zu Ehren Aurelius .... (gestiftet). 

Die Buchstaben-Striche der unteren Zeilen sind vom Wasser zu flachen 
Mulden ausgewaschen, die man fast besser fühlt als sieht. Namentlich 
sind das G Z. 3 a. E. und die beiden S Z. 4 a. A. fast ganz erloschen. 
über den Accusativ zu Anfang, Zeit der Errichtung u. s. w. vergl. Bemerk, 
zu Nr. 112. 

Vergl. Keller, Nachtr. I, 68 a. 



114. Weiheinschrift an den Bonus Eventus (glücklichen Erfolg) 
der Soldaten des obergermanischen Heeres, aus der mittelalter- 
lichen Stadtmauer, neben der äusseren Gaupforte (bei dem 1857 
in die Luft geflogenen Pulverturme) ausgebrochen. Weisslicher 
Sandstein. H. 60, Br. 67, D. 24 cm. 



82 — 




r 



PJIO^ SALVTE 
, DD • i^ N 

^ 5ANCTTS^l vfoKVM 
'1^ INC? P 

Y bOtslO^EVt NTV ^ MI L 

STRATOPv 



1:7^ 
Pro Salute d{pmiuorum) n{pstrorum) sanctUsimorum imp(eraiorum) bono 
eventv{i) mU{itum) exercitus G{ermaniae) s{uperior%8) Materniua Perletut 
mU{es) [l]eg(ioni») XXll iyT{imigeniae) p{iae) /{idelU) strator [co{n)i{ulari*) 
c{uram) a{gente) . . . .]to po[8uU ....]. 

Für das Wohlergehen unserer Herren, der erhabensten Kaiser, hat dem 
Bonus Eventus (glücklichen Erfolg) der Soldaten des obergennanischeii 
Heeres der Bereiter des Statthalters (?) Matemius Perletus, Soldat der 
zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zuverlässigen und treuen, 
(diese Tafel) gesetzt, indem . . . . tus dafür Sorge trug. 

Z. 2 ist die Mehrzahl durch Verdoppelung der Anfangsbuchstaben, 
die Abkürzung durch ein besonderes erst vom oritten Jahrb. an üblicher 
werdendes Zeichen über den beiden N, den Silicus, angedeutet. Die beiden 
hier gemeinten Kaiser sind fast zweifellos Septimius Severus und Caracalla, 
die von 198 — 209 zusammen regierten. — Z. 4 ist die Mehrzahl, wie ge- 
wöhnlich, durch Verdoppelung des letzten Konsonanten der Abkürzung 
bezeichnet. — Z. 5 ist eventu die aus eventui contrahierte Form des Dativs. — 
Z. B ist die Länge des u durch den Apex angedeutet (vergl. Nr. 13), der 
Z. 7 infolge eines Versehens auch über einem kurzen u steht. — Z. 8 
heisst 6traior nicht Stallmeister (das ist der centurio strator), sondern Be- 
reiter; die stratores consularis haben auch den Stein Becker 85 errichtet 
ikide Denkmäler stammen aus dem im Praetorium befindlichen Heiligtam 
der Stratores. — Z. 9 hinter PO fehlt kein Buchstabe. — Die Inscmift 
stammt aus den Jahren 198 — 209. 

Vergl. Fuchs, Gesch. v. Mainz I, 60. Bramb., C. I. Rh., 983. Becker, 
röm. Inschr. v. Mainz, ()4. v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV S. 30 
und 102. 



— 83 — 

115. Weiheinschrift an den Bonus Eventus (glUcIclichen Erfolg) 
der Reiter der zweiundzwanzigsten Legion, in zwei Stücken gefunden 
in der alten Stadtmauer am Eästrich. Weisser Sandstein. 
H. 33, Br. 62, D 9 cm. 







AL B A Nlk^5ywG W OLAr 
^rMACPt\^^lX>S^IVLI 
W VPcÖiMfVE S'SVhA HLC^ 
?ElANoja\ELIGHAJ^ 

1:7,B 

Bonum eventum eq{uüum) Ug{itmi8) XXII pr{imigeniae) p(iae) ßidelU) 
Aibaniua Agricola et Macrinius Jidianus q{uae8tore8) cives Sumelo{een8e8) 
[Po]mpeiano et Ptielignian[o] co{n)8{ulibus), 

Pas Standbild des) Bonus eventus (glücklichen Erfolges) der Reiter 
der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zuverlässigen und 
treuen (liessen) die Quaestoren Albanius Agricola und Macrinius Julianus, 
zwei Bürger von Sumelocenna (Rottenburg), (errichten) unter dem Konsulate 
des Pompeius und Paelignianus (i. J. 231 n. Chr.). 

Z. 2 ist die Bezeichnung der Mehrzahl durch Verdoppelung der 
beiden Anfangsbuchstaben E und Q bemerkenswert (vergl. Nr. 1 Z. 15), 
während Z. 5 die Verdoppelung nur des ersten Zeichens demselben Zwecke 
dient. — Die equites einer Legion gehören zu den niedersten Chargierten, 
die im Rang zwischen dem gregarius und dem tesaerarius stehen. — Zweimal 
ist ein kleines angewendet (Z. 3 und 5), ein drittes Mal war es wohl 
Z. 5 a. £. der Fall. — Z. 7 ist vom S nicht viel mehr als ein Schatten 
vorhanden. — Die Tafel war in der schola (Nische des Hofes vor dem 
Fahnenheiligtum) der equites legionis aufgestellt, welche wie die anderen 
dhargierten ein Kollegium bildeten mit einer Kasse, arca, deren Verwalter 
die quae$tore9 sind. 

VergL Klein, Mainzer Zeitschr. 11, 448; Bramb., C. I. Rh., 1034; 
Becker röm. Inschr. v. Mainz, 65 ; v. Domaszeswki, Westd. Zeitsch. XIV, 44. 

116. Steinlcuge! mit Inschrift. Im Herbst 1897 auf dem 
Hofe des kathol. Lehrlingshauses, Ecke des Ackers und der 
Breidenbacher Str., aufgefunden. Geschenk des Vorstandes des 
kathol. Lehrlingshauses. Die oben und unten ein wenig abge- 
plattete, aus sehr weichem Kalkstein bestehende Kugel hat einen 
Durchmesser von 44 cm. Um die Mitte läuft ein 7 cm breites 
Yertieftes Band, in welchem ein Metallreifen gelegen haben 
könnte. Nach oben und unten wird es durch je eine Reihe 
Yon Punkten abgegrenzt, die jedoch an manchen Stellen ver- 
schwunden sind. 



84 



1:5 

L{uciu8) Otacüius Fabriciu[8 . . . , X vir] 8tlitib{u8) iudie(€mdu) 
trib{unus) mil{itum) leg^ionis) X \. , . . quae8t(pr)] trib(unu8) pleb(is) praetor 
legiahia) Ca[c«(ari«) Aug{usti) {legionia) .... posiuit)], 

Lucius Otacüius Fabricius . . . . , Mitglied des Zehmnännergerichtes, 
Kriegstribun in der . . . sten Legion, Quaestor, Volkstribun, Praetor, Befehls- 
haber der . . . sten Legion hat (den betr. Gegenstand) aufgestellt. 

Der ursprüngliche Zweck der Kugel ist zweifelhaft; möglicher Weise 
bildete sie mit einem darunter liegenden Würfel die Basis fttr irgend ein 
Weihgeschenk (vielleicht eine Viktoria-Statue ?). — Die 30 cm lange Inschrift 
ist rechts durch eine 26 cm lange Beschädigung des Steines verstümmelt. — 
Z. 1 ist Fabricius zweites Gentile, das Cognomen fehlt. Leider ist der 
Mann sonst unbekannt, und man kann daher auch nicht wissen, in welcher 
Legion er Kriegstribun gewesen, und welche er später befehligt hat. Die 
Ergänzung der letzten Zeile beruht auf einer Vermutung Zangemeisters. -— 
Auffallend ist das Fehlen von imperatoris vor Caesaris. — Die Inschrift 
gehört dem ersten Jahrb., und zwar wahrscheinlich der ersten Hälfte 
desselben, an. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 1. 



b. Kaiserinschriften, Ehreninschriften, 
Bauinschriften. 



117. Inschrift zu Ehren des Kaisers Claudius, gefunden am 
30. Aug. 1878 bei Kanalisierung der hinteren Bleiche in der 
Nähe des Münsterthores. Kalkstein. H. 125, Br. 90, D. jetzt 
noch 54 cm. Aus vielen Stücken zusammengesetzt. 

Ti{berio) Claudio Caesari Aug{u8to) Oermanico pant(ifict) max{imo) 
trib{unicia) pot{e8tate) III, imp{eratori) IUI p{atri) p{atriae) co{n)s{uli III 
cives romani manticulari negotiatores, C[aio) Vibio Bufino leg(a(o) pro 
2)r[aetore). 

Dem Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, dem Pontifez 
maximus, dem Vater des Vaterlandes (haben) im dritten Jahre seiner 
tribunicischen Gewalt, als er zum vierten Male zum Imperator aosgemfen 
und zum dritten Male Consul war, die Kleinhändler römischen Bürgerrechtes 
(dieses Denkmal errichtet) als Gajus Vibius Rufus Statthalter war. 



^ 85 - 

Sämtliche T (ausser auf Z. 6) überragen die übrigen Buchstaben j 
einmal, Z. 8, ist die Länge der I durch Überhöhung ausgedrückt. 

Zu Z. 6/7 schreibt Mommsen, Korrbl. d. W. Z. „Die negotiatores 
maniieularii kommen sonst nicht vor, aber da manticula der Geldbeutel ist 
(Festos p. 133 mantietikirum usus pauperibus in nummU recondendls etiam 



3/ 




MO 



GERAAMiCCy 

ponIMaiTribpoT 

llliMPIlllPfCOS-III 
cf^S-RQMNlMANTl 
CVLARl-NlGCpMÖ 

tlcvlBIOfiVFlNOl&PR'PR 






\ 



J 



'} 



■I 






1:10. 

noitro aaeeulo fuit)^ so würden es die Kleinhändler sein, die gegen bar im 
Laden oder Trödel verkaufen, der Gegensatz der magnarii^. — Nach Z. 4/5 
ist die Inschrift i. J. 43 n. Chr. verfasst. 

Vergl. Keller, Nachtr. I und II, 130 a. 



86 



118. Bruchstück einer 

Nachtrags. 



Sockelinschrift. Yergl. Nr. 19 dieses 



L'FILHIPPI 

©YAlO 
YBIRÄ 



^ 




[. . . . irib{unt) mü{itum) leg(iomii) 
XXII p\r{tmigenxae) p{iae) f{ideti») 
[. . . pr(im£) pi\l{t) fU{ius) Bippi 
[. . . . C]adyan[d\a [. . . .]a Oybira, 

(Die Bildsäule stifteten dieEriegs- 
tribunen der zweiundzwanzigsteii 
Legion), der erstgeworbenen, «i- 
yerlässigen und treuen, nämlich 
.... eines Primipilos Sobn ans 
Hippns, .... aus Cadyanda, .... aus Cybira. 

Die Inschrift gehörte wohl zu einer Basis, auf der ein Standbild 
des Kaisers stand. Dies war aber gewiss Septimius Severus (193—211), 
denn unter ihm wurde das Heiligtum der Legion umgebaut (vergL Nr. 24), 
und alle dort aufgestellt gewesenen Steine, wozu auch der unsrige zweifellos 

fehörte, sind unter ihm und seinen Nachfolgern errichtet; aus der Zeit 
er letzteren aber kann unser Stein darum nicht stammen, weil die Legion 
keinen Kaisemamen fahrt. — Da mehrere Stifter genannt sind, so kann 
nur die Gesamtzahl der Centurionen oder die Gesamtzahl der Tribunen 
in Betracht kommen. Die ersteren sind bei der Grösse der Schrift wegen 
des sich dann ergebenden Umfangs der Inschrift ausgeschlossen ; also waren 
es die (mindestens sechs) Tribunen, wie es scheint lauter Asiaten, was auf 
die Absichten der damaligen Regierung ein bezeichnendes Licht wirft. 
Einen davon glaubt v. Domaszewski gefunden zu haben in einer griechischen 
Inschr. aus dem in Lykien bei Cybira gelegenen Balbura, s. Denkschriften 
der Wiener Akademie, 1897, S. 39: T. Magxioy KoviQsira JeioraQucyoy 
^BiXlaq^ov Xeyiioyog xß' ngeifiiysysiag vloy MaQxiov Tiruxyov indg^ov 
anBiQüiy xetXiuQ^ov XeyitoyeDy f nQSifimsCXov xrCarov rijg noXeiag, Diese 
Inschrift stammt nämlich aus derselben Zeit wie die Mainzer, da einerseits 
auch hier die Legion keinen Kaisemamen hat, andererseits der Vater des 
Tribunen, obgleich Provinziale praefecttLs cohortium, trihurtua müüum, primi- 
pilus war. Vor Septimius Severus aber waren alle Primipili Italiener. 

Vergl. V. Domaszewski, Korrbl. d. W. Z. XVm, Sp. 97. 



119. Sockelinschrift der zweiundzwanzigsten Legion, gefunden 
in Mainz. Kalkstein. H. 42, Br. 61, D. 18 cm. 



IIPRIJ 



[Ley(io) Ä]XII pr%m(igen%a) \p(ia) /(idelit) 
Anio]nini(ana). 

Die zweiundzwanzigste Legion, die erst- 
geworbene, zuverlässige und treue, die Anto- 
ninianische. 



1:20 



Die Inschrift war vermutlich an der Basis eines Kaiserbildes an- 
gebracht. Wen dieses darstellte, ergiebt sich wohl aus dem Beinamen 
der Legion, der auf M. Aurelius Antoninus, d. h. auf Caracalla (211 — 217) 
hinweist. 

Vergl. Klein, Mainzer Zeitschr. 11 1, 71. Bramb., C. I. Rh., 1367 
Becker, rüm. Inschr. v. Mainz, 296. Ergänzung nach v. Domaszewski 



— 87 - 

120. Ehreninschrift für die zweiundzwanzigste Legion, in 
üainz errichtet von der Bürgerschaft der Stadt Trier, gefunden im 
Mai 1886 beim Abbruch der mittelalterlichen Stadtmauer am 
Bisgrubenweg. In zwei Stücke zerbrochen. Kalkstein. H. 128, 
Br. 86, D. 36 cm. In den Vertiefungen sind Spuren roter 
Farbe sichtbar. 



10 



vJf 



/i 



IN'HLSEPTIMI 

SEVEKIPII-PERTI NA 
ClSAVGINVICtllW 
ETMAVREU'ANTO 

NINI-CAES 
LEC[^ NIXXTl-PR-P 

. hi g N oru sy I KTVi s 

■tAVSACivTt-\^;I?lC^^ 

V.EROaV|^ 

INOBSlDlOi^ÄTJEA 
DEFEN5A 




'"Tmwk -a- 



1:10 




In h{onorem) Huct) Septimi Severi Pii Pertinacia Aug[u8ti) invieti 
mp(eratori8) et M{arci) Aureli Antonini Caes(ari8) legioni XXII priimi" 
geniae) p(tae) /[Ideli) honoris virtutisq(ue) causa civitas Treverorum in 
obtidione ab ea defenaa. 



— 88 — 

Zu Ehren des unbesiegbaren Kaisers Lucius Septimius Severus Plus 
Pertinax Augustus und des Kronprinzen Marcus Aurelius Antoninus (widmet) 
der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zuverlässigen und treuen 
ihrer Ehre und Tapferkeit halber die von ihr verteidigte Stadt Trier (dieses 
Ehrendenkmal). 

Z. 2 ist das zweite I von Pii etwas überhöht. — Z. 6 ist das 
fast völlig verschwunden und a. E. von F nur noch der obere Winkel 
übrig geblieben. — Z. 7 sind V und T verbunden, dahinter ein kleines I; 
a. E. ist von Q nur noch der linke Bogen erhalten. — Z. 8 ist das lange I 
in civltaa überhöht; die letzten Buchstaben sind oben beschädigt. Durch 
Abschürfung sind auch das M (Z. 9) und die Ligierung NE (Z. 10) übel 
mitgenommen. — Septimius Severus erhob seinen Sohn M. Aurelius 
Antoninus (= Caracalla) i. J. 196 zum Caesar, 197 zum Imperator desti- 
natus, um die Jahreswende 197/8 zum Auguatua, Da wenigstens letzterer 
Titel auf unserer Inschrift nicht fehlen durfte, so muss sie zwischen 
196 und 198, wahrscheinlich i. J. 197 verfasst sein. Im Februar dieses 
Jahres aber wurde der Bürgerkrieg zwischen Septimius Severus und seinem 
Gegenkaiser Clodius Albinus durch die Entscheidungsschlacht bei Lyon 
beendigt. In diesem Krieg hatten auf Seiten des Severus, wie dessen Legions- 
münzen beweisen, u. a. auch die germanischen Legionen gestanden, und 
ihrem Beispiele waren wohl auch die benachbarten Teile Galliens, also 
namentlich die Treverer, gefolgt, während das übrige Gallien sich wie 
Spanien und Britannien für Albinus erklärt zu haben scheint. Die Partei 
des letzteren hat dann offenbar die von der zweiundzwanzigsten Legion 
besetzte Stadt Trier zu erobern gesucht. Handelte es sich um einen Einfall der 
Germanen, so würden diese wohl als Barbaren ausdrücklich genannt worden 
sein, während man die Nennung von Mitbürgern als Feinden feinfühlig unter- 
liess. Die Inschrift wird also noch i. J. 197 unmittelbar nach der Nieder- 
werfung des Albinus gesetzt sein, worauf auch die Bezeichnung des Severus 
als invictiis imperator hinweist, welchen Beinamen er auf Münzen erst 
nach dem parthischen Krieg führt. 

Vergl. Keller, Nachtr. II, 134 a; Keller, Korrbl. d. W. Z. V, Sp. 138; 
Mommsen, Möller und Keller ebenda Sp. 185 ff. ; Zangemeister ebenda Vll, 
50 ff. ; Hirschfeld, Sybels Zeitschr. LXXIX (1897), S. 469 ff. 



121. Widmungs- Inschrift an einem Ehrenbogen, gefanden im 
November 1898 in den Grundmauern der mittelalterlichen Stadt- 
mauer nordwestlich vom Gauthor. Geschenk der Festungs- 
behörde. Gelblicher (Flonheimer ?) Sandstein. Die Inschrift be- 
stand ursprünglich aus vier mächtigen 73 cm hohen und bis 
35 cm dicken Platten, von denen leider eine fehlt. Auch die Um- 
rahmung ist rechts und mehr noch links unvollständig erhalten. 
Sie bestand aus einer Art von Amazonenschild, der oben und in 
der Mitte von einem Genius gehalten wird. Von den erhaltenen 



— 89 




T 



5 

I- 



/- 






o 

U 



■'«ir 



> 



f.l> 



^^ 



K/1 



UJ 



z 

o 



3:^^ 



on 



±-1-5 



^ 




Platten ist die eine 127, die zweite 
98, die dritte 65 cm lang; die 
dazwischen fehlende wird ungefähr 
einen Meter lang gewesen sein. 

In h{pnorem) d(omus) d(ivinae) J(ov{) 
o(2?ftmo) m(<iximo) conservatori ar[cu8 cum 
8{gni]8f quos Dativiua Victor dec(ur%o) 
cimt[aii8) Taun[ensium vicania] Mogon- 
tiacensibus [p]romi8it Victor[li Probus f et 
Frim f]u8 fili et heredes con8umma[verunt 
l(ibenteg) 7n[erito)f], 

Zu Ehren des erlauchten (Kaiser-) 
Hauses haben dem Juppiter, dem Besten 
und Höchsten, dem Beschützer, einen mit 
bildlichen Verzierungen geschmückten 
Bogen, welchen Dativius Victor, Ratsherr 
der Gemeinde der Taunenser (um Heddem- 
heim) den Bewohnern von Mainz ver- 
sprochen, dessen Söhne und Erben Victorius 
Probus (?) und Victorius Primus (?) gern 
und nach Gebühr errichten lassen. 

Zu dem in der Inschrift genannten 
Bogen können dem Materiale nach die 
sieben gleichzeitig gefundenen Wölbsteine 
gehören, an deren unterem Teil die Zeichen 
des Tierkreises angebracht sind, während 
darüber rechts und links je ein feierliches 
Opfer dargestellt war. — Das Gentile 
der Söhne ist abgeleitet vom Cognomen 
des Vaters (vergl. Nr. 53). — Die Formel 
IN-H-DD ist nicht vor 170 üblich 
(vergl. Nr. 4) und der Beinamen des Gottes 
conaervator weist vollends auf das dritte 
Jahrhundert. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. X VII, 
Öp. 202. 



90 — 



122. Bauurkunde der ersten Legion, gefunden im Nov. 1898 
in den Grundmauern der mittelalterlichen Stadtmauer nordwestl. 
vom Gauthor. Geschenk der Militärbehörde. Bötlich-gelber 
Sandstein. H. 49, Br. 83, D. 84 cm. Die Inschrift ist offen- 
bar ebensowenig wie Nr. 36 und 91, die sich auf ähnlichen 
Baustücken finden, für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen. 

Infolge einer späteren Abschrägung 
des Steines wurde sie am Ende ver- 
stümmelt. 

i V* I 'ß^^ VT^ H^iSfio) I ad(iutrix) e{oJioräf) X (?). 

I V. Die erste Legion, die Helferin ; zehnte 

\ J Kohorte. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVn, 
1:10 Sp. 203. 



r 




123. Bauurkunde der ersten Legion, gefunden im November 

1896, im übrigen vergl. Nr. 91 




L(eg%o) I adfiulrix) (eoharä f) V, 

Die erste Legion, die Helferin 
fünfte Cohorte. 

Auf die richtige Lesnng brachte, 
Herr Hilfs-Conservator P. Th. 
Kessler. 



1:1B 



124. Bruchstück einer Bauurkunde der vierten Legion, gefunden 
am 14. April 1885 beim Bau der Station Neuthor 
in römischem Mauerwerk. Weisser Kalkstein. 
H. 43, Br. 36, D. 10 cm. 

Le[g{io) If ad(iutrix)'i Die erste Legion, die Helferin. 

iJ/[. ...] M.... 

Z. 2 wird einen Centurionen-Namen enthalten haben. 

^'^ Vergl. KeUer, Nachtr. II 132 g; ErklÄnmg nach 

V. Domaszewski. 




125. Bruchstück einer Bauurkunde der zwelundzwanzigtten 
Legion, gefunden am 25. Mai 1898 bei Legung einer Wasser- 
leitung auf dem Fahrweg zwischen Gauthor und Fort Joseph. 
Weisslicher Kalkstein. H. 24, Br. 39, D. 9 cm. In den Ver- 
tiefungen der Buchstaben Spuren roter Farbe. 



91 — 




1:16 



Die mehr oder weniger erhaltenen Zahlzeichen XXI 
mit dem Über OrdinalzaUen üblichen Strich deuten auf: 

[Leg(i6)] XX1[I pr{imxgen%d^ p{ia) /(idelis). 

Die zweiundzwanzigste Legion, die erstgeworbene, 
zuverlässige und treue. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 102. 



c. Grabinschriften. 



^ 



/tAHTONM 



126. Grabstein des L Antonius Senilicus von der vierzehnten 
Legion, gefunden in Nieder-Ingelheim beim umbau des Hauses 
Obergasse Nr. 8, am 29. September 1898 ins Museum verbracht. 
Kalkstein. H. 120, Br. 73, D. 34 cm. 

L(uciu8) Antonius L{uct) f(üitu) Vol- 
{tinia) tribu [....] Senilic{u8) [eq{ue9) ?] 
leg(toni$) XIIII gem(inae) [. . . .]. 

Lucius Antonius Senilicus, Sohn des 
Lucius, aus der voltinischen Tribus, 
Reiter (?) der vierzehnten Legion, der 

illLEOiÖffiCÖÄJ doppelten .... 

i ~1. s^^^T-^-^Ä: J ' Neben den deutlich erhaltenen Schrift- 

11 A . i K zeichen finden sich auf dem Stein zahl- 

reiche Basuren, deren Veranlassung nicht 
recht klar ist. Gegen blosses Verhauen 
spricht vor aUem die Easur am Schluss, 

fegen wiederholte Verwendung desselben 
teins der Umstand, dass seine Oberfläche 
an vielen Stellen durchaus unverletzt ist. — 
Z. 2 ist zwischen und L die deutliche 
Spur einer Senkrechten sichtbar. Hinter 
dem Tribusnamen erwartet man auf dem 
freien Raum, dessen erste (nicht aber 
zweite) Hälfte Spuren früherer Schrift 
sehen lässt, die Heimatbezeichnung, die 
dem Steinmetzen vielleicht nicht bekannt war. Z. 3 hat an Stelle des S, 
nur etwas weiter nach links gerückt, vorher wahrscheinlich ein G (oder C) 

rinden, und das erste I zeigt an seinem oberen Ende ganz deutlich 
Spuren eines T-Striches. Am Ende der Zeile fehlt ein Wort wie 
vdl(e$) oder «g(M««); letzteres könnte nach der Form der Rasur in der 
Thai da gestanden haben. — Dass in der getilgten fünften Zeile ehemals 
Martia victrix gestanden hat, welche Beinamen die Legion erst während 
ihres zweiten Aufenthaltes in Mainz (70 — 90) führte, ist nicht wahrschein- 
lich. Vielmehr scheint der Stein aus der Zeit ihres ersten Aufenthaltes 
zu stammen, aus den Jahren 14—43 v. Chr. Es ist möglich, dass am 
Schluss der Name des Erben als eines der bei dem Soldaten- Aufs tande 
nach Augustus* Tod besonders belasteten Rädelsführer getilgt worden ist. 
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVm, Sp. 17. 

127. BruclistUcic von dem Grabstein eines Soidaten der zwei- 
undzwanzigsten Legion, gefunden am 26. Mai 1898 am Triton- 
platze neben dem Theater. Weisslicher Kalkstein. H. 44, Br. 
25, D. 20 cm. 




1:90 




1:16 



— 92 — 

. . .f{iliu8) Pa\^p{ir%a trihu) Ni\grinu\9 2f\ar- 
h{one) mi[l{e8) legilonis)] XX[TI pr(imigeniae) p{iae) 
' f{idelU) . . . 

. . . Nigrinus, Sohn des . . , von dem papirischen 
Bürgerverbande, aus Narbo, Soldat der zweiund- 
zwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, treuen 
und zuverlässigen .... 
Z- 3 a. A. ist ein A im Bruche deutlich erkennbar; die Ergänzung 
zu Narb{one) ist daher so gut wie sicher. Da am Ende dieser Zeile nur 
mil(e8) gestanden haben kann, so ist die ursprüngliche Breite des Steines 
gegeben. — Dass Narbo zur papirischen Tribus gehörte, ergiebt sich u. a. 
aus der Inschrift bei Becker Nr. 154. (Vergl. auch Kubitschek, imp. rem. 
tributim discr. p. 210). Nun passen die Buchstabenreste Z. 1 a. E. sehr 
gut zu einem oben nach rechts hin ausladenden Buchstaben mit folgendem 
A ; also stand hier wahrscheinlich PAP(iria). Dann bleibt für das Cognomen 
des Mannes, dessen sonstige Namensbezeichnung verloren ist, kaum etwas 
anderes als Nigrinus übrig. — Z. 4 wird man an die 21. Legion kaum 
denken. — Der Stein dürfte um die Wende des ersten und zweiten Jahr- 
hunderts zu setzen sein. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 104. 



128. Bruchstück von dem Grabstein eines Reiters von der 
Ala (Schwadron) der Noriker, gefunden i. J. 1859 im Fort Karl. 
Kalkstein. H. 104, Br. 43, D. 10 cm. Von dem ursprünglich 
vorhanden gewesenen Reliefbilde ist jetzt nur noch der ver- 
stümmelte Oberkörper des Barbaren übrig, der unter dem Pferde 
des römischen Reiters lag. Die Hosen, mit denen der sonst 
nackte Mann bekleidet war, sind mit einem Gürtel festgehalten; 
die dadurch veranlassten Falten sind deutlich sichtbar. Sehr 
kräftig hervorgehoben ist auch das Rückgrat. 
Was aber über der rechten Schulter unter- 
halb des lockigen Haupthaares dargestellt 
war, ist nicht gewiss ; vielleicht war es der 
(dann allerdings sehr verzeichnete) linke 
Unterarm. 




)RICORVM; 






u 



UlU,Ji " f^^'* " 




1:15 



. . . [Sf]trat(mi8 [/{ilitu) eq(ues) cUa Ny>ricorum 

)[an(norum) .... 8]tip(endiorum) VII h(ic) s^iiua) 
[e{at) heres ?] fecit, 

. . . Sohn des Strato (?), Reiter des norischen 
Geschwaders, .... Jahre alt, sieben im Dienst, liegt 
j «J I hier begraben. Sein Erbe (?) liess ihm (diesen 
Grabstein) errichten. 

Auf den fünf aus den Jahren 74 — 134 stammen- 
den Militär-Diplomen ist die ala Noricomm nicht 
genannt ; da die Formel H * S ' E eine spätere Zeit 
ausschliesst, so stammt der Stein aus den voraus- 
gehenden Jahren. 

Vergl Bramb., C. I. Rh. 1118 und 2081, 6 ;* Becker 
röm. Inschr. von Mainz 225 und 285. 



— 93 — 

129. Grabstein des Helvetiers Julius Ingenius von der ersten 
.flavischen Ala (Schwadron), gefunden am 8. Februar 1898 beim 
Bau des Hauses Kurfürstenstrasse Nr. 56. Geschenk des Herrn 
Tünchermeisters Holz. Grünlicher Sandstein. H. 214, Br. 76, 
D. 20 cm. Die unteren 80 cm sind rauh behauen ; sie steckten 
in der Erde. 

Über der Inschrift befindet sich die Relief-DarsteUung eines sogen. 
Totenmahles in sehr handwerksmässiger Ausführung. Der Verstorbene liegt 
in einer muschelförmig gebildeten Nische auf dem Lager und hält mit beiden 
Händen eine grosse gerippte Schale. Der Sklave steht in der Haltung des 
auf Befehle Wartenden am Fussende. Die Unterarme sind übereinander 
gelegt; zwischen den Fingern der rechten Hand scheint er den Stiel eines 
Schöpfgetässes (simpulum) zu halten, dessen unterer Teil abgebrochen ist. 
Zwei doppelhenkelige Kumpen stehen auf dem dreibeinigen Tischchen, eine 
Kanne mit kleeblattförmigem Ausguss steht neben demselben. Unter dieser 
Darstellung ist in schönen Buchstaben die Inschrift eingehauen : 

Julius Ingenius Massae fiüius) cives 
{h)elvetiu8 mi8s(u8) ex al(a) I Fl(avia) hie 
8it(us) est h{ere8) faciendum) c(uravit), 

Julius Ingenius, Sohn des Massa, helve- 
tischer Bürger, verabschiedeter Soldat der 
ersten flavischen Ala, liegt hier begraben. Sein 
Erbe Hess (ihm diesen Grabstein) fertigen. 
V. Domaszewski vermutet, dass der Be- 
stattete in Wirklichkeit den sehr häufigen 
Namen Ingen(u)u8 geführt habe. — Seine 
Heimat ist, da er als Soldat der Hilfs- 
^ '^ truppen das römische Bürgerrecht nicht 

besass, nicht durch einen Stadtnamen, sondern durch den Namen seines Gaues 
bezeichnet. — Die erste flavische Ala, die ebenso wie die zweite auch 
noch den Beinamen gemina führte, kommt auf den obergermanischen Militär- 
Diplomen aus den Jahren 74, 82, 90 und 116 vor. Die Formel hie sitvs est 
weist noch auf das erste Jahrhundert. 



MASSAE^ 

CIVESEIVET^^ 

MISSEXA&FÖ 




Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 67. 



130. Bruchstück von dem Grabstein des P. Septimius, von 
Herrn Lieutenant BüUe im Fort Karl entdeckt und von der 
Festungsbehörde am 3. Juni 1898 dem Museum geschenkt. 
Kalkstein. H. 48, Br. 86, D. 25 cm. Der mit Akanthus- 
blättern verzierte Giebel ist stark beschädigt. Von der 
Inschrift ist fast nur noch erhalten der Name des Bestatteten. 

P{uhliu8) Septimius. Z. 2 a. E. Rest 
eines S, das vermutlich zur Endung des 
Cognomens gehörte. 

Das Bruchstück stammt wohl von 
einem Soldaten-Grabstein spätestens aus 
der Zeit Trajans. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, 
Sp. 105. 




^'^cEEuiiys] 



1:90 




— 94 — 

131. Grabstein der Paulina, gefunden am 12. August 1898 

beim Hause Eurfürstenstr. 
47. Geschenkt von Fräulein 
Achenbach. Gelblicher Sand- 
stein. H. 89, Br. 44, D. 
32 cm. Der Stein hat die 
Gestalt eines Altars, und dieser 
war den Manen geweiht. Das 
Erönungs - Gesims ist etwas 
beschädigt, doch erkennt man 
noch sehr gut, dass seine Ver- 
zierung derjenigen der Altäre 
Nr. 2 und 7 dieses Nachtrags 
gleich war. 

2>({«) M{anibii8) Paulinae filiae 
anno XII {a)etati{8) infeliei8sim{a)e 
Quietius Secundus lib{rarius) Icgati 
et Secundinia Paula patres f(aeien' 
dum) c(uraverunt). 

Den Manen (Schattengöttem). 
Seiner Tochter Paulina im zwölften 
Jahre ihres jammervollen Daseins. 
Ihre Eltern Quietius Secundus, 
Schreiber des Legionslegaten, und 
Secundinia Paula Hessen (diesen 
Grabstein) fertigen. 

Z. 3 und 4 ist die Konstruktion unsicher, doch ist etati infeUeissime 
wohl als Genetiv abhängig von anno XII aufzufassen. — Bemerkenswert 
ist noch die sonderbare „Silben "-Trennung am Ende der vierten Zeile. — 
Der Name der Tochter ist von dem Cognomen der Mutter abgeleitet. — 
Aus den zu Nr. 2 a. E. angegebenen Gründen stammt der Stein aus der 
Zeit um 200 n. Chr. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVU, Sp. 145. 



AhNO^XIPETÄTl 
I^FEICISSlVE<^V 
lETlVS^SECVN 
DVS^LIB^LEGAt 

3PSecvn:)itnIa 

PAVLA-PäTRES 

F C 



SLJ!fiLW..3 r ^ ' j. ?.ugj J^S ^ 



1:10 



132. Grabstein der Seeundina Paula, gefunden wie Nr. 131. 
Geschenkt von Frl. Achenbach. Gelblicher Sandstein H. 105, 
Br. 55, D. 34 cm. Die Verzierung des Krönungs-Gesimses, die 
wohl gleich derjenigen bei Nr. 131 war, ist hier völlig abgeschlagen, 
doch ist oben der Opferteller erhalten, der dort fehlt. 

[D(i8) M(anibii8)]. Secundiniae Paul(a)e coniugi incomparabüi et pten- 
tis8lm(a]e aarito ob8equenti8sima(e) Quietius Secundus b{ene]f[iciarius) leffoH, 

Den Manen (Schattengöttern). Seiner unvergleichlichen, treuen und 
dorn Gemahl gehorsamen Frau Secundinia Paula (hat) Quietius Secundus, Bene- 
liciarus (Bureaubeamter) des Legionsobersten (diesen Grabstein fertigen lassen). 



— 95 — 



n^ 



:a 



Hv 



EGVNDINIA 
PAVLECONIVa 
INGOMPÄ^BILI 
ETPIENTISSIME 
MARITO OBSE 
QVENTISSIMA 
QV1£TJVSS EC 
V N D V S B F 
L E G A r 1 







Nach dem Muster des 
vorausgehenden Steines 
wird auch hier DM* auf 
dem Sims gestanden haben. 
— Statt der Endung ae 
steht zweimal (Z. 2 und 
4, e, einmal (Z. 6) a. — 
Z. 6. a. E. überhöhtes I 
zum Zeichen der Länge. — 
Nur einmal (Z. 2) werden 
die Worte durch einen 
Punkt getrennt, zweimal 
aber hat der unwissende 
Steinmetz einen solchen 
in die Mitte des Wortes 
gesetzt, nämlich Z. 3, wo 

er ursprünglich nach 
incompa stand, hinter dem 
dann erst nachträglich die 
durch Abirren des Blickes 
von R auf B vergessene 
Silbe ra eingefügt wurde, 
und Z. 7 hinter Qui, — 

Die hier genannten 
Personen sind dieselben, 
welche auf Nr. 131 vor- 
kommen. Unser Stein 
stammt also aus derselben 
Zeit wie jener. Quietius 
Secundus war inzwischen 
vom librarius legati zum 
heneficiartus legati auf- 
gerückt. 

Vergl. Körber, Korrbl. 
d. W. Z. XVII, Sp. 147. 



1:10 



133. Bruchstück von dem Grabstein eines Unbel(annten, ge- 
funden am 20 Mai 1898 beim Bau des Hauses Eurfürstenstr. 
Nr. 47. Geschenk von Frl. Achenbach. Rötlicher Sandstein. 
H. 17, Br. 9, D. 17 cm. 

Eine Kandleiste ist nicht erhalten, doch scheint in 
Z. 2—5 links kein ganzer Buchstabe zu fehlen. — Z. 1 
ist der Rest eines, schwerlich zweier N erhalten. — Z. 4 
a. E. stand M ; Z. 5 TELE. — Eine Ergänzung der 
Inschrift ist nicht möglich. Doch lässt der in Z. 4 
enthaltene Superlativ ebenso wie der Fundort, ein röm. 
Friedhof, auf einen Grabstein schliessen. — Der Form 
der Buchstaben und dem Materiale nach gehört der 
Stein der späteren Zeit (dem 3. oder 4. Jahrh.) an. 




1:5 



Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 104. 



— 96 - 



134. Unterteil des Grabsteines eines Unbekannten, gefunden 
wie Nr. 131. Geschenkt von Frl. Achenbach. Graner Sand- 
stein. H. 82, Br. 51, D. 31 cm. Unter der Inschrift sind 
Zimmermanns-Werkzeuge dargestellt: Winkelmass mit Senkel, 
Holzschlägel mit Bohrer (?) gekreuzt, Feile mit deutlichen 
Riefen und Texel (ascia). Sie beziehen sich auf den Stand des 
Verstorbenen oder seines Vaters. 




ilARISSIMAEFO 





maier 



1:7,6 
fil{i)ae 



karissimae /(adendum) c[uraini) 



.... mia Nigrina 
oder c{uraverunt). 

die Mutter . . . mia Nigrina hat (oder haben) ihrer teueren 

Tochter (diesen Grabstein) setzen lassen. 

Z. 1 a. A. ist noch die Endung von dem Gentile der Mutter er- 
halten. — Z. 3 war ursprünglich fieae eingehauen, darauf hat der Steinmetz aus 
dem E ein L gemacht (die Spuren des E wurden wohl zugeschmiert), aber 
das I hinzuzufügen vergessen : es wird derselbe gewesen sein, der auch die 
Inschrift Nr. 132 einmeisselte. - Bemerkenswert ist der seltene Buchstabe 
k Z. 3. a. A. — Der Stein wird wohl derselben Zeit angehören, wie die 
mit ihm zusammen gefundenen, Nr. 131 und 132, d. h. aus dem Anfang 
des dritten Jahrhunderts. 

Vergl. Körber, W. Z. XVII, Sp. 147. 



- 97^- 

135. Unterteil des Grabsteines eines Unbeicannten, gefunden 
wie Nr. 131. Geschenk von Frl. Achenbach. Gelblicher Sandstein. 
H. 83, Br. 61, D. 24 cm. 



;OR:ET 
^AMlMOS^ 

FC 



1 : 10 

«... Aquil[iniiL8f Men]8or et [, , , ,]ia Ammosa patri carissimo etfratri 
/(aciendum) c(uraverunt). 

Aquilinius (?) Mensor (?) und . . . ia Ainmosa haben ihrem teueren 
Vater und Bruder (diesen Grabstein) setzen lassen. 

Z. 3 a. A. ist der Fuss eines I im Bruche erhalten. — Z. 4 war 
T und E in patri verbunden, wie es nachher auch in fratri der Fall ist. — 
Viermal (Z. 3 u. 4) sind kleine Buchstaben verwendet ; dieselben sind hoch 
gestellt, einmal sogar überhöht — Der gleiche Fundort des Steines deutet 
auf die gleiche Zeit wie Nr. 131, d. h. auf ungefähr 200 n. Chr. 

Vergl. Körber. Korrbl. d. W. Z. XVII., Sp. 148. 

136. Grabstein eines Unbekannten, gefunden 18. Dezember 
1898 an der ehemaligen Heiligkreiizkirche zwischen Hechfcsheim 
und Mainz. Koter Sandstein. H. 53, Br. 61, D. 9 cm. Die 
Flafcte diente bei ihrer Auffindung als Deckel einer Steinkiste 
aus Kotsandstein, in der sich ausser der Asche des Verstorbenen 
ein Kugelglas, ein Glasfläschchen, zwei gewöhnliche Thonkrüge 
mit schleifenförmigen Henkeln und ein sehr abgenutztes Grosserz 
von Hadrian fanden. Die Inschrift der Platte war vor der 
zweiten Verwendung fast völlig ausgemeisselt worden. 



— 98 




1:7^ 

Ave f rater. D(u) M(anxbu») TUperii) füi 

Sei mir gegrüsst, Bruder! Den Manen (Schattengöttem) des 
Tiberius (?) 

Z. 1 ist hinter T aus Versehen ein Punkt gemacht und P statt E 
mit R verbunden. — Z. 3 a. A. ist noch T erkennbar mit folgender Senk- 
rechten, Z. 4 N mit folgender Senkrechten, Z. 5 0, dahinter ein P1^)kt ; Z. 
6 begann mit FILI, davor ein Epheublatt; gegen Ende der Zeile scheint 
noch ein Punkt sicher zu sein. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVm, Sp. 



137. Bruchstück vom Grabsteine eines Unbelcannten, gefanden 

am 19. Januar 1898 beim Bau des Hauses Kurfürstenstr. Nr. 
56. Geschenk des Herrn Tünchermeisters Holz. Grauer Sand- 
stein. H. 17, Br. 37, D. 7 cm. 

Mit RI wird wohl ein GentUe — vielleicht des 

P^_^— v,^^^ Vaters — endigen, mit REGT das zoffehOrige Cog- 

iTRHVKTl nomen beginnen. Doch steht hinter BI kein Punkt, 

r\^TA n/^^^^ ^^^ ^^^^ *^^^ hinter dem A der nächsten Zeile weg- 

M^V/VX? / gelassen ist. Diese ist aufzulösen: 

q(ui) oder q(u<ie) v{ixU) a{nnos) X . . . , welcher 
1: iB (oder welche) . . . Jahre lebte. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVH, Sp. 67. 



— 99 — 

138. Untere Hälfte des Grabsteines eines Unbel(annten, ge- 
funden am 4. Mai 1898 beim Bau des Hauses Kurfürstenstr. 
Nr. 47. Geschenk des Frl. Achenbach. Grobkörniger gelblicher 
Sandstein, der aber nach oben zu infolge einer gewaltigen Glut, 
die das Eisenoxydhydrat etwa 10 cm tief in Eisenoxyd ver- 
wandelte, eine rote Farbe angenommen hat. Er stand aufrecht 
im Boden, die obere Kante lag 1,75 m unter der Oberfläche 
(über 4 m unter der jetzigen Strasse). Der untere unbe- 
schriebene Teil wurde vor der Herausnahme aus der Baugrube 
abgeschlagen, wobei auch der obere in 3 Stücke zerbarst und 
mehrere Splitter abflogen. Das Erhaltene ist 57 cm hoch, 60 
cm breit und 20 cm dick. 

.... Iieg(iniM ?) pro pietati eius dat de 
suo dat. 

Keginus (?) schenkt ihm aus Liebe zu 
ihm (dies Grabmal) ; er schenkt es aus 
seinem Vermögen. 

Z. 1 a. A. stand KE, wie die dort 
vorhandenen Spuren beweisen und eine 
Abschrift bestätigt, die vor der Zer- 
trümmerung des Steines genommen wurde, 
als hier noch etwas mehr erhalten war. 
Der nächste Buchstabe ist wahrscheinlich 
1:15 ein G, in welches ein kleines I oder V ein- 

geschrieben gewesen sein könnte. Was darauf folgte, ist durch die nach der 
Auffindung stattgehabte Beschädigung unkenntlich geworden, so dass eine 
Sicherheit über das Wort nicht zu gewinnen ist. Voraus ging der Name 
des Verstorbenen, dem zu Liebe Reginus oder wie er sonst geheissen haben 
mag den Grabstein setzte. — Z. 2 pietati für pietate. — Z. 3 ist das I von 
eiw« beim Zerspringen des Steines grösstenteils verloren gegangen. — Das 
Praes. dat ist in solchen Widmungs formein ungewöhnlich, noch auffaUender 
seine unnötige Wiederholung. — Die Inschrift gehört wahrscheinlich noch 
dem ersten Jahrh. an. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 102. 




139. Bruchstück eines Steinsarges, von Bauaufseher Herr 
an der Böschung der Kreyssigstrasse gefunden, wahrscheinlich 
aber früher im Hause Schillersfcrasse Nr. 24 verbaut gewesen. 
Am 29. September 1898 ins Museum verbracht. Gelblicher 
Sandstein. H. 14, Br. 31, D. 11 cm. 

Erhalten sind wenige Buchstaben der beiden 
ersten Zeilen der Inschrift mit einem Stück 
des Rahmens : 

[P]rimit[ivae'?] dulci88[imae coniugi'?] =meiner 
lieben Gattin Primitiva (?). 

Vergl. Körber, d. W. Z., XVIII, Sp. 17. 

8 




1:10 



— 100 — 



140. Unbestimmbares Bruchstück, gefunden am 14. April 
1885 in römischem Mauerwerk beim Bau der Station Neuthor. 
Geschenk der hess. Ludwigsbahn. Kalkstein. H. 32, Br. 38, 
D. 10 cm. 

Z. 1 folgte anf die untere Hälfte eines M eine Senk- 
rechte. Z. 2 ging dem LE ein mit endigendes Wort 
voraus. Z. 3 hat hinter dem worttrennenden Ephen- 
blatt PAE oder BAE gestanden. Ergänzung vorläufig 
nicht möglich. 




Vergl. KeUer, Nachtr. II, 132 f. 



1:20 



vn. Insclirifteii auf fretouchsgegenstäiideii 

aus Metall, &las, Thon, Holz und Leder. 



a. Gewichte. 



Die Gewichte gehören bis auf zwei alle dem älteren Bestände 
an, und ihr Fundort ist daher meist unbekannt. Qestalt und 
Grösse sind aus der Abbildung ersichtlich. 




141. Dreipfund-Gewicht, gefanden im Juli 1896 in der grossen 
Eirchstrasse zu Kastei (s. Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 33). Sandstein, bezeichnet 
mit III (s. Abb. oben links). Wiegt jetzt 987 Gr., ist also etwas schwerer 
als drei römische Pfund (982,35). 

142. Dreipfund-Gewicht. Basalt, bezeichnet mit in (s. Abb. oben 
rechts). (Katal.-Nr. 2276). Wiegt jetzt 970 Gr., ist also etwas zu leicht. 

143. Drelpfund-Gewicht, etwa von der Gestalt des letzten, aber 
kleiner. (Katal.-Nr. 2278). Blei, mit drei eingeritzten Strichen bezeichnet. 
Gewicht 946 Gr. 

144. Pfund-Gewicht. Basalt, bezeichnet mit I, worüber drei bisher 
unerklärte Buchstaben (s. Abb. unten in der Mitte). (Katal.-Nr. 2275). 
Jetziges Gewicht 309 Gr., während das römische Pfund = 327,45 Gr. war. 

145. Pfund-Gewicht. (Katal.-Nr. 2279). Bronce, bezeichnet auf 
der einen Seite mit I, auf der anderen mit der punktierten Inschrift LVO, 



— 102 — 

die wohl als Namen zu deuten ist (s. Abb. unten links). Gewicht 324 Gr., 
also etwas zu leicht. 

146. Vierunzen-Gewicht. Basalt, bezeichnet mit vier Dreiecken 
(s. Abb. unten rechts). (Katal.-Nr. 2274). Gewicht 109 Gr., also sehr genau, 
denn vier Unzen = Vs römisches Pfund = 109,15 Gr. 

147. Vierunzen-Gewicht. Bronze, bezeichnet mit den griechischen 
Buchstaben 0//, das heisst oyxiai cT = 4 Unzen (s. Abb. unten links). 
(Katal.-Nr. 2281). Gewicht 107 Gr., also etwas zu leicht. 

148. Vierunzen-Gewicht, von der Gestalt des vorigen ; gefunden am 
«Dimesser Ort" (s. z. Nr. 158). (Katal.-Nr. 340). Blei mit dünnem Über- 
zug von Bleioxyd, das teilweise in Carbonat verwandelt ist. Der Wert 
ist durch vier rundliche Zinnscheibchen bezeichnet, welche sich von dem 
rötlichen Bleioxyd gut abheben. Letzteres ist also vielleicht durch Anätzen 
absichtlich hervorgerufen. Gewicht 108,54 Gr. (Dr. Mayrhofer.) 

149. Zweiunzen-Gewicht, aus stein, bezeichnet mit • • (s. Abb. 
unten rechts). (Katal.-Nr. 2273). Gewicht 50 Gr. st. 54,58 Gr. 

150. Ein länglich-viereckiges BleistUck, dessen Ecken abgerundet 
und dessen Querschnitt trapezförmig ist, dürfte wohl ebenfalls als Gewicht 
anzusprechen sein. (Katal.-Nr. 2264). Es trägt auf der Oberseite ein N, 
das mir jedoch verdächtig erscheint. In der Mitte war eine Handhabe 
angebracht, von der nur noch ein Rest vorhanden ist. Jetziges Gewicht 
1230 Gr. (4 römische Pfund = 1310 Gr.). 



b. Bronzegefasse. 




151. Bratpfanne aus Bronze, gefunden im Rhein, im Nov. 1885 

o ^ (s. Abb. Nr. 3). Die punktierte In- 

/ «•••%•%•*• i \ Schrift: L{uci) Coreli = „Eigentum 



eingehauen. 
1:1 



— 103 — 

152. Bratpfanne aus Bronze, gefunden am 27. September 1892 
^ im Ehein unterhalb der Strassenbrücke. 

P: / : iTT/\ .•. (s- Abb. S. 102, Nr. l). Die punk- 

J\ .5 . V • • • •/•••• tierte Inschrift: Nettaa Mucurua ist 

• *• I Ix.****» O *** ^^ jetzt noch nicht gedeutet. Sie be- 

• •* ^ r «•* •••••;* findet sich ebenfalls auf der ünter- 

*•- * 'i* !• ^ Seite des Stieles, wie auch der schwer 

/ •%••• J lesbare Stempel VMIDI ? 

1:1 

153. Bratpfanne aus Bronze, gefunden am 29. juni 1897 im 

Rhein. Auf der Unterseite des Stieles hat offenbar 
der Besitzer zur Wahrung seines Eigentumsrechts 
eingeritzt: Aucti^ d. h. dem Auctus oder Auctius 
gehörig. 




154. Kupferkessel, gefunden im Rhein am 27. November 1897. 
(Vergl. Abb. S. 102, Nr. 2). Er ist 25 cm hoch und fasst 15—16 Liter. 

1:1 
Er scheint der Form nach der frühen Kaiserzeit anzugehören. Auf dem 
umgebogenen Rande findet sich die punktierte Inschrift: c{enturia) CaU 
p(umi) Maxlmi^ Centurie des Calpumius Maximus. 
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 3. 

c. Gewandnadeln aus Bronze und Silber. 



155. Charnierfibel aus Bronze. (Katal.-Nr. 2944.) Fundort: Mainz 

oder Umgebung. Der Inschrift Aucisaa 
gehen drei Striche voraus, die wohl 
bedeutungslos sind. Das A a. E. ist 
so gebildet, dass der Zwischenstrich 
fast senkrecht zwischen den weit aus- 
einandergestellten Seitenstrichen steht. 
li»/\VCl5Vy\ VÄ. Gleichartige Fibeln mit demselben 

keltischen Fabrikantennamen sind weit 
verbreitet. Bis jetzt sind zehn be- 
kannt. Eine, sicher ebenfalls in Rhein- 
^ • ^ hessen gefundene, besitzt Dr. Fliedner 

in Monsheim, eine (aus Dalheim) ist in Trier, drei befinden sich in Berlin 
(davon stammt eine aus dem Kaukasus und eine aus der obersten Schichte 
von Hissarlik!), eine ist in Siszeg (Croatien) und eine in Marzabotto (bei 
Bologna) gefunden, je eine wird in Neapel und St. Germain aufbewahrt. — 
Diese Fibelgattung wird von Tischler in die Zeit des Kaisers Augustus gesetzt. 
Vergl. Becker, Mainzer Inschr. S. 113, Nr. 13; Schumacher, Korrbl. 
d. W. Z. XIV, Sp. 2h. Riese, Korrbl. d W. Z. XVI, Sp. 13B und XVII, 
Sp. 56 ; Olshausen, Verh. d. Berl. anthropol. Ges. 1897, S. 286. 




— 104 — 




156. Charnierfibel wie die 

vorige. (Katal.-Nr. 2945). Pnnd- 
ort: Mainz oder Umgebung. Die 
Inschrift Ur8inu{9) ist bis jetet 
auf solchen Fibeln nicht nach- 
gewiesen. 

Vergl. Riese, KorrbL d. W. Z. 
XVI, Sp. 136. 



1:1 



157. Silberne Charnier- Armbrustfibel, gefunden im Bhein, an- 
gekauft am 14. September 1898. Die durch Zusammenbiegen des Fusses 

entstandene cylindrische 
Höhlung ist sonderbarer 
Weise nicht unmittelbar 
zur Aufiiahme der Nadel 
bestimmt, sondern ent- 
hält eine viereckige, seit- 
lich geschlossene Hülse, 
in welche die Nadel von 

oben hineingesteckt 
werden musste. Dies 
konnte natürlich nur dann 
geschehen, wenn der Stift, 
um welchen sie sich selber 
vermittelst einer Öse an 
ihrem oberen Ende be- 
wegte, aus der querliegen- 
den Hülse herausgezogen 
wurde, was an einem der 
beiden seitlichen Köpfe 
geschehen Ijonnte , von 
denen der eine an ihm be- 
festigt, der andere, jetzt 
verlorene, nur aufgesteckt 
war. (Einen ähnlichen 
Mechanismus beschreibt 
Lindenschmit, Altert-uns. 
heidn. Vorz. EI, Heft II 
zu Tafel IV, 5). — 
Auf dem Bügel sind Verzierung und Schrift mit Niello (Schwefelsilber) ein- 
gelegt, das jedoch an manchen Stellen herausgefallen ist. Auf der einen 
Seite steht VT(ere) FELIX = „gebrauche (sie) glücklich", auf der anderen 
DEOMAR. Nach gütiger Mitteilung Bohn's ist der Name Deomariua oder 
Deomartius durch den aus Arentsburg stammenden, im Leydener Museum 
aufbewahrten Töpferstempel DEOMARTI gesichert. So dtbfte denn auch 
unsere Inschrift zu deuten sein, obwohl es auffallend erscheinen mag, dass 
sich ein gallischer Einzelname bei einem vornehmen Manne bis in so späte 
Zeit — Lindenschmit setzt diese Fibelgattung ins 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. — 
erhalten hat; ein Höriger aber hat dies wertvolle Schmuckstück gewiss 
nicht besessen. An ein Weihgeschenk für den Gott Mars zu denken, ver- 
bietet wohl der Segenswunsch utere felix. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVIH, Sp. 19. 




1:1 



— 105 — 



d. Fingerringe aus Gold, Silber und Bronze. 



158. Goldener Fingerring, der Überlieferung nach vom „Dimesser 
Ort* stammend, einem in der Nähe des Rheinthores in den 
Bhein ragenden Landvorsprong, bei dessen Beseitigung im 
Jahre 1^7 eine grosse Menge römischer Altertümer zum 
Vorschein kam. (Den Namen leitet Falk neuerdings von 
St. Dyneste = Theonestus ab, dessen Kapelle neben dem 
jetzt Reuleaux'schen Gebiete lag.) Die Inschrift VF ist 
wohl als Abkürzung von utere fellx = , gebrauche (ihn) 
glücklich" zu deuten. Ringe, Fibeln, Gefässe u. s. w. mit solchen Anreden 
begegnen uns von der Mitte des dritten Jahrh. an häufig (Schumacher, 
Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 27). 





159. Goldener Fingerring, aus Ebersheim bei 

Mainz. Die Inschrift Jan ist wohl eine Abkürzung 
für Januarii, 



1:1 

160. Fingerring aus Silber, angebHch aus Zahlbach b. Mainz. Am 

24. Nov. 1898 von Herrn Ernst Zais 
in München geschenkt. Von den vier 
Stücken, in die dem früheren 
Besitzer der Ring zerbrach, ist eines 
verloren; doch scheinen nur zwei 
Buchstaben darauf gewesen zu sein. 
Dann ist zu lesen Jo{vi)na M%nerv(a)e 
d{edit) = Jovina schenkte den Ring 
der Minerva (wohl für eine Statue). 




^jj c:^L3ä3Xfi;^$2^g3 



r.i 



Vergl. Körber, Korrbl. d. W^Z. XVHI, Sp. 19. 




161. Fingerring aue Bronze, unbekannter 

Herkunft (im Jahre 1895 von Reiling angekauft). 
Die Inschrift scheint Vividi gelesen werden zu 
müssen. 



e. Schwertscheiden. 



162. Zwei Stücke eines (?) Schwertscheiden-Ortbandes aus 

Bronze, in verschiedenen Zeiten auf dem Kästrich gefunden, so dass 
die Zusammengehörigkeit, wenn auch nicht erwiesen, so doch auch nicht 
ausgeschlossen ist. 





1:2 



— 1Ch> — 



AhrJichr h<*^L\ker Eilt t-rr-rli^n Iisä.rLri?r =in»i bisiver »jcii i 

irord*!!. D*h-ir i^tt dir: YjzkLrzi^ Irr •iTj-rLbn-^h-rt^n * j-i-sr s>r4rt»äfieteB) 
IiiVrhrift z- ; Aqui* H^ize^idi ' 'Jmi^iaM' »j4 / »cii kcistem Zv«£frl anfer- 
irorf*?n. Vor «ui4 hinter dric •'►rt.-TiÄEL'jiL i-er rönisJrh'rn B€uidminif ron 
Badrn in drT .SoriTrii. Ut ein-r •chnaU-enÄnnige V-eni^raag' skhtfaar. Von 
dfT Kndarig d*r* Fa&rikantrnnamesii sind aoi imä^rem Stc^ ausser fen S 
and deiri j^'^/Sfe^rrn Trü des V aach n-.-rh di-r einr SenkTS^hce des X nr 
HäJfte and von d^r anderrrn d»rr ob-rre Ansatz rifaalt^n. — V.>n d«3i fibiigen 
Eifrrnplaren i^t eine» bri Friedb^r? in Oberbessrn gefond^n vorden. eines 
F/ei K^'rD'ibare. zwei in dfrr .Schw-eiz und »rinrs in Frankreich: von 
jÄt der Fandort nicht bekannt. 

Vergl. .Schumacher, Korrbl. d. W. Z. Vm, Sp. 136. 



f. Metallgegenstände Ungewisser 
Verwendung. 



163. Bleipläitchen, gefanden am 15. Janaar 1S96 beim Ban des 
Gatenbergbadeä an der Franziskanerstrasse. 
Aaf der Vorderseite befindet sich innerhalb 
einer verzierten Umrahmong ein Porträtkopf, 
nach der Beischrift Caesfar) den Aogastns 
darstellend; links and rechts davon Weih- 
wedel und Augurstab, als Zeichen der priester- 
lichen Würde. Auf der sonst glatten Rflck- 
seite ist ein etwa 5 mm breiter Bleistreifen an 
den beiden Enden so aufgelötet, dass er in 
der Mitte bogenförmig absteht. Vermittebt 
der so entstandenen Öse konnte das Plättchen 
an irgend einem Gegenstand zur Verzierung 
befestigt werden. 



164. Bronzeplättchen, unbekannter Herkunft. 
Auf der Rückseite befindet sich in der Mitte der 
Rest eines Stieles (?). Die punktierte Inschrift auf 
der Schauseite liest Zangemeister c{eniuria} Octiianei . 
Fers{. . . .) Sabinl, Fers(. . .) Sabinus wäre dann 
der Eigentümer. 




165. Sechsseitiger Bronzegriff einer Isisidapper (sistrum) (7), 

(Kaial.-Nr. 2419), gefunden in Heddernheim. Die punktierte Inschrift steht 
auf vier Seilen. 

/. 1 ist der erste Buchstabe unsicher. An ein Centarienzeichen 
lässi sich wolil nicht denken ; f^'cgen R sj)richt die weite Entfernung von 
(h'ii f()lgeiid«'n nuclistahen, zu denen er dann gehören müsste; am wahr- 
sclH'inlichsten scheint noch L zu sein. — Z. 2 dürfte wohl an vierter 



— 107 — 










l-UblJ 






stelle R zu lesen sein. — 
Z. 3 posi< = posuit ist 
häufig. — Z. 4 stehen drei 
Gruppen von je zwei Buch- 
staben, die zusammen das 
Wort aerari bilden würden, 
wenn man von den Punkten 

absähe. Also : L(uciu8) 
Ulenti(u8) 8i8tru(m) po8{u)it 
aerari (?). Eine Erklärung 
der rätselhaften Inschrift 
ist noch nicht gefunden. 

Vergl. Becker, Mainzer 
Inschr. S. 111, c. 3. 



1:1 



g. Brennstempel aus Bronze und Eisen. 



166. Siegelstempel aus Bronze. (Katal.-Nr. 2413). Fundort un- 
bekannt. Der rückläufige Stempel 
ist wohl zu lesen: Egn(atiu8) Vigax 
(oder Vicax). Der Name Vigax ist 
allerdings sonst nicht nachweisbar, 
auch ist der Nominativ in solchen 
Bezeichnungen höchst selten, doch 
ist eine andere annehmbare Deutung 
noch nicht gefunden. 



|^DIÜI/iD3 



1:1 



Vergl. Becker, Mainzer Inschr. S. 113, Nr. 14. 



1: 1 



167. Siegelstempel aus Bronze. 

(Katal.-Nr. 2414). Fundort unbekannt. 
Die rückläufige Inschrift lautet: L{ucii) 
Lucr(eti%) Secun{di). 



168. Eiserner Brennstempel. Gefunden im Rhein, angeblich im 
Jahre 1883 nach Beendigung der Räumungsarbeiten etwas unterhalb der 
römischen Brücke. Br. 12 cm, an einem 20 cm langen Eisenstiel. Die 



1:1,5 
rückläufige Inschrift scheint zu lauten Fl(avii) Neri(i) Sahin(i). Zange- 
meister schreibt darüber: „Das Gentile Nerius kommt vor, und es liegt 
kein Grund vor, dies hier nicht anzunehmen. Die Abkürzung FL* für das 
Gentile Ftavius ist schon früh nachweisbar, für das Praenomen aber 
kommt sie doch erst in der Zeit des Constantius Chlorus und besonders 
seines Sohnes Constantin d. Gr. auf. Unser Stempel ist aber gewiss 
beträchtlich älter. Nimmt man also Flaviud als Gentile, so würde dieser 
Mann zwei Gentilicia gehabt haben, was höchst unwahrscheinlich ist, da 



Ift? — 



^eh^!Hfi<» ku)^. AC^ B<*ii»ki*A fdb£QKii szr »ij»i3rc& nidkt pA obci za 
^^, B<9Mc4«r3 <rvart«t num «me gkidkir V^eihtvii^ aodi aof da* anderen 
'M^,, wf, \V7 m.^h% Tf/muA^ kt iiA andi nkfct T*jriiJ»deB gewocn ist 
liju OffrTi^/tMak k^ßtanXr ui^h. .Sarinn« gelautet IuIkb; doch ist das Vor- 
haiykRi<ia dksK!« Xameiu nidxt fakbert. 

V-^ Velkft, Zeha^hr- d. Hainzcr T«r. S. 592, Tafd YTTT. 




1:1 



Fundort 



169. KUkmr 

anbekannt; erworben im Jahre 1864. An dem 
8 cm langen rmiden Stiel sitzt ein Inner. Tineckiger Kopf 
mit den erhabenen rncklaufigen Buchstaben SL Der 
.Stempel dfirfte eher znm Einschlagen ab zom Einbrennen 
gedient haben. 



1l Sonstige eiserne Werkzeuge. 




170, Ei$6rfier Beilhainmer, gefunden am lö. Xorember 1888 im 
Khein, Da« 22 cm lange Werkzeug trog am einen Ende eine erhaben 

eingeschnittene r&ck- 
lädSge Inschrift, die 
wohl dazu bestimmt 
war, in frisches Holz 
eingehanen zn wer- 
den. Erhalten ist da- 
von noch M • S • so- 
wie die Hälfte eines 
senkrechten (nicht, 
wie die Abbildung 
vermuten lässt, schrä- 
gen) Striches. Dieser 
dürfte einem N an- 
gohftrt haben, Hchwerlich einem H oder M. 

Vcrgl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. IX, S. 298, Tafel XVI, 4. 

171. Eiserne Axt, gefunden in der römischen Pfahlbauniederlassung 

am „Dimesser Ort". Oben 
auf dem 17,7 cm langen, 

vorzüglich erhaltenen 
Werkzeug befindet sich in 
der Nähe des hammer- 
artigen Teiles die Inschrift 
Mainetitts, 



r:2 




iMwwsnvsi 



1 : 3 und 1 : 1 



172. Eisernes Beil, gefunden im Ehein bei Gelegenheit der 
Kännmngsarlx'itcn anfangs der 80er Jahre. 26 cm lang. Der Stempel 
wur auf dor Untorsoite zweimal eingedrückt, einmal längs und einmal quer. 



109 




Seine Erhaltung ist leider so schlecht, dass die Lesung C ' Ii(man{i)u{8) keines- 
wegs sicher ist. 

Vergl. Velke, Zeitschr. d. Mainzer Ver. HI, S. 592, Tafel XIII. 



173. Grosses eisernes 
Werkzeug von zweifel- 
hafter Bestimmung, gefun- 
den im Rhein. 36 cm hoch 
und breit. Am eckigen Theil 
des Stiels steht auf beiden 
Schmalseiten die Zahl XIHI ; 
auf dem runden Teil des- 
selben ist eine Inschrift ein- 
gehauen, die Zangemeister 
T{iti) Ulpi .... lesen zu 
dürfen glaubt. 




^IVUI /^ UU(i 



1:4 und 1:2 



174. Eiserner Meissel, gefunden im Rhein bei Gelegenheit der 
Eäumungsarbeiten anfangs der 80er Jahre. 26 cm hoch. Die schlechte 




tmi^r./ 



j 



1:3 und 1:1 
Erhaltung des Stempels gestattet keine sichere Lesung mehr. 

Vergl. Velke, Zeitschr. d. Mainzer Ver. m. S. 592, Tafel Xin. 



— HO — 
175. Eiserne Loch- oder Queraxt, gefunden am gleichen Ort i 

zu gleicher Zeit wie die vorige Das 40 cm lange Werkzeug wurde hau 




3 

/ 



\M IM I 



l;4und 1;1 



sächlich von dem Zi 
mermann zum Lochen 
Balken gebraucht. I 
bar ist die eingehau< 
Inschrift Alpini. D< 
trägt die Axt noch eii 
unlesbaren Stempel. 



176. Eisernes Messerchen. (Katal.-Nr. 526.) Gefunden am .Dimes 
Ort". Das Messerchen hatte einen Haken zum Aufhängen. Auf d 




beinernen Stiel ist eine schwer lesbare Inschrift eingekratzt, die mit MO 
beginnen scheint. 



i. Einzelne Buchstaben aus Bronze. 



177. Einzelne Buchstaben und Buchstabenteile, gefunden 187S 

der Umgebung des Ftirstenberger Hofes in Mainz (Katal.-Nr. 1148 — 1156). l 

Buchstabe 
sind aus n 
siver 1,3 
dicker Bro 
hergestellt \ 
stark ver^ 
det. Auf 
Bückseite 
od. waren 1 
dicke run 
od. Viereck 

1:10 Bronzestä 

chen eingezapft (bei dem G gehen sie, drei an der Zahl, bis auf die Ol 
Seite hindurch, und ihre Köpfe sind daher auf der Zeichnung sichtbar), 
welchen etwa 2 cm von der Rückseite des Buchstabens ein ähnliches Q\ 
Stäbchen angebracht ist. Offenbar sollten die Buchstaben durch diese \ 
richtung auf einer Unterlage festgehalten werden. Der erste ist ein G ' 
merkwürdiger Form, die nicht etwa durch Verbiegen entstanden ist; 
besteht aus 2 genau aneinander passenden Stücken. Auf der Bückseite 
die Zahl XXIX eingehauen. Dann folgt auf unserer Zeichnung ein hal 
A, daneben ein halbes L, aus 2 Stücken bestehend, deren oberes auf 




— 111 



Bückseite die (vielleicht nicht vollständige) Zahl XX zeigt. Darüber ein 
Stück von der rechten Hasta eines (zweiten?) A. Neben dem L untere 
Hälfte eines F, darüber Rest einer Senkrechten. Ganz rechts zwei drei- 
eckige Punkte. 

178. Einzelne Buchstaben und Buchstabenteiie aus Kiein- 

Wintemheim und Mettenheim. (Katal.-Nr. 699—701, 1148—1156, 1159). 

Sie sind aus Bronzeblech 
geschnitten, nur das grössere 
A ist nicht ganz flach, 
sondern zeigt in der Mitte 
seiner Striche einen Grat, 
der durch Treiben des Bronze- 
bleches entstanden ist. Nach 

dem Ankaufsbuch des 
Vereines sind im Jahre 1854 
zwei einzelne A aus Metten- 
heim erworben worden. Da 
keine anderen vorhanden 
sind, werden es die ab- 
gebildeten sein, obgleich sie 
seither als Teile der Sammlung Gold ausgestellt waren, und Becker das kleinere 
— offenbar fälschlich, denn es hat nicht die Grösse der anderen Buch- 
staben — als Klein -Winternheimer Fund veröffentlicht hat. (Becker, 
Mainzer Inschr. S. 114, Nr. 17). Das vollständige S, das kleinere Stück 
einer Hasta rechts darunter und die Senkrechte ganz rechts gehören 
zusammen und sind in Klein -Winternheim gefunden worden, wie auch, 
jedoch bei anderer Gelegenheit, die übrigen bereits von Becker a. a. 0. 
veröffentlichten Buchstabenteile eines S, V, M, N, N und M(?). Mit Aus- 
nahme des grösseren A sind sämtliche Buchstaben mit Nietlöchem ver- 
sehen, bei dem halben M (oben rechts) stehen deren immer zwei beieinander. 




1:10 



k. Gläser. 




1:7,B 

179. Weisser Glasbecher mit Resten ehemaliger Vergoldung 

(s. Abb. Nr. 5; Katal.-Nr. 1059), gefunden im Sommer 1888 auf dem 
römischen Friedhofe in der , Neuen Anlage" bei Mainz. Um die Mitte des 
Glases läuft die Inschrift: 

VlTJ^MXIBlQyiEßClSQyiDSIT 

1:1 



— 112 — 

Die zweizeilig um den Becher herumlaufende Inschrift : Vitam tibi 
quia 8ci8 quid sit honum = ,Das Leben (wünsche ich) Dir, weil Du weisst, 
was gut ist" scheint zuerst in das Glas eingeätzt und dann mit Gold belegt 
gewesen zu sein. Jetzt ist sie infolge Ab Witterung der Oberfläche nur noch 
mit grösster Mühe lesbar, immerhin aber in allen Einzelheiten feststehend. 
Der Becher befand sich in einem Steinsarg zusammen mit zwei gewöhn- 
lichen Kugelgläsem, fünf kleinen in einander stehenden Glasbechem und 
einer Erzmünze des Hadrian. Letztere gibt einen Anhalt für die Zeit- 
bestimmung nach oben; die Buchstabenform weist schon auf das dritte 
Jahrhundert, dem alle Gräber dieses Friedhofes anzugehören scheinen. 

Vergl. Lindenschmit, W. Z. Vm, S. 270. 

180. Bläuliches Kugelglas mit trichterfUrmigem Hals (s. Abb. 

S. 111, Nr. 1; KataL-Nr. 1125), gefunden im Sommer 1888 auf dem 
römischen Friedhofe in der „Neuen Anlage** bei Mainz. Die Inschrift 

CVILRlirVEIlR 

1:2 
Curre puer m{i) = „laufe, mein Knabe (Sklave)* ist auf der Schulter des 
14,5 cm hohen Glases eingeritzt ; dahinter ein Palmzweig, darüber eine aus 
fischgrätenartig zusammengestellten Strichen bestehende Verzienmg. Die 
Abkürzung M = mi ist sehr ungewöhnlich. Das Glas befand sich mit drei 
gewöhnlichen Kugelgläsem in einem Steinsarg. Es wird aus derselben Zeit 
stammen wie das vorhergehende. 

Vergl. Keller, Korrbl. d. W. Z. Vm, Sp. 172. 

181. Weisse Schale mit eingeritzter Jagd-Scene: ein Jäger verfolgt 

mit eingelegter Lanze, von zwei Hunden begleitet einen Eber (s. Abb. S. 111, 
Nr. 3). Gefunden Mitte der 70er Jahre bei Anlage der neuen Festungs- 
ümwallung auf dem römischen Friedhof am Fort Hauptstein. (Katal.-Nr. 46fö.) 

2AV1 VT n 3 JAV 

1:2 
Um den Band steht die rückläufige Inschrift: Valeri vivas = „Valerius, 
lebe (hoch oder glücklich)". Die hinter S (also vor V) scheinbar noch sicht- 
bare Senkrechte ist wohl nur als Ast-Ende eines Baumes zu betrachten, 
welcher den Wald als Schauplatz der Jagd andeuten soll. Bruchstücke 
einer ganz ähnlich verzierten Schale sind im Sommer 1897 bei den Aus- 
grabungen des Altertumsvereines vor dem Gauthor aufgefunden worden. — 
Der unter der Abbildung der Inschrift angegebene Massstab bezieht sich 
nur auf die Grösse der Buchstaben; aus praktischen Gründen sind sie 
verhältnismässig näher zusammengerückt. Die Schale hat einen Durchmesser 
von 17,5 cm. Die Inschrift scheint darauf berechnet gewesen zu sein (beim 
Trinken) von innen gelesen zu werden: dann erscheint sie rechtläufig. 

182. StUck eines weisslichen Glases 
mit eingeritzter Inschrift, gefanden in 

einem römischen Fass im ehemaligen 
Münsterweiher (Katal.-Nr. 802). Von der 
Inschrift ist nur noch der grössere Teil 
von E oder F und ein P erhalten. 




— 113 — 



)3. BodenstUck einer 



^orQL. 



1:1,5 



blauen viereckigen Glasflasche. Ge- 
funden zu gleicher Zeit und an demselben 
Ort wie Nr. 181. (Katal.-Nr. 4558). Die 
rückläufige Inschrift ragt nebst ihrer Um- 
rahmung aus der Fläche hervor; sie ist 
mit dem Glase zusammen durch Guss her- 
gestellt ; in der Form war sie rechtläufig 
eingegraben. Erhalten sind nur noch Beste 
von drei Buchstaben, von denen der erste 
ein T, der zweite ein C oder G war. 



^ 



}4. Hellgrüne viereckige henkellose Flasche mit langem Hals, 

i am 16. September 1898 in einem Steinsarg des römischen Fried- 
der Nähe der ehemaligen Heiligkreuzkirche zwischen Mainz und 

Jim. Geschenk des Herrn Bauunternehmers Groh in Kastei. H. 19 cm. 
Auf dem Boden die Buchstaben G F I und H 
(oder vielleicht richtiger F, G, H und I), deren 
Bedeutung unklar ist. In der Mitte eine mensch- 
liche Gestalt in langem bis auf die Füsse herab- 
reichenden Gewände ; auf der rechten Hand ein 
undeutlicher Gegenstand. Figur und Buchstaben 
sind mit dem Glase zusammen durch Guss her- 
gestellt. Aus derselben Form scheinen zwei 
Flaschen des Bonner Museums zu stammen, die 
Klein, B. Jahrb. LXXXX. S. 19, Nr. 12 und 13 
veröffentlicht hat. 
1:2 



li 



)5. Zwei ganz gleiche grünlich-gelbe, doppelt-gehenkelte, 
irmige Flaschen mit nachgebildeten Fassreifen (vergi. Abb. 

Nr. 2 und 4). Gefunden zu gleicher Zeit und an demselben Ort 
wie Nr. 181. (Katal.-Nr. 4459 und 4460.) 
H. 19 cm. Auf dem Boden steht die schon 
in die Form eingegraben gewesene Inschrift 
Nero. Bohn nimmt jedoch an, dass das E 
ein im Guss schlecht ausgekommenes F sei, 
und dass man also Fronitinus) zu lesen 
habe. Gleiche Flaschen wurden auch sonst 
gefunden, z. B. auf dem Gräberfeld am Kirch- 
berg bei Andernach (vergl. Konen, B. Jahrb. 
86, S. 186, Tafel X, 19 und Klein, B. Jahrb. 
90, S. 18). Unsere beiden Flaschen scheinen 
aus derselben Form hervorgegangen zu sein, 
wenigstens stimmen sie selbst in Kleinig- 
keiten überein. Die Fabrik ist nach Bohn 
im nördlichen Frankreich zu suchen. (Vergl. 
Mainzer Zeitschr. I, 1, Tafel 2, Fig. 32). 




1:2 



1. Thongefässe. 



16. Schwarz gefirnisster Becher mit eingeritzter Inschrift 
'Stellung der Wochengötter, (s. Abb. s. 115, Nr. 4. Katal.-Nr. 

;m Sommer 1888 auf dem römischen Friedhofe in der , Neuen 



— 114 — 



C ^v,. 






^J^ 






f^ 



Anlage** gefunden. Figuren und Buc 
sind eingeritzt, bevor der Thon gebran 
gefimisst wurde. (Um sie auf der Ab 
besser sichtbar zu machen, wurde vor der 
graphischen Aufiiahme etwas Kreidepub 
gerieben). 

Die Eeihe der Götterbüsten beginnt, 
Inschrift zeigt, mit Saturn. Er ist blü^ 
gestellt, mit einem Gegenstand, der wc 
Harpe vorstellen soll. Ihm folgt Sol, an S 
kröne und Peitsche, dann Luna, an Peits 
Mondsichel kenntlich. Den Mars bes 
Speer, Helm und Schild, den Merkur die 
am Kopf, sowie der schlangenumwundene 
Stab. Nach dem mit dem Blitzstral 
gezeichneten, bärtigen Juppiter schliessi 
die Reihe. Sie ist durch den blatt- od» 
formigen, wie an einem Stengel schw» 
Spiegel (?) charakterisiert. Bemerkenswert 
ihre Haartracht. — Die Inschrift steht 
bildlichen Darstellung in keiner Beziehui 
lautet : Accipe me [8i]tie(n)9 et trade sodali 
mich, wenn Du dürstest, und gieb mi< 
Zechgenossen weiter." Hinter me ist das 
derart verletzt, dass jede Spur verloren is 
^ Räume nach könnte ein breiter oder zwei i 
^Buchstaben hier gestanden haben; di 
gegebene Ergänzung scheint das Richtige g 
zu haben. Vor s ist n infolge seiner sei 
Aussprache sehr häufig — schon in 
kanischer Zeit — weggefallen, so dass di 
cipialform sities keinerlei Schwierigkeiten 
Die Woche der Römer zählte bekf 
ursprünglich acht Tage: allemal der acht 
nach römischer Zählweise nundinae „N 
genannt. Die siebentägige Woche ist ein 
Einrichtung der Babylonier, von denen 
den Juden und später zu allen Kultu] 
gekommen ist. Sie hängt mit dem Gesti] 
der Chaldäer zusammen. Diese betrachte 
7 Planeten, d. h. Sonne, Mond und die 5 
im Altertum bekannten Wandelsterne als n 
Gottheiten, die einen tiefgreifenden 
nicht nur auf die ganze Natur, sondei 
auf das Leben jedes einzelnen Menschen ai 
Daher benannten sie je einen Tag nacl 
und gelangten so zur siebentägigen Wocl 
ursprüngliche Planetenordnung, aufgestel 
der angeblichen Entfernung von der Erc 
Saturn, Juppiter, Mars, Sonne,'' 
Merkur und Mond. In dieser Reil 
regierten sie auch die einzelnen Stun( 
Tags. Jeder Tag aber gehörte dem Plan 
welcher die erste Stunde regierte. Dem Saturn gehörte nun die 
15. und 22. Stunde des ersten Tages, die 23. dem Juppiter, die J 
Mars, die 25. aber, d. h. die erste Stunde des 2. Tages und soi 
ganze 2. Tag der Sonne. In dieser Weise folgen dann noch ] 
Mars, Merkur, Juppiter und Venus. Der Tag des Satu 









- 115 — 

ako der erste. In Eom finden wir die Bezeichnung der Wochentage nach 
den Planetengöttern nicht vor dem ersten Jahrh. v. Chr. In der Kaiserzeit 
jedoch breitete sie sich aus, da auch das Ansehen der „Chaldäer" immer 
mehr stieg, bis diese zu Anfang des dritten Jahrhunderts sich officielle 
Anerkennung errangen. Unter dem halborientalischen Herrscherhaus des 
Septimius Severus sind jedenfalls die meisten der Denkmäler in den Rhein- 
landen entstanden, welche mit den Bildern der 7 Wochengötter geschmückt 
sind. Unser Becher gehört einer noch etwas späteren Zeit an; denn in 
demselben Steinsarg, wie er, befanden sich ausser 3 Kugelgläsern, 1 Glas- 
becher, 3 kleinen Gläschen, einem schwarzen Thonbecher mit eingedrückten 
Wänden, 5 Goldperlen, eisernen und broncenen Beschlagteilen eines Käst- 
chens auch noch 6 kleine Kupfermünzen, von denen eine unter Claudius Gothicus 
(268—270) geprägt war, die anderen aber aus derselben Zeit stammten. 
Auch paläographische Erwägungen würden auf das dritte Jahrhundert 
geführt haben. Bezeichnend ist namentlich das Anschwellen der Linien 
nach dem Ende zu, der geschlängelte Mittelstrich beim A (der übrigens 
einmal fehlt) u. a. 

Vergl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. VIII, S. 270. Hang, die 
Wochengöttersteine in d. W. Z. IX, S. 17 jff. (bes. S. U). 

187 — 190. Vier braun-schwarz gefirnisste Thongefässe mit 

aufgemalter Inschrift (s. Abb. Nr. l, 2, 3 und 5). Gefunden im Winter 
1883—84 in der „Neuen Anlage" bei Mainz. (Vergl. Fr. Lindenschmit, 




1:7,B 

Westd. Zeitschr. III, S. 181). Genauere Fundnotizen sind leider nicht mehr 

vorhanden, doch weiss man, dass diese mit weisser Farbe bemalten schwarzen 

Gefösse erst von der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts an vorkommen. 

K/l ▼* -o -t • ^^^ finden sicli vielfach am Rhein 

ivL E K V" Jt\A.*^* zum Teil mit denselben Aufschriften. 

Vergl. z. B. Klein, B. I., 87, S. 61 

Vr -Xr A ^ Ä/l fff-» Becher Nr. 1 (Katal.-Nr. 813) 
/ \/ /\ ^ A/V L zeigt die Inschrift meruvi „lauterer 
^^ ^ ^¥A.-^ ^y^,i^« Er ist 9 cm hoch und 

B stand nebst einem Glasbecher und 

T 1^ C einem sehr schönen zweihenkeligon, 

^ *^ kelchartigen Glas in einem bleiernen 

Kindersarg. Nr. 2 (Katal.-Nr. 815) 
J) () SV *^^^ ^^^ Inschrift bibe „trink!"; 

am Bauch des 1() cm hohen Ge- 
1:2 fässes befinden sich rundliche Dollen, 

tt denen es sich besser halten lässt. Der fiaschen-ähnliche, 21 cm liohe 
wog Nr. 3 (Katal.-Nr. 927) ist mit weissem und gelbem Thonschlanim 
J^ert; die Inschrift lautet: vivaa mi „mögest Du kben, mein** = „heil 
Dir, mein Lieber". Becher Nr. 5 (Katal.-Nr. 814) endlich ist 11,5 cm hoch 
Wid durch eine griechisclie Inschrift ausgezeichnet: dos = JoV „gib!". 

9 




1:7,5 



— 116 — 

191 — 195. FUnf braun-schwarz gefirnisste Becher mit auf- 
gemalter Inschrift (s. Abb.). Becher Nr. 1 stammt ans der Hepp'schen 
Sammlung. Fundort unbekannt. Die Inschrift lautet vinum ,Wein!*. 

Das I hat nur unten einen 
Querstrich; N und V sind 
verbunden. — Wahrscheinlich 
aus Mainz ist auch ein im 
Jahre 1898 angekauftes 6e- 
fäss mit der Inschrift müee 
, mische (den Wein)*. Gestalt wie 
Abb. S. 115, 1. — Die Ge- 
fasseNr.2 und 4 stammen beide 
aus Bingen. Das letztere mit 
der Aufechiift vita .Leben!* 
ist 10,ö cm hoch, das erstere 
mit der Aufschrift frui ,ge- 
niessen!* nur 8,5 cm (KataL- 
Nr. 1526). Der Becher Nr. 3 
(Katal.-Nr. 2550), gehört zu 
dem berühmten Eökier Grab- 
funde, den Lindenschmit in 
der Westd. Zeitschr. XIII, 
S. 294, Tafel VI und in den 
Altertümern unserer heid- 
. ^ C "^ IT nischen Vorzeit Bd. IV, Tafel 

^i I ^ <mä Jir 57, veröffentlichte. Die zwei- 

zeilige aufgemalte Inschrift 
R I 7^ ^ \ß *v^ / .^ ist sehr zerstört, aber noch 

^ J"^^ ";;, "^ - •' lesbar; merkwürdiger Weise 

A ^ ^ ist sie zur einen H&lfte latei- 

I . I nisch, zur anderen Griechisch : 

bibamuspie ,lasst uns trinken! 
mnk'^ irtUi. — Die übrigen Beigaben bestanden aus einem 90 cm langen 
Ei4^iL5*:hwert mit Elfenbeingritf und reioh mit Gold und Niello verziertem 
?ilbr?m'rn »>rtbaüde, einem eisenien Sohildbuckel, einer sUbemen Gürtel- 
».•hnAlIr. 2ä silbernen l^ürtelbesohlägen. einem Kugelglas und einem Glas- 
örtrh-rr. «riner Si^illaia-Si'hüssel und "drei Krüglein aus hellem Thon. 

196. Graffito auf einem BodenbruchstUck von einem verzierten 

KMipeit srefanden im JAiiuar 1897 zu AYoisenau. In einem Augenblicke 
irf Wclt5*.'hni'rr£cs f rinnerro sich der Schreiber wohl der Worte des Dichters : 



VITA 

M 1 .tJ- ML cO\ 




y^ numenui twmus « /r^yw afntunnfrr: nati Hor. ep. L IL 27). ,Wir 

>::;.i nzr ZifTrHi I. h. ohii-j FiiTt'nwcTti und i^*bon?n der Erde Fracht zu 
vrrirhr^n*. Ei dtrr:-: wr^vA^K- Aur■ühruIlt^?!l aa> Honu g«b«. die so. wie 
>:•: -m^ j-rtz: vorlir-^-ri!. ^-.is äiror^T /r'i: staiunuri. Mehr als das eine Wort 

* »t« '^j I ürrtr ll ri ^i: :: > t: :..- i: : v r* rl ■ rv' 'i i?;'^au sreii sc in. 
Vrri::. K:ri:er. korrLl d. W . Z. XVL Sp. lÄl, 



,1 



— 117 — 

197. Graffito auf dem Hals eines braun-gefirnissten Gefässes, 

lieh Konen, XVI, 10. Gefanden am 12. Januar 1898 in Mainz, Mombacher- 
sse (röm. Friedhof). Der Verfasser unserer Inschrift war ein griechisch 
• \ redender Mann. 

'TTYy(?\ Nl K >\ ^-r»"- 

/ \ * ' \ ^Glück auf! sie- 

ge !" Es scheint, 
l'«2 dass durch den 

ch kein Wort verloren ging. Der kleine Strich am Ende dürfte das 
lasszeichen sein. 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVH, Sp. 101. 

198. Bruchstück eines grossen Sigillata-Gefässes mit weiss 
aufgemalter Verzierung und Inschrift. 

Leider sind nur noch die Buchstaben SEV 
oder SEX mehr oder minder erhalten. Sie 
sind aus kleinen Punkten gebildet und 
in Barbotine-Technik aufgetragen. Wohl 
erhaltene Sigillata-Gefässe dieser Art sind 
ausserordentlich selten (s. B. Jahrb. 71, S. 110 
if. und 84, S. 112). 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 
^.._, S. 10. 

1:1 

199. Bruchstttck eines grossen, dickbäuchigen Doliums aus 
rtthnlichem Thon mit schwarz aufgemalter Inschrift. Dieselbe 

nd sich auf der Schulter des Gefösses und ist nach Zangemeister zu 




1:1 
i: [A f]nnio Cra88[o] duracinas „An Annius Crassus Härtlinge*. Annius 
isus war der Adressat, an welchen die duracintte {sc. uvae), hartbeerige 
iben, die zwar sehr haltbar und wohlschmeckend, aber zur Weinbereitung 
ig geeignet waren, (aus Südfrankreich oder Italien) geschickt wurden. 
ti macht es mir die Verteilung der Schrift wahrscheinlich, dass am 
ing Junio zu lesen ist, nicht Ännio, zumal von einem verblichenen A 
t die geringste Spur mehr sichtbar ist. Auch nachher sind die Buch- 
en zum Teü sehr nahe zusammengerückt. 

In Pompeji haben sich solche — dort meist mit roter Farbe auf- 
alte — Adressen auf Amphoren öfter gefunden, vergl. C. I. L., IV, 
2626, 2628, 2648, 2660 (m. Add. p. 226), 2671. Der 2660 genannte 
idiu8 Natalis wohnte nachweislich in Pompeji (IV, 1011). 



118 



üebrigens wird unsere Sorte von den Schriftstelleni öfter erwfthni 
So empfiehlt z. B. Colomella III, 2, 1 als Speisetranben in der Nähe da 
Stadt neben bestimmten anderen Arten besonders auch die duracinas 
anzupflanzen, und der ältere Plinius sa^ in seiner Xaturgeschichte (XlY, 
4, 40 ed. Detlefsen): Hed sunt eüamnum fvites) insignes uva, non [vino. 
Ambro iia e duraeinis sine ullh rasis in rite serratur: fanta est contra fri- 
gora, aestiu lempestatesque firmitax. Der Dichter Martialis aber hat die 
uva9 duracinae sogar in einem Epigramm besungen (XIII, 22): 

Non hahilU cyathU et inutüU uva Lyaeo, 

Sed non pofanti me tibi neclar ero. 

«Zwar taug ich nicht für Bacchus Dienst,* 

,Doch wenn Du mich nicht trinken willst,* 

«Wird Dir die Traube Nektar sein.* 
Vergl. Becker, röm. Inschr. v. Mainz, S. 109, d, 1. Erklärung nach 
Zangemeister. 

m. Andere Gegenstände aus Thon. 

200. Untere Hälfte eines Thonfigllrchens. unbekannten Fundortes, 
aus der Lindner'schen Sammlung stammend. TKatal.-Nr. 1659). Jetzige 
Höhe 8,7 cm. Von dem Bild auf der Vorderseite sind nur noch zwei auf 
einem Schemel st»,*hende Beine erhalten, darunter die Buchstaben DO, 
womit der Name der «largestellten G<»ttheit abgekürzt ist. In die obere 





1:1 
Hälfte der glatten liückseite ist vor dem Brande eine Inschrift eingeritzt. 
Zuiigi'iiM'ister liest: AeliuH Afaiiliaiivls] ad can[f.u'n]a« no[va8] feeit und 
riinunt danobeii Rrste einer ältor<*n nur unvollständig beseitigten Fassung 



— 119 — 



«b 







1:1 



an. Ad eaniunas novas ist eine Strasse in Köln, in welcher auch ein 
gewisser Lucius und ein Viudex ähnliche Thonfigürchen gefertigt hahen. 
Cantuna scheint eine dem Munde des Volkes entnommene Bezeichnung zu 
sein, die sich im franz. cantine und im ital. cantina erhalten hat. Aus dem 
Namen, den auf einem Erzeugnis aus der Werkstätte des Vindex die Stadt 
Köln fahrt (Colonia Claudia Augunta Agrippinensium), wird geschlossen, 
dass diese Töpfereien in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts 
geblüht haben, (s Klein, B. Jahrb., LXXIX, S. 192 und LXXXVII, S. 82; 
Weckerling, röm. Abteil, d. Paulusmus. II, S. 82). 

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 69. 

201. Thonfigürchen, gefunden im Frühjahr 1897 in der Bauem- 
gasse. Geschenk der Herren Gebr. Harth. (Katal.-Nr. 3998}. Dargestellt 
ist ein jugendlicher Gott. Von dem Gewand liegt noch ein Zipfel auf 

der linken Schulter, von der rechten 
ist er bis zum Knie herabgesunken, 
während das andere Ende auf dem 
linken Unterarme ruht. In der rechten 
Hand hält er eine Schale, links 
kauert ein Hund (s. Abb. Westd. Zeit- 
schr. XVI, Tafel 17, 9). Jetzt, wo 
der Kopf fehlt, ist die Figur noch 
etwa 17 cm hoch. Auf der Rückseite 
ist eine sehr verwaschene Inschrift vor 
dem Brande eingedrückt: Servandus 
feci. Auch dieser Servandus hatte 
nachgewiesener Massen seine Werk- 
stätte in Köln und zwar ad forum 
hordiarium „am Kornmarkt " (s. Klein, 
a. a. 0.). Das Figürchen wird aus 
d*;riwlben Zeit stammen wie das vorige. Die Auffindung solcher Kölner 
Eraeugnisse in Mainz (und Worms) verschaffen uns einen hübschen Einblick 
in die Verkehrsverhältnisse am Rhein in römischer Zeit. 
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 68. 

202. Tragbare Sonnenuhr, gefunden am Linsenberg bei Mainz. 

Elfenbein. (Katal.- 
Nr. 2321). Durchm. 
6,8 cm, Dicke 0,7 cm ; 
der Rand steht etwas 
über die Fläche vor. 
Zu beiden Seiten des 
einen Halbmessers, 
auf dem 12 Löcher 
durch die Scheibe hin- 
durchgebohrt sind, 
stellen in punktierter 
Schrift die Namen der 
Monate. Links von 
oben: Jaii{uarius)^ 

Fel(ruarius) , 
Mar(tiub) , Apr(Ui8), 
^fai{us)J Juii(iwi); 
rechts von unten : 
Jul{iu8), Aug(ustus)j 
Seji(t€mber)^ Oci(ober)j 
Noo(einher)^ Dec{em- 
ber). Neben letzterem 
Monatsnamen steht 
noch ein bis jetzt nicht 




— 120 — 

gedeutetes Wort (die auf der Abbildung gegebenen Buchstaben sind nicht ganz 
sicher). Vielleicht war hier der Name derjenigen Stadt genannt, für welche die 
Uhr zunächst gearbeitet war; wenigstens finden wir eine solche Angabe auf zwei 
anderen in Wien und Aquileja aufbewahrten Sonnenuhren von ähnlicher Art 

Die Einteilung des Tages in 12 Stunden geht auf die Babylonier 
zurück, welche auch die Sonnenuhr erfanden. Beides lernten die Griechen 
von ihnen kennen, doch dauerte es sehr lange, bis der Begriff , Stunde* bei 
ihnen volkstamlich wurde: erst der alexandrinische Mathematiker und 
Astronom Hipparch (160 — 125 v. Chr.) braucht w^a in diesem Sinn. Nach 
Born kam die erste Sonnenuhr im Jahre 263 v. Ohr. als Beutestück aus 
dem eroberten Catina in Sicilien, und diese Uhr war dort 99 Jahre im 
Gebrauch, obgleich sie, für eine andere Polhöhe bestimmt, natürlich falsch 
zeigte ! Von jener Zeit an bürgerte sich auch in Bom die Stundenrechnung 
allmählich ein, aber man teilte nicht, wie bei uns, den ganzen Tag in 24 
gleiche Stunden — dies geschah nur für astronomische Zwecke — , sondern 
die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in 12 Stunden, ohne Bück- 
sicht darauf, ob die Tage lang oder kurz waren, so dass in Bom zum 
Beispiel eine Stunde zur Zeit der Sommer-Sonnenwende 75*/2, zur Zeit der 
Winter-Sonnenwende aber nur 44*/s Minuten lang war. Mit der höheren 
Breite wuchs natürlich noch der Unterschied, und in Mainz betrug er zum 
Beispiel nicht weniger als 42 Minuten (81 — 39), das heisst eine Winterstunde 
war hier mehr als doppelt so lang sSa eine Sommerstunde! Nur zur Zeit 
der Tag- und Nachtgleichen waren die Stunden der Alten den unsrigen gleich. 

Die Einrichtung unserer Uhr ist nun die folgende. In der am oberen 
Bande befindlichen Aushöhlung ist durch die Bandfläche ein Loch gebohrt, 
durch welches ein Faden gezogen wurde. Daran aui^ehängt wiuxle die 
Seheibe in lotrechter Stellung so gedreht, dass die Sonne in ihrer Ebene 
stand. Auf dem nunmehr der Sonne zugekehrten Halbmesser sind zum 
Einsetzen des Stiftes 12 Löcher nicht ganz regelmässig durchgebohrt, neben 
welchen die Monatsnamen stehen : immer zwei Löcher für zwei Monate von 
ungefähr gleicher Sonnenhöhe, das erste für den Dezember, das zweite für 
den Januar, das dritte für den November, das vierte für den Februar u. s. w., 
das letzte, in der Mitt^ der Seheibe, für den Juni. Steckte man in dieses 
im Monat Juni einen Stift, so fiel bei der oben angedeuteten Stellung der 
Scheibe sein Schatten um 12 Uhr Mittags bei a auf den Band, freilich nur 
dann, wenn man sich annähernd unter dem Breitegrad befand, für den die 
Ilir gearbeitet war. das heisst unter dem 44., in dessen Nähe Florenz liegt. 
Nach einer römischen Stunde war der Schatten bei b, nach einer weiteren 
bei c, bei Sonnenuntergang bei g. Hier war er natürlich auch bei Sonnen- 
aufgang gewesen und hatte bis zum Mittag den entgegengesetzten Weg auf 
der Scheibe zurückgelegt. Dabei gilt die innere BancUinie für die Monate 
April— August, der nach der Mitte hin folgende Ejreisabschmtt für März 
und September, der dritte für Februar und Oktober, der vierte (letzte) für 
November — Januar. Zwischen dem zweiten und dritten ist ein nur in 
Spuren noch sichtbarer Kreisabschnitt offenbar schon in alter Zeit, weil 
irrtümlich gezogen, beseitigt worden. Schnitt nun der Schatten des Stiftes 
einen der radienartig — freilich nicht nach dem Mittelpunkt — nuammen- 
laufenden Stundonstriohe genau auf der dem Monat entsprechenden Kurve, 
so konnte man die Stunde ohne weiteres ablesen, fiel er iwischen iwd 
Stundeiistrioh'.\ so musste man schätzen. Selbstverständlich Hess unsere Uhr 
in Bezusr :iut' Genauigkeit schon an ihrem Ursprungsort, etwa in Bayenna, 
viol ;u wünschen übrig, in unserer Breite vollends entsprach sie kaum den 
besohl idonsteii Ansprüchen. Da die Sonnenwenden und oie Tag- und Nacht- 
irl'.ioho:: nicht auf ilen Anfang der Monate, sondern auf den Anfimg des 
i.titen Drittels troffoii. so haf man vielleicht an den Iden, das heisä am 
13. odc r lö.. die Löcher gewechsvlt. wodurch der Fehler etwas veningert winde. 

Verijl. Becker. Mainzer Inschr.. S. 116, J. 1. Sohliebeiit Nasa. Ann. XX, 

^. olo fi. u:ul XXL S. HS S. 



— 121 — 
n. Hölzerne Schreibtafeln. 



Ein ganzes und drei halbe, teilweise noch mit Wachs über- 
zogene hölzerne Schreibtäfelchen mit Schriftresten wurden Anfangs 
September 1898 auf dem Bauplatze des Herrn Henrich, Grosse 
Emmeransstrasse 8 gefunden. Die treffliche Erhaltung ist der 
moorigen Beschaffenheit des Bodens zu verdanken, der von den 
Eömem zum Zwecke der Trockenlegung mit Abfällen aller Art 
aufgefüllt wurde. Zum ersten Male kam man im Jahre 1857 
auf diese merkwürdigen Beste römischer Kultur, und damals schon 
fand man unter anderem auch drei Stücke von Schreibtäfelchen 
(vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorzeit, IV, 37 und 46), 
doch ohne Spuren von Schriftzeichen, wie sie die neu erworbenen 
alle aufweisen. 

Bis auf einen unwesentlichen Unterschied gleichen unsere Schreib- 
täfelchen denjenigen aus Pompeji, wo im Jahre 1875 im Hause des Bankiers 
L. Caecilius lucundus eine grosse Anzahl von solchen zwar verkohlt, aber 
doch zum Teil noch lesbar aufgefunden wurde Hier liess sich nachweisen! 
dass in der Kegel drei Täf eichen zusammengehörten, also ein „Triptychon** 
bildeten (neben 145 Triptychen fanden sich nur 8 — 10 Diptycha), und nichts 
spricht dagegen, aber manches dafür, dass auch unsere Täfelchen sämtlich 
zu solchen Triptychen gehörten. 

Ihre Einrichtung war folgende. Zunächst sind die drei zusammen 
gehörigen Täfelchen, nennen wir sie A, B und C, aus einem dickeren Holz- 
block nicht etwa durch die Säge, sondern lediglich mit dem Spaltmesser 
hergestellt, damit die Einschiebung eines falschen Täfelchens sofort entdeckt 
werden könne. Vor dem Spalten aber wurden in den Band (in Pompeji ist 
es der obere, in Mainz der untere) etwa 10 cm von der rechten und linken 
Kante entfernt zwei Löcher eingebohrt, durch welche später die Bindfäden durch- 
gezogen wurden, welche als Charnier dienen sollten ; legte man nun die drei 
Täfelchen aufeinander, so bildeten A^, die erste Seite des ersten, und C^ 
die zweite Seite des dritten Täfelchens, die Deckel; sie sind geglättet und 
bleiben in der Regel unbeschrieben. Die übrigen vier Seiten sind dagegen bis 
auf einen etwa 1 cm breiten Rand 1—2 mm tief ausgegründet. Das so ent- 
standene vertiefte Rechteck wird mit einer dünnen Schichte Wachs überzogen, 
in welche dann mit dem spitzen GriJBEel (stilus) geschrieben oder vielmehr 
geritzt wurde. Die hochstehenden Ränder dienten zum Schutze dieser Schrift. 

Die eigentliche Urkunde wurde auf die Seiten 2 und 3 ( A ^ und B *) 
geschrieben, worauf man beide aufeinander legte und vor den Zeugen mit 
einem Bindfaden umwand, zu dessen Aufnahme — damit er sich nicht 
verschiebe — an den Kanten von A^ und B^ oben und unten kleine Ein- 
kerbungen gemacht sind. Die vierte Seite (B^) zeigt aber ausserdem noch 
in der Mitte eine von oben nach unten gehende etwa 2 cm breite besondere 
Vertiefung, in welche die Enden des zum Verschluss dienenden Fadens 
hineingelegt wurden, um dann mit dem Wachs übergössen zu werden, auf 
welches die Zeugen ihre Siegel drückten *). Ihre Namen schrieben sie in 

*) Ein aus dem Jahre 61 nach Christus stammender Senatsbeschluss be- 
stimmte, um Fälschungen nach Möglichkeit vorzubeugen, dass der zur ümschnürung 
dienende Faden bei Privat- wie öffentlichen Urkunden nicht um die Kanten gelegt, 
sondern durch zwei oben and unten in der Mitte des Bandes angebrachte Löcher 
gezogen werden aolle (Paulus, sentent. V, 25 § 6 und Suetonius, Nero 17). Daraus, 
dass diese Einrichtung bei unseren Tafeln noch nicht getroffen ist, schlieast 
Zangemeister mit Recht, dass dieselben der Zeit vor Nero angehören, wie sich dies 
auch von den meisten anderen Fundgegenständen aus jener Schicht, soweit sie 
datierbar sind, beweisen lässt. 



122 — 




Breite: 13,7 cm. 




— 123 — 

der Regel nicht selbst; dies besorgte vielmehr ein Schreiber, wie man aus 
den gleichmässigen Schriftzügen erkennt. Dabei stehen Praenomen und 
Nomen links, Cognomen rechts von den zugehörigen Siegeln. (Auf den 
pompejanischen Täfelchen ist freilich die vierte Seite (B ^) meist, abgesehen 
von der Vertiefung für die Siegel, nicht ausgehöhlt, und sind dann die 
Namen der Zeugen mit Feder und Tinte rechts neben die Siegel un- 
mittelbar auf das Holz geschrieben.) Zum Schutz der Siegel wurde auf 
Seite B' das dritte Täfelchen gelegt, dessen innere wachsüberzogene Seite 
C* eine Abschrift von A^ und B^ enthielt, so dass man also nicht nötig 
hatte, die Siegel zu verletzen, wenn man die Urkunde lesen wollte. Hatte 
man eine grössere Anzahl von solchen Tafeln aufzubewahren, so wurden sie 
in einen geeigneten Kasten neben einander gestellt — nicht gelegt — , und 
auf die obere Aussenkante eine kurze Bemerkung über den Inhalt mit 
Tinte geschrieben. Damit ermöglichte man einen raschen Überblick. 
Vergl. Zangemeister, C. I. L., IV, Suppl. I, Einl. 

203. Vollständiges Täfelchen, (s. Abb. s. 122; Katal.-Nr. 4086.) 

Breite 137, H. 111, D. 8 mm. Es war die mittlere Tafel (B) eines Tripty- 
chons. Das Wachs ist auf beiden Seiten grösstenteils noch erhalten ; es hat 
jetzt eine graue Farbe, nur das Siegel- Wachs auf der Rückseite B^ ist 
ganz weiss. Die Charnierlöcher sind auf der Innenseite unten, auf der 
Aussenseite oben sichtbar. 

Auf letzterer erkennt man auch in der Mitte der oberen und unteren 
Kante die Einkerbungen, die zum Festhalten des Umschnürungsfadens dienten. 

Auf der Innenseite sind links oben in der Ecke noch unbedeutende 
Reste der drei ersten Zeilen erhalten. Z. 1 a. A. steht (kursives) F oder 
P, dann folgt L, dann (?) und ein unbestimmbarer Buchstabenrest, also 
flo . . oder plo . . Z. 2 scheint auf D ein kursives E, dann vielleicht ein L 
zu folgen, also del . . . . Z S scheint noch ein kursives E erhalten zu 
sein. — Auch auf der Aussenseite sind noch Spuren von Schrift erhalten: 
im unteren Drittel links beginnt eine Zeile mit VXO, und auf der letzten 
Zeile a. A. könnte man mit einigem guten Willen VXORIXI herausbuch- 
stabieren, wahrscheinlich heisst es aber anders ! 

204. Hälfte eines Täfelchens. (Katal.-Nr. 4087.) Br. 137, h. 

ö7, D. 7 mm. Die Rückseite ist glatt, bildete also den Deckel. Die 
Schriftseite wäre demnach, wenn zu einem Triptychon gehörig, als C^ zu 
bezeichnen. Oben ist ein grösseres Stück abgesprengt, aber erhalten. Von 
Wachs ist kaum noch eine Spur vorhanden, aber da die Schiclit desselben 
offenbar sehr dünn war, so hat der spitze (Iriffel durch das Wachs hin- 
durch das Holz geritzt und auf diese Weise zahlreiche, zum Teil freilich 
schwer lesbare Spuren der Schrift hinterlassen. Gundermann hat die Güte 
gehabt, auf meine Bitte ihre Entzifferung zu versuchen, ist jedoch zur 
Zeit der Drucklegung dieser Schrift noch nicht ganz zu Ende gekommen. 
Einstweilen sind folgende Worte oder Buchstabengruppen als sicher zu 
betrachten: Z. 1 Mitte ROMA, Z. 2 Anfang PUR CALONIIS, hinter der 
Mitte MILITI. Z. 3 hinter dem Anfang URO QVI, hinter der Mitte IIST 
VNI. Z. 4 Ende VOLO. Z. 5 QVI ADOR. Z. 6 Anfang NIO MII VINCIIS. 

205. Dritteil eines Täfelchens. (Katal.-Nr. 4088). Br. 127, 

H. 30, D. 7 mm. Es gehörte zu Tafel B eines Triptychons. Der Rand 
ist auf drei Seiten erhalten, darin die ])eiden Charnierlöcher, zwischen 
denen auf der Aussenseite (B-) eine tiefe Kerbe zur Aufnahme des 
Umschlingungsfadens sichtbar ist. Auf beiden Tafelseiten sind im Holz 
verhältnismässig noch sehr deutliche Schriftspuren erhalten, die auf der 
Innenseite (B^) freilich zum Teil noch mit Wachs bedeckt, das hier wohl 



— 124 — 

AUiu Z>veck vöUijfer Lesung entfernt werden muss. Schon in seinem jetzigen 
i£u«!^caiid ifUubt li und ermann auf der letzten Zeile mit Sicherheit zu lesen: 

KV11K.VT UI>)?0N1IVS. — Auf der Aussenseite standen rechts und 

hük?4 von dtT ü>iegel-ttinne die Zeugennamen. Z. 1 ist ... . IVS — PARATVS 
deutlich leisbÄr. Z. 2 nur das Cognomen OMVLVS (viell. für Homulus?, 
duch iüt d»* nioht ganz sicher). 

206. Stück (ungefähr Hälfte) aus der Mitte eines Täfelchens. 

^K*Ul.-Nr. Mm). Hr. 142, H. 43, D. 7 mm. Die Rückseite ist wieder 
ijlntt, wio boi Nr. 2, die Tafel bildete also den Deckel. Rand ist nur 
rwhu und link« erhalten, vom Wachs kaum noch Spuren. Die in das Holz 
>;vriXitcu Zoiohon werden schwerlich je ganz entziffert werden, da mindestens 
4N^ci Schritton, eine kleinere und eine grössere, übereinander liegen. 



o. Ledersachen. 



!^>:oiTii 



207. In Leder geschnittene Inschrift, in Mainz gefunden (wahr- 

^ivhoiuUoh im .Jahre 1857 an der Ecke des Schillerplatzes und der Grossen 

Emmeransstrasse . (Katal. - Nr. 
286.) Das Ganze war, wie die 
feinen Nadellöcher in beiden 
Längsstreifen beweisen, auf einer 
Unterlage aufgenäht. Die Zahlen 
und Buchstaben (LXXDVII) sind 
^•^ in dem Leder ausgeschnitten. 

Unv Umlouiung ist noch nicht enträtselt. 

Vor^rl. Lindonschmit, Altertümer uns. heidn. Vorz. IV, Tafel 46, 8. 

Fünf Loderstücke mit eingeschlagenen Stempeln. Sie ent- 
ölt Auuuon alle derselben Moorschicht unter dem südlichen Teil 
kWx liroHHon Emmeransstrasse. Die Inschrift bezeichnet wohl 

den Fabrikanten. 

\J V ^^ I \f /\ Q. 208. Fnregelmässiger, bis 16 cm breiter 

yf ^ I V ^ V mj^ 10 ^.^1 hoher Lederfetzen mit einem 

f^ jk A/v<B. Schlitz in der Mitte : gefunden 1857 an der 

SÄRI'rArST E^^*^ ^^*^=^ Schillerplatzes (Katalog-Nr. 39). 

Deutlich losbar sind die vier ersten Buch- 

C\y C iVCrM stabon MONA, obsohon einzelne Teile beim 

* V t INI 1/ ' iStompeln ausgeblieben sind ; der fünfte ist 

,» unsicher B?\ davor, wie es scheint, ein 

L» \A. t Punkt. 

Vergl. Becker. S. 1 U>, G. 4 ; Lindenschmit, 
Altertümer unserer heidnischen Vorzeit IV, 



V I h / I A r ^"^"""-^ Altertümer u 



1:1,6 

209. Unregelmässiger Lederfetzen. 21 cm breit und bis 6Vs cm 

\\\w\\ ; K''*^**»*^**" *"" ^^- ^^^^ • ^^"^'^^ ^^^'"" Neubau des Hauses Nr. 2. (Katal.- 
Ni r.\'i(V^ Per Stempel Satri J''aus:\^i) ist. wie man deutlich sieht, zweimal 
rtUtK«'«*''*'^ gewesen. 

Nergl. Körber. Korrbl. d. W. Z. XVUI. Sp. 19. 



— 125 — 

210. Unregelmässiger Lederfetzen, bis 10V2 cm breit und I6V2 cm 

hoch, gefunden wie Nr. 1. (Katal.-Nr. 40). C{ai) Venedi. 

Vergl. Becker, S. 115, G. 1 ; Lindenschmit, a. a. 0. IV, Tafel 46, 9. 

211. Unregelmässiger Lederfetzen, bis 12 cm breit und 9^2 cm 

hoch, gefunden wie Nr. 1. (Katal.-Nr. 38). L(uci) Vale 

Vergl. Becker, S. 116, G. 2. 

212. Lederfetzen wie abgebildet, 72 mm breit, 13 mm hoch; 

gefunden wie Nr. 1 (Katal.-Nr. 41). Lesung nicht sicher. Der zweite 
Buchstabe scheint ein cursives L zu sein, das durch einen nicht zur Schrift 
gehörigen Kreisbogen einem R ähnlich wurde, also VLSIO ; darauf ein 
cursives A, hinter dem noch die Köpfe zweier Senkrechten sichtbar sind. 
Vergl. Becker, S. 116, G. 3. 



Vni. Frülmiittelalterliclie Insdniften 
auf &ebrauchsgegeiistäiideii. 

Zwei deutsche Runen - Inschriften. 



Die Runenschrift ist die alte nationale Schrift der ger- 
manischen Stämme; sie ist aus dem lateinischen Alphabete 
entlehnt, oder, wie Gundermann nachzuweisen versprochen hat, aus 
einem östlichen und zwar vor der ersten (sogen, germanischen) 
Lautverschiebung, also lange vor Christus. Tm Norden Europas 
wurde die Runenschrift noch bis tief in das Mittelalter hinein 
angewendet, während sie in Deutschland als heidnisches Teufels- 
werk früh dem Glaubenseifer der Geistlichkeit zum Opfer fiel 
und durch die lateinische verdrängt wurde. Hier sind daher 
in Runen abgefasste Inschriften ausserordentlich selten und über- 
haupt erst in den letzten Jahrzehnten entdeckt worden — die vier 
ersten durch Lindenschmits Verdienst im römisch-germanischen 
Museum zu Mainz. Ihre Zahl ist inzwischen, wenn man von den 
wenigen Brakteaten absieht, auf zehn gewachsen ; davon befinden 
sich zwei in Mainz, zwei in Augsburg, je eine in Berlin, Darmstadt, 
Ems, Müncheberg, Stuttgart und Worms. Dazu kommen noch 
fünf ausserhalb der jetzigen Grenzen Deutschlands gefundene Runen- 
Inschriften in deutscher (oder gothischer) Sprache. 

214. Die Spange von Freilaubersheim, gefunden im Winter 
1872.'7»3 in einem Frauengrab zusammen mit einer anderen 
inscliriftloscn Spange gleicher Art, zwei kleineren rosettenförmigen 
Gewandnadeln aus vergoldetem Silber und mit Almandinen besetzt, 
einer Halskette von Glas- und Bernsteinperlen, einem grossen 
Spindelstein aus geschliffenem Bergkrystall, einem kleinen Beschläg- 
stück aus Erz mit zwei Ringchen, zwei Schuhschnällchen aus 
Erz, einer grösseren Schnalle aus Eisen, einem gläsernen Trink- 
becher und einem Thongefäss. (Katalog-Nr. 1761.) 

Unsere Runenfibel besteht aus Silber, das auf der Vorder- 
seite bis auf die mit Niello eingelegten Streifen stark vergoldet 
ist oder war. 



127 




1: 1 



[Nach Wimmer^ de tyake Bunemindesmaerker,) 

Die Inschrift befindet sich, in zwei Linien verteilt, auf der Rück- 
seite. Sie ist neben derjenigen auf der einen Nordendorfer (jetzt in Augsburg 
befindlichen) Spange die längste und dabei eine der best erhaltenen Runen- 
Inschriften, die bisher in Deutschland zu Tage gekommen sind. Besonders 
gilt dies von der oberen Zeile, welche daher auch gleich anfangs — von 
Max Rieger in Darmstadt — richtig gedeutet wurde. Die untere ist freilich 
weit mehr abgegrijffen, da auf dieser Seite die Nadel eingebogen wurde ; 
daher war die Lesung dieser Hälfte lange bestritten und ist erst in der 
neuesten Zeit sicher gestellt worden. 

Die Inschrift lautet in Runen (durch eine Ungenauigkeit des Zeichners 
ist beidemal der Querstrich des Runcn-ii etwas zu tief gesetzt worden) und 
mit Beifügung der entsprechenden lateinischen Buchstaben in Uebersetzung : 

Boso ritzte die Runen; Dich 
Dalina, beschenkte er (mit diesem 
Spangenpaar). 

Die Wörter sind durch Interpunktions- 
zeichen von einander getrennt; nur 
zwischen den beiden letzten Wörtern 
der ersten Zeile fehlt ein solches, oJBEenbar 
aus Raummangel. Boso ist die häufig 
vorkommende Form eines abgekürzten Mannesnamens wie Boso-gast, Boso- 
chind u. a. — wraet ist eine merkwürdige dialektische Nebenform für die 
westgermanische wralt^ die dritte Sing. Praet. des Verbums nritan „reissen*. 



boso: wraet runa 
th(i)K- dalina. -^oddla] 



— 128 — 

Dieses war das eigentUche Wort für das Einritzen der Kunenzeichen oder 
Runenstäbe in die buchene Tafel (daher der , Buchstab "); aus diesem 
Gebrauch entwickelte sich dann die Bedeutung „schreiben* (verrf. „Reiss- 
feder" u. s. w. und das engl, to write). — runa könnte der Form nach 
sowohl Acc. Sing, als auch Acc. Plur. von dem Fem. runa sein; letzteres 
ist wahrscheinlicher. — In dem ersten Worte der unteren Zeile thik = „dich* 
ist der Vokal ausgelassen. — Das nächste Wort liest Henning Dathena, 
indem er annimmt, dass bei der dritten Rune dieses Wortes der untere 
Seitenstrich verschMen sei (vergl. die th-ßune a. A. dieser Zeile) ; einfacher 
scheint die Annahme Wimmers, dass der einzige sichtbare Seitenstrich 
statt am oberen Ende der Senkrechten etwas tiefer angesetzt sei, wie dies 
bei den d-Runen dieser Inschrift unbestritten überall der Fall ist, und dass 
wir es also hier mit der 1-Rune zu thun haben. Die folgende Rune 
bezeichnet einen zwischen e und i liegenden Laut. Der Frauenname Dalina 
(oder Dalena) ist allerdings bis jetzt sonst noch nicht nachgewiesen; 
Daliina aber wäre die regelrechte Femininform altgermanischer Sprachstufe 
zu dem im ahd. vorkommenden Mannsnamen Tallo (vergl. an. Heim-dallo). — 
Von dem letzten Worte unserer Inschrift sind nur vier Buchstaben und 
auch diese zum Teil nur schlecht erhalten, doch hat sicher noch ein fünfter, 
ein a, dahinter gestanden, von welchem aber jede Spur verwischt ist. 
Henning las anfangs golda „begrüsste", entschied sich nachher aber für 
godda „beschenkte*, welch letzteres Wimmer mit Recht für allein möglich 
erklärt. Es ist die dritte Sing. Praet. von dem allerdings nur im ags. 
und an. in entsprechenden Formen nachweisbaren Verbum gbdian imd 
nach einem sehr häufigen Lautvorgang aus gddida entstanden. 

Was nun die Zeit anlangt, in der unsere Inschrift verfasst wurde, 
so ist zunächst darauf hinzuweisen, dass ihre Consonanten von der zweiten 
oder hochdeutschen Lautverschiebung, welche um 600 n. Chr. begonnen 
haben muss, noch keine Spur zeigen (z. B. sagte man von da an st. 
writan: rizan, da um diese Zeit auch das w vor r wegfiel). Femer ist 
auf demselben Friedhof, wenn auch in einem anderen Grabe, neben einem 
spätrömischen B^leinerz eine olfenbar noch nicht lang im Gebrauch gewesene 
kleine Silbermünze des Ostgothenkönigs Totila (541 — öö2) gefunden worden. 
Somit kommen wir auf das sechste Jahrhundert, d. h. über hundert Jahre 
vor die Zeit, aus der uns durch Überlieferung der Schriftsteller auch nur 
das kleinste Sätzchen von der Sprache unserer Ahnen erhalten ist; denn 
die ostgermanischen Westgothen dürfen ja nicht dazu gezählt werden. 

Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. lU, 4, Tafel VI, 1. 
Henning, d. deutschen Runendenkmäler, S. 78 ff. u. 139 f. Wimmer, de 
tyske runemindesmaerker, S. 51 ff. 

215. Die scheibenfttrmige Gewandnadel von Osthofen. Geschenk 
des Herrn Gutsbesitzers Keibel. Sie kam schon im Jahre 1854, 
wie es scheint, zufällig auf dem fränkischen Friedhofe dieses 
uralten Ortes zu Tage, leider in arg verstümmelter Gestalt, da 
fast die Hälfte fehlt. Die Runeninschrift auf der Rückseite wurde 
jedoch erst mehrere Jahre später bei Gelegenheit einer sorg- 
fältigeren Reinigung entdeckt. (Katalog-Nr. 2280.) 

Das Ganze besteht aus zwei dünnen Erzblechen, welche auf 
einer dazwischen liegenden Holzscheibe durch einen Stift in der 
Mitte und durch einen umgebogenen dünnen Bronzering am 
Rande verbunden sind. Die Vorderseite war in der Mitte jeden- 
falls mit einem bunten Glasfluss geschmückt, im übrigen ist 
das Erzblech, dessen ursprüngliche Vergoldung an den vorstehenden 



— 129 — 




1:1 



[nach Wimmer ^ de tyske RunemindesmaerTur) 



Teilen meist abgerieben 
ist, durch förmliche Prä- 
gung mit einem Stempel 
reich verziert. Besonders 
bemerkenswert sind die 
langschnäbeligen, phan- 
tastischen Vögel in den 
durch ein Blattornament 
von einander getrennten 
Kreisen. 

Die Eunen stehen auf der 
Rückseite zwischen zwei von 
den sieben concentrischen 
Kreisen, mit denen diese ver- 
ziert ist. Leider sind nicht 
nur auf dem erhaltenen Teil 
der Scheibe manche Zeichen 
durch den Rost mehr oder 
minder zerstört worden, son- 
dern es ist auch wahrschein- 
lich die ganze eine Hälfte 
der Schrift abgebrochen, wo- 
durch die Deutung natürlich 
sehr erschwert wird. Folgen- 
des sind die erhaltenen Runen 
(die Fragezeichen bedeuten, 
dass die darunter befindlichen 
Stäbe zu Runen unbekannten 
Wertes gehören, die ein- 
fachen Punkte bezeichnen die 
Stelle der vermutlich aus- 



x«-]:rnRMxji ixji 
§0- furad--d- 



gefallenen Runen) mit Beifügung der entsprechenden lateinischen Buchstaben : 

Wimmer glaubt einen kleinen Schräg- 

'5^'rirMX ^*^^^^' ^^^ ^^^^ hinter dem zweiten 
Zeichen sichtbar ist, als Rest einer 

f i 1 6 & Rune betrachten zu soUen ; gewiss mit 
' vD Unrecht, denn der Strich ist weit 

stumpfer, als die sicheren Runenstäbe. Ebenso kann die kurze senkrechte 
Linie, welche sich an das obere (linke) Ende jenes schrägen Striches anzu- 
schliessen scheint, durchaus nur als zufälliger Kritzer aufgefasst werden, da 
sie in ihrer Verlängerung der vorausgehenden o-Rune bis zur Berührung 
nahe kommen würde ; auch vermisst man bei ihr die sichere Führung einer 
geübten Hand. Die Folgerungen, welche Wimmer aus dem Vorhandensein 
jener einen oder gar beider Striche für die Ergänzung der SteUe zieht, sind 
daher hinfällig. Dagegen halte auch ich die rechts von der tiefgehenden 
Beschädigung des Metalles, in ihrer unteren Hälfte eben noch sichtbare 
Senkrechte für den Rest einer Rune, hinter welcher zwei von den ver- 
schiedenen kleinen Vertiefungen als Trennungszeichen aufzufassen sind. 
Hinter /wrac? ist noch ein senkrechter Stab deutlich sichtbar; ebenso hinter der 
in einer Entfernung von 3 mm darauf folgenden zweiten d-Rune, aber der 
schräge Beistab, den Wimmer an dem oberen Ende des letzteren gesehen 
zu haben glaubt, scheint mir zum mindesten nicht sicher zu sein (auf der 
Abbildung ist er ausgeblieben). Vor fileg meine ich zwei Trennungs- 
punkte zu sehen, vor denen noch der rechte Winkel einer o-Rune sichtbar 
wird. Dass die g-Rune am Schluss so verkümmert aussieht, hat seinen 
Grund darin, duss der Schreiber für sie nicht mehr Platz hatte : die Platte, 



— 130 — 






a.cf" ■»> 



'>,' >'i.'JrIhtJTrT v-Tz:. CrLiiT.- ?icL l»i? Qr'nftiTn Hufe. Tmd€T?tTor 
r dr'T'. Ai^jTzi.-^rZi Q^i Nji-Jel rriiiiTrriTn rvTTtÄän iriirr. 



i-'jbfrJ taiJJj -rhr W'-h] •A'l'h 



d^iL rrL&hrDrii Tri! dtr Fibel gesunden: 
"■Triiisr^tTLs =-..irr]i Ttrlortii. das« mu ihren 
•::.• kiTiTi. >•:• rrtJÄn e? «iciu das« die Deutung 
rijjaui j-iLSrJi kauTj. -'L iHT -abeiiuipt «De in 
Wihz^n.' l'rLi; mit der eroen Hilft« der 
•i'.-r ALfauiT t-irr djtj> Endr der Insehrift 
■iir risi-eii KuLrTj njüssäi nifbr eixunal not- 
w'-.'jdj;^ rln ^V'-n brijvjjij-rj! höW;.-. "br'-horj es nicht iraLiseheiiilieh ist. dass 
«rjjj f'jWii-i 'i'jr-.}. 'Jir PJatt-ir. auf Welch -iT die Feder der X*del sass. durch- 
^'.IjjjJTt^jj M'jrJ^ HKiiiiiLii i^st jjjrrirj^i WibJrrDä der letzte- der eine Deutung 
ver'sU'.'ht hat. Kr llrrrX: y-xi^ ^-J-rr yvM uirad LdaroJUeg ^G<"tt T ertraue 
d ^r Ji W *: ^ {jrr Jl j jj f k ] 1 j g^ k v j t a D*" . .7«]?^ (»der poda irire Dat. Sing. ; 
fura/J ^V'irx. Wr{^. Bahn*" 'rju äuT^rh jvarabhaktisches a erweitena- Acc. Sing.; 
lodaro ■ - da- zwr;jfe]haft*r.rtf: W'Tt — Gen. Piur. von lodar^ welches, 
urjfprüijji-jjcjj Adj. in der liedtrutunsr .eitel, nichtig-*', nachher zum suhstanti- 
y'itiJVrsi Neutrjjjj geworden ist: .n/^^ endlich ein durch srarabhaktisches e 
*ir'^ti\V:r\^,r Irjijvrrativ = nlh verd : .emp-fiehPi. wobei der Wechsel 
TLv^hnhrii h und j^ am Ende -jii.lj wüIjI erklären lie»e. Von den gnunma- 
ti-jcheij ."*'■}] wi-rrii^^kTit*.'/! abj;-«."j'-}j«.'n. «lörft«.' di-r Ergänzung dem Torhandenen 
linuiii rjnd dejj vorljaJideii','n .*^j»urt-n ni«:lit überall TOllig angepiasst sein. Auch 
>;''ljeint d»:r f.djri-t]l«:li»,- Wun-r^dj für di^ v.irauszusrrtzt-nde Zeit — etwa das 
re^hrte .Jaljj}i'jjjd-rt - - etwa- {rar zu UWr^innliches an sich zu haben, um 
wahr'icljeinJicij zu r«rin. hides i«t ein^- andrre. einwandfreie Lesung bis jetzt 

\'t:riii. IJjid'-n-chniit. Altert uns. lieidu. Vorz. II, 2. Tafel TT, 2 und 3. 
\i*:UJiiuir, d. deutijcliejj J<Tniendenkiiiäl«rr. .S. 6*5 ff. Wimmer, de t^k'ske Rune- 
liiiiid'vnia'Tker. .S. 70 ff. 



216. Thongefäss mit inschriftartiger Verzierung, gefanden im 
Pfarrgarten zu Freilaubersheim ; vergl. Xr. 214). H. 16,4, Br. 21 cm. 

(Katalo;(-Nr. \H1H.) 

Auf dem Gefass. welches die typische 
Form fränkischer Töpfe zeigt, ist unter- 
hallj d».*r um den Bauch laufenden 
.srliarfi.'ii Kante auf der einen Seite eine 
Zrioljiiung tdngeritzt, die am ehesten 
Bau1Mä^^t(.•n in kindlicher Auffassung 
<;l»i«lit is. d. Abb.), auf der anderen Seite 
laufen die Linien ganz wild durch- 
bin ander. L'ni den oberen Teil des 
<nt*ä.<.<L's läuft dagegen ein Band punk- 
lirrter Zeichen, von denen sehr riele 
IJuclistaben gleichen. Leider fehlen 
iinhnre Stücke davon und es sind darum 
auch die drei vorhandenen in ihrer Lage 



'-■ / 





1: 



l),0 



ZU ririaiidrr u'whi ülxTall vidli^^ j:<'si(di«'rt. AlxT selbst ohne dies würde es 
\v<dil uniuöj^'lich sein, cirirn Sinn in der Insclirift zu entdecken. Der Künstler 
hier ojVenliar Zeichen, die er öfter <,^'S(du'n, deren Bedeutung er aber 



iiat 
nicdit 



kannte, zum Schmucke seines Werkes angebracht. 



— 131 — 



217. Gürtelschnalle aus Bronze, gefunden 1878 auf dem 
fränkischen Friedhofe von Dietersheim a. d. Nahe. Das Beschlag, 

mit dem die Schnalle auf dem 
Leder aufsass, zeigt am Sande die 
in echt nationalem Geschmack aus- 
geführte Verzierung mit phan- 
tastischen Tierköpfen. (Katalog- 
Nr. 1932—3). 

Auf dem glatten Mittelfeld steht die 
Inschrift : Ingeldus ficit, = Ingeldus 
hat es gemacht. Für /cct* steht hier 
das im Vulgärlatein häufige ficit, aus 
welchem durch weitere Entwickelung das 
französische ßt geworden ist. Paläo- 
graphisch beachtenswert ist die Form des 
G, und namentlich die des S, welche Le 
Blant (Pal^ogr. des inscr. lat. du III« 
siöcle ä la fin du VII', p. 50) aus dem 
Jahr 301, in einer stumpfwinklicheren 
Form auch aus 253(?), 330, 338, 374, 
384 und 405 nachweist. Es ist eine 
Weiterbildung einer gekrümmten cursiven 
Form, die in die Unciale eindrang und 
auch in christlichen Steininschriften 
Brittanniens vorkommt (Hübner, exempla 
Script, epigr. lat. p. LXVI). In unserer 
Inschrift ist diesem S das T völlig gleich, 
d. h. der Querstrich ist ganz auf die 
rechte Seite gerückt, was nach Hübner 
(a. a. 0.) auf Inschriften der Eaiserzeit 
nicht vorkommt, von Le Blant (a. a. 0. 
S. 53) aber vom Jahr 388 an wiederholt 
belegt wird. Vergl. auch in diesem 
Katalog Nr. 222, Z. 2 a. E Das Gegen- 
beschläg ist in Bezug auf Verzierung 
und Inschrift eine Wiederholung des 
Beschlages, nur ist das I a. A. in die 
Umrahmung mit einbezogen und rund 
geworden und am Schlüsse der Inschrift 
folgt noch, durch eine Senkrechte von 
dieser getrennt, ein Hakenkreuz sowie 
ein dem S oder T gleichender Winkel 
nebst einem Punkt. Ausserdem steht 
die Inschrift des Gegenbeschlägs bei 

natürlicher Lage der Schnalle auf dem Kopfe (s. d. Abb. Lindenschmit, 

Altert, uns. heidn. Vorz. III, 11, Tafel V, 1). Auf der Platte des Schnallen. 

doms befindet sich ein gleicharmiges Kreuz, das man als einfache Verzierung, 

rielleicht aber richtiger als christliches Symbol auffassen kann (vergl. Nr. 220). 

Nach dem ganzen Charakter des Dietersheimer Grabfeldes gehört unser 

Schmuckstück in das 5. oder 6. Jahrhundert. 

Vergl. M. Eieger und H. Lindenschmit, Korrbl. d. Gesamtv. XXVII 

(1879), Nr. 1. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 63; mehreres nach Gundermann. 

218. Bronzering, gefunden 1856 auf dem fränkischen Fried- 
hofe bei östrich. Auf dem kleineren Schild an der Rückseite 
ist ein sechsarmiges Kreuz, wohl das Monogramm Christi vor- 
stellend. (Katal.-Nr. 1474.) lo 




1:1 



— 132 — 




1:1 




Die Inschrift auf dem grösseren Schilde ist -^ 
lesen: in d{e)i numine (= nomine) a(fnen) =sz ^ M 
Gottes Namen, Amen. Die Abkürzung ^ 
für amen scheint sonst nicht vorzukommen, vielleicli^ 
ist sie also anders zu erklären. 

Vergl. Becker, Zeitschr. d. Mainzer Ver. R 

S. 216. Becker, Nass. Ann. Vm, 2, S. 52. Linden- 

schmit, Altert, uns. heidn. Vorz. 1,11, Tafel 8. Kraus, chrisÜ. fnschr. I, Nr. 57. 

219. Gegossene Bronzefibei mit Nachahmung einer rSmischen 
IWbnze, aus der Gegend von Saar-Gemünd ; aus der Gruppe der 
von Mainzer Bärgern im Jahre 1895 gestifteten fränl^ischen 

Schmuckgeräthe. (Katal.-Nr. 4797.) 

Die Umschrift um den einigermassen an die Züge 
des Maximinus Thrax erinnernden £opf lautet: Adrianut 
imperatur, offenbar für HadriantLe imperator. Das A 
ermangelt des Querstriches; E ähnelt einer der am 
pompeianischen Wandkritzeleien bekannten cnrsiven 
Form; N ist verkehrt und M ganz missglückt. — Die 
Fibel dürfte der römischen Zeit noch nahe stehen und 
vielleicht ins 6. Jahrhundert gehören. 
1 : 1 Vergl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. XV, S. 371. 

220. Gegossene Bronzefibel mit Nachahmung einer spät- 
rSmischen IWUnze, angeblich von dem fränkischen Friedhofe zn 
Dietersheim. (Katalog-Nr. 3335.) 

Die Umschrift, scheint hinter dem Kreuze mit 
ROMAE zu beginnen (die Formen far R und M sind 
der lat. Cursivschrift, und zwar die des M derjenigen 
der Wachstafeln entlehnt), worauf vielleicht ein bis 
jetzt noch nicht gelesener Eigenname folgt ; der Kopf 
erinnert an manche römischen Münzen des 4. Jalu-- 
hunderts, doch ist unsere Fibel natürlich viel jünger. 
Auf der Rückseite befindet sich ein Kreuz ; dieses und 
das Kreuzchen oberhalb des Kopfes weisen auf christ- 
liche Zeit hin (vergl. Nr. 217). 

Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 12, Tafel Vm, 18 
und 19. Ders Handb. d. deutsch. Altertumsk. I, Tafel XXII, 3 und 4. 

221. Fibel aus Zinn mit Nachahmung einer Icarolinglschen 
IWUnze, aus der Umgebung von Dietersheim. (Katalog-Nr. 5336.) 




1:1 



-^55?^ 



Für die Inschrift schlägt Gundermann vermuthungs- 
weise folgende Deutung vor: T(ueatur) «(m) o(mnipotenM) 
d(eicf() ae(temu8) m(undi) r{ex) =Es beschütze uns 
der allmächtige Gott, der ewige Beherrscher 
d e r W e 1 1. Im übrigen liegt auch hier offenbar Nach- 
ahmung einer Münze vor, und zwar einer karolingischen, 
wodurch die Zeitbestimmung gegeben ist. Bemerkens- 
wert ist auch die runde (unciale) Form des verkehrt 
stehenden E. Dass das Schmuckstück wirklich aus reinem 

Zinn besteht, hat Herr Dr. Mayrhofer, Direktor des hiesigen chemischen 

Untersuchungsamtes, festzustellen die Güte gehabt. 




K. Prtilimittelalterlicile Steininsclirifteii 



222. Grabstein des Fiorentius, gefuDden am 24. April 1896 
beim Bau des Hauses Forsterstrasse Nr. 10. Kalkstein. H. 55, 
Br. 55, D. 5 cm. 



ti 







1:5 



i 



H(%c) iacet Florent(iu8) millx vixit an{'n)o8 viginti et VI mensü III. 

Hier liegt der Soldat Florentius; er lebte 26 Jahre und 3 Monate. 
Die Platte ist nur ganz oberflächlich geglättet. — Z. 2 a. A. steht 
wohl die im späteren Vulgärlatein übliche Form müix (vergl. Seelmann, 
Außsp. d. Latein, S. 353) : der Steinmetz hat den schrägen Strich des l 
entweder zu weit links gesetzt oder, wenn hier, wie es wahrscheinlich ist, 
eine zufällige Verletzung des Steines vorliegt, ganz weggelassen, a. E. ist 
der wagrechte Strich des T ganz nach rechts gerückt (vergl. z. Nr. 217). — 



— 1»4 — 




'iia t»*a hvMur^v^ *rzm»*n -o^c* ja fit FaaikfB. aar Onsin 
m^^riJvr'rL Zrimvf i^fTVfi ^ FTiiSirL •ü v^io. -&aL ^swwy» wi hm w l da 
jKiaiMUiiSim. ▼*ii*-iii^ Tat*«* IsHf^äsä« bec •£)£■. 



223u B iä Mm #er PHfaL eetimdcB im Jakrr 1;^2 nf dem 
L^$Jbfnf»&JdrdBib«f> bei Wonn«: kam im Jakrr 1S62 mit dar 
Rioi^t^i«. S^mnAung nach Mainz. Kalkstö. H. 47. Br. 43, 
J>. 'S tSL. Ucter d<eT iDschrift die ÜIck Form da duüffiehm 
Jks^jfS^rauciLes, «nng eseUa^en in einen doj^dl« Kreis, redits 
ond Kcki dafon ein minnlicher und weibliiter Pfira, beide aof 
O\zw^0!n fitzend. Auch da- Pfan ist ein diiisUiclws Symbol. 



y^N P- N A\'B\ V TA- A N' 

^'E T € VTTTHtIic CO- 




l:B 



7/(tc) fj(uiescit) in p(ace) n{o)m(ine) Pauta an{^orum) [L\ VI d{ieryim) 
AT, titu{lum) p(piueruni) Puasi et Quito et Siggo^ Boddi, Itio. 

Hifr ruht in Frieden (eine Frau) namens Panta, 56 Jahre und 16 
'Vüi^a alt; den Grabstein setzten Puasi und Quito, und Siggo, Boddi, I?io. 






— 135 — 

Z. 1 a. A. ist von H nur noch ein kleiner Best vorhanden, auch der 
Punkt, welcher dahinter gestanden hat, ist verloren. — a. E. scheint ein 
Buchstabe oder vielmehr, wie der Zusammenhang ergibt, ein Zahlzeichen 
ausgemeisselt zu sein; der dazu gehörige Punkt ist noch vorhanden. Es 
kann nur ein L gewesen sein, wobei es allerdings auffallt, dass es durch 
einen Punkt von VI getrennt ist. Die Wiederholung dieses Punktes a. A. 
der Zeile kommt auch Z. 4 vor. — Puasi u. s. w. sind wohl die Kinder 
der Pauta gewesen. — Paläographisch interessant sind die cursiven Formen 
des G und die des Q ; A hat, wie auf allen unseren frühchristlichen Grab- 
steinen ausser Nr. 222 und 235 gebrochenen Querstrich. — Bei dem Skelett, 
von welchem der Schädel und ein Armknochen noch erhalten sind, fanden 
sich : ein Armring aus Broncedraht, ein Halsband von Glasperlen, ein Spindel- 
stein, zwei broncene Eiemenzungen, eine Glasschale und ein Thonschüsselchen. 
Sämtliche Gegenstände werden im Mainzer Museum aufbewahrt. Ihre Mitgabe 
lässt auf eine Zeit schliessen, wo christliche und heidnische Anschauungen 
noch mit einander kämpften, also etwa auf das 6. Jahrhundert. 

Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 3, Tafel VIII, 7; 
ders. Handb. d. deutsch. Altertumsk. I, S. 102. Klein, Zeitschr. des Mainzer 
Ver. n, S. 343. Becker, Nass. Ann. VH, 2, S. 9. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 27. 



224. Grabschrift des Grutiio, gefunden im Jahre 1842 auf 
dem Liebfrauenkirchhof bei Worms; kam im Jahre 1862 mit 
der Bandeischen Sammlung nach Mainz. Kalkstein. H. 33, 
Br. 31, D. 4 cm. Unter der Inschrift die ältere, seit Anfang 
des vierten Jahrhunderts nachweisbare, später aber neben der 
jüngeren beibehaltene Form des Monogrammes Christi zwischen 
zwei Tauben, die seit 268 ebenfalls als christliches Symbol 
vorkommen. 

Hie in pace quisscet 
OrutUo. 

Hier ruht in Frieden 
Grutilo. 

Z. 2 quieacet steht für 
quiescif, das kurze i wech- 
selt auf gallisch - germa- 
nischem Boden infolge 

seines zwischen beiden 
Vokalen liegenden Klanges 
ungemein häufig mit e 
(Seelmann, S. 195 ff). — 
Paläographisch bemerkens- 
wert sind bei dieser schönen 
Inschrift die cursiven For- 
men des Q, L und G; T 
und I sind in der letzten 
Zeile etwas anders gebildet 
als vorher. — Der Stein 
stammt wohl ebenfalls noch 
aus dem 6. Jahrhundert. 

Vergl. Klein, Zeitschr. des Mainzer Ver. 11, S. 344. Lindenschmit, 
Altert, uns. heidn. Vorz. II, 5, Tafel V, 4. Lindenschmit, Handb. d. 
deutsch. Altertumsk. I, S. 101. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 26. 



a 




— 136 — 



( tfÄCEVQplNOQÜl 
riToCaMToiPJI 



225. Grabstein des Ludino, gefunden im Jahre 1842 auf 
dem Liebfrauenkirchhofe bei Worms; kam im Jahre 1862 mit 
der Bandeischen Sammlung nach Mainz. Kalkstein. H. 57, 
Br. 40, D. 2 cm. Unter der Inschrift die jüngere seit dem 
Jahre 355 vorkommende Form des Monogramms Christi mit 
den christlichen Symbolen Alpha und Omega und zwei Tauben. 

Hie quieseet in paee Ludino 
qui vixit annus XXX \ iitolum 
po8uit tixor Duda, 

Hier rnht in Frieden Ludino, 
welcher 30 Jahre lang lebte; 
den Denkstein setzte seine Gattin 
Dnda. 

Z* 1 quieaeet steht für quieseit 
(s. zn Nr. 224). — Z. 3 annua ftr 
anno8 und Z. 4 tiiolum fOr HiU' 
lum : auf gallisch-germanischem 
Boden fielen das ursprüngliche 
lange o und das ursprüngliche 
kurze u ganz gewöhnlich zu- 
sammen (Seelmann, 213 ff.)- — 
posuii durch ein Versehen des 
Steinmetzen ftlr pomit, — Das 
L hat cursive Form. — Trotz 
der hier hereits auftretenden 
uncialen Bildung des Y wird die 
Inschrift nicht viel später zu 
setzen sein, als die beiden voraus- 
gehenden. Darauf deuten die 
ebenfalls im Mainzer Museum 
befindlichen Beigaben : Erz- 
becher, Scramasaz, grosses und 
kleines (dolchartiges) Messer, 
2 Pfeile und 8 Rieme nzung en. 
Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 3, Tafel VIII, 1. 
Klein, Zeitschr. d. Mainzer Ver. 11, S. 342. Becker, Nass. Ann. VII, 2, 
S. 8. Lindenschmit, Handb. d. deutsch. Altertumsk. I, S. 101. Sjraus, 
ehr. Inschr. I, Nr. 24. 

226. Grabstein des Unfachlas, gefunden im Jahre 1842 auf 
dem Liebfrauenkirchhofe bei Worms; kam im Jahre 1862 mit der 

Bandeischen Sammlung nach Mainz. 
Roter Sandstein. H. 20, Br. 19, D. 

1,8 cm. 

ffic quieaeet ünfaekku qvi vixit anntu V, 
Ti(tulum) po(suit) pater. 

Hier ruht Unfachlas, welcher fOnf Jahre 
lebte. Sein Vater setzte diesen Stein. 

Z. 1 und 2 quieteet steht für quieadt und 
Z. 4 und 5 annus für annoa (s. zu Nr. 224 und 
225). — Beachtenswert ist die unciale Form 
des Buchstabens V, während das Zahlzeichen 
spitz gebildet ist. Q und F sind der Cuiut- 
schrift entnommen. Bei dem P der letrten 




1:7,6 



HICQ.ÜIEiC 

rruNKAc 

HLA5QUI 
UIX)TANH1 



5 



1;B 



— 137 — 

Zeile ist der Bogen durch die Senkrechte hindurchgezogen. — Die Inschrift 
wird ebenfalls in das 6. Jahrhundert gesetzt. 

VergL Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 3, Tafel VIII, 2. 
Klein, Zeitschr. des Mainzer Ver. II, S. 343. Becker, Nass. Ann. VII, 2, 
S. 13. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 28. 







227* Grabstein des Aldualuhus, war nach Schannat {hist. 
episcopatus Wormatiensis. Frankfurt 1734) in die Wand des 
sogen. Bergklosters bei Worms eingemauert; in der Nähe wird 
er wohl auch gefunden sein auf einem noch in der letzten Zeit 
nachgewiesenen fränkischen Friedhof. Er kam mit der Bandei- 
schen Sammlung im Jahre 1862 nach Mainz. Kalkstein. H. 45, 
Br. 30, D. 13 cm. Die Buchstaben waren rot nachgemalt. 
Z. 4 in der Mitte ist der Zirkelpunkt sichtbar. 

JSic paUiSat corptia Aldua- 
^ luhi cuiua anima gaudet in 
cctelo. 

Hier ruht der Leib des 
Aldualuhus, dessen Seele im 
Himmel jubelt. 

Vom paläographischen 
Standpunkte aus betrachtet, 
ist unsere Inschrift eine der 
merkwürdigsten, die es über- 
haupt giebt. Besonders auf- 
fallend (und sonst wohl nir- 
gends vorkommend) ist es, 
dass nicht weniger als sechs 
Buchstaben, nämlich A, C, H, 
L, und V, sich in doppelter 
Form finden, in einer eckigen 
und einer runden, wobei bald 
diese, bald jene von der 
üblichen abweicht; bei H 
und L thun dies sogar 
beide. Gundermann macht 
darauf aufinerksam, dass in 
betonten Silben vorwiegend 
die eckige, in unbetonten 
aber die runde Form der 
Vokale gebraucht ist. Be- 
achtenswert sind femer die 
der Uncialschrift entnom- 
menen Buchstaben D, E und 
M. — Aus paläog 



pa8-/^D 



UUUhl-CV 



iygAHIQ3l J 



&W10 



i^Kät 



\ 



TTZ 






^ 



1:B 



Gründen, sowie wegen der Formel cuiua anima gaudet in caelo wird die 
Inschrift dem Ende des 7. Jahrhunderts zugewiesen. 

Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 3, Tafel VIII, 8. 
Klem, Zeitschr. des Mainzer Ver. II, S. 344. Becker, Nass. Ann. VII, 2, 
S. 14. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 29. 



^ 



188 



228. Grabstein der Radermdis, gefimden im Jahre 1882 ia 
den Grnndmauern der (alten) Peterskirche, jetzt Eaiserstr. Nr. 39. 
Kalkstein. H. 64, Br. 42, D. 14 cm. Unter der Inschrift ein 
gleichschenkeliges EreuK, dessen vier Balken nach aussen keil- 
förmig anwachsen; in den vier Ecken des das Kreuz ein- 
schliessenden Rechteckes ankerartige Zeichen. 

- - In hunc titolo re- 






h 



n7" 



:t^'*^ 



.^ 



'^ 






pAc&aK}% 



S3(W 



1 



quiiscit bone memorU 
Radelindia qui vixU tu 
paee annug XXV. 

In diesem Grabe 
ruht gesegneten An- 
denkens Eadelindis, 
welche 25 Jahre in 
Frieden lebte. 

Z. 1 in m. Acc. auf 
die Frage wo ? in früh- 
christl. Inschr. nicht 
selten. — ütolo fftr 

riftt/ttfi»; über das 
Schwanken zwischen o 
und u vergl. zu Nr. 
225, das m aber war 
am Ende der Wörter 
schon in der repu- 
blikanischen Zeit so 
schwach, dass es viel- 
fach wegfiel. — Z. 2 re- 
quüscit fttr requieacit, 
das e hatte im Latei- 
nischen teilweise eine 
nach i hinneigende 
Färbung. — Z. 3 u. 4 
Ixme memorie für bonae 
memoriae; der Ersatz 
des ae durch e in un- 
betonter Silbe, in den 
ersten beiden Jahrh. 
n. Chr. selten, nimmt 
seit dem vierten Jahr- 
hundert massenhaft zu 
(Seelmann, S. 225). — 
Z. 5 qui fftr quae in christlichen Inschriften häufig. — Z. 6 annus ftr 
annos (s. o.). — Paläographisch bemerkenswert sind die cursiven L und Q, 
die eckigen und C (Z. 2 steht auch ein rundes) und besonders das M mit 
doppelt gebrochenem Zwischenstrich. — Der Stein wird ins 7. Jahrhundert 
gesetzt. 

Vergl. Liesen und Schneider, Korrbl. d. W. Z. I, S. 75. Heckmann, 
Mainzer Zeitschr. III, S. 258. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 43. 

229. Grabstein des Adalharius, gefunden im Jahre 1882 in 
den Grundmauern der (alten) Peterskirche (s. Nr. 228). Kalk- 
stein, in drei Stücke zerbrochen, wodurch die vierte Zeile stark 
beschädigt wurde; der untere Teil fehlt ganz. H. 49, Br. (oben) 




139 



I, D. 15 cm. Die Inschrift ist von einem mit Zickzack- 
•nament gefüllten Kahmen eingefasst, dessen längere Seiten 
ch unten sich einander nähern. Seine Verzierung scheint eine 
olzschnitzerei nachzuahmen. 




1:B 

f In hunc tumolo requiiscit bene memorie Äda{l)hariu8 qui vixit 
oace . . . 

In diesem Grab ruht gesegneten Andenkens Adalharius , der in 
iden (. . . Jahre) lebte. 

Z. 1 beginnt mit einem Kreuz ; rechts in der Ecke des Rahmens (zur 
imausfuUung?) ein Viertelkreis. — Z. 2 tumolo für tumulum. Über den 
usativ, den Vokalwechsel und den Schwund des M am Ende s. zu 
228, 1. Der Raum a. E. der Zeile wurde vielleicht wegen der schon 
lals vorhandenen Löcher nicht beschrieben. — Z. 3 requiiscit für requieacit 
bene memorie für bonae memoriae s zu Nr. 228. — Ausser der Unregel- 
sigkeit der Schrift sind noch die eckige Form des und die cursive 
Q bemerkenswert. Die Inschrift stammt aus derselben Zeit wie die 
lergehende, also wohl aus dem 7. Jahrhundert. 

Vergl. Liesen und Schneider, Korrbl. d. W. Z. I, S. 74. Heckmann, 
nzer Zeitschr. III, S. 358. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 42. 



?^«• 



230. Grabstein des Dructacharius, gefunden mit den beiden 
•igen im Jahre 1882 in den Grundmauern der (alten) Peters- 
che. Kalkstein. H. 60, Br. 50, D. 12 cm. Die Umrahmung 
Bft ein Zickzackmuster, ähnlich wie bei dem Grabsteine der 
delindis. Die erste Zeile ist ganz abgehauen. 



140 — 



'-m 



10 







[f In hunc titulumf] requiiscit Dructachariua qui vixit in pact 
annua XX J. 

Condita (hjoc tumulis requiiscit ossa sepuUhrum 

(Ijhique tumulaius propriam subteriacit arcem 

Flivelia evinit meserorum cor da parentum, 

Eo filius! 

In diesem Grabe ruht Dructacharius, welcher in Frieden 21 Jahre 
lebte. Nachdem seine Gebeine bestattet, ruht dieser Tote im Grabhügel 
und nachdem er daselbst gebettet, liegt er am Fusse der eigenen Burg. 
Beweint starb, ach, der Sohn der Eltern, die traurig sind im Herzen. 

Z. 1 ist fast vollständig zerstört; nach den erhaltenen Bachstaben- 
resten — die Abbildung gibt sie deutlicher wieder als sie in Wirklichkeit 
scheinen — könnte in hunc tilulum (oder etw. Ähnliches) mit voraus- 
gehendem Kreuze dagestanden haben. — Z. 2 requiiscit für requieacit und 
Z. 4 annus für annos (s. zu Nr. 228). — Mit Z. 5 beginnen drei Hexameter, 
die dem Dichter freilich offenbar sehr schwer gefallen sind, denn, von den 
metrischen Fehlern ganz abgesehen, stehen die zwei letzten Worte ausser- 
halb des Verses. Ferner sind die Worte, um den Ehythmus heraus zu 
bekommen, bunt durcheinandergewürfelt, so dass, zumal die Syntax eine 
sündhaft barbarische ist, eine sichere Construction unmöglich ist. Zu 
requiiscit scheint (h)oc sepulchrum in der Bedeutung ,der Tote" Subjekt zu 
sein, worauf tumulatus dem Sinne nach bezogen ist; condita o$$a ist dann 



141 



Accusativ absoL, wie im Fran^sösischen^und Spätlateinischen. — Z. 7 wird 
bique wohl verschrieben sein für ihique. — Z. 10 st^hi fiivelia für flebüis^ evinit 
für evenit f= mortavs est) und meserorum für niiierorum: dreimalige Ver- 
tauschung von e und i (s. zu Nf. 228, 2). — Z. 12 co für Äeit, mit dem es in der 
Aussprache des niederen Volkes zusammenfloss (vergl. Seelmann, S. 228). 
Dann wäre filiua Subj., flivelia Prädikatsnomen, und corda gehörte als 
Acc d. Bez. zu meserorum f= qui miseri corda sunt), — Paläographisch 
bemerkenswert ist, dass die Senkrechten oben und unten über die Arisatz- 
stelle der Bogen (bei B, D, P und E) und der Querstriche (bei F, E 
und L) hinausragen; F erhält dadurch die Form der altdeutschen Eune. 
Bei L schneidet der Querstrich die Senkrechte. ist rautenförmig, Q 
zeigt die cursive Form. 

Auch diese Inschrift wird, wie die beiden vorhergehenden, aus dem 
7. Jahrhundert stammen. 

Vergl. Liesen und Schneider, Korrbl. d. W. Z. I, S. 75. Heckmann, 
Mainzer Zeitschr. III, S. 359. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 44. Die obige 
Erklärung nach Gundermann. 



231. Grabstein der Audolendis, gefunden 1803 bei Anlage 
des jetzigen Friedhofes auf dem Platze der ehemaligen Aureus- 
kapelle. Die in dem Sarge noch gut erhaltenen Gebeine gehörten 
einem krüppelhaften Körper an. In der Nähe wurden auch noch 
andere römische und altchristliche Gräber gefunden. Kalkstein. 
H. 64, Br. 41, D. 10 cm. 



AN NV^-S 1 1 1 +- 




1 : 7,6 



f In hunc titolo requiiscü 
Äudolendis qui f vixit in pace 
annus III f filiciter. 

In diesem Grabe ruht Äudo- 
lendis, welche drei Jahre glück- 
lich lebte. 

Z. 1 in hune titolo requiiseit 
s.Z. Nr. 228, 1. — Z. 3 qui &a 
' quae und Z. ö annus fdr annos 
(s. zu Nr. 225, 3). — Z. ßfilieiter 
mifelidter (s. zu Nr. 228, 2) (es 
wird von Kraus als ein Segens- 
wunsch für die Seelenruhe des 
Toten aufgefasst). — Paläo- 
graphisch beachtenswert ist be- 
sonders die Form des F, welche 
der altdeutschen Eune gleicht, 
ferner das L, dessen schräger 
Querstrich die Senkrechte schnei- 
det, das rautenförmige und 
das cursive Q. Die Inschrift 
ist wohl an das Ende des 7. 
oder den Anfang des 8. Jahr- 
hunderts zu setzen. 

Vergl. Becker, Nass. Ann. VII, 
2, S. 14. Lindenschmit, Altert, 
uns. heidn. Vorz. 11, 5, Tafel 
V, 2. Kraus, ehr. Inschr. I, 
Nr. 37. 



7^ 



142 — 



'OL 



232. Grabstein der Bertisindis und des Randoaldus. Fund- 
ort nnbekaDnt, jedenfalls in unmittelbarer Nähe der Stadt Mainz. 
Kalkstein. H. 112, Br. 53, D. 9 cm. Die Schriftseite des 

^_ Steins ist mit einer 



durch Zickzack- 
Linien gefüllten 
Umrahmung ein- 
gefasst und durch 
verzierte Streifen 
drei Vierecke 



m 




zerlegt. Das obere 
zeigt in der Mitte 
ein an einer Schnur 

aufgehängtes, 
gleichschenkeliges, 
etwas ausladendes 
Kreuz; an seinen 
Armen sind die 
von Vortragskreu- 
zen herabhängen- 
den Bänder nach- 
geahmt. Auf den 
Seiten vier mit 
Kreuzen gefüllte 
Kreise. Die untere 
Abteilung ist durch 
zwei Streifen mit 
Wellen- Ornament 
in drei Dreiecke 
eingeteilt. Ob diese 
ganze Verzierung 
des Steines symbo- 
lischen Sinn hat 
oder nur zurBaum- 
AusfüUung dient, 
bleibe hier uner- 
örtert. — In der 
Mitte befindet sich 
die Inschrift. 

In htme tüolo re- 
quiücü bane memoriae 
BertinndU qui vixxU 
an{n)u8J[X, RcmdodU 
du8 qui vixxü annu§ 
tri[8 felie\eter, 
Bertisindis, welche 



In dieHom Grab ruht gesegneten Andenkens 
2ü Jahre lebte, (und) Kandoaldus welcher 3 Jahre glücklich lebte. 



— 143 — 

Über die Eingangsfonnel vergl. das zu Nr. 228,1. Gesagte. — Z. 3 
Ifone für bonae (während unmittelbar darauf memoriae richtig geschrieben 
ist) vergl. zu Nr. 228,3. — Z. 4 qui für quae vergl. zu Nr. 228,5. — Z. 5 
vixxit Ar vixtt; antLs für annos (s. zu Nr. 225,3). — Z. 6 vixxit wie Z. 5, 
aber darauf folgend annua mit zwei n, von denen das eine wohl aus Platz- 
mangel arg verkümmert ist. — [felic]eter für feliciter, vergl. zu Nr. 224,2 
und 231,6. — Paläographisch beachtenswert sind namentlich die eckigen 
Formen des C und des ; ferner die des L, bei welchem die Querlinie 
die Senkrechte am unteren Ende oder etwas darüber schneidet; an dem T 
ist einmal (Z. 4) der Querstrich dermassen gebrochen, dass er dem T der 
Runenschrift gleicht, Z. 5 ist es mit I verbunden. Die sonst senkrechten 
Striche sind vielfach sehr schief gestellt, so dass z. B. das I Z. 6 dem 
linken Strich eines V gleicht. 

Der Grabstein gehört offenbar derselben Zeit an, wie der der Audo- 
lendis (Nr. 231) : dem Ende des 7. oder Anfang des 8. Jahrhunderts. Dem 
scheint allerdings eine Notiz bei Lindenschmit, Handb. S. 104, zu widersprechen, 
wo von reichen Beigaben die Rede ist, die zum Teil noch heute in der 
Graft. Erbach'schen Sammlung auf Schloss Erbach aufbewahrt würden. 
Darunter befindet sich aber ein 76 cm langer Scramasax, der dem drei- 
jährigen Randoald gewiss nicht beigegeben wurde. Die Nachricht beruht 
also auf einem Irrtum. Auch weiss L. an der früher geschriebenen Stelle, 
Altert. II, 5, nichts davon. 

Vergl. Becker, Nass. Ann. VII, 2, S. 24. Lindenschmit, Altert, uns. 
heidn. Vorz. II, 5, Tafel V, 1. Ders. Handb. d. deutsch. Altertumsk. I, 
S. 102. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 36. 



Grabstein eines Unbekannten. 




1:5 



Fundort jedenfalls in 
oder bei Mainz. Kalk- 
stein. Leider in meh- 
rere Stücke zerbrochen 
von denen nur zwei er- 
halten sind, die nicht 
zusammen passen. 
1).H. 18,Br.30,D.8 
cm. 2). H. 25, Br. 13, 
D. 8 cm. Eigentüm- 
lich ist die Verteilung 
der Zeilen: nur die 
erste und letzte laufen 
von links bis rechts 
durch , die übrigen 
lassen am Bande für 
senkrecht stehende 
Zeilen Platz. Die 
Buchstaben waren rot 
ausgemalt. 

In hunc tüulum re[qui- 

iscit in pace . , , ci bo]ne 

[memo ?] ri[ c ? . , . cm[, . ,] 

dua qui /[eHidter) vt\xit 

[ in p<ice an[niA9 . . .]. 



r^' 



— 144 — 

In diesem Grabe ruht in Frieden gesegneten Andenkens . . ., welcher 
in Frieden lebte . . . Jahre. 

Z. 1 und 2 hunc titulum Accusativ fttr Ablatiy (s. zu Nr. 228, 1. — 
Paläographisch bemerkenswert ist der gebrochene Querstrich bei A und 
T. — Die beiden senkrecht herunterlaufenden Zeilen enthalten die Schluss- 
formel ; in derjenigen auf der rechten Seite ist bei Q der Schwanz links 
statt rechts. — Vor . . , it scheint der Rest eines x zu stehen, so dass 
vixit zu ergänzen wäre, dem wohl ein abgekürztes felicüer vorausgegangen 
ist. Es fehlen dann zwei wagrechte Zeilen vollständig. 

Vergl. Kraus, ehr. Inschr. Nr. 40 a und b. Ergänzung zum Teil nach 
Gundermann. 



105 



234. Bruchstück vom Grabsteine des oder der Ursu . . . 

Fundort ungewiss, jedenfalls aber in oder 
bei Mainz. Kalkstein. H. 21, Br. 20, 
D. 14 cm. Rechts ist ein Stück der 
in barbarischem Geschmack verzierten 
Bandleiste erhalten. 

. . . bene .... ursu . . . rius et , , , , 
Bei bene kann an bene memorie (yergl. 
Nr. 229, 3) gedacht werden, bei ursu an ürsulus 
(Hettner, Steindenkmäler Nr. 204 und 344) oder 
Ursula (Hettner, Nr. 334), dem oder der von 
ihren Eltern . . . rius ei .... der Stein gesetzt 
wurde. 




1:6 



^'^ Vergl. Kraus, ehr. Inschr. Nr, 40, c. 



C5 



235. Bruchstück vom Grabstein eines Unbekannten. Fundort 
ungewiss, doch sicher in oder bei Mainz. 
Kalkstein. H. 22 (an der Schriflfläche 
17), Br. 18, D. 22 cm. Nirgends ist die 
ursprüngliche Begrenzung erhalten. 

[qui\ vi88[it annu]s XXXV 

welcher (oder welche) 35 Jahre lebte. 

Z. 1 vissit für vixit, d. h. das in z enthaltene 
s hat sich das palatale Element assimiliert 
(Seehnann, 353). — Die Buchstaben und Buch- 
stabenreste der beiden letzten Zeilen entziehen 
1.5 sich vorläufig der Deutung. 




236. Grabstein eines Unbekannten. Fundort wahrscheinlich 
Kastei. (Pauli, rhein. Altertümer I, 30: In diesem — d. h. 
dem Mainzer — antiquarischen Museum sieht man auch einen zu 
Kastell gefundenen Stein mit Runenschrift.) Kalkstein. H. 59, 
Br. 41, D. 18 cm. Links unten fehlt ein grosses Stück. 



— 145 — 




Der Steinist mit buchstaben- 
ähnlichen Zeichen bedeckt, aus 
welchen Kraus (von oben an- 
fangend) herauslas: hie q^ 
VIIocIT NI (?) MVM VLA QVI 
VIXIT IP A XV = Ate quiia- 
dt nomini {nomine 'i) Mumula 
qui vixit i[n] p[ace] a[nno8] 
XV, 

Die Zeilen können zum Teil, 
wie das grosse Stemkreuz im 
Mittelfeld und das einfache 
kleinere darunter, als christ- 
liche Symbole aufgefasst wer- 
den, im übrigen aber sind sie 
durchaus dunkel : vielleicht 
gehören sie einer Art Geheim- 
sprache an, dergleichen es im 
Mittelalter mehrere gab. 

Vergl. W. Grimm, über 
deutsche Bunen, S. 321 und 
Tafel XI. Kraus, ehr. Inschr. 
I, Nr. 39. 



1:7,B 



237. Obere Hälfte des Grabsteines eines Unbel(annten. Kalk- 
stein. H. 30, Br. 30, D. 15 cm. 
Der Babmen ist mit einfachem 
Zickzack-Ornament gefüllt. 

Durch eine Querlinie ist das erhaltene 
Stück in zwei Felder geteilt. Das obere 
enthält zwei grössere und zwei kleinere 
Kreise, sowie links unten drei Buch- 
staben oder buchstabenähnliche Zeichen. 
Das untere zeigt in der Mitte roh ein- 
gehauen den Oberteil einer menschlichen 
Figur, daneben ähnliche Zeichen wie 
oben. Eine Deutung will ich nicht ver- 
suchen. 




1:7,6 



Vergl. Kraus, ehr. Inschr. Nr. 40 d. 



238. Das sogen. Drususdenkmal, gefunden im Jahre 1808 
über dem Brunnen des Gasthofs zum römischen Kaiser (Lieb- 
frauenplatz Nr. 5) und im Jahre 1820 ins Museum verbracht. 
Bis zum Jahre 1688 war es in der Nähe der Bockspforte in 
den Zollturm der Vorstadt Vilzbach eingemauert. Boter Sand- 
stein. H. 90, Br. 50, D. 16 cm. In Wirklichkeit ist es kein 
Denkmal jenes römischen Feldherrn, dessen Namen es gewöhnlich 
trägt, sondern die vordere Hälfte eines Viergöttersockels; die 
hintere ist abgeschlagen, wobei auch die Beliefs der beiden 
Nebenseiten bis auf unbestimmbare Beste vernichtet wurden. 



— 146 — 



Erhalten ist das Bild der Minerva, worin man mit ün 
eine im frühen Mittelalter gefertigte Nachahmung einer äl 
Darstellung des Drusus erkennen wollte. Die Göttin trägi 
bis auf die Füsse herabwallenden Chiton und darüber da 
der linken Schulter durch einen Knoten zusammengehe 
Himation. In der Rechten hält sie die Lanze, mit der 1 
stützt sie sich auf den Schild. Bemerkenswert ist der 
dreifachem Busch geschmückte Helm, der auch sonst 
kommt. Das bekannteste Beispiel bietet die Statue der A 
Parthenos; es trägt ihn aber auch Mars auf einem im , 

1898 gefundenen 
des Mainzer Mus< 
ein gallischer Got 
einem Stein aus < 
Sulzbach im Elsass 
Minerva selbst auch 
auf einem Vierg( 
Sockel in Trier (He 
Nr. 26). Unser Der 
gehört wohl dem d: 
Jahrhundert an 
älteste datierbare 
götter - Sockel sU 
aus dem Jahre 170), 
die auf dem Band< 
gemeisselte Inschr: 

In memöriam Dm» 
man[ci\, zur Erinne 
an Drusus Germaii 
der es seiner Berühi 
verdankt, und derent 
es hier besprochen wi 
zweifellos erst im I 
alter hinzugefügt w« 
Zangemeister setzt sie 
9. Jahrhundert. Der 
würdige Buchstabe a. 
Namens Drusus ist ein 
gewordenes unciales 1 
dem der obere Quei 
weiter nach rechts g 
ist als sonst. Eine 
17 aus Bordeaux (Inscr. de la 




liehe Form notiert Le Blant p 

Nr. 490) vom Ende des siebenten Jahrhunderts 

Vergl. Lehne, ges. Schriften I, Nr. 120. Bramb., C. I. 
Nr. 32. Becker, Mainzer Inschr. Nr. 130. 



Rh., 



X. Inschriften aus romanischer, gothischer 
und noch späterer Zeit. 



239. Sockel eines Denkmals aus dem (zehnten oder) elften 
Jahrhundert. War an dem sogenannten Fischturm eingemauert 
und wurde nach dessen Niederlegung ins Museum verbracht. 
Weisslicher Sandstein, in mehrere Stücke zerbrochen. H. 65, 
Br. 110, D. 45 cm. 







] TEN 



f3'm 







^EFKVRAS 



1;10 

es poteris cogno8ce[r\e [l yxtor 

U8 qui me formav[e]rat auctor 

ni[* %\u88u p{er)fecta manebo 

[r]*.bu8 iLb[i]q{ue) p(er)egi 

5 q{ue) meaa ceu ceransjponte figuras, 

[Ao«?] amhos parit{er) dJ{pmt^n(u)8 c{pn)8ervet in {a)evum, 
[S%f]ridu8 8c[riptor scripsit 8CtUp8iiq{ue) lapillo, 

' ' ' wirst Du, Leser, erfahren der mich als Künstler (?) gebildet 

hatte auf des • * Befehl vollendet, werde ich dauern habe 

ich überall verbracht und meine Formen (meine Gestalt?) freiwillig 

gleichsam aus Wachs bildend. Die beiden möge der Herr gleichennassen 
in alle Ewigkeit beschützen. Sifridus der Schreiber schrieb es und meisselte 
es in den Stein. 

11 



— 148 — 

Das Gedicht besteht aus 7 Hexametern, von welchen namentlich die 
5 ersten am Anfang so stark beschädigt sind, dass ihr Inhalt sich nur 
erraten lässt. Wie es scheint spricht das Bildwerk (eines weiblichen Wesens? 
perfecta!), das auf dem Sockel stand, zu dem Leser. Z. 2 und 5 scheint 
von dem Bildhauer und dem Maler (?) die Rede zu sein, welchen die Her- 
stellung des Bildes zu verdanken war. Z. 6 wird Gottes. Segen auf sie 
herabgefleht. Sifridus meisselte die Inschrift. 

Gundermann, dem ich auch sonst manchen wertvollen Beitrag zur 
Aufhellung der vorliegenden Fragen verdanke, macht für Z. 7 auf die offen- 
bare Anlehnung an Alcuin aufmerksam. Dieser sagt (Poetae lat. aevi Karolini 
ed. Dümmler u. Traube — in den Monum. Germ. hist. — I, p. 331): Qwt 
pariter dominus iotitm conservet in aevum; conservet in aevum kommt auch 
noch p. 330 und 333 vor, pereglt 333, lector 334, cognoscere 344. Freilich 
würden wir auch aus dem Nachweis unmittelbarer Anlehnung an Alcuin 
nur erfahren , was ohnehin sicher genug ist , dass unsere Inschrift nicht 
älter ist als dieser. Unter den Mainzer Inschriften steht ihr in paläo- 
graphischer Hinsicht keine so nahe wie die in der Stephanskirche befind- 
liche Grabschrift des Propstes Wignand vom Jahr 1048 (Kraus, christi. 
Inschr. d. Rheinl. II, S. 122). Daher hat sie denn auch schon Falk (bei 
Kraus, II, S. 339, 38) der karolingisch-ottonischen Zeit zugeschrieben. 
Bemerkenswert sind die eckigen C (die auch schon auf Grabsteinen der 
Merowingerzeit und ebenso in den Kandzeilen von Wignands Grabschrift 
und der Willigis-Inschrift auf den Bronzethüren des Mainzer Domes vor 
kommen) und die eckigen G, sowie die Vorliebe für Buchstabenbindung, 
wozu auch die öfter eingeschriebenen kleinen Vocale — einmal, Z. 7, auch 
ein Consonant — zu rechnen sind. Die Silbenkürzungen bei . . qtie, con . ., 
per . ., pariter, doviimts erinnern schon ganz an den Gebrauch in mittel- 
alterlichen Handschriften, in welchen auch die Schreibung evum für aevum 
oft begegnet. — Dass für die ersten 5 Zeilen bei genauerem Studium des 
Steines noch etwas mehr herauszubringen ist, als wir mit Sicherheit gesehen 
haben, scheint nicht ausgeschlossen. Nach dem Abklatsch glaubte Gundermann 
Z. 2 a. A. HTCVARDVS QVI (Hincvardus qui), Z. 3 SIPAT[RO]NI[S]IVSSV, 
Z. 4 SIOCENO . . N . S[R]EBVS, Z. 5 VIRQ[VEJMEAS lesen zu sollen. 

Vergl. Becker, Nass. Ann. VII, 2, S. 24. Kraus, ehr. Inschr. I, 
Nr. 38. Bücheier, carm. lat. epigr. I, 135, Nr. 321. 



240. Silberner Lbffel, nach unsicherer Überlieferung aus dem 
ehemaligen Kloster Iben stammend. Der Stil ist als gewundener 
Schlangenkörper gebildet. 




Die Inschrift bestoht aus dem Mcmogranun Christi zwischen Alpha und 
Oniegci. Die beiden anderen Buchstaben C (viell. = S) und V sind noch 
nicht sicher erklärt. Ansprechend ist Gundermanns Vermutung, sie möchten 
vielleicht atoTjjo vlog (i'^tovj = Heiland, Solin (Gottes) bedeuten, wobei 
t'reilieli das Fehlen von t^sov auffallend ist. — Der Löffel dürfte dem elften 
Jahrhundert anj^ehüren. 

Vergl. Kraus, ehr. Inschr. I, 41. 



149 — 



241. Sargdeckel mit den Namen Methilt und Rudolf^ wahr- 
scheinlich aus dem zwttiften 
Jahrhundert. Gefunden am 20. 
Nov. 1893 auf dem Gebiet 
des ehemaligen St. Jakobs- 
Klosters in der Citadelle. 
Geschenk der Militärbehörde. 
Boter Sandstein. H. 235 cm, 
Br. 70—90 cm, D. 12 cm. 
Die Oberfläche ist mit flecht- 
werkartigem, seicht einge- 
hauenem Strichmuster bedeckt 
und trägt die Inschriit Methilt 
Budölf, 

Herr Prof. Dr. Falk, Pfarrer in 
Klein- Wintemheim, macht auf eine 
Stelle bei Trithemius, chron. Sponh. 
et Hirsaug. S. 238 aufmerksam 
(vergl. auch Joannis II, 745), wo 
aus dem Jahr 1124 die Stiftungs- 
Urkunde des Klosters Sponheim 
mitgeteilt wird. Als Stifter werden 
hier genannt : Meginhard, Graf von 
Sponheim, mit seiner Gemahlin 
Idechulde und Rudolf, Graf von 
Sponheim, mit seiner Gemahlin 
Richarda. Die Schenkung findet 
statt im Dom zu Mainz und in Gegen- 
wart des Erzbischofs Adelbert I. 
Ob auf unserem Sarg der dort 
genannte Rudolf von Sponheim mit 
seiner Schwägerin gemeint ist, lässt 
sich natürlich nicht mit Sicherheit 
behaupten, und man muss allerlei 
romantische Beziehungen zwischen 
beiden annehmen, um ihre Ver- 
einigung im Grabe zu erklären; 
doch war das weit berühmte Kloster 
von St. Jakob gewiss nur den Vor- 
nehmsten jener Zeit als letzte Ruhestätte zugänglich. 

Paläographisch bemerkenswert ist nur das unciale E. 

Vergl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. XIU, S. 305. 

Sechs Zinnensteine. Einige Dörfer in der Umgebung von 
Mainz — für Speier, Worms und Bingen ist Ähnliches nach- 
gewiesen — hatten die Pflicht, bestimmte Teile der Stadtmauer 
zu unterhalten und im Notfalle zu besetzen und zu verteidigen, 
wofür ihnen das Bergerecht zustand. Um jene Pflicht dauernd im 
Bewusstsein zu erhalten, wurden an den betreffenden Stellen der 
Mauer Steininschriften angebracht, in welchen die Strecke, für die 
jedes Dorf aufkommen musste, nach der Zahl der Zinnen bezeichnet 
wurde, die sich daran befanden, weshalb diese Inschriften auch 




— 150 — 

ZinDensteine genannt werden. Dass jene Mauerstrecke jedesmal nach 
dem betreffenden Dorf hin gelegen war, ist selbstverständlich. — 
In einer von Hegel wieder entdeckten Würzburger Handschrift 
des 14. Jahrhunderts findet sich nun von späterer Hand nach- 
träglich eingetragen ein (unvollständiges) Verzeichnis jener Ort- 
schaften, das bereits Bodmann (Rheing. Altert. I, 23) veröffent- 
lichte. Herr Dr. Baier hat es auf meine Bitte neuerdings ver- 
glichen und dabei bemerkt, dass der Schreiber seine Vorlage an 
mehreren Stellen offenbar nicht lesen konnte und darum manches 
ausliess. Vielleicht hat er aus demselben Grunde auch manches 
falsch abgeschrieben, denn seine Angaben decken sich nicht mit 
denen der Steinurkunden. Freilich stammen diese wahrscheinlich 
aus der Zeit der Wiederherstellung der Mainzer Stadtmauer ums 
Jahr 1200 und sind also über 200 Jahre älter, so dass sich 
inzwischen manches geändert haben kann. 




^..M 



^^^-^ 



stt: 



242. Eltville. Kalkstein. H. 60, Br. 105 cm. War an der 
alten, nach dem Rheingau gerichteten, Peterspforte eingemauert 
und wurde schon im vorigen Jahrhundert von Fuchs ins Museum 
verbracht. 

Cfives de EUevüe 
habent IUI csn- 
nas. Die Bürger 
Ton EltvUle haben 
4 Zinnen. 

Der Stein zeigt 
im aUgemeinen 
noch die römische 
Kapitalschrift; mit 
kleinen Abweich- 
ungen, um so be- 
merkenswerter ist 
das Auftreten des 
einen uncialen E 
in der ersten Zeile, 

wo der Steinmetz offenbar unbewusst einmal das zu seiner Zeit übliche 
Zeichen eingemeissdt hat. Ursprünglich war unser Stein als römisches 
Grabdenkmal verwendet (vergl. Nr. 88) und man hat es nicht einmal für 
nötig gehalten die alte Schrift und den jetzt auf der Seite stehenden Giebel 
gänzlich hinweg zu meisseln. — In der Würzburger Handschrift wird EltviUe 
nicht erwähnt. 



:CIVB§?>E€lfE- 
MIIE-HRBSNT 



u? 



w^^— I i:z, 



1:15 



243. Eisheim. Kalkstein. H. 31, Br. 50, T. 26 cm. Die 

auf der rechten Seitenfläche noch sichtbare Umrahmung beweist, 
dass wir auch hier einen wieder verwendeten römischen Inschrift- 
stein vor uns haben. War zuletzt in den Festungsmauern des 
17. Jahrhunderts am Gauthor, wohl in der Nähe seines ursprüng- 
lichen Platzes, eingemauert und wurde im Jahre 1880 ins 
Äluseum verbracht. 



~ 151 - 




Egeh{h)elm^ ältere Form des Namens Eisheim. 
Das erste und dritte £ haben unci^e, das 
mittlere dagegen sowie L fast cursive Form; 
das unciale M hat in der Mitte einen Ansatz, 
der an die Form des E auf anderen Zinnen- 
steinen erinnert. Nach der Würzburger Hand- 
schjift hat Eisheim, hier Igelesheim genannt, 
5 Zinnen. 
1:7,5 

244. Saulheim. Kalkstein. H. 67, Br. 85, T. 34 cm. Sass 
bis 1887, wo er in das Museum verbracht wurde, an seinöm 
ursprünglichen Platz, dem südlichen Teil der Stadtmauer, da wo 
der Eisgrubenweg entlang führt (vergl. Schneider, Korrbl. d. W. 
Z. V, Sp. 196). 

: VI Sowelheim. Den Doppel- 

« \ punkt vor der Zahl weiss ich nicht 

f V zu deuten ; Sowelheim, ist eine alte 

\ Form für Saulheim. Ihm werden 

hhier offenbar 6 Zinnen zugeschrie- 
ben; in der Würzburger Hand- 
schrift wird dagegen »Sauwelen- 
heim maior" mit 14, ,Sauwelenheim 
minor" mit 3 Zinnen aufgeführt, 
so dass es ungewiss ist, ob auf 
unserem Stein Ober- oder Nieder- 
saulheim gemeint ist. — Ab- 
gesehen von den uncialen E, deren 
erstes den aus der Buchschrift 
stammenden Ansatz zeigt, sind 
hier die Formen der Kapitalschrift angewendet. — Auch dieser Stein 
hatte offenbar schon in römischer Zeit als Inschriftstein gedient; darauf 
deutet das zur Rechten noch erhaltene Rahmen profil. Später war er auch 
noch zu anderen Zwecken gebraucht worden, wie die durch den ganzen 
Stein hindurch gehauene Scharte beweist, welche zum Versetzen mit dem 
Wolf gedient haben wird. 

245. Udenheim. Sandstein. H. 26, Br. 56, T. 36 cm. War 
7 m weiter östlich in demselben Mauerzug eingelassen und wurde 
1887 ins Museum gebracht. 

/// Uote{n)he[i{m)] , ältere Form des 
■^^ Namens Udenheim, dem nach der Würzburger 

^^^JH^fe'""'^ Handschrift nicht 3, sondern 13 Zinnen zu- 
gewiesen waren. — Bemerkenswert ist die 
genaue Bezeichnung; die Nasale N und M 
sind durch wagrechte Striche über den voraus- 
gehenden Vokalen E und EI angedeutet ; das 
1:7,5 E hat beidemal die unciale Form. 






246. Stadecken. Sand- 
stein. H. 45, Br. 84, T. 
35 cm. Sass noch weiter 
östlich in demselben Mauer- 
stück am Eisgrubenweg, bis 
er 1887 in das Museum ver- 
bracht wurde. 



1:7,6 



— 152 — 

Incipit (?) Hedeshem d. h. hier beginnt die von Hedeshem zn unter- 
haltende Mauerstrecke. — Die erste Zeile ist nicht mehr mit Sicherheit 
lesbar ; am Ende der zweiten hat wohl ein S gestanden, das fast völlig ver- 
loren gegangen ist; die letzte beginnt und endigt mit einem Kreuz, von 
dem am Anfang stehenden ist aber die Hälfte verschwunden ; kern für ä«m», 
wie oft. — Bei Anfertigung der Schrift hat man sich nicht die Mfihe 
genommen, die beschädigte Oberfläche des alten Werkstückes wieder zu 
glätten, sondern hat die Buchstaben unregelmässig da eingehauen, wo jene 
noch erhalten war: ein deutliches Zeichen der Zeit. — In der Würzburger 
Handschrift fehlt das jetzt ausgegangene Dorf Hedesheim, dessen Stelle 
heute noch in der Nähe von Stadecken deutlich erkennbar ist. 



247. Massenheim. Kalkstein mit Spuren roter Bemalung 
in den Buchstaben. H. 41, Br. 47 cm. Gefunden im November 
1884 bei der Kanalisierung der Kheinstrasse. Der Stein sass 
also, wie bei der Lage des Dorfes zu erwarten, im nordöstlichen 
Teile der Stadtmauer. 

Jf<M»e(n)Ä«m/ec(i)«c»n(nam)(?) oder ein{nM)i^) 
Massenheim liess eine (oder mehrere) Zinnen 
machen. — Beachtenswert ist die unciale Form 
des am Anfang stehenden M und der drei vor- 
kommenden E; von diesen hat das letzte (Z. 2 
a. E.), wie das vorausgehende P einen aus der 
Buchschrift stammenden Ansatz. — Die Lesung 
des letzten Wortes ist nicht sicher, doch liegt 
hier wohl die auch in Nr. 249 angewendete Form 
des C vor, hinter dem in fecü das I ausgelassen 
ist. Sonst müsste man annehmen, dass in fedt 
1'^»^ und in cin(na8) CI zusammengeschrieben, in 

letzterem Worte aber das I infolge eines Missverständnisses noch einmal 

wiederholt wäre. Der letzte Buchstabe dürfte wohl ein N sein. — Auch 

Massenheim fehlt in der Würzburger Urkunde. 

Vergl. Schneider, Korrbl. d. Gesamtv. d. deutsch. Geschichts- und 

Altertumsvereine XXVIII (1880) Nov. 



248. Mit Goldfäden eingewebte Inschrift aus dem dreizehnten 
Jahrhundert, gefunden am 12. August 1897 bei Neubauten an 
der Gonsenheimer Hohl, Geschenk des Herrn Brauereibesitzers 
Schmitt. Die Stickerei befindet sich auf einer ursprünglich 
purpurfarbenen Binde aus Wollstoff, welche, noch am Arme des 
Skelettes haftend, einem hölzernen Sarge entnommen wurde. In 
der Mitte der Binde sind heraldische einköpfige Adler mit Gold- 
fäden eingewebt. Nur einer ist völlig erhalten, doch erkennt 
man aus den erhaltenen Besten, dass sie abwechselnd mit den 
Köpfen und dann mit den Beinen einander zugekehrt waren. 

An den Rändern lief eine Inschrift, auf der einen Seite in lateinischer, 
auf der anderen in deutscher Sprache. Auf dem grössten erhaltenen Stück 
liest man : amor vincit = die Liebe besiegt und . . iget der Nalme], Eine 
Kichere Ergänzung ist leider noch nicht gefunden. Zu der deutschen Inschrift 
geliört das auf einem anderen Rest erhaltene Wort Tugende, während das 
Wort . . soll (ein unsicherer Buchstabenteil geht voraus) etwas kleinere 




— 153 




^^m 



n.?»-yr 




VlIUUiUflfiHIHK 



jiiuiiflooiiiiiiir'iiiiiiniuiiioniir!^ 



1:2 



Schrift zeigt und also einer an anderer Stelle angebrachten zweiten 
lateinischen Inschrift angehört. 

Vergl. Lindenschniit, Westd. Zeitschr. XVI, S. 359. 



249. Grabstein des Propstes von Heilig-Kreuz Johannes, genannt 
zu Strassburg, f 1363. Der Grabstein wurde bereits abgeschrieben, 
als er noch an seinem ursprünglichen Platze sich befand, in der 
Heilig-Kreuz-Kirche zwischen Hechtsheim und Mainz. Er ist, 
wenn auch ungenau, veröffentlicht bei Gudenus, cod. diplom. II, 
709 und III, 993. Nach der Zerstörung der Kirche während 
des dreissigj ährigen Krieges wurde der Stein in zwei Hälften 
zerschlagen, wobei auch ein Teil der Inschrift verloren ging, und 
in Hechtsheim verbaut. Bei Umbauten wieder aufgefunden, 
wurde der Stein im Frühjahr 1899 dem Besitzer, Herrn Richard 
Wagner, abgekauft. Der Verstorbene ist in priesterlicher Tracht 
dargestellt mit dem Kelch in den Händen. Unter seinen Füssen 
windet sich ein Hund, der im Mittelalter neben dem Löwen und 



— 154 — 







t 



Drachen das Symbol des bösen 
Princips, des Teufels, ist. Über 
dem Haupte des Probstes erhebt 
sich von zwei Fialen flankiert 
ein reich verzierter gothischer 
Wimperg. In den Zwickeb 
zwischen Fialen und Wimperg 
sind zwei Wappenschilder an- 
gebracht; das linke zeigt einen 
Schwan, das rechte ist durch einen 
Querbalken in zwei Hälften ge- 
teilt, deren oberste zwei kleinere 
Schwäne enthält, während das 
Bild der unteren zerstört ist. 

Um den Sand läuft die Inschrift: 
t Anno damini MCCOLXIII Jdibui 
Augusti obiü Joanne* dieius zu Straz- 
borg de Moguntia Praeponhu pridem 
tarnen canonicra et custos huius eecletiae 
cuius anima requiescat in sancta pace. 

Im Jahre des Herren 1863 am 13. 
August starb Johannes genannt zu 
Strassburg aus Mainz, Propst, früher 
jedoch Kanonikus und Pft^rtner dieser 
Kirche. Seine Seele ruhe im heiligen 
Frieden. 

Der Hof „zum Strassburg" stand 
in der Nähe des Holzturms an der 
Stelle des jetzigen Brauhauses zum 
Bären. 

Zum Teil nach Mitteilung des Herrn 
Prof. Dr. Falk in Klein- Wintemheim. 



250. Grabstein des Priesters Ewaldus von Byddelborn, f 1429. 

Fundort unbekannt. Boter Sand- 
stein. H. 50 cm, Br. 58 cm, D. 
9 cm. 

Die Inschrift lautet: [Ann]o domini 
M[CCCC\XXIX ohiit pater Ewaldm de 
Byddelborn aacerdos. 

Im Jahre des. Herrn 1429 starb der 
Priester Pater Ewald aus Büttelbom. 

Der Buchstabe a. A. des Eigennamens 
ist wohl als zungenloses E, niät — was 
nahe läge — als A, aufzufassen. Zungen- 
lose E in der Buchminuskel erwähnt 
Wattenbach 4, p. 48. 



oomuu Ulli 

;jTif oüur 



m i>vDöiiboru 
SacivDoo 



l : If) 



— 155 — 

251. Grabstein des Priesters Adam Wyman, f 1470. Fund- 
ort unbekannt. Geschenk des Herrn Bildhauers Saintonges in 
Mainz. Roter Sandstein. H. 47 cm, Br. 74 cm, D. 4 cm. In 
der Mitte Darstellung einer segnenden Hand nebst Kelch und 
Hostienschale. Um den Rand die Inschrift: 




1:7.6 

Anno domini MCCCCLXX die IX men^U Augmti ohiit reverendus 
dominus magisler Adam Wyman quondam sacerdos ad aanctam Katherinam 
in Oppenheym^ cuius anima requiescat in sancta pace. 

Im Jahre des Herrn 1470 am 9. Tage des Monats August starb der 
ehrwürdige Herr Magister Adam Wyman, ehemals Priester an der Katharinen- 
kirche zu Oppenheim. Seine Seele ruhe im heiligen Frieden. 



252. Grabstein des Spitalpfarrers Job. Pistor, aus dem 15. 
Jahrhundert. War bis zum Jahre 1895 im Thorbogen des 
„Eisernen Turmes" aufgestellt, in dessen Nähe das Heilig-Geist- 
Spital lag, aus welchem der Stein stammt. Roter Sandstein. 
H. 220 cm, Br. 115 cm, D. 15 cm. Die Gestalt des Priesters 
nimmt die Mitte des Grabsteines ein. Über der Alba trägt er 
die Casula, und als Mantel das Pluviale, welches in einem drei- 
eckigen Zipfel von der Brust herunterhängt. Die Manipula wird 
an der linken Hand sichtbar. In letzterer hält er den Kelch, 
über den er die Rechte segnend erhebt. Neben dem Kopf zwei 
einfache Wappen, in demjenigen rechts zwei gekreuzte Hämmer, 
in dem links (in Anspielung auf seinen Namen : Pistor = Bäcker) 
eine ßretzel. Die Inschrift steht um den Rand: 



— 156 — 

"^IlÖ Olli t^W 



Oljtjt 005 lotltJnilltDmrijrvinm^ 







lt20 

Anno domini MCCCC obiit dominus Johannes Pistoris de 

So . . . ., plebanus huius hospitalis sancti spiritus^ cuius anima requiesctU in 
pace. Amen. 

Im Jahre des Herrn 14 . . am ... starb Herr Johannes Pistor 
aus Ho . . . , Pfarrer dieses Heilig-Geist-Spitals. Seine Seele ruhe in 
Frieden. Amen. 

Für die genauere Angabe von Tag und Jahr war Eaum frei gelassen ; 
der Stein wurde also wohl noch zu Lebzeiten des Pfarrers gefertigt. Sein 
Familienname steht, wie dies häufig vorkommt, im Genetiv. Der Heimat- 
narae ist beschädigt und bis jetzt noch nicht gelesen. 

253. Grabstein des Bruders Johannes Schilling, f 1485. Stammt 
gewiss ebenfalls aus dem Heilig-Geist-Spital und war bis 1895 
im Thorbogen des eisernen Thurmes aufgestellt. Roter Sandstein. 
H. 217 cm, Br. 117 cm, D. 14 cm. Wieder nimmt die Gestalt 
des Verstorbenen im Ordensgewand die Mitte ein. Rechts und 
links vom Kopf zwei Wappenschilder mit prächtiger Verzierung, 
in dem einen eine Kanne mit Aufguss, in dem anderen ein wildes 
Tier (Bär). Auf dem Rande die Inschrift, in welche die Helmzier 
des Wappens noch hineinragt. 




Imi) öir öaia iit ftbruari lOlnit «tlilis hm 



lobniifs ütnllftt Mtnöw 
lntt'Dnni'aifiniiiua xtruiitoni pairaiiii 

1:20 
Anno domini MCCCC L XXXV die declma mensis Fehruari obiii 
vener ab ilis frater Johannes Schilling commendator huius domus euitu anima 
requietcat in pace, Amen, 



— 157 — 

Im Jahre des Herrn 1485 am 10. Tage des Monats Februar starb 
der ehrwürdige Bruder Johannes Schilling, Wohlthäter dieses Hauses. Seine 
Seele ruhe in Frieden. Amen. 

Schilling wird sein Vermögen dem Spital vermacht haben und dann 
in den Orden der , Bruder des heiligen Geistes" eingetreten sein. 

254. Bauinschrift des Erzbischofs Johann Philipp von Schttnborn 
(1647 — 1673). Dieselbe war im Fort Philipp angebracht und 
wurde dem Museum von der Königl. Fortification überlassen. 
Erzbischof Johann Philipp hatte von 1656 an durch den 
italienischen Ingenieuroffizier Spalla die veralteten Festungswerke, 
die noch vom Jahr 1200 und früher herstammten, nach modernen 
Grundsätzen völlig umbauen lassen und brachte, wie es scheint, 
an verschiedenen Stellen monumentale Inschriften wie die unsrige 
an. (Von einer ähnlichen stammt wohl das gewiss nicht 
römische Bruchstück bei Becker, röm. Inschr. d. Stadt Mainz, 
Nr. 277.) 





E 

„ü- ** ^ -.. 



iro^nv 



Johannes Philippus^ archiepUcopua Moguntinus^ episcopus Herhipolenais 
Franciae orientalis dux. 

Johann Philipp, Erzbischof von Mainz, Bischof von Würzburg, Herzog 
von Ostfranken. 

Vergl. Lindenschniit, Westd. Zeitschr. XVII, S. 381. 




Nachweisungen. 



ere Lesungen oder Ergänzungen sind durch einen Stern (*) kenntlioh 
, wenn sich nicht der Grad der Sicherheit aus der Binklammerung 
lenden ergibt; die frühmittelalterlichen Denkmäler sind mit 
reuz (t) bezeichnet, die späteren überhaupt nur in Bezug auf Paläo- 
graphisches berücksichtigt. 



und nächste Um- 
gebung. 

ergasse 9. 

52. 65. 67. 79. 
180. 186—190. 
nergässchen 48. 
^asse 201. 
trasse 12. 
thor 238. 
e 30. 32. 33. 
iühlengässchen3. 
r Ort 148. 158. 
176. 

tanerstrasse 108. 
enweg (in d. alten 
mauer) 13-17. 19. 
. 120. 

irhofstrasse 40. 
trasse (und Kur- 
nstrasse) f 222. 
rl 49. 53. 128. 130. 
[anerstrasse 163. 
lof 231. 
berger Hof 177. 

(i. d. alten Stadt- 
r) 18. 24. 25. 35. 
d—m. 121—123. 
) 38. 39. 77. (da- 
55. 114. 125. Üb- 
} vergl. Kästrich. 
Emmeransstrasse 
3-206.208-212. 
Tgsplatz 110. 



1. Fundorte, 

Hint. Christophsgasse 1. 
Höfchen 106. 
Kaiserstrasse (alte Peters- 
kirche) 60. f 228— 230. 
Kästrich 101. 103. 105. 

107. 112. 162. (vergl. 

auch Gauthor). 
Kurfürstenstrasse 129. 

131—135. 137. 138. 

(t 222). 
Linsenberg 202. 
Markt 20. 

Mathilden terrasse 111. 
Mombacherstrasse 197. 
Münsterthor 31. (117). 
Münsterweiher 182. 
Neue Anlage 52. 65. 67. 

79.179.180.186—190. 
Neuthor 68. 124. 140. 
I Petersstrasse 7. 42. 54. 
i 64. 76. 98. 
! Rhein 88. 151—154. 157. 

170. 173. 
ßheinallee 69. 70. 72. 75. 
röm. Rheinbrücke 4. 113. 

168. 172. 174. 175. 
Schillerstrasse 2. (139?). 
Schusterstrasse 10. 11. 
Stephanskirche 63. 
Wallstrasse (hinter der 

Conservenfabrik) 21. 
Walpodenstrasse 34. 92. 

Das Übrige Rheinhessen. 



ein 181. 183. 185. Bingen 44. 56. 57. 81. 

Bleiche (Peters- 193. 195. 

!) 83. (Münster- Bretzenheim 43. 46. 

117. Büdesheim 8. 



t Dietersheira 217. 220. 

221. 
Ebersheim 159. 
t Freilaubersheim 214. 

216. 
Heilig-Kreuz (bei Hechts- 

heira) 136. 184. 
Jungenfeldsche Au 102. 
Kastei 5. 26—28. 41. 47. 

66. 104. 116. 141. 1 236. 

hinter Kastei (Elisa- 

bethenstrasse) 51. 
Klein-Wintemheim 29. 

74. 178. 
Mettenheim 178. 
Nieder-Ingelheim 126. 
Nierstein 73. 
Ober-Olm 109. 
t Osthofen 215. 
Weisenau 196. 
t Worms 223—227. 

Preussen. 

Heddemheim 165. 

Köln 193. 

t Östrich 218. 

Nicht nachweisbar, aber 
wahrscheinlich Mainz. 

6. 22. 23. 37. 45. 50. 55. 
58.61.62.78.80—82. 
84. 87. 93-97. 99. 
100. 119. 142—147. 
150.155.156.161.164. 
166.167.169.191.192. 
199. 200(?). t232-23ö. 
t 237. 



— 160 — 



2. Geographie und Topographie^. 



Alba, Camilia tribu 

43. 
Aq(uae) 28. 

Aquae he(lveticae) 162. 
Aquae Mattiacorum 27. 
Brutti 1,18. 
*Aresaces [vicani] 29. 
Betasius cives 60. 
Brittania 108. 
♦Cadyanda 19. (118). 
Calabria 1,17. 
*Cantunae novae 200. 
Castellum Mattiacorum 

109. 
♦Chalitani 1,12. 
Cybira 19. (118). 
Delmata 57. 
Elvetius cives 129. 
* Germania 1,12. 



Germania superior 14,12. 

15,11. [16,13. 17,11]. 108. 

114. 
*Haliquenses 1,12. 
(H) elvetius cives 129. 
Hippus 19. (118). 
* limitis Germaniae civi- 

tates 1,11. 
Lindus, Quirina tribu 112. 
Lucania 1,18. 
Mattiaci 27. 109. 
Mediolanium 1,17. 
Moesia superior 108. 
Mogontiacenses 121. 
*Mogontianae canabae 

111. 
Narbo, Papiria tribu 127. 
Nertobriga, Galeria tribu 

44. 



Placentia, Veturia tribu 

48. 
Pollen tinus 71. 
Raetia 108. 
Eomani cives 117. 
Sumelocenses cives US. 
Taunensium civitas 121. 
Thracia 108. 
* Transpadana regio 1,1&. 
Tolosa 46. 

Treverorum civitas 120. 
*Valentia 45. 
*Veientes 1,15. 
Vercellae, Aniensi tribu 

50. * 106. 
Virunum 54. 
* quannensis 20. 



3. Religionswesen. 



* Ammon 14. 

Aufaniae et Tutela loci 7. 

Bonus eventus (militum exerc. Germ 

sup.) 114. (equitum leg. XXII) 115. 
Caelestis dea, lulia Augusta etc 13. 
Ceteri di deaeque omnes 1,1. 
Conservator (als Beiname eines Gottes) 

17. 121. 
t Deus 218. 

* Dolichenus 14. 

Domus divina 1,6. 4 104. 121. 
Fortuna 2 11. 106. (salutaris) 10. 

(supera) 112. 
Genius (centuriae) 107. (legionis) 113. 
Haruspices HO. 

Hastiferi Castelli Mattiacorum 109. 
Honos (aquilae legionis) 16. 18. 112. 

113. (legionis) 17. 
Inno regina 3. 4. 104. * 105. 106. 

* luppiter invictus Dolichenus, imp. 
Caes. M. Aurel. etc. 14. 

luppiter optimus maximus 1,1. 2. 3. 

4. 101-106. 121. 
luppiter optimus maximus et Inno 

regina 3. 4. 104. * 105. 
luppiter optimus maximus, Inno 

regina, Fortuna, Minerva 106. 
luppiter optimus maximus ceterique 

di deaeque omnes 1,1. 



Kaiser (Caracalla) als Gott verehrt 

14. 
Kaiserin (* Julia Domna) als Göttin 

verehrt 13. 

Di Manes 51. 62. 64. 69. 72. 80. 81. 
*97. 131. *132. 136. 

* Dens Mars 157. 
Matronen 5. 6. 7. 8. 
Minerva 106. 160 

Dens invictus Mithras 9. 

* Numen 23. 

Numina Augustorum, Juppiter opti- 
mus maximus, Fortuna, Vesta, — , 
Lares, Penates 2. 

Numina castrorum 17. 

Nympae 12. 

Ollogabiae 5. 6. 

* Orientalischer Gott 19 ; ein solcher 
conservator genannt 17. 

Penates 2. 

Pietas legionis et honos aquilae 15. 

* Dens invictus SoL, imp. Caes. M. 
Aurel. etc. 14. 

Suleviae 8. 
Tutela loci 7. 

* Vesta 2. 
Wocheiigötter 186. 



161 — 



4. Öffentliches Leben. 



A. Kaiser und ihre Familien. 



t Drusus (t 9 V. Chr.) 238. 

Claudius (41 — 54 ; Inschr. v. J. 43) 
117. 

Traianus (98—117 ; Inschr. v. J. 99?) 
26. 

Hadrianus (117—138; Inschr. v. J. 
122) 27. — t 219. 

Antoninus Pius (138 — 161 ; Inschr. 
V. J. 140) 106. 

Commodus(180-193; Inschr. zw. 191 
und 193) 101. 

Septimius Severus (193—211, z. T. 
mit einem oder zwei Söhnen zu- 
sammen) 2. 24. (Inschr. v. J. 197) 
120. (v. J. 202) *18. (v. J. 204) 
25. 

lulia Domna (t217 n. Chr.; Inschr. 
zw. 213 u. 217) 13. *25 



Caracalla(198— 217; Inschr. v. J.202) 
* 18. (V. J. 204) 25. (y. J. 212) 16. 
(v. J. 213 od. etw. später) 14. (zw. 
213 u. 217) 13. Femer 2. * 24. — 
leg. XXII Antoniniana 13. 16. 119. 

Geta (209-212). Sein Name aus- 
gemeisselt: 25. Vergl. auch 2 u. 24. 

Alexander Severus (222—235. Inschr. 
V. J. 229, Name ausgemeisselt) 15. — 
(Legionsbeiname getilgt) 15. 17. 

Gordianus Pius (238— 244 ; Inschr. v. 
J. 242) 1. — Mattiaci Gordiani 109. 

Tranquillina (Gordians Gemahlin) 1,B. 

Valerianus (254—260) mit Gallienus 
zus. (Inschr. v. J. 255) 111. 

Kaisemame getilgt (Alexander Seve- 
rus) 15. 17. (Geta) 25. 





B, Konsulate. 




140 n. Chr 


. imp. Antoninus III 106. | 215 n. Chr. Laetus et Cerialis 104. 


1^6 « « 


Erucius Clarus II et Clau- 


229 „ , 


d. n. Alexander III et Dio 




dius Severus 106. 




(II) 15. 


157 , „ 


Barbarus et Regulus 106. 


231 , , 


Pompeius et Paelignianus 


192 , , 


Commodus VII et Per- 




115. 




tinax II 106. 


242 , „ 


Atticus et Praetextatus 1. 


202 , , 


duo Augg. Severus III et 


255 , „ 


Valerianus III et Gal- 




Antoninus 18. 




lienus II 111. 


204 , „ 


CUo et Libo 25. 


258-268 


n. Chr. Censor II et Lepidus 


211 „ , 


Gentianus et Bassus 7. 




II 20. 


212 „ „ 


d. n. imp. Antoninus Aug. 
IUI et Balbinus II 16. 







C. Höhere öffentliche Ämter und Würden 

(abgesehen von denjenigen der Kaiser). 



consularis (= Statthalter) 7. 73. *109. 

* curator censibus civitatium admi- 
nistrandis 1,11. 

* curator (Veientium) 1,15. 
decemvir stlitibus iudicandis 1,8. 116. 
iuridicus (per Calabriam, Lucaniam 

et Bruttios) 1,17. 
legatus (leg. XXII) 131. 132. 
legatus Augusti pro praetoro (Ger- 

raaniae superioris) 14. 15 16. (pro- 



vinciarum Thraciae, Moesiae supe- 
rioris, Raetiae, Germaniae supe- 
rioris et Brittanniae) 108. 

legatus Caesaris Augusti (legionis . . .) 
116. 

legatus pro praetore (Germaniae supe- 
rioris) 117. 

missus adversus hostes publicos tiro- 
nibus legendis et armis fabrican- 
dis 1,1B. 



— 162 



praefectus frumenti dandi plebi ro- 

manae 1,14. 
* praefectus praetorio 106. 
quaestor 116. 

quaestor pro praetore 1,10. 
praetor 116. 
sevir turmae I eqtiitum romanoruml,13. 



tribunus 10. (leg. XXH) * 15. 

tribunus militum (leg. I Min. et 
* XXX IJlp.) in quo vices legati 
sustinuit 1,9. (leg. X . .) 116. Vergl. 
118. 

tribunus plebis 116. 



5. Das Kriegswesen. 



A. Bürgerheer, 



exercitus Germaniae superioris 114. 
leg. I (centurio) 106. 
leg. I adiut. 36. (coh. V) 123. (coh. X) 
122. (centuria L. Flavi Pudentis) 
30. (c. D. Juni Verecundi) 31. (c. 
C. Porci Valentis) 32. (c. M. Sili 
lanuari) 33. (c. L. Valeri Modesti) 
34. (c. C. Vetti Paulli) 35. — * 124. 
(seplasiarius) 21. 
leg. I Min. (tribunus) 1,9. 
leg. im Mac. (mües) 43. 44. * 45. *46. 
leg. VIII Aug. (miles) 47.(centurio)106. 
leg. XIII gem. (centurio) 106. 
leg. XIIII 41. (veteranus) 48. (cen- 
turia luü . . .) 39. 
„ gem. 37. (miles) *49. *50. 
(*eques) 126. 
„ „ gem. Mart victr. (centuria 
Caecili) 85. (c. Corneli 
♦Capitonis) 38. (coh. II. c. 
luli Sedati) 40. 
leg. XX 111. 

leg. XXII 24. 26. 125. (* miles) 105. 
127. (miles pecuarius) 72. 
(* custos armorum) 51 . (pri- 
mi ordines et * centuriones 
et * evocatus) 25. (* signifer 
et tesserarius cum dupli- 
cariis) 103. (centurio) 107. 
(tribuni militum) 19 u. 118. 
„ j, primig. (miles) 54. 55. 
(eques) 53. 



leg. XXII pr. p. f. 42. (miles) 52. equi- 
tes u. deren qnaestores) 115. 
(tesserarius; 51. (sbrator 
consularis) 114. (librarius 
legati) 131. (beneficiarius 
legati) 132. (* evocatus, 
ordinibus adscriptus in X 
pili prioris ob virtutem 
viritim successit, centurio 
— annos meruit) 106. — 
(genius 113.(hono8 aquilae) 
18. 112. 113. (bonos vir- 
tusque) 120. 

j, „ pr. Alexandriana p. f. (pie- 
tas et bonos aquilae) 15. 
(bonos) 17. 

„ „ Antoniniana pr. p. f. 119. 
(bonos) 13. (aquila) 16. 

„ „ pr. p. f. Gordiana (legatus) 
1,18. 

* leg. XXX Ulp. (tribunus) 1,9. 
Unbestimmbare Legion, (centurio) 

106. (tribunus militum und legatus 
Caesaris Augusti) 116. (centuria 
Calpumi Maximi) 164. (c. Claudi 
Secundi) 63. (c. Octiumei) 164. (c. 
Virei und c. Vet. .) 84. 

* coh VII praetoria (miles, princi- 
palis, exactus, tesserarius, optio, 
signifer, beneficiarius praefecti prae- 
torio) * 106. 



B. Hilfstruppen, 



coh. III Delmat. (miles) 57. 
coh. I sagitt. (missicius) 5(). 
coh. Thrac. (* miles) 58. 
ala I Flav. (missus) 129. 



ala II Flav. (* eques) 60. 

ala Hispan. (eques) 59. 

ala Noric. (* eques) 128. 

Mattiaci Gordiani (comicularis) 109. 



— 163 — 



C. Niedere militärische Rangstufen, 



beneficiarius (consularis) 7. 73. (legati) 
132. (* praefecti praetorio) 106. (tri- 
buni) 66. 

centurio 102. (leg. I, VIII, XIII etc.) 
106. (leg. XXII) 107. — 
* centuriones (coh. I, leg. XXIIJ 25. 
— Vergl. 154. 164. (leg. I) 30—35. 
(leg. XIIII) 38-40. 85. 

cornicularius (Mattiac. Gord.) 109. 

*ciistos armorum 51. 

decurio (alae Indianae) 74. 

duplicarii 103. 

eques (leg. XIIII) *126. (leg. XXII) 
*61. 53. (al. Hisp.) 59. (al. II Flav.) 
*60. (al. Noric.) 128. — equites (leg. 
XXII) 115. (romani) 1,13. 

♦evocatus (leg. XXII) 25. 106. 

* exactus (coh. VII praet.) 106. 

* ex custode armorum 51 . 
ex signifero (leg. XIIII) 48. 
ex trecenario 16. 



librarius legati 131. 

mües (leg. IUI) 43. 44. *45. *46. 

(leg. VIII) 47. (leg. XIHI) 49. 50. 

(leg. XXII) 52. 54. 55. * 105. 114. 

127. (coh. VII praet.) 106. 
milites (exercitus Germaniae supe- 

rioris) 114. 
miles pecuarius (leg. XXII) 72. 
*optio (coh. VII praet.) 106. 
primi ordines (leg. XXÖ) 25. 
primus püus (leg. XXII) 15. *16. 17. 

18. (19. u.) 118. *106. 112. 

* primus pilus ex trecenario 16. 

* principalis (coh. VII praet.) 106. 
quaestores (equitum) 115. 
seplasiarius (in leg. I) 21. 

* signifer 103. (coh. VII praet.) 106. 
strator (consularis) 109. 
tesserarius (leg. XXII) 51. 103. (coh. 

VII praet.) 106. 
veteranus ex signifero (leg. XIIII) 48. 



D. Soldaten-Abschied. 



* ex custode armorum 51. 
ex signifero (leg. XIIII) 48. 
ex trecenario 16. 
missicius (coh. sagit.) 56. 



missus (ex ala I Flav.) 129. 
quondam primus pilus 15. * 18. 
veteranus ex signifero (leg. XIIII) 
48. 



(). Bürgerliches Leben. 



A. Tribus. 

Aniensis (Vercellae) 50. 

*106. 
Camilia (Alba) 43. 
Fabia 1,7. 

Galeria (Nertobriga) 44. 
Papiria (Narbo) 127. 
Publilia 61. 
Quirinal3.* 96. (Lindas) 

112. 
Teretina (Atina) 16. 
Veturia (Placentia) 48. 
Voltinia 49. 62. 126. 

B. Städtische Ämter 
und Würden. 

decurio civit. Taun. 121. 
tabularius 67. 



C. Handel und 
Gewerbe. 

hospes 2. 

manticulari negotiatores 
117. 



E. Patrone und 
Freigelassene. 

I patrona 75. 
patronus 48. 102. 
liberta 56. 76. 
libertus 75. 102. 



D. Bürger. F. Datumsangaben. 



canabenses 111. 
cives Betasius 60. 
cives (H)elvetius 129. 
cives Romani 117. 
cives Snnielocensos 115. 



202. a.d. VKal. [*Apr.] 
I 18. 

j 211. Idibus lulis 7. 
I 229. a. d. V Kai. April. 

15. 
242. Kai. lulis 1,20. 

September (?) 103. 

12 



164 — 



7. Personennamen. 



A. Die römischen Geschlechtsnamen mit Vor- und 
Beinamen. 



Adn(amius) Sequens 110. 
Primus Aebutius 48. 
Aelius Manlianus 20(). 
Albanius Agricola 115. 
Ammianpus) IJrsus 25. 
* Aniiius Crassus 199. 
L. Antonius Senilicus 

126. 
Ap[ronius] * Sentianus 

103. 
Aquil[inius *MenJsor 136. 
Aq(uilius) Men8[orJ 23. 
Arrpus] 6. 
Q. AtUius 12. 

Atdnius lust 103. 

Attiania TJrsa 70. 
Attillia Euna 72. 
Aurelia . . . rocla 67. 
Aurelius 113. 
T. Aur(elius) Apollinaris 

110 
Aur(elius) Candidus 109. 
Aurelius He[rjmes 105. 
M. Aurelius Metelus 43. 
T. Aurelius Saturnin us 

110. 
Caecilius 85. 
Caerellia Germanilla 108. 
(^laerellius Marcianus 108. 
CalpvUrnius) Maximus 

154. 
[Ca]lvis(ius) Primus 25. 
[Sex(tu8) Catius] Clemen- 

[tinus] 17. 
Clau(dius) [S]ecundus 63. 
[Cl(audius) Seve]rus 106. 
y. Clodius 50. 
Ij. Cominius PoUentinus 

71. 
L. Corelius 151. 
[Corjnelius [Capjito 38. 
bativius Victor 121. 
*I)oomartius 157. 
Doinitiii Salvia 70. 
li. Domitius lulianus 15 

(zweimal). 
Domitius Salvianus 70. 
Domitius Frsus 70. 
Kirn(atius) VU^ax !()(> 
Eru'<*(ias) Claras] 106. 
L. Kabius * Kabius 44. 



L. Otacilius Fabricius .... 

116. 
! Fer8(. . . .) Sabinus 164. 
, L. Flavius Pudens 30. 
! t Florentius 222. 

* Fron tinus) 185. 

Hostilia Alpina 8. 

C. Hostilius Satuminus 8. 

lan(uarius) 159 

lulius 39. 

L. lulius B . . . . 29. 

C. lulius Hastaius 56. 

lul(ius) Hispan(us) 25. 

lulius Ingenius 129. 

lulius Paterninus 74. 

lulius Sedatus 40. 

C. [IJullinius Decimus 51. 
' lunia Lucilla 110. 
j * lunius Crassus 199. 
I Q. lunius Quintianus 14. 
I D. lunius Verecundus 31. 
I Q. L[omu8J 49. 

Lucania Victorina 73. 

Lucilius Hilario 76 

L. Lucr(etius) Secun(dus) 
167. 

Macrinius lulianus 115. 

Mainetius 171. 

L. Maiorius Cogitatus 7. 

C. Mam .... 6. 

Marcellinia Marcella 74. 

Mateniius Perletus 114 

Metonius 85. 

M. Minicius Mar[cel]li- 
[nusj 112. 

Mogetia Quintina 75. 

Musentiuö 85. 

L. Nerius Sabinus 168. 

Octiumeius 164. 

L. Otacilius Fabrit-ius . . . 
116. 

Papirius 102. 

L.Peregrinius Iustinus69. 

IN'rvinciUvS I^omanus 73. 

Pervincius Koiimlus 73. 

[l*lja<'i<iius Curio 11. 

C. Pondus Valens 32. 

P|riva|tia Maximina 10. 

C.[P|ullinius Decimusol. 

Quiotius {So(Min<lus 131. 
132. 



Q(nintinia) Qnintina 53. 
Quintinius Fraendus 75. 
Beginins 61. 
Respectins Respectinus 

72. 
Bespectius Servandus 72. 

* C. Boman[i]us 172. 
Sabineius 86. 

L. SallustiTis Sedatus 2. 
Salutaria Victorina 53. 
Salutarins Victor 63. 
Salutarius Victoriniu 63. 
Satrius Faustus 20d. 
Secundinia Paula 131. 

132. 

Senilia) eta 110. 

P. Septimius 130. 
Servandia Maximina 72. 
Servandius Severinus 72. 
Sexti[lius] Marcfianns] 

106. 
M. Silius lanoarius 33. 
[M. TiUius Rnftia] 16. 
Turrania SuaduUa 76. 
L. Vale .... 211. 
Valerius 181. 
Val(eriu8) Alexander 25 

(zweimal). 
[VJaKerius) Catulus 25. 
L. Valerius Modestus 34. 
C. Valerius Secundns 52. 
Valerius Veranius 52. 
Vena(tius) Satuminus 

103. 
C. Venedius 210. 
C. Vettius PaoUus 36. 
C. Vibius Rnfinus 117. 
Victorpus] 121. 

* Vindius Pri . . . 66. 
L. Vireius Dexter 21. 
Vitalinius Salntaris 53. 

* L. Ulentius 165. 

* T. ülpius 173. 

Q. Voltius Viator 65. 
V[o]lus(iu8) Veras 26. 
.... acidins Curio 11. 
.... lius Lucianus 10. 
.... mia Nigrina 134. 

I . . . rius Rect 1.h7. 

C. ullinius Decimus öl. 
8 Du ... . 17. 



— 165 — 



B. Römische Beinamen, unrömische Namen. 

IH» in eokixe Klammem elngesclüossenea Zahlen beseichnen eognomiMa, die aebat 
Ihrem nomm schon unter A aufgeführt sind. 



fAdalhariiis 229. 
Agricola [115]. 
fAldnaluhus 227. 
Akxander [25, zweimal]. 
Alpina [8]. 
Alpinos 175 
Amoena 56. 
An . . . 13. 

AiMJang TiH 64. 

Aniuuuo 60. 
Annianufi 1,7. 
AnuYa 5. 
Apollinaris [HO]. 
Asper 62. 
Atticns 1,21. 
Aucissa 155. 
t Audolendis 231. 
Avitus 16. 
B . . . . [29]. 
[B]arbaru8 106. 
Bassns 7. 

iBertisindis 232. 
ensas 57. 
t ßoddi 223. 
tBoso 214. 
Camdidns [109]. 
[Capjito [38]. 
Catnlos [25] 54. 
Censor 20. 
Cerialis 104. 
Cao 25 
[C'anis] [106]. 
Clemeii[tinu8] [17]. 
Oogitatus [7]. 
Curio [11]. 
tDalina 214. 
Decimns [51]. 
*Deomartas 157. 
Deiter [21]. 
t Dructacharius 230. 
t Drusus Gennanicus 238. 
Du .... 17. 
t Duda 225. 
* Fabius [44]. 
Faustus [209]. 
[F]loreiit(inu8) 25. 
t Florent(iu8) 222. 
*Fron(tiims» 184. 
Fruendus [75]. 
<jamuxperus 64. 
[6emellian]a8 162. 
Gentianus 7. 
GermaniUa [108]. 
tGrulilo 224. 
HMtAins [56]. 



, He[r]me8 [105]. 
Hüarius [76]. 
Hispan(u8) [25]. 
Iwiuarius [33]. 159. 
flngeldus 217. 
Ingenius (. . . uu8?;[129]. 
lovina 160. 
t Ivio 223. 
lolianus [15, zweimal]. 

[115]. 
lust .... [103]. 
lustinus [69]. 
Laetus [104]. 
Lepidus 20. 
Libo 25. 
Luciana8 10. 
LuciUa [HO] 
fLudino 225. 
Macrina 77. 
Manlianus [200]. 
Marcella [74]. 
Marcellinus [112]. 
Marcianus [108]. 
Marina 77. 
Mas8a 129. 
[Mate]m(us) 25. 
Maturu8 77. 
Maximina [10. 72]. 
Maximus [154]. 
Mens[or][23].vergl.[135]. 
Metelus [43]. 
Modestiana 108. 
Modestus [34]. 
Mucurus (?) 152. 
t*Mumula 236. 
*Nero 185. 
Nigrina [134]. 
Nigrinus 127. 
Paelignianus 115. 
Paterninus [74]. 
Paula [131. 132]. 
Paulina 131. 
Paullus [351. 
t Pauta 223 
Perletus [114]. 
Pollentinuö [71]. 

tPo]rapeianus 115. 
^raetextatus 1,21. 

Pri [66]. 

Primit[ival 139. 
Primus [25]. 
fPuasi 223. 
Pudens [30]. 
Quintianus [14]. 
Quintina [53. 75]. 



t Quito 223. 
t Radelindis 228. 
fRandoaldiis 232. 
Eect . . . . [137]. 
*Reginu8 138. 
[Regulus] 106. 



72]. 



Respectinus 
RomanuB [73] 
Romulus [73" 
Rufinus [117 
Rufds [16]. 
Rnna [72]. 
SabinuB [164. 168]. 
Salvia [70]. 
Salvianus [70]. 
Salutaris [53]. 
Satuminus 87. [8. 103. 

HO]. 
Secundus87.[52.63.131. 

132. 167]. 
Sedatus [2. 40]. 
Senüicus [126]. 
♦Sentianus [103]. 
Sequens [HO]. 
Servandus [72]. 201. 
Severinus [721. 
[Seve]ru8 [106]. 
t Siggo 223. 

* Strato 123. 
SuaduUa [76]. 
Suttus 57. 
Titus 64. 

t Unfachlas 226. 
Ürbana 76. 
IJrsa [70]. 
Ursinus 156. 
t Ursu . . . 234. 
Ursus [*25. 70]. 
Valens [32]. 
Veranius [52]. 
Verecundus [31]. 
Verus [25]. 
Viator [65]. 
Victor [53. 121]. 
Victorina [53. 73]. • 
Victorinus [53]. 

* Vividus 161. 
Zosimus 102. 

. da 67. 
. eta [HO], 
ndus 77.^ 
. rocla [67]. 
rus 18. 
scinus 66. 
ÜCU8 79. 



166 



C, Namengebung. 



Praenomenausgesclirieben(Primus)48. 

Praenomen als Einzelname gebraucht 
(Titus) 64. 

Praenomen aus früherem Gentile 
(Flavius) *168. 

Gentile abgekürzt (Adn.) 110. (Aq.) 
23. (Aur.) 109. 110. (Calp.) 154. 
(Clau.) *63. (Egn.) 166. (Fers.) 164. 
(lan.) 159. (lul.) 25. (Lucr.) 167. 
(Sen.) 110. (Val.) 25 dreimal. — 
Durch den blossen Anfangsbuch- 
staben bezeichnet *9. *53. 

Gentile gleich dem Cognomen * 44. 

Doppeltes Gentile 116. 

Gentile der Kinder von dem Cog- 



nomen des Vaters abgeleitet 53. 
*69. 72. 121. 

Gentile des Freigelassenen von dem 
Cognomen d.Patrones abgeleitet75. 

Cognomen gleich dem Gentile* 44. 

Cognomen durch den blossen Anfangs- 
buchstaben bezeichnet * 9. 

Cognomina der Geschwister von 
einem Stamm gebildet 53. *66. 

Cognomina der Kinder nach denen 
der Eltern gebildet, und zwar das 
des Sohnes nach dem der Mutter, 
das der Tochter nach dem des 
Vaters 70; das der Tochter nach 
dem der Mutter 131. 



8. Formelhaftes. 



A. Auf den Altären und öffentlichen Inschriften. 



agentes lustro 103. — * curam agente 

114. 
* concessit fontem et iter actumque 

per possessionem suam ad templum 

29. 
devotissimus numini eins (imperatoris) 

dicatissimus 14. 
dono dedit ob merita 15.('vergl.l6 — 18. 

24). — coUegis dedit dedicavit 

110. — aram dedicatam posuit 20. 
honori aquUae 15. 16. 18. 112. 113. — 

in honorem domus divinae 4. 104. 

121. — honori legionis 17. — in 

honorem legionis 13. — honoris 

virtutisque causa 120. 
in suo 11. 
posuit 114. — publice posuerunt 29. — 

ex voto posuerunt * 103. 111. — 

pro patrono suo posuit 102. 
pro salute imperatoris 101. — pro 

salute dominorum nostrorum impe- 



ratorum 114. — pro salute sua 
suorumque omnium 20. — *pro 
salute atque incolumitate et vic- 

toriis domini nostri totinsque 

domus divinae 1,2. 

Votum solvit 1,19. 12. — votum solvit 
libens merito 7. — votom solvit 
libens laetus merito *23. 105. — 
voto suscepto Votum solvit libens 
laetus merito 21. — (pater) vovit, 
Uli et heredes consummaverunt 121. 
— ex voto posuerunt * 103. 111. — 
vovit solvit libens laetus merito 
9. — ex voto libens laetus merito 
22. — *pro filio libens vovit 10. 

Altarstifter nicht mit Namen ge- 
nannt *9. 

Weihung eines für das Fahnenheilig- 
tum bestimmten Altares durch den 
Statthalter 15 (vergl. 16 17. 2ö). 



B. Auf den Grabdenkmälern. 



Dis Manibus 51. 52. 64. 69. 72. 80. i 

81. *97. 131. *132. 136. I 

Dis Manibus et perpetuae secnritati I 

* 66. ! 

memoriae aeternitatis 73. i 

hie Situs est 43. 48. 49. 54. 59. 63. ■ 

65. 71. 128. 129. liic siti (sitae) , 

sunt 56. 76. — f hie iacet 222. | 

sub hoc lapidtj iacet 80. — f l^i^ j 

quiescot 226. liic qnieseet in paco , 



(223). 224. 225. t in hnnc tituluni 
(titolo) requiiscit 228. * 230. 231. 
232. 233. t in hunc tumolo requiis- 
dt bene memorie 229. — f hie 
pausat 229. — f condita ossa tumn- 
latus propriam subteriacit arcem 
230. fvixit anos 222. qui viiit 
amios 137. f qui vissit annas *235. 
t qui vixit (vixxit) annns (anos) 225. 
226. 232. f qui vixit in pace annus 



— 167 



228. 229. 230. f qui vixit in pace 
aonus . . . filiciter 231. * 233. qui 
vixxit annus . . . feliceter 232. — 
annorum 65. 76. 131. f 223. an- 
norum .... stipendiorum 43. 44. 
49. 51. 54. 59. annorum — aerorum 
48. stipendiorum 52. 

fecit (fecere) 128. 63. faciendum 
curavit (curavere) 43. 44. 52. 53. 
54. 64. 66. 67. 70. 72. 74. 75. 82. 
129. 134. 135. — posuit (posuere) 
58. 65. t226. ftitulum posuit 
(posuere) 225. 223. de suo posuit 
79. — pro pietati dat de suo dat 
138. 

Bezeichnung des Toten: patri caris- 
simo et fratri 135. — ffilius 
230. — filiae 131. filiae karissimae 
134. — co(n)iugi 77. coniugi dilec- 
tissimae adque castissimae, coniugi 
incomparabili 74. coniugi incom- 
parabüi et pientissim(a)e marito 
obsequentissima(e) 132. coniugi 
pudicissimae adque castissimae 73. 



Vergl. 139. — fratri 52. — soro- 
ribus 76. — matronae sanctissimae, 
patron(a)e optimae in se pietatis 
et reverentiae 75. — f bone (bene) 
memorie 228. 229. ♦ 234. — f cuius 
anima gaudet in caelo 227. 

Bezeichnung des Stifters : f pater 226. 
patres 131 f meseri parentes 230. 
mater et pater 65. — mater 134. 
— coniunx filiae et heredes 67. — 
coniunx et filii 70. — filii et nepotes 
72 — filius 64. — frater et fratris 
Uli *66. — heres, heredes 43. 44. 
54. 58. 63. 66. 67. 75. 82. * 128. 
129. — libertus et heres 75. 

Veranlassung: iussu eins 74. — testa- 
mento fieri iussit 61. — ob in- 
mensurabilem pietatem 73. — pro 
pietate 65. 138. — *merito 79. 

Gruss: ave frater 136. 

Wunsch : viator dicat : sit tibi terra 
levis 63. — (filiciter, -eter 231. 
232. *233). 

Gedicht als Grabschrift 68. f 230. 



9. Abkürzungen. 



A annos 136. 

t 5 Amen (?) 218. 

AD, ADI, ADIVT adiutrix 21. 31 u. ö. 

— 32. — 30. 35. 
ADIVT adiutor 85. 
ADN Adnamius (?) 110. 
ADV adversus 1,85. 
AL ala 129. 

AN, ANN, ANNO, ANO annus (anno- 
rum) 43. 54 u. ö. — 49 — 48. 

131. — 59. 
ANI Aniensis (tribus) 50. 
APR, APRIL Aprilis 202. — 15. 
AQ Aquae 28. 
AVG Augustus, Augusti (PI.) 15. 16 

u. ö. — 202. — 2. 
AVR Aurelius 109. 
BP beneficiarius 7. 66 u. ö. 
C Gaius 6. 8 u. ö. 
C cohors 122. 
), > centurio 102. 106. centuria 30 

u. ö. 
C*A custos armorum 51. 
CAES Caesar 14. 24 u. ö. 
CALP Calpumius 154. 
C * C • C trecenarius 16. 
C-C-CIVIT-ADM curator(?) cen- 

8ibus (?) civitatiuiu administrandis 

1.11. 



CHO, CHOR, COH Cohors 40. — 

56. — 57. 
CIVIT civitas 1,11. 121. 
CLAV Claudius * 63. 
COL coUega 110. 
CONS conservator 103. 
COS consul, consules (-ibus) 27. 1,21. 

7 u. ö. 
C • V clarissimus vir 15. 
D Decimus 31. 63. 
t D dies 223. 

I) • D domus divina 1,6 121 u. ö. 
D • D dono dedit, dedit dedicavit 15. 

18. 110. 
DD ' NN domini nostri 113. 
DEC December 202. 
DEC decurio 74. 121. 
tDI dei 218. 
Die dicat 63. 

D • I • M deus invictus Mitliras 9. 
D • I • S „ , Sol. 14. 

D • M dis Manibus 64. 131 u. ö. 
DMA , „ 52. 

D • N dominus noster 15. 16. 
D • S • P de suo posuit 79. 
EE • QQ equites 115. 
EGN Egnatius 166. 
EQ eques 53. 
EXS ei signifero 48. 



i 



— 168 



FEL felii 101. 

F, FIL fiüus 1,7. 16 u. ö. — 15. 18 u. ö. 

FAB Fabia (tribus) 1,7. 

F • C, FAC • CVR faciendum curavit 

52. 53 u. ö. — 64. 
FEB Februarius 202. 
FL Flavius 129. * 168. 
FR jErumentum 1,14. 
G • M • V gemina Martia victrix 38. 

40 u. ö. 
GAL Galeria (tribiu) 44. 
GEM gemina 37. 49 u. ö. 
G • S Gennania superior 15. 
H bonos 120. 
t H hie 222. 223. 
HE helvetius 162. 
HER heredes 67. 
H ' F • C heres faciendum curavit 43. 

44 u. ö. 
H • H • P • P bostes pubüci 1,16. 
HI hie 69. 
H-SE, HICSITEST hie situs 

est 43. 48 u. ö. — 129. 
H-SS hie siti (sitae) sunt 56. 76. 
lAN lanuariu» 159. — 202. 
I * D luppiter Dolichenus * 14. 
IMP imperator 14. 24 u. ö. 
IMPP imperatores 113. 
IN • H • D • D in honorem doums divi- 

nae 121. 
t IN P in pace 223. 
I • • M luppiter optimus maximus 

1. 2. 3 u. ö. 
IVL lulius 1,20. 202. — 25. 
IVN lunius 202. 
IVN- REG luno regina 3. *106. 
KAL Kalendae 1. 15 u. ö. 
L legio 36. 41 u. ö. 
L leuga 28. 
L liberta 56. 76. 
L Lucius 1,7. 7. u. ö. 
LEG legatus 1,10. 1,IK. 
LEG legio 1,18. 17 u. ö. 
LEG • LEG legatus legionis 1,1«. 
LEG • A VG • PR • PR legatus Augusti 

pro praetore 14. 15. 108. 
LIB libertus 102. 
LIB librarius 131. 
L • L libens laetus 9. 
L • L • M libens laetus nierito 7. 21 u. ö. 
L • M libens merito 2. 11. 
M Marcus 33. 43 u. ö. 
M mens (mi) 180. 
MAC, MAC Macedonica(legio)44.-43. 
MAI Maius 202. 
MAR Martins 202. 
MIL miles 43. 44 u. ö. milites 113. 
MIN Mincrvia (legio) l,y. 



MISS missus, missicias 129. 

M ' P milia passamn 87. 

NARB Narbo 127. 

NERTO Nertobriga 44. 

t NM nomine 223. 

NOV November 202. 

OCT October 202. 

fP pax (pace) 223. 

P Publius 130. 

P posuit 102. 

PATR patronus 102. 

P • F • L • V pro filio libens vorit * 1' 

t PO posuit 226. 

P ' P pater patriae 26. 27. 

P * P primus pilus 15. 17 u. ö. 

PONT • MAX pontifez manmiu » 
27 u. ö. 

PRAEF ' FR ' DAND praefectos fri 
menti dandi 1,14. 

PPF, PR-PP, PRIMIÖP-: 
primigenia pia fidelis 51. — 1« 
15 u. ö. — 1,19. 

PR primigenia 13. 54 n. Ö. 

PR praetor 117. praetorins 1C6. 

PR provincia 108. 

PR • PR pro praetore 1,10. 14. u. < 

PVB Publilia (tribus) 61. 

t Q quiescit 223. 

Q Quintus 9. 14 u ö. 

Q Quintinia * 53. 

QVIR Quirina (tribus) 112. 

Q PR • PR quaestor pro praetoro 1. 

QQ quaestores 115. 

Q • V • A qui vixit annos 136. 

S suus 102. 

SAGI sagittarii 56. 

SEN Senilia (?) HO. 

SEP September 202. 

SP Spurius 71. 

S • S supra scriptus 17. 113. 

STIP, STVP stipendia (stupc 
43. 49 u. ö. — 69. 

STLITIB • IVDIC [decemvir] stf 
iudicandis 116. 

T Titus 76. HO. 

T (=1) primus 129. 

TES tesserarius 103. 

T • F • I testamento fieri iußs 
i TI, TIB Tiberius 117. — 1' 
i t TIPO titulum posuit 226. 
i fTNODAEMR tueatur nc 
1 potens deus aetemus mund 
: TRIB tribunus 10. 116. 
: TRIB • PLEB tribunus plel 
! TRIBPOTtribuniciapotes^ 
i VAL Valerius 52 (dreimal 
! V • F utere felix 168. 

VI viator 63. 



169 — 



\yr|C Yices 1,10. 

^OL Voltinia (tribus) 126 u. ö. 

V • S • L ■ M Votum solvit libens merito 
2. 11. 

V • S • L • L * M Votum solvit libens 
laetus merito ^1. 

VT utere 157. 



Abkürzung bricht mit d. Ende statt 
mit d. Anfang der Silbe ab : CHO 
40. NERTO 44. SAGI 56. CLAV 
♦63. D • MA 5ä. TI 117. HE 162. 
VALE 211. 



Abkürzung bricht vor dem letzten 
Buchstaben ab: AERORV(m) 48. 
PIETAT(i) 65. COIVG(i) 77. LE- 
GIONI(s) 113. ETATI(s) 131. SIS- 
TRV(m) 166. M(i) 180. 

Bezeichnung des PluraUs durch Wie- 
derhohmg des Anfangsbuchsta- 
bens; QQ quaestores 115. H*HP-P 
hostes pubüci 1,15 ; durch Wieder- 
holung der b e i d e n Anfangsbuch- 
staben : EE • QQ equites 115. — Be- 
zeichnung des Pluralis fehlt : AVG 
Augusti ^; COS consules l,*^! u. ö. 



10. Grammatisches und Orthographisches, 



Apex 13. 14. 102 (zweimal). 114 
(zweimal, einmal irrtümlich). Vergl. 
71. 

Sicilicus 114. 

aerorum für aerum 48. 

ala (Abi. wo später der Gen. üblich 
ist) 59. 

t in m. Acc. auf d. Frage wo?: in 
hunc titulum 233. in hunc titolo 
228. 281. 232. in hunc tumolo 229. 

t qui für quae: 228. 231. 232. 

Constructions- Wechsel: 71. f 230. 
VergL 21. 



zur Silbentrennung: Sat-urninus 8. 
H-astaius, Amoen-a 56.PolIent-inus 
71. Qu-ietius 131. Sec-undus 132. 
Serv-andu-s 201. G-rutüo f 224. 
aim-us t226. Radelindi-s, annu-s 
t228. 



griechische Inschriften: 147. 195. 197. 



a fftr ae : obsequentissima (keltische 
Form des Dativs neben der latei- 
nischen? vergl. Hettner, Stein- 
denkm. Nr. 191) 132. 

d far t: adque 73. 

d geschwunden: stipeniorum 51. 

e Ar ae: etati infelicissime 131. Paule, 
pientissime 132. Quintine, patrone 
75. Minerve 160. f bone 232. fbone 
memorie 228. f bene memorie 229. 
♦234. 

e für i: matre 13 (verhauen), luce 
68. t qniescet 224. 225. 226. f lii- 



veHs, meserorum 230. f [feKc]- 

eter 232. 
t e für : bene 229. * 234. 
t eo für heu : 230. 
f für ph; sarcofagufl 71. 
h geschwunden : Nympis 12. ave 136. 

t Adrianus 219. f oc, eo 230. 
t i für e : (pietati 138 wohl nur aus 

Platzmangel für pietate, vergl. 71). 

ficit 217. milix 222. requiiscit 

228—232. flivelis, evinit 230. fili- 

citer 231. 
i für u (verhauen): Ingenius 129. 
i überhöht: 15. 25. 53. 70. 101. 108. 

115. 117. 120. 121. 
k für c : karissime 134.(Kal.l,ao. 15.18). 
I geschwunden: Metelus 43. 
m geschwunden : titolo 228. 231. 232. 

tumolo 229. 
n geschwimden: coiugi 77. sities 186. 

anus 1 132. 
fo für u: titolum 225. titolo 228. 

231. 232. tumolo 229. 
p für ph: Nympis 12. 
s geschwunden: teserarius 51. misi- 

cius 56. 
tss für x: viasit 235. 
u für i: stupendia 59. 
t u ftir : numine 218. imperatur 219. 

annus 225. 226. 228. 230. 231. 

anus 232. 
t V für b : flivelis 230. 
t X für s : müix 222. 
t X verdoppelt : vixxit 232 (zweimal). 
Consonanteii- Verdoppelung beseitigt : 

Metelus 43. teserarius 51 . niisioius 

56. fanus 232. 
Ausfall von Vokalen und Silben (über- 
all wohl aus Versehen): incohnitate 

7. Verdis 50. Maticorum lOi». 



— 170 — 
11. Palaeographisches. 

cursive Vorlage missverstanden 9. 44. I Verhauungen (besonders) 9. 44. 72. 

Vergl. 1 216. f 219. f 220. | 132. 134. Vergl 13. 200. 

inschriftartige Verzierung 1 21 6. t2B6. | f deutsche Runen 214. 215. 

Bemerkenswerte Buchstabenfformen. 

(Da hier fast nur mittelalterliche Inschriften berücksichtigt sind, ist von einer 
besonderen Bezeichnung derselben abgesehen.) 

A 219. 220. /l 247.^^218. /\22d. 226.229. /\ 223-233. 
A 186. A 226. A 1-^ 227. [^249. — P 230. § 232. 
C L 227. 228. Uä 232. 239. ü 247. 249. — D 230. 232. 227. 0238. 
P 230. 231. 232. [7^218. 228. cG 242. G 221. 227.241.244.245. 
C ^ 243. Vi 249. Q 253. - 1 222. f 226. T 230. 231. J^ 247. 
b 239. S 217. C 222. C^G^ 223. V% 224. 249. Om. 
ri 242. h n 227. V247. 1? 249. — A 224. 243. — T 134. 111 
\ 222.225. X 224. L L 227. 'S 228. r^ 230.231.232.233. 7^243. 
11 218. 228./^ 219. II 1/220. QP 227. 9x247. CO243. 10249. 
H 227. Vi 219. IC 249.- OV 227. V*22& 229. 230. 231. 232. 
F 230. 231. I r-' 227. 1226. 

Ml 228. "229. ^230.231.HW232.^223.S 224.0. 226. O239. 

K 226.231. K227.228.K224. Pv 230-234. R 221.222.11219.11220. 

ü 227. 1217.— *T^230. ^232J233. 1217. I 222. A 224. V 249. 

A \ 232X^23.224. VÜ227. U 225. 226. ¥245.- V 223. 



171 



letzige Aufstellung der Steindenkmäler. 

idenkmäler befinden sich fast ausnahmslos in der grossen nach dem 
3,tz gelegenen Halle. A l = Abteilung 1, bedeutet den Baum vor der mit 
leten neben der Eingangsthür befindlichen Wand, F 1 = Fenster 1, den 
* dem darauf folgenden Fenster der Hofseite. Entsprechend A u. F 2-8. 
k, in Kopfhöhe an der Wand angebracht ; 8 = Steinsarg, Gestell auf 
chen; 8ohr ^ Schrank; 1 und r = links und rechts vom Mittelgang, 
vom Standpunkt des Eintretenden aus.) 



W 
W 



B 

B 

ehr 

W 

W 

W 

F21 W 

■. 118) 



ehr 
B 

W 
V51 

W 

^5r W 
A5r 

W 

^ 5 r W 
A61 

A 4r 



48 A 4 r W 

49 u. 50 A 6 r 
51 u. 52 A 4 1 W 

53 nw. Schmalw. 

54 A 4 1 W 

55 F 4 1 S 

56 F 4 r 

57 A6r 

58 F 5 r W 

59 A 4 r W 

60 F3r 

61 A 6 r W 

62 F 5 r W 

63 A41 

64 A 4 1 W 

65 A4r 

66 A6r 

67 F4r 

68 A 6 r W 

69 Fll 

71 A6r 

72 F41 

73 F3r 

74 F 4 r 

75 A6r 

76 A 4 1 W 

77 A6r 

78 F 4 1 S 

79 F 5 r W 

80 F 5 1 S 

81 A IIW 

82 F 5 r 

83 A 8 r W 

84 F 1 r 



85 bei d. röm. 
Kleinalter- 
tümern 

86 A31 

87 A 6 r W 

88 A4 1 

89 u. 90 A 5 1 

91 (s. Nr. 128) 

92 A 5 1 S 

93 u. 94 F 4 1 S 

95 A 5 1 W 

96 A 6 r W 

97 F 4 1 S 
98—100 A 5 1 S 

101 A 3 r 

102 A 2 r W 

103 F 2 r 

104 F 1 r 

105 A 2 B 

106 A 3 1 

107 A 2 r 

108 F 2 r 

109 A 6 r W 

110 F 2 r 

111 F 1 r W 

112 F 1 1 

113 F 3 1 

114 u. 115 A 3 r 

116 F 3 r 

117 A 5 1 W 

118 A 3 r 
119U.120A51W 

121 A 5 1 

122 u. 123 A 5 r 



124 A 5 1 W 

125 A 5 r W 

126 A 4 r 

127 A 4 1 

128 A 4 r W 

129 A 4 1 W 
130—132 A 4 1 
133 F 3 Sehr 
134—136 A 4 1 

137 A 6 r 

138 A 4 1 

139 A 5 r 

140 A 5 1 W 

222 A 7 r 

223 A 7 1 

224 A 7 r 

225 A 7 1 

226 A 7 r 

227 u. 228 A 7 1 
229 u. 230 A 7 r 

231 A 7 1 

232 F 7 r W 

233 A 7 1 
234—237 A 7 r 

238 A 6 1 W 

239 A 7 1 W 
241 A 7 r W 
242— 247 ASrW 

249 A 8 m 

250 u. 251 FBI 
252U.253A81W 
254 Hof, vor F 8. 



BericJtitigtaiigeii. 

bij^esehen von eiiiij,a*n Kleinigkeiten bittet man folgende Fehler zu 
n : 

ist der letzte Satz der ersten Anmerkung: „dafür dass— ein- 
gf e h a u e n ist" zu streichen. 
Z. 1 lies Antoninus st. „Antoninius". 
ist ersetzt durch Xr. 118. 

ist in der lat. l Inschrift Z. 7 v. u. wahrscheinlich Ammian(ius) zu 
ergänzen st. .,Ainniian(us)", ebenso ist in der deutschen Übersetzung 
auf der iiäclisteu Seite Ammianius zu lesen. 



— 172 — 

Nr. 31 Fundort: Münsterthor, linke Seite (nach Fuchs, I. 112). 

Nr. 45 Anm. Z. 10 lies: Strassburg st „Vindonissa (j. Windisch in 

der Schweiz)". 
Nr. 47 Anm. Z. 1 lies: „in der ersten Zeile" und Z. 6 ff. lies: „beide 

haben nicht in Mainz gestanden, sondern in Strassburg, jene 

von 14 — 43, diese von 70 an sehr lange Zeit". 
Nr. 49 Anm. letzte Z. lies : „Qaudius (41—54)". 
Nr. 55 Fundort: Gutenbergsplatz. 
Nr. 59 Anm. z. Z. 2: ala steht insofern nicht für alae, als der Ablativ 

Absicht und auf älteren Steinen Regel ist. 
Nr. 70 zweite Anm. Z. 2 lies zweimal: Cognomen st. „Gentile". 
Nr. 75 Z. 1 der lat. Umschrift lies: Quintin{a)e matronae 8anetis8i{mae). 
Nr. 91 ist ersetzt durch Nr. 123. 
Nr. 114 Anm. Z. 3 lies: Sicilicus st. „Silicus". 
Nr. 219 müsste auf der Abb. das m in Imperator die in der Buchstabentafel 

am Ende dieser Schrift unter Nr. 219 wiedergegebene Form haben; 

der auf der Abb. dem p vorausgehende Punkt ist mit dem Kopf 

zu verbinden und gehört zum Lorbeerkranz. 



Schlusswort- 



Der erste Teil dieser Schrift, Nr. 1 — 100, erschien zu 
Herbst 1897 als Programm-Abhandlung des hiesigen Gymnasiums, 
die für den nächsten Winter beabsichtigte Herausgabe des 
Schlussheftes verzögerte sich aus mancherlei Gründen bis in das 
neue Jahrhundert. In der Zwischenzeit stellte sich eine Erweite- 
rung des ursprünglichen Planes als wünschenswert heraus und es 
wurden deshalb nicht nur unsere mittelalterlichen lateinischen 
Inschriften aufgenommen, sondern auch ein paar griechische und 
sogar zwei Runen-Inschriften. Zu dem ursprünglichen Titel 
passt das nun freilich nicht, doch wird man mich hoffentlich 
entschuldigen. Die in der Vorrede genannten Herrn von 
Domaszewski, Gundermann imd Zangemeister haben 
mich auch bei Bearbeitung der zweiten Hälfte durch wirksame 
Unterstützung zu Danke verpflichtet. Von den neu hinzu- 
gekommenen 135 Abbildungen beruhen diejenigen der Stein- 
denkmäier sowie der Buchstaben - Tafel auf Zeichnungen des 
Herrn Heinrich Wallau, der auch die betreffenden Cliches 
dem Vereine stiftete. Die übrigen Abbildungen sind unter meiner 
fortwährenden Aufsicht von dem Hilfs-Conservator des Alter- 
tumsvereines, Herrn P. Th. Kessler gezeichnet worden. 




3 




I 



2044 050 629 171 



I 



This book should be returned to 
the Library on or before the last date 
stamped below. 

A fine is incurred by retaining it 
beyond the specified time> 
Please return promptly. 



1 



I